Anime-Rezensionen

Diese Seite listet alle Anime-Rezensionen unserer Mitglieder in der Reihenfolge auf, in der sie veröffentlicht wurden.

Anime Rezensionen

Kashisu to Aruru no Monogatari

Avatar: Asane
Redakteur
#1
Bisher habe ich nur 3 der 5 Minuten gesehen. Um nicht die Details zu vergessen, hier eine grobe Review zu dieser OVA. Das ganze wird natürlich noch aktualisiert.

Wenn ich jetzt nicht vollends den Überblick verloren habe, gibt es von "Cassis und Arles" zwei Fassungen: eine knapp dreiminütige, die die 4 Werbeclips, von denen jeder bestenfalls eine halbe Minute lang ist, aneinanderkettet – sowie eine etwas ausgearbeitetere Version, die gut 5 Minuten dauert. Und die auch den Reiz hat, daß die einzelnen Abschnitte der Handlung (wenn man diese punktuellen Szenenfragmente denn so nennen kann) in achronologischer Reihenfolge verknüpft werden.

Auf diese enhanced version, bei der vorn und hinten noch mächtig Stimmungsvolles zugebuttert worden ist, bezieht sich die vorliegende großherzige Review.

[Edit: kleines Update:]

So erlebt man also die kleine Cassis als begeisterte Brotverkäuferin, für die es die größte Freude auf Erden zu sein scheint, anderen Menschen Glück in Form von frischem Brot zu reichen. Anfangs als eifriger Lehrling in einer Bäckerei fern der Heimat und schließlich in der Begegnung mit ihrem – selbstredend warmherzigen und kunstliebenden – Traumprinzen, der ihr alleweil selig und blondäugig entgegenlächelt. Und der größte Fehler an der ganzen Szene ist eigentlich, daß ich das nicht bin.



Das Artwork wie auch die Aufmachung strahlen eine Warmherzigkeit und Naturliebe aus, wie man es im Grunde nur von Ghibli gewohnt ist. Und siehe da, der Text auf Youtube verrät:

Produced by Yoshiharu Sato, who has worked as image director for works such as the world masterpiece "Romeo's Blue Sky" and Ghibli studio film "My Neighbor Totoro", and Yamashita, who is the director of "Howl's Moving Castle". Mr Akihiko.

Kein Wort wird gesprochen in diesen wenigen Minuten, und es wäre auch jedes Wort zuviel, die Bilder erzählen alles, im Dialog mit der Musik, die beredter und erfrischender als jede Sprache diese Szenen durchwirkt, und welche Sprache der Welt könnte schon dieses Lächeln aus tiefstem Herzen und sonnigstem Gemüt besser beschreiben als die gnadenlos schöne Landschaft, die es reflektiert?

So erleben wir zu Anfang ihre Träume vom Glück der Hochzeit mit dem blonden Schönling, der man selber nicht ist, umrahmt von den versammelten Gästen, die man schon von den einzelnen Clips her kennt, sowie nachfolgend dem heiteren Leben auf dem Land, gediegen romantisch mit wohlerzogenem Sohn und treuem Hund – eine Szenerie, überschwemmt mit der Farbenpracht und Detailfreude, die eines Ghibli-Films in der Tat würdig ist.
Diese kleine Träumerei als Ausblick in eine hoffnungsvolle Zukunft bildet also zu Beginn den Schlussstein einer kleinen, enorm kurzgefassten Liebesgeschichte einer Bäckerin, deren Lebensweg als Aushilfe, dann als Lehrling bis zur beruflichen Eigenständigkeit nun erzählt wird, angesiedelt in einem unglaublich sympathischen Bergstädtchen mit ebenso unglaublich sympathischen Einwohnern, deren Lebenslust und Gutmütigkeit sich im mediterranen, wolkenlosen Sommerhimmel spiegelt, der seinerseits wiederum das Herz des Mädchens erfüllt. Mit dieser Freude im Herzen schwingt sie sich auf ihr Fahrrad und trägt das Brot aus, das, in böse Plastikfolie verpackt, in ihrem Korb liegt, radelt durch Feld und Flur, vorbei an Rispen und Roggen, und fährt dabei, von einem gütigen Schicksal geleitet, ihrer Liebe über den Weg. Ach, wer da mitradeln könnte!

Allüberall meint man unmittelbar die Wärme dieses provençalischen Städtchens* zu spüren, den Duft der Wiesen und den noch kühlen Hauch des Frühlings, und man ahnt die Schlabbrigkeit des Brotes, das keine Streichwurst verträgt, ahnt das heillose Gebrösel und nimmt all das auf sich, da man das schönste Mädchen der Welt um sich weiß und dieses Lächeln, das stärker ist als alle Brotkrusten zusammen.

*Es dürfte sich dabei höchstwahrscheinlich um Gordes handeln.



Die kleine, nur wenige Sekunden dauernde Winterepisode ist wohl der älteste Teil dieser Schnipsel, stilistisch noch nicht ganz rund, harmoniert daher nicht so nahtlos mit den späteren Abschnitten. Der erste Eindruck war: da kommt ja Heidi aus der Tür! – Apropos Heidi: Wie fast schon zu erwarten, werden auch einige versteckte Referenzen eingestreut. Nicht nur das romantisch-mittelalterliche Setting könnte aus »Das wandelnde Schloss« stammen und das Atmosphärische aus »Stimme des Herzens«, auch die kleine Szene mit der steilen Außentreppe erinnert stark an die entsprechende Stelle aus dem »Königreich der Katzen«, und welch ein Zufall: auch hier spielt ein Traumprinz eine wesentliche Rolle! Dann gegen Ende, auf der Jagd nach dem Glück, geht es über vielerlei Treppen und Himmelsleitern und andere bildgewordene Chiffren, wo auch das berühmte Treppenhaus von M.C. Escher kurz zitiert wird.

Insgesamt wird das Filmchen seinem Gegenstand vollauf gerecht. Es dominiert eine Ausstrahlung von Gelassenheit, Lebensfreude, savoir vivre, wie es beispielsweise auch in Amélie der Fall ist. Hier wie dort unterstützt von recht ähnlicher Piano-Musik, sowie von kurzen, prägnanten Szenenschnitten, hat man Teil an der Welt dieses jungen Mädchens, das so voller Lebenslust und bescheidener Selbstsicherheit optimistisch in eine rosige Zukunft blickt.

Ein wenig zu optimistisch und zu rosarot, um für real zu gelten. Aber hier will man ja auch nicht irgendwie real denken, man will träumen. Und wie das Mädchen selbst nach einem schönen Zukunftstraum in einer erfüllten Gegenwart erwachen.

Woher der Beschreibungstext auf Youtube allerdings diese Infos her hat, die sich aus dem Gesehenen nicht erschließen, bleibt einigermaßen rätselhaft:

The story begins with a 17year-old girl named Cassis who wants to become a baker in a small bakery like her mother. One day, she meets a boy named Arles is a student of architecture from Paris traveling Europe for research. They are fall in love with each other. She grow up in many meetings while falling in love and pursuing her dreams. But Cassis soon leaves for a bigger city to begin her apprenticeship as a baker…


Fazit: von diesen hübschen zwei beiden samt diesem Setting hätte ich gerne eine kleine Serie!
Beitrag wurde zuletzt am 06.03.2021 um 19:11 geändert.
    • ×1
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
1× Empfehlungen erhalten

Mushoku Tensei: Isekai Ittara Honki Dasu

Avatar: Ich&Anime#2
Bisher existieren nur 8 Folgen, die ich alle sah. Um nicht die Details zu vergessen, hier eine grobe Review zu diesen Folgen. Das ganze wird natürlich noch aktualisiert.

Das Prinzip "Typ, der sich sein Leben lang einsperrte, ist einmal draußen, rettet dabei Leben, kommt dafür aber selbst um" ist alt bekannt. So oder so ähnlich beginnen zahllose, meist weniger einfallsreiche, Anime. Doch wie sieht es hier aus?

Ich weiß es nicht. "MUSHOKU TENSEI: JOBLESS REINCARNATION" hat durchaus seine Glanz Momente, aber nicht wirklich etwas Neues. Das einzige halbwegs Einzigartige ist das Aussehen, dass zwar neu ist - also nicht aussieht wie ein Anime von vor 5 Jahren - gleichzeitig aber eine alte, also Mittelalterliche, Atmosphäre ausstrahlt.

Meine einzigen Gedanken, wenn ich eine Folge beendete, waren "Und weiter?". nicht im positiven Sinne, dass die Folge so spannend war, dass ich unbedingt mehr wissen wollte. Der Anime redet wie ein Wasserfall, aber hinter den Worten steckt kein Inhalt. Ich hab nicht die geringste Ahnung, was das Ziel der Story ist oder auch nur in welche Richtung die Story geht. Bisher wurden immer wieder nur einzelne Ansätze einer Story in den Raum geworfen - der Protagonist wollte zur Schule, lernt Magie oder Unterrichtet diese - aber diese Elemente waren nie mehr als ein sehr loser roter Faden, der die Handlung irgendwie verband. Das klappte bisher recht gut, aber langsam sollte mal etwas kommen. Nur befürchte ich das Gegenteil, immerhin lieferte die Achte Folge einen weiteren Story-Schnipsel, um den es vielleicht gehen könnte.
So habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was der Anime eigentlich will und mich geärgert, dass er nicht in die Pötte kommt. Aber nicht im Sinne von vergehender Zeit, sondern von Storyfortschritt: Die 8 Folgen handeln von 10 Jahren, zwischen den Folgen werden Teilweise mehrere Jahre übersprungen, was meist so unauffällig ist, dass es direkt gesagt wird. Und ich mag diese Inkonsistenz der Zeit nicht, vor allem wenn es so oft geschieht und teilweise auch kein Grund dahinter steckt.

Lobend erwähnen muss ich noch die Charaktere: Sie sind allesamt sehr stereotypisch und immer pervers, was wohl irgendwo normal im Mittelalter war. Das besondere: sie nehmen keinen Blatt vor dem Mund: der eine geht fremd, der nächste schnitz Figuren von Frauen, die er stalkt (natürlich in einer Angezogenen- und einer Nacktversion), der nächste rammelt vor dem 8 Jährigen Protagonisten ein Hasenmenschen und sagt nicht einmal was.

Alles in allem ist der Anime bisher oberer Durchschnitt. Ich sehe Potenzial, aber nur, wenn es jetzt langsam mal anfängt zur Sache zu gehen.
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×2

Takahashi Rumiko Gekijou

Avatar: Slaughtertrip
Redakteur
#3
Rumiko Takahashi, bekannt geworden durch RTL2-Klassiker* wie »Inuyasha« oder »Ranma ½«, hat natürlich noch viele weitere Werke in ihrer Vita stehen. Viele davon sind in sich abgeschlossene Kurzgeschichten, die in animierter Form ihren Weg in diese Kompilation gefunden haben. Doch wer auch hier viel Action und Fantasy erwartet, der wird nicht enttäuscht – nein, denn dafür sind die Geschichten zu gut –, sondern überrascht sein. All diese Elemente müssen nämlich dem schnöden Alltag weichen. Es werden Geschichten erzählt, die – zumindest in ihrer Grundprämisse – in ähnlicher Form im Wohnzimmer von Nachbarn X oder von Nachbarin Y stattfinden könnten, jedoch immer wieder mit Besonderheiten aufwarten, sodass keine Langeweile aufkommt. Nur drei der dreizehn Geschichten verlassen das Terrain der Normalität und machen einen Abstecher Richtung Fantasy. Inhaltlich geht es hier meist um die einfachsten, aber wichtigsten Dinge des Lebens: um die Familie und um die Liebe. Und um Pinguine. Ja, hier gibt es auch Pinguine. Ich liebe diese watschelnden Frackträger einfach.

*Hach, das waren noch Zeiten. Da fühlt man sich irgendwie alt ...

Um vielleicht etwas konkreter auf die Geschichte einzugehen, ohne allzu ausschweifend zu werden:

Episode 01: Die Geschichte einer Familie, die eingewilligt hat, temporär auf ein Haustier aufzupassen, und einer Frau in der Mietervereinigung, welche die Regeln der Hausordnung, in der auch ein Verbot gegen das Halten von Haustieren niedergeschrieben ist, strikt befolgt.
Diese Geschichte ist wohl der optimale Einstieg, um bereits nach der ersten Folge einen durchaus guten Eindruck von der Atmosphäre dieses Anime vermittelt zu bekommen. Die Rollen sind hier klar verteilt: zum einen die Tierliebhaber, zum anderen die Tierhasserin. Oder doch nicht …?

Episode 02: Die Geschichte einer Besitzerin einer Zeremonienhalle und von zwei sich liebenden Personen älteren Semesters, deren bedingungslose Liebe zueinander Ersterer dabei helfen, sich ihrer wahren Gefühle für ihren Exmann im Klaren zu werden.
Hier ist 20 Minuten lang love in the air – und zwar die schönen, nicht so schönen und auch verwirrenden Seiten dieser starken Emotion, welche auch die am logischsten denkenden Menschen im Griff hat wie sonst nur was.

Episode 03: Die Geschichte eines mit Familienproblemen konfrontierten Mannes, der aufgrund eines Unfalls glaubt, 13 Jahre alt zu sein, und einer Oberschülerin, die irgendwie in diesen Unfall verwickelt ist.
Eine der wohl skurrilsten Geschichten. Der Hauptcharakter steht mitten im Leben und ist zu boden- und zu anständig, um im Affekt aus seiner deprimierenden Situation zu flüchten. Aufgrund des Unfalls erschafft er jedoch unwissend und ungewollt eine Scheinwirklichkeit, wodurch ein Szenario des Eskapismus entsteht.

Episode 04: Die Geschichte von zwei sich gegenseitig hassenden Frauen und einer weiteren Frau, die zuerst nur beobachtet, sich danach aktiv am Geschehen beteiligt und letztendlich die ganze Wahrheit über die beiden Frauen herausfindet.
Nachdem besonders in der zweiten Folge das Thema »Liebe« so ausführlich behandelt wurde, widmet man sich hier jener Emotion, die konträr ist zu dem fluffigen Gefühl, das einem Flugzeuge im Bauch beschert: Hass. Nicht nur aufgrund der Auflösung vermittelt diese Geschichte die wohl traurigste Atmosphäre aller Folgen.

Episode 05: Die Geschichte einer Familie, die alles verloren hat, und der Tochter, die aufgrund des merkwürdigen Verhaltens ihrer Eltern glaubt, dass diese einen Familienselbstmord planen.
Diese Folge ist ebenso skurril wie Episode #3. Die Atmosphäre ist insofern einzigartig, als hier ein Mystery-Setting gleich einer »Twilight Zone«-Folge kreiert wird. Der Zuseher wird bereits aufgrund der minimalistischen, aber dennoch nervenaufreibenden BGM in die richtige Stimmung gebracht, noch bevor dieser mit den Wahnvorstellungen der Tochter konfrontiert wird.

Episode 06: Die Geschichte eines tatkräftigen Mannes, der seine Anstellung verloren hat und seine kranke Frau auf ihrem Arbeitsplatz vertritt.
Was haben wir bisher gehabt? Liebe, Hass, Mystery … es fehlt noch ein bisschen Comedy – oder besser gesagt: sehr viel Comedy. Diese bekommt man hier.

Episode 07: Die Geschichte einer verstorbenen, alten Frau, die von den Toten zurückgeholt und mit Zauberkräften ausgestattet wird, um das schreckliche Schicksal, das zwei sich Liebenden widerfahren soll, abzuwenden.
Die erste Folge mit mehr als nur einer kleinen Prise Fantasy. Die Geschichte ist – zumindest im Vergleich zu den anderen Folgen – etwas verschachtelt, weshalb die Auflösung für den einen oder anderen durchaus überraschend sein könnte.

Episode 08: Die Geschichte einer herrschsüchtigen Mieterin, zweier Frauen, die sich gegen diese zur Wehr setzen, und einer weiteren Frau, die zwischen den beiden Parteien steht und sich nicht im Klaren darüber ist, welche Konsequenzen ihr blühen, wenn sie sich gegen Erstere auflehnt.
Wie auch schon in der ersten Folge ist hier der »große, böse Antagonist« kein Monster, das die Weltherrschaft an sich reißen möchte, sondern ein einfaches Mitglied der Mietervereinigung. Und wie in der vierten Folge ist ein gewöhnlicher Wohnblock der Ort des Geschehens. Kann es sein, dass Takahashi des Öfteren Probleme mit ihren Nachbarn hatte? Jedenfalls strotzt diese Geschichte nur so vor Konflikten, die manchen Zusehern mit ähnlichen Problemen nicht ganz unbekannt sein dürften.

Episode 09: Die Geschichte einer verstorbenen Frau, die aus unbekannten Gründen als Geist im Diesseits verweilt, und ihres Mannes, der die Annäherungsversuche seiner Mitarbeiterin als Zeichen ihrer Liebe deutet und darin eine Chance auf eine neue Beziehung sieht.
Hier haben wir auch schon die zweite Fantasy-Folge. Das Konstrukt »älterer Mann, jüngere Frau« ist Stoff für viel Drama, welches man aber weder in dieser noch in den anderen Geschichten findet. Stattdessen bekommt man hier sympathisch-witzige Paarungen – sei es der Mann und seine Geisterfrau oder der Mann und die junge Dame, welcher er den Hof macht.

Episode 10: Die Geschichte eines Missverständnisses zwischen zwei Ehepaaren, welches eines der beiden Paare an den Rand der Verzweiflung treibt.
Die Prämisse lässt ein Szenario erwarten, welches durchaus eintreten könnte. Doch auch hier möchte ich gerne das Wort »skurril« in den Mund (oder in die Finger?) nehmen, da der Ursprung dieses Missverständnisses keineswegs alltäglich ist. Die Geschichte ist amüsant und die Charaktere sind sympathisch, jedoch möchte ich die Sinnhaftigkeit mancher Taten der handelnden Personen doch ernsthaft infrage stellen.

Episode 11: Die Geschichte eines mehr unglücklich als glücklich verheirateten Mannes, der auf einem Klassentreffen seine damalige Herzensdame wiedersehen möchte.
Es ist schon auffällig, wie oft Geschichten über Menschen mit Eheproblemen vorkommen. Das ist keineswegs negativ gemeint, denn das sind alltägliche Probleme, welche die Geschichten greifbar machen, und mit den Charakteren, die sich in einer solchen Situation befinden, werden sich manche Zuseher – leider? – identifizieren können.

Episode 12: Die Geschichte einer von einem Geist heimgesuchten Frau, die von ihrer Schwiegermutter für das Chaos, das in Wirklichkeit der Geist angerichtet hat, beschuldigt wird.
Fantasy-Story número tres. Ohne den Geist könnte man diese Folge auf die Geschichte vieler kleiner Missverständnisse zwischen Schwiegertochter und –mutter herunterbrechen.

Episode 13: Die Geschichte einer Familie, die eingewilligt hat, temporär auf ein Haustier aufzupassen (schon wieder), und eines Mannes, der seine Frau betrügt und dadurch ebenjener Familie ungewollt eine doppelte Last auferlegt.
Die letzte Folge hört sich wieder nach einer relativ gewöhnlichen Ausgangssituation an, doch die beiden Handlungsstränge fügen sich nicht zielgerichtet zusammen, weshalb man den Anime aufgrund dieser doch recht konfusen Umsetzung leider mit der wohl schwächsten Geschichte dieser Anthologie beenden muss.

Der Anime fährt schnurstracks die typische Takahashi-Schiene und macht zudem ein paar Abstecher in Mystery- und Slice-of-Life-Town. Doch sobald die abenteuerliche Fahrt durch dreizehn abwechslungsreiche Geschichten vorbei ist, hat man dennoch nicht das Gefühl, dass die Abstecher unnötig waren oder die Fahrt holprig war, denn am Ende hat man sein Ziel mit zufriedener Miene erreicht. Trotz der Sprünge von einem Genre zum anderen und von einer Stimmung zur anderen hat man hier ein homogenes Konstrukt vor sich. Erreicht wird das auch durch den charakteristischen und charismatischen Zeichenstil Takahashis, den man durchaus als oldschool bezeichnen kann.
    • ×1
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Hermes: Ai wa Kaze no gotoku

Avatar: Asane
Redakteur
#4
Griechische Antike der minoischen Epoche, skrupellose Gewaltherrschaft, episches Heldentum und schöne Frauen – und so nebenbei noch Inselhopping, nette Entführungen und zum heiteren Beschluss natürlich noch das Gute, Wahre und Schöne. Na, wenn das mal nicht der ideale Stoff für das ganz große Kino ist!

Was will man also mehr? »Grundlagen, Watson, Grundlagen!« Und daran hapert es gewaltig. (Was aber nur Leute bemerken, die 1. im Geschichtsunterricht aufgepasst und 2. ihren Schwab gelesen haben, den die Großmama irgendwann mal zum Geburtstag geschenkt hat.)

Am Anfang jedenfalls macht der Film ziemlich viel richtig. So erzählt er eine Heldengeschichte, zum Glück nicht allzu geradlinig, bedient sich symbolischer Darstellungen und Bildmetaphern (Eingeweihte werden die vielfältigen zitathaften Einstreuungen bemerken, speziell die einiger Attribute von Aphrodite wie beispielsweise Schwalben, Delphine, Anemonen und [Hecken-]Rosen) und unterlegt das Ganze mit atmosphärisch stimmiger Musik, irgendwo zwischen Hollywood und Traumschiff. Um die zeitliche Handlungsspanne in den Griff zu bekommen, werden entscheidende Abschnitte etwas ausführlicher behandelt, um dann unversehens mit dem freundlichen Hinweis »26 Jahre später …« zum nächsten zu springen. Kennt man ja alles schon, sei's von den sattsam bekannten Bibelschinken à la Moses oder Sandalenfilmen im Ben-Hur-Format.

Daran scheitert der Film also nicht. Überhaupt sorgt er erstmal für die große Überraschung, denn aufgrund des Entstehungsjahres war der Schreiber dieser Zeilen auf das Schlimmste gefasst. Sicher, es ist kein Ghibli, aber dennoch hat man in vielen Punkten sich sehr viel Mühe gegeben für schöne (und stimmige!) Landschaftsbilder, einigermaßen naturgetreue Bewegungsabläufe – gerade bei Pferden! –, und man lässt sich erfreulicherweise viel Zeit, um auch das Atmosphärische einzufangen, das die Kultur und das Alltagsleben der Bevölkerung prägt, seien's spielende Kinder, seien's abschweifende Blicke auf Pelikane und Mauersegler (die wohl die oben erwähnten Schwalben hätten werden sollen).

Das alles ist im großen und ganzen recht realitätsnah, und dennoch registriert man an einigen Stellen schmerzlich die Ruckeligkeit der half-animated-Passagen. (Von vereinzelten goofs mal abgesehen, wie dem Umstand, diesem Raum, der von einer einzigen funzligen Öllampe erhellt wird, den Anschein zu geben, da stünde in jeder Ecke ein 200W-Strahler. Das ist natürlich Quark. Oder auch etwas später: Durch göttlich auftretenden Wind gelingt bei Sonnenaufgang die Flucht. Die Kamera zeigt, wie sie von Lindos (auf Rhodos!) aus in Richtung der aufgehenden Sonne schippern. Ihr Ziel, Sitia im Osten Kretas, liegt aber in der entgegengesetzten Richtung.)

Bald jedoch stellen sich erste Zweifel darüber ein, was denn hier veranstaltet werden soll. Das eigenartige Charakterdesign nimmt man erstmal wohlwollend hin. Von ferne erinnert es irgendwie an diese enorm idealistisch bebilderten Bibelgeschichten für kleine Kinder. In denen alles so unnatürlich freundlich und kugelrund einem schwer beseelt entgegenlächelt. Man hätte also gewarnt sein können!
Deutlicher kritischer entwickelt dich die Show, als plötzlich und ohne triftigen Grund die Protagonisten anfangen zu singen. Etwa so wie bei Disney. Und mit einem Text, der an Blödsinnigkeit (selbst im japanischen Original!) nur schwer zu toppen ist. Nachdem erste Näherungsversuche an die Burg, in der Aphrodite gefangen gehalten wird, gescheitert sind, steht Hermes also nun unten am Strand von Lindos und besingt seine Angebetete mit einem strunzdoofen Text, unglaublich hölzern, bar jeder Phantasie und lyrischen Talents, mit einer Stimme, die wie ungewaschene Wollsocken klingt, und begleitet sich dabei auf der Lyra – einer siebensaitigen Lyra, der er Akkorde über mehrere Oktaven zu entlocken vermag und auf der sogar chromatisches Spielen mit Leichtigkeit gelingt. Eines der vielen unglaublichen Wunder dieses Films! Von dem Umstand, dass dieser Minnesang beim Zuschauer schiere körperliche Schmerzen verursacht, kann die Annahme abgeleitet werden, daß Hermes offenbar versucht, die Wachen auf diese Art (Troubadix?) außer Gefecht zu setzen.

Die bis dahin erkennbaren Ambitionen für den großen cineastischen Wurf versanden leider im weiteren Verlauf und bleiben Chimäre. Das Acting verfolgt dieses Niveau auch nicht weiter; es verbleibt auf dem Level eindimensionaler Charakterisierungen (siehe oben: Bibelgeschichten) samt den althergebrachten Phrasen, die man amerikanischen Historienschinken im B-Movie-Format abgeschaut hat. Darin unterscheidet er sich nur wenig von japanischen Historienfilmen, was vielleicht einiges erklärt, aber nichts entschuldigt.

Den Sturz von König Minos und den darauffolgenden Kampf mit dem Minotaurus kann man als Wendepunkt betrachten. Nicht so sehr für den Verlauf der Geschichte, sondern als den Einschnitt, ab dem alles rasant den Bach runter geht. Das Mythologische nimmt deutlich überhand, öffnet die Tore für Deus ex Machina im großen Stil und ergeht sich ansonsten in narrativer Beliebigkeit an der Grenze zu esoterischem Geschwurbel.

Der erwähnte Kampf zwischen Theseus und dem Minotauros ist eher das, was man in Animekreisen als meh qualifiziert. Unglaublich einfallslos, langweilig und klischeehaft, im Ablauf wie in der Inszenierung. Von dunkler Finsternis gnädig verschleiert.

Was im folgenden sich abspielt (und vor allem: warum es sich so abspielt), ist dem Rezensenten leider nicht mehr in der wünschenswerten Klarheit präsent, da sein Gehirn sich nachhaltig weigert, diese Informationen herauszugeben. Zum eigenen Schutz, wie ich vermute.
Als unstrittiger Höhepunkt dieser Entwicklung muss sicherlich das singende Korallenriff betrachtet werden, zu dem die beiden göttlichen Knaben, Agape und Eros, den Helden begleiten. Auch der Feenwelt wird ein Besuch abgestattet, wo eine traurige Nixe getröstet werden muss (nein, kein Spin-off als Hentai...) und als Kontrastprogramm steht denn noch ein Abstecher in die Hölle* an, wo ein schon toter König Minos getötet werden muss von einem Helden, dem beschieden wird, daß er selbst als Gott überhaupt nicht getötet werden kann. Was soll das ganze Theater also? Vermutlich nur actionreiche Illustration der Botschaft: »Vertraue in Gott und du bist unbesiegbar«.

*

In der Tat ist im japanischen Original von Jigoku die Rede, und nicht etwa von Hadesu oder Maikai.

Ja, ernsthaft! Schoten dieser Art werden hier einem am laufenden Band zugemutet, unter weitgehendem Verzicht auf die oben erwähnten künstlerischen Ambitionen. Moralisch überhöht wird diese Veranstaltung zu allem Überfluss durch fette Bibelfilmmusik mit Himmelschören. Dann ist der Film glücklicherweise auch schon zu Ende.

Empfehlung? Nur für moralisch gefestigte Personen mit hoher Leidensbereitschaft und Logiktoleranz. Wer jedoch Spaß an solchen verschrobenen Adaptionen des klassischen Altertums hat, mag sich gerne noch Arion antun. Ganz nach der Devise »schlimmer geht immer!«
Beitrag wurde zuletzt am 06.03.2021 um 19:30 geändert.
    • ×2
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
1× Empfehlungen erhalten

Kaze no Matasaburou

Avatar: Asane
Redakteur
#5
Am schwersten fällt die Vorstellung, man könnte mit dieser halbstündigen OVA Kinder begeistern. Selbst Vorschulkinder müssten doch eigentlich bei der hier gebotenen Veranstaltung reflexhaft die Flucht ergreifen – und diese ungemein unterfordernden Animationen denjenigen Erwachsenen überlassen, die das alles für artsy halten.

Jedenfalls, dieser Anime hat einige Seltsamkeiten zu bieten. Animation fällt eher nicht darunter, denn die hat man vermieden, wo es nur geht. Im Grunde wirkt das eher wie ein illustriertes Hörspiel, bei dem die zentrale Figur der Erzähler aus dem Off ist, der Miyazawas Text vorliest, nicht übertrieben dramatisch, aber auch nicht übermäßig heruntergeleiert. Soweit passt das ganz gut.

Was aber so überhaupt nicht passt, sind die optischen Zumutungen. Oder anders ausgedrückt: Man muss schon ein gewisses Faible für diese enorm reduzierten Ausdrucksformen mitbringen, um damit einigermaßen klarzukommen.

Aber mal langsam und der Reihe nach: – Der Anime bemüht sich redlich, all das an optischen Elementen einzubauen, was er für kindgerecht hält. Mit starkem Hang zu strukturellen Simplifikationen, die tendenziell an Kasperletheater erinnern, oder auch (wer's noch selbst erlebt hat, verspürt hier u.U. ein knisternden Grausen) an animiertes Kinderprogramm der 60er Jahre.
In diese Zeit fühlt man sich denn auch versetzt, wenn man sich das ansieht, was ich Charakterdesign nicht zu nennen wage: Das nämlich ist nicht nur hässlich bis zum Anschlag, es findet auch keine Animation statt. Dann und wann bewegt sich ein Mund, seltener auch mal eine Hand oder ein Kopf. Dann aber so, als seien diese am Rumpf fixiert und würden mit einem Faden bewegt, wie bei einem Hampelmann.
Klar, das ist durchweg intentionell hässlich und volle Absicht, und gerade dadurch wirkt die ganze Chose überaus pädagogisch motiviert, wie man sich eben die Darstellung einer leicht fasslichen Kinderwelt so vorstellt. Immer schön skizzenhaft heruntergebrochen und bloß nicht mit allzu viel Realität erschreckend!

Dabei funktioniert die narrative Einbettung eigentlich recht gut. Der Erzähler erzählt seine Geschichte, und lediglich die Dialoge, oder präziser: alles in direkter Rede wird den Charakteren überlassen. Um jedoch die hier gebotene optische Hässlichkeit abzurunden und ihr den letzten Schliff zu verpassen, wird zu Anfang und Ende der OVA ein Song eingesetzt mit wirklich außergewöhnlich unpassender Musik. Ich bin ja mit Musik groß geworden – aber für das, was einem hier serviert wird, fehlen mir schlicht die Worte. – Im Mittelteil passt die BGM dann besser, denn da greift man meistenteils auf sphärische, mystische Klänge zurück, mit recht viel Okarina.

Das nun schon ausreichend gescholtene Charakterdesign zeichnet sich vor allem aus durch holzschnittartige Linien und sehr flächige Gestaltung, bei Verzicht auf schwarze Outlines; hinzu kommt, daß die Bewegungen der Figuren ziemlich selten so sind, wie man sich Animation vorstellt. Meist wirken sie wie ausgeschnittene und notdürftig bemalte Pappe, die in der Gegend herumverschoben wird.
Bei den Hintergründen kommen diese Stilmittel bedeutend besser zur Geltung; alles wirkt zwar wie kolorierte Tuschezeichnung, passt aber zum Charakter der erzählten Geschichte und der poetischen Atmosphäre.

In der Hinsicht kommt der Anime der Adaption von 2016 vielleicht am nächsten. Doch obwohl jene sich allerhand Freiheiten nimmt und bestenfalls als Erzählung nach Motiven von Miyazawa durchgeht, fängt sie den Zauber der Sprache und das Mystische der Geschichte wesentlich besser ein als die hier vorliegende Version. Die mag wesentlich näher an Miyazawa sein, zieht das Ganze aber durch gnadenlos stilisierte Animation und andere fragwürdige künstlerische Entscheidungen auf ein Niveau herunter, das die Erzählung nicht verdient hat.

Zugute halten muss man dem Anime auf alle Fälle, daß er es hervorragend versteht, die Geschichte in der Schwebe zu halten: ist der Neue nun der legendäre Matasaburou oder nicht? Was ist Realität, was Phantasie; geschieht das hier wirklich, oder ist das Einbildung?

Sofern man die richtigen Voraussetzungen mitbringt, kann man dieser OVA sicherlich einiges abgewinnen. Ich jedenfalls habe mich damit herzlich schwergetan: Not my cup of tea.
Beitrag wurde zuletzt am 01.03.2021 um 14:37 geändert.
    • ×0
    • ×0
    • ×2
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Niji-iro Hotaru: Eien no Natsuyasumi

Avatar: Asane
Redakteur
#6
Ach, wie gerne würde ich für diesen Film mal kurz vom Baum der Erkenntnis naschen!
Aber so bleibt ein unangenehm indifferentes Gefühl von Unentschiedenheit.

Zwiegespalten ist nicht nur der Film, zwiegespalten sind auch die Reaktionen darauf in den verschiedenen Foren, die gerne die künstlerische Qualität in den Mittelpunkt stellen, aber zur Geschichte selbst sich eher vage und unter Zuhilfenahme von viel Konjunktiv äußern.

Um also mal mit dem leichten Teil anzufangen, der visuellen Präsentation. Kurz und knapp: berauschend schön. Die weitgehend unberührte Bergwelt von Hotarugaoka (vermutlich hier auf Shikoku) hat etwas unbedingt Magisches, und der Blick des Zuschauers kann sich kaum abwenden von der satten, warmen Farbenpracht, die sich hier entfaltet. Eine unberührte heile Welt wie aus alter Märchenzeit.
Auf der engen Straße, die sich entlang der steilen, bewaldeten Talhänge windet, sehen wir gemächlich einen Bus fahren, und in dem Bus sehen wir Yuuta, auf dem Weg zu seiner Mutter, gelangweilt auf dem Sitz fläzen. Und hier dürfte zum erstenmal leichtes Stirnrunzeln einsetzen auf Seiten des Zuschauers, und das nicht wegen Yuutas präpubertärer Schnöseligkeit, sondern wegen der scharfen Diskrepanz, die hier zum ersten Mal augenfällig wird.

Der Diskrepanz nämlich zwischen fotorealistisch anmutenden Hintergründen und enorm flachen, enorm skizzenhaften Charakteren. Vermittelt das Artwork den Eindruck von realen Landschaftsaufnahmen, die man durch eine Handvoll Filter gejagt hat, steht dazu im Gegensatz das Design der Figuren, die sich nicht so recht einfügen wollen und manchmal wie aufgeklebt wirken. Diese Art der Hintergründe wie übrigens auch der frappierende Kontrast zum Charakterdesign mag einem bekannt vorkommen aus Filmen wie Miyori no Mori oder Coo; und inwieweit es stört, hängt nicht zuletzt von der Qualität der Geschichte ab, die manche künstlerische Freiheit rechtfertigen mag – wo es am Ende eben wieder auch passt, wie das in Toki o Kakeru Shoujo der Fall ist.

Daß dieser Punkt in anderen Besprechungen recht regelmäßig thematisiert wird, könnte ein Indiz dafür sein, daß es hier am Ende doch nicht so passt. Denn irgendetwas fehlt. Und das liegt irgendwo zwischen erzählerischer Substanz und nachvollziehbarer Linie. Denn die lässt einen, speziell gegen Ende, leider doch sehr im Unklaren, und das auf gleich mehreren Ebenen.
Und wenn beides nicht so wirklich greifbar ist, leidet zudem die emotionale Tiefe wie auch die Empathie zu den Figuren, wovon der Zuschauer doch gefesselt sein will. Und daß dies ein Film ist, der zuallererst emotional berühren will, zeigt seine Bildsprache, aber auch eine deutlich Akzente setzende Musik, die auch eines Ghibli-Films würdig wäre. Das sehr gemächliche Pacing des Anfangs (das sich durch den ganzen Film zieht) und der weithin schweifende Blick der Kamera geben einen starken Eindruck von Iyashikei.

Und dieses Iysahikei – Healing – ist der Teil der Geschichte, der noch am ehesten überzeugt. Das liegt nicht so sehr an dem, was an Sinneseindrücken hier vermittelt wird, sondern daran, daß dies in die Geschichte selbst gespiegelt wird: Denn der Ort, in dem Yuuta sich alsbald wiederfindet, ist auch ein Ort der Heilung (wie das wie aus einem Märchen entsprungene kleine, alte Männchen mitteilt), übrigens nicht nur für Yuuta, auch für Saeko; auf welche Art und aus welchem Grund auch immer, bleibt bis zuletzt einigermaßen unklar (wieder Stirnrunzeln). Solche Einbettung von tragenden Motiven auf mehreren Ebenen verleiht dem Film Format und Tiefe, wie man sie auch von anderen Produktionen der Oberklasse kennt – und eigentlich auch erwartet. Beispielsweise auch das Motiv »Wasser«, das unverfänglich früh über die Tagesnachrichten (Wasserknappheit spielt auch später noch eine Rolle) eingeführt wird. Und auch ansonsten immer mal wieder prominent und dennoch wie unabsichtlich ins Bild gesetzt wird. »Trennung« ist auch ein starkes narratives Motiv, anfangs symbolhaft formuliert im Bild der Staumauer, aber auch in den braunen Wasserfluten, die die Straße unpassierbar machen und Yuutas Sturz in eine andere Geschichte auslösen. Nicht zuletzt auch in den punktuellen Rückblenden zu jenem Unfall, der zum frühen Verlust des Vaters geführt hat.

Hier, in dieser anderen Welt, trifft er als erstes die engelsgleiche, zerbrechlich wirkende Saeko, in der er eine Seelenverwandte ahnt, ohne wissen zu können, wie richtig er damit liegt. (Ich jedenfalls hätte mich an seiner Stelle augenblicklich und unsterblich in sie verliebt.) Auf magische Weise hat es ihn in ein wundersames Dorf des Jahres 1977 (Shouwa 52) verschlagen, das ihm im weiteren Verlauf einen Begriff davon gibt, wie man in der Prä-Handy-Ära leben konnte, ohne daß einem langweilig geworden wäre. (Randbemerkung: Was ist eigentlich hier mit seiner Hose passiert??) Und in diesem Sinne wird hier eine dritte Ebene von Iyashikei entfaltet: die undeutliche Sehnsucht nach der einfachen, unbeschwert scheinenden Zeit der Jugend. Gestützt wird dieses Gefühl zudem auch von der BGM, die immer wieder sich an die Schlagermusik jener Zeit hält, auch als Reverenz an die Unterhaltungsmusik früherer Tage.

Dieser Teil der Erzählung ist fraglos der, der in sich am stimmigsten ist und daher am besten, am glaubwürdigsten funktioniert. Einige Ereignisse der Vergangenheit sowie einige Bezüge zur Jetztzeit werden kurz angerissen und man bekommt ein ungefähres Gefühl für die Zusammenhänge, die diese verstreuten Enden letztlich zu einer Einheit binden sollen.



Und das ist der schwächere Teil der Geschichte, denn das findet nicht statt. An den Stellen, wo man sich wenigstens ein paar kleine Details oder dezente Hinweise erhofft, lässt man den Zuschauer hängen und flüchtet in symbolisch überhöhte Bilder (um den Begriff »verschwurbelt« mal etwas freundlicher auszudrücken) und belässt es dann dabei. Yuutas Rückkehr gestaltet sich überaus undeutlich und gleichzeitig sprunghaft, nämlich so etwa 10 Jahre in die Zukunft, was vor allem deswegen unbefriedigend wirkt, als das gegebene Versprechen Saeko gegenüber zwar eingelöst, alles andere aber ausgesprochen vage formuliert ist. Und um diesem Handlungsloch überzuhelfen taugt weder eine hollywoodmäßig überzogene BGM, hart am Kitsch changierend, noch eine am Ende ins Esoterisch-Allumfassende greifende Bildsymbolik, die offenbar mehr an gefühlten Wahrheiten interessiert ist als an schnöder Handlungsauflösung.
Dies führt zu dem Effekt, daß man gewissermaßen auf den Eigenheiten des Charakterdesigns sitzenbleibt, weil tragende Elemente der Handlung, die diese Diskrepanz ausgleichen könnten, nicht zu Ende geführt sind und wegfallen. Wenn jedoch die Absicht gewesen sein sollte, die Entwicklung der Handlung ähnlich skizzenhaft zu formulieren wie die offenbar mit grobem Marker gezeichneten Figuren, dann wäre das eine sehr zweifelhafte Parallele.

Schlussendlich fühlt man sich mit seinen Fragen an das Werk etwas allein gelassen:
Welche bzw. wessen Vergangenheit erlebt Yuuta denn da? Hat der alte bucklige Mann (Hotaru-Jii) vielleicht doch etwas mit dem Priester zu tun - etwa sein damaliger Partner? Welche Bewandtnis hat es mit dem heiligen Stein vor dem Schrein? Wer ist Saeko denn wirklich? Und wieso kennt die Oma die beiden so gut? Wer ist eigentlich der bärtige Mann an Saekos Seite, am Ende des Films? (Die Credits verraten es, der Zuschauer tappt eher im Dunkeln, zumal nicht klar ist, welcher Grad an Übernatürlichkeit hier im Moment gerade herrscht.)

So bleibt nicht viel mehr, als schulterzuckend diese Absonderlichkeiten zur Kenntnis zu nehmen, die verhindert haben, daß aus einem ansehnlichen Film etwas Herausragendes wird - und es ansonsten zu halten wie Bertold Brecht am Ende von Der gute Mensch von Sezuan:

»Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.«
Beitrag wurde zuletzt am 28.02.2021 um 22:29 geändert.
    • ×2
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
2× Empfehlungen erhalten

Tonikaku Kawaii

Avatar: OPYoshi
Moderator
#7
  • Handlung
  • Animation
  • Charaktere
  • Musik
  • Romance
Man soll ein Buch ja nie nach dem Einband beurteilen, aber seien wir doch einmal ehrlich: Jeder kauft sich ein Buch, weil einem gewisse Punkte zusagen. Der erste Eindruck kann aber auch täuschen.


Nasa Yuzaki hat es nicht einfach, da mit seinem Namen eine gewisse Erwartung entsteht und diese möchte er auch erfüllen. Darum heißt es für ihn nur lernen, lernen, lernen. Sein Leben ändert sich schlagartig, als er von Tsukasa bei einem Unfall gerettet wurde. Anstatt Worte des Dankes waren seine Worte nur "Heirate mich".

Mit Seven Arcs (u.a. Dog Days; Asura Cryin') verbindet man eigentlich mehr einen martialistischen Stil mit vielen Kanten und kräftigen Ausdrücken. Umso überraschender, dass hier alles fehlt, was das Studio sonst ausmacht. Das Bild wird von feinen, dünnen Konturen und leuchtenden, verwaschenen Farben geprägt. Zusammen mit den üppig gestalteten Hintergründen ergeben sich leichte Bilder.
Die Figuren bewegen sich passend dazu, wirken manchmal etwas plump oder schlaksig, besitzen aber für das Genre eine sehr gute Dynamik mit flüssigen Animationen.

Der gesamte Cast ist so knuffig, naiv und unbeholfen, dass man selbst der "Antagonistin" nichts böse nehmen kann und irgendwie mit ihr sogar mitfühlt oder zumindest mit fiebert, dass es nicht so in die Hose geht, wie man es auch anderen Serien kennt. Vielleicht ist es auch deswegen so schwierig die Charaktere gerade am Anfang vernünftig einzuschätzen. Nasa wirkt weltfremd und Tsukasa wie ein Geldsauger und man wartet darauf, dass die ihn aus den Fenster schubst und mit dem Geld abhaut, aber nein, nichts findet bei ihnen mit Hintergedanken statt.
Schön ist übrigens auch, dass beide Protagonisten in ihre Rolle reinwachsen und man deren Aktionen gut nachvollziehen kann. Rückblickend habe ich aber öfters das Gefühl, dass Nasa ein sehr einsames Leben hatte und Tsukasa kein freies. Der ein oder andere wird das sicherlich anders auffassen.

Etwas anders gleich benimmt sich das Opening. Leichte, überschaubare Töne mit einer leicht dünnen Stimme und dann doch viel Kawumm kommt Akira Itou (u.a. Jibaku Shonen Hanako-kun; UQ Holder) daher. Man könnte jetzt sehr viel hineininterpretieren, letztendlich lässt sich sagen, dass das Opening gut die zwei Seiten der Serie wiedergibt. Um einiges weichgespülter ist das Ending und erschlägt einem fast mit typischen Idolpop. Rana Kanoe gibt hier mehr oder weniger ihr Anime Debut und wird wohl nie weit oben mit schwimmen, aber mit denn passenden Arrangements im Gespräch bleiben.
Apropos Arrangement: Der gesamte Soundtrack ist wenig penetrant, plätschert nur vor sich, aber interessanter sind die Stellen, wo man komplett auf die Begleitmusik verzichtet. So werden neue Blickwinkel in die Szenen geworfen und der Zuschauer kann die Bedeutung nicht mehr so einfach "raushören".



Ganz provokant könnte man behaupten, die Serie sei mehr Schein als sein, aber auf dem zweiten Blick ist sie auch mehr Sein als Schein. Natürlich wird die Serie mit viel Moe und Fluff zugekleistert, versucht aber zeitweise immer wieder ein paar tiefere Aspekte an den Tag zu legen und den Zuschauer hinterrücks kritische Fragen zu stellen. Letztendlich soll "Tonikaku Kawai" unterhalten und bringt mit seinem überraschend berechnenden Verhalten den Zuschauer zumindest zum Schmunzeln.
Am Anfang tut sich die Serie mit dem Einstieg und den ersten Tagen des Zusammenlebens der beiden Protagonisten schwer und hinterlässt schnell das Gefühl, dass da irgendetwas fehlt. Okay, später bleibt es immer noch, aber im Grunde es einem danach einfach total egal, weil der Cast es schafft den Zuschauer mittendrin abzuholen. Fans von seichter RomCom werden bei "Tonikawa" garantiert auf ihre Kosten kommen, irgendwo werden sich auch Romance-Fans darin wiederfinden, aber letztendlich würde es dazu an einer tiefer wirkenden Beziehung fehlen.
    • ×2
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Tsukiuta.: The Animation 2

Avatar: OPYoshi
Moderator
#8
  • Handlung
  • Animation
  • Charaktere
  • Musik
Vor Jahren wurde eine Fortsetzung angekündigt, die schon lange auf sich warten lies. Dann gab es einen Starttermin, der dann abermals immer wieder verschoben wurde und jetzt war es dann doch soweit, unter einem anderen Animationsstudio.


Auch in dieser Staffel verfolgen wir wieder einmal die beiden Idolgruppen Procellarum und Six Gravity wie sie sich auf das große Full Moon Festival vorbereiten und dabei den gewöhnlichen Alltag meistern müssen. Jeder mit anderen Problemen und/oder Erlebnissen.

Wie schon erwähnt, ist dieses Mal nicht Pierrot zuständig, sondern wurde von dem "neuen" Studio Children's Playground Entertainment (u.a. Hatena Illusion) abgelöst. Es mag vielleicht daran liegen, dass sie mit der Produktion von Anime bisher nicht viel am Hut haben, aber vom Design bis zu den Bewegungen wirkt alles sehr spärlich, mit wenig Abwechslung und vor allem keine Liebe zum Detail. Es tut fast schon etwas weh, wenn man sich die starren Blicke anschauen muss und die nicht einmal dabei zwinkern oder tolle Choreografien angucken darf, die aus Bein hoch, Hand vors Gesicht und zur Seite strecken bestehen.
Ich bin mir nicht sicher, ob man mit der Zeit hier etwas abstumpft oder die Animationen doch etwas besser und lebhafter werden. Zumindest wirkt es danach weniger nervend. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, wie gut die das noch in den Openings hingekriegt haben, trotz Verwendung von CGI.

Die Charaktere selber sind in vielerlei Hinsicht wenig interessant, sondern mehr, wer dahinter steht. Mitunter sind nämlich so einige große, bzw. bekannte Namen dabei, wie Tetsuya Kakihara (u.a. Natsu Dragneel), Yuuki Kaji (Meliodas) oder auch Toshiki Masuda (Eijirou Kirishima). Letztendlich ein großer Zusammenschluss aus Seiyuu und Sänger, die auch an dieser Stelle mit Stimme und Charme den Charakteren Leben einhauchen und die damit ihr einzige Markenzeichen verpassen. Natürlich hat jedes Gruppenmitglied eine Vergangenheit oder Eigenschaften, aber es wird nie groß auf diese eingegangen und dienen auch nicht zum Verständnis für diese oder deren Umfeld.

Im Grunde dient die Serie nur wieder dem Verkauf der CD's und der Merchandise, welches man eindrucksvoll um die Ohren geschlagen bekommt. Sei es die Openings von den jeweiligen Gruppen oder die Endings eines einzelnen Mitglieds. Alles typischen Idolpopnummern, die mal mehr, mal weniger westlich klingen wollen, halbwegs sogar gut arrangiert wurden. Leider fehlt es denen an Charakter und vor allem die Solosongs gehen schwer ins Ohr, aber umso einfacher wieder raus.
Der OST macht die ganze Sache auch nicht einfacher. Einige Stücke wurden aus anderen Teilen des Merchandise wiederverwendet und einige neu geschrieben, aber auch hier wieder nichts besonderes, eingängiges dabei. Wenn man sich mal etwas auf die Hintergrundmusik konzentriert kann man schnell mal das Gefühl kriegen, dass das ein oder andere Instrumental aus einem billigen erotischen Kurzfilm geklaut wurde.



Es ist schon fast etwas traurig, wenn man überlegt, dass das Projekt um "Tsukino Talent Production" regelmäßig höhere Platzierungen in den Oricon Charts erreicht und dann nur "das" Zustande bringt. Gerade die ersten Folgen hinterlassen einen wahnsinnig schlechten Eindruck, weil es einfach an den einfachsten Sachen fehlt. Die Animationen wirken schwach, die Charaktere ohne Leben und die Stimmen bringen ein ganz anderes Feeling rein. Man könnte ganz provokant sagen, dass man die Zuschauer von vornherein vergraulen möchte, sofern man sich nicht mit dem Franchise auskennt.
Okay, ich könnte die Serie jetzt noch weiter zerreißen, aber gerade heutzutage soll man ja mehr auf die guten Sachen achten. Bei "Tsukiuta" sucht man verzweifelt nach Fanservice. Die Charaktere flirten nicht, rei0en sich nicht im Minutentakt die Kleider vom Leibe und erleben keine ständigen Dramen, die denen das Leben oder die Karriere schwer machen. Es ist alles so normal, dass es schon wieder interessant wirkt. Gerade die dezenten Seitenhiebe gegen andere Serien oder kulturelle Gegebenheiten wurden gut eingearbeitet und von den Charakteren entsprechend kommentiert.

Sind wir mal ehrlich. Eigentlich hat die Serie nicht viel an sich, wenn man bedenkt, womit man heutzutage alles zugebombt wird, aber vielleicht auch gerade deswegen ist es schön sich einfach mal ohne schwere Themen und unnötigen Firlefanz berieseln zu lassen. Es wäre schön, wenn man auch optisch die Serie besser gestaltet hätte, aber insgesamt ist "Tsukiuta. 2 The Animation" eine schöne chillige Angelegenheit wie die erste Staffel.
Beitrag wurde zuletzt am 28.02.2021 um 20:22 geändert.
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Kuai Ba Wo Ge Dai Zou 2

Avatar: Asane
Redakteur
#9
Die Tendenzen, die sich schon gegen Ende der ersten Staffel abgezeichnet haben, gewinnen hier allmählich die Oberhand. Der Slapstick-Level ist zwar immer noch hoch, aber solange die Pointen gut ausgearbeitet sind und diese Over-the-top-Inszenierungen rechtfertigen – und vor allem nicht allzu einspurig daherkommen! – passt das am Ende auch.

Natürlich muss das Personal um einige Externe erweitert werden, wenn die kleine Welt der Geschwister Shi auf einmal zwei Dutzend Folgen tragen soll. Da scheut man auch nicht davor zurück, ganz nach Klischee zu verfahren und möglichst eindimensionale, möglichst gegensätzliche Charaktere einzubauen, um hier schon mal ganz im Sinne der Comedy eine Art garantierte Fallhöhe installiert zu haben. So bewegt sich der Fokus weg von den Geschwistern hin zu Freunden und Bekannten. Wie schon am Ende der 1. Staffel versucht man nun auch hier, durch lose Verkettungen eine Art erzählerischen roten Faden rein zu bekommen. Und das sind dann oft auch die dünneren, nervigeren Parts. Dabei entfernt sich die Serie übrigens auch immer weiter von ihrem (japanischen*) Titel, der zumindest in der 1. Staffel jene genial-verdrehten Szenen in den Mittelpunkt stellte, die das Salz in der Suppe ausmachen.

*Erstaunlicherweise recht frei. Der englische Titel dagegen ist eine ziemlich wörtliche Übersetzung des chinesischen.)

Leider scheint man aber auch der Meinung zu sein, wenn die Jokes dünner werden, müsse man eben nur die Slapstickschlagzahl erhöhen und entsprechend dick auftragen. D.h. es häufen sich bedauerlicherweise die Rohrkrepierer. Und dennoch: Im ganzen überwiegt die Freude an der Komplexität von sorgfältig aufgebauten, komischen Situationen.

Zu hören gibt's natürlich auch was. Abgesehen vom Opening, das zwar in jeder Staffel neu ist, aber immer noch irgendwo zwischen super genki und hypernervös, hört man praktisch bei jedem Auftritt des verdeckten Upper-class-Schnösels von J.S. Bach das Konzert für Klavier und Orchester d-moll BWV 1052, 3. Satz. Späterhin in besonders romantischen Momenten dann auch noch von Beethoven die Klaviersonate op. 13 c-moll, 2. Satz.

All das hier Gesagte gilt cum grano salis (Angeberlink zu Wikipedia) auch für die Staffeln 3 und 4. Das bisherige Format wie auch das Personal wird erfreulicherweise beibehalten, und die 4. Staffel fokussiert nun wieder ein klein wenig mehr auf das Geschwisterpaar selbst und bringt als Abschlussepisode eine nette und sehr eigene Variante von "Hans im Glück", versehen mit den unvergleichlichen, ineinander verschränkten Twists, die so charakteristisch sind für diese erstaunlich mitreißende Comedy-Serie.


Fazit: Eine Serie wie eine Tüte Waffelbruch.
    • ×1
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Kimi to Boku no Saigo no Senjou, Arui wa Sekai ga Hajimaru Seisen

Avatar: mingo#10
  • Handlung
  • Animation
  • Charaktere
  • Musik
  • Romance

Das hier ist meine Erste Rezension also seht mir bitte die paar Fehler nach. Aber ich versehe nicht warum die anderen Rezensionon den Anime so runtergemacht haben deshalb wollte ich auch mal ein paar gute worte über den Anime verlieren.


Natürlich ist er kein besonders innovativer oder logischer Anime und mann sollte auch nicht zu viel erwarten aber er hat echt spaß gemacht zu schauen und darauf kommt es doch letztlich an.


Zuerst zu der Story:
Ich fand die story sehr unterhaltsam wie sich die Protagonisten immer und immer wieder rein zufällig an den unterschiedlichsten Orten getroffen haben und sich daraus eine echt lustige Beziehung zwischen den Beiden entwickelt. In den anderen Rezensionen wurde sich ja darüber aufgeregt, dass der Anime so aprupt stoppt was ich aber garnicht so schrecklich fand weil mann dann umso mehr lust hat die 2. Staffel zu schauen.

Zu den Charakteren:
Also die Charaktere sind jetzt nicht außergewöhnlich aber doch wirken sie sehr sympatisch vorallem die beiden Protagonisten. Aber was mich an dem Anime am meißten gestört hat ist die Vorgesetzte von der Truppe. Sie nervt einfach nur und sie ist so kindlich ich weiß echt nicht wer sich ausgedacht hat sie zu einem Offizier oder was sie auch ist zu machen. Sie macht halt nichts sie steht die ganze Zeit nur nebenan und nervt und wenn sie sich im seltenen Fall doch mal überwindet was zu machen kann mann sie garnicht ernstnehmen.

Animation:
Also mit animationen kenn ich mich nicht so gut aus aber ich kann sagen dass es eigentlich ganz gut aus sah die kampszehnen wahren jetzt nicht außergewöhnlich gut aber haben laune gemacht.

Zeichenstil:
Also der Zeichenstil ist schön Farbenfroh aber jetzt auch nicht so innovativ. Aber im Entdefekt sieht es ganz ansehnlich aus.

Musik:
Also mit musik kenn ich mich auch nicht so gut aus also hier nur ganz kurz. Also ich finde die Musik passt gut zum Thema und macht laune.


Fazit:
Ich verseh nicht wieso der Anime von den anderen Kommentaren so mies bewertet wurde weil ich finde was er kann macht er echt gut. Mann sollte natürlich nicht zu viel erwarten aber er ist halt zum abschalten und das macht er echt gut. Er ist für jemanden wie mich der auf sowas steht genau das richtige also wenn ihr mal abschalten wollt schaut ihn euch ruig an. Und ich freu mich schon auf die 2. Staffel.

    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Luo Xiao Hei Zhan Ji (2019)

Avatar: YeHiDan#11
  • Handlung
  • Animation
  • Charaktere
  • Musik
  • Setting
Kann man diesen großen Kulleraugen auf dem Cover widerstehen? Ich bin dabei eindeutig gescheitert. Was in den ersten Minuten inhaltlich und visuell noch wie ein Kinderfilm wirkt, entwickelt sich zu einem schönen Film, mit dem man in Ruhe den Feierabend genießen kann und gut unterhalten wird.

Luo Xiao Hei Zhan Ji beginnt im Wald in dem der junge Katzendämon Luo Xiaohei beheimatet ist. Dieser erwacht eines Morgens und hört aus der Ferne lärmende Geräusche. Da ihm aus dieser Richtung zahlreiche Tiere entgegengerannt kommen, macht er sich sofort auf die Suche nach der Ursache. Am Ort des Geschehens angekommen, wird sofort auf ihn geschossen und die Erde beginnt unter ihm zusammenzubrechen. Während er verzweifelt versucht von Brocken zu Brocken zu springen, sieht man im letzten Moment einen Bagger am Rand des Abgrunds stehen, ehe er in das tiefe schwarze Loch stürzt. Als Xiaohei das nächste Mal erwacht, befindet er sich zwischen ein paar Müllsäcken und tröstet seinen kleinen Begleiter, dass sie schon ein neues zu Hause finden werden. Nach mehreren Sequenzen, auf denen man Xiaohei's Reise quer durch das Land beobachten kann, landet er umgeben von Rowdys in einer Sackgasse und verwandelt sich von der kleinen süßen Katze in seine Monsterform. Bevor er jedoch richtig loslegt, wird die Sache bereits von jemand anderem geklärt und Feng Xi erscheint auf der Bildfläche. Dieser nimmt Xiaohei mit, durch ein verstecktes Portal und von der Stadt geht es direkt mitten in einen Wald. Dort begegnen die Beiden den anderen Dämonenmitgliedern von Feng Xi's Gruppe und Xiaohei verwandelt sich erstmals in seine menschenähnliche Form. Nach einem gemeinsamen Abendessen am Lagerfeuer, bekommt Xiaohei von Feng Xi das Angebot bei Ihnen zu bleiben und wähnt sich damit in einem neuen zu Hause. Am nächsten Morgen wacht Xiaohei wieder mit lärmenden Geräuschen auf. Der Krach kommt durch den Kampf zwischen der Dämonengruppe und dem Menschen Wuxian, welcher besondere Fähigkeiten besitzt und Metall beliebig kontrollieren kann. Im Verlauf des Kampfes gelingt es der Dämonengruppe durch das Portal zu fliehen, Xiaohei bleibt jedoch zusammen mit Wuxian zurück. Nach der Erkundung der Umgebung stellt Xiaohei fest, dass er sich auf einer abgeschiedenen Insel befindet. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, Wuxian zu überwältigen, schleppt dieser Xiaohei mit auf sein Floß und eine längere Reise der Beiden beginnt.

Im Verlauf der Reise über das Meer, erklärt Wuxian Xiaohei verschiedene Dinge, beginnt ihm die Metallkontrolle beizubringen und die anfängliche Distanz zwischen den Beiden beginnt zu schrumpfen. Auf dem Festland angekommen, will Xiaohei sich sofort auf die Suche nach Feng Xi machen, wird dabei aber von Wuxian aufgehalten. Nach und nach erfährt man mehr über die Hintergründe von Feng Xi und Wuxian, wobei das große Dilemma von Xiaohei erkennbar wird. Wird er sich Feng Xi anschließen, der wie er selbst einen Groll gegen die Menschen hegt oder wird er Wuxian folgen, der als Mitglied einer Gilde für das Zusammenleben und das Gleichgewicht zwischen Menschen und Dämonen steht.

Visuell ist Luo Xiao Hei Zhan Ji eher schlicht gehalten und erinnert an Kinderfilme, ist aber von der Darstellung trotzdem recht schön anzusehen. Gerade die unterschiedlichen Formen von Xiaohei bringen eine gute Abwechslung und als kleine Katze mit den riesigen großen Augen ist er einfach nur süß.
Bei der Handlung wird das Hauptdilemma erst nach einiger Zeit erkennbar und auch die Beweggründe der beiden Konfliktparteien werden nur langsam aufgedeckt. So fällt es als Zuschauer im Mittelteil etwas schwer eine Sympathie für eine Seite zu entwickeln. Was hierbei jedoch für Pluspunkte sorgt ist die Beziehung zwischen Wuxian und Xiaohei. Wuxian ist eher der ruhige Typ und versucht nur langsam Xiaohei näher zu kommen. Er ist recht sparsam mit dem, was er Xiaohei erzählt und lässt dabei viele wichtige Dinge unerwähnt. Xiaohei wiederum versucht über lange Strecken der Geschichte Wuxian zu überrumpeln oder ihm zu entkommen, scheitert aber immer. Außerdem reagiert er oft abweisend, wenn er merkt, dass Wuxian versucht sich mit ihm anzufreunden. Er kann dabei nicht über seinen Schatten springen, da er einen Groll gegen die Menschen hegt, da sie sein zu Hause zerstört haben.

Als Fazit kann man sagen, dass mich Luo Xiao Hei Zhan Ji gut unterhalten hat und mit einem schönen Ende überzeugt. Er kann zwar nicht mit den Filmen aus dem Studio Ghibli mithalten, braucht sich aber auch nicht zu verstecken. Wer also nichts gegen eine chinesische Synchronisation hat und einen schönen Film für einen entspannten Abend auf der Couch sucht, der ist hier gut beraten.
    • ×1
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Kuai Ba Wo Ge Dai Zou

Avatar: Asane
Redakteur
#12
„Kein Hobby, keine Freundin, kein Hirn, keine Eier.“

So eines der unzähligen Statements von Miao über ihren großen Bruder Fen.

Noch ein Shorty also. Wiederum ein Gag-Anime auf Imouto-Basis, aber unter anderen Vorzeichen. Im Gegensatz zu anderen Kurzanimes jedoch macht dieser Vertreter seiner Gattung einiges anders. Allein schon, daß sämtliche Imouto-Tropen abwesend sind und es also auch kein Ecchi gibt, hebt diesen Anime aus der Masse an Peinlichkeiten hervor und schont die Nerven des Zuschauers – egal wie dünn die Pointen teils auch sind!

Die beiden, Fen und Miao, sind hier einfach nur Geschwister, allerdings mit vertauschten Rollen. Daraus nun ergibt sich so einiges Potential für fein inszenierte Pointen. Vor allem, weil nicht immer alle Zusammenhänge offen gezeigt oder ausgesprochen werden. Und so sehr sie sich auch zoffen, eines eint sie über alle Folgen: ihr ahoge. Was sie als idiotische Schwachköpfe von gleichem Schlag ausweist.

Abzüglich eines halbminütigen Openings (im gewohnten überdrehten Nervensägen-Format) bleiben pro Folge also effektiv drei Minuten. Und die werden, dank dem perfekten Timing, bestens genutzt, um eine kleine Geschichte aufzuziehen, die, oft genug jedenfalls, in einer ebenfalls perfekt getimten Pointe mündet. Mindestens in einer. Die ersten beiden Folgen geben ein prächtiges Bild davon ab, vor allem die Szene mit den Schulrowdies, die für eine zweifache Überraschung sorgt.

Die Stärke des Animes liegt vor allem darin, daß er ein absolut glaubhaftes Bild einer Geschwisterbeziehung wiedergibt. Fen, als der ältere der beiden, zeigt eine natürliche Verantwortlichkeit seiner Schwester gegenüber, die er unter allen Umständen beschützen muss (manchmal in einem Anflug von Selbstüberschätzung auch den Helden spielen will) und der bei notorisch knapper Kasse immer rationales wirtschaftliches Handeln im Blick hat. Wohingegen Miao, die sich gern mal dem Vergnügen des Augenblicks hingibt, als die charakterlich Eigenständigere und Sportlichere dagegen rebelliert und sich unter keinen Umständen anmerken lassen will, daß sie von ihrem trotteligen Bruder ein wenig verwöhnt und in Schutz genommen werden will. Auch wenn sie letzteres nicht nötig hat – allein die Geste zählt!
Und was man trotz aller Kabbeleien deutlich spüren kann: die beiden mögen und schätzen sich wirklich, egal wie sehr der andere einem gerade auf den Keks geht. Nicht immer läuft es im Leben so, wie sie sich das vorstellen, nicht immer kommt die Reaktion, wie man sie erwartet; grade wenn beide immer mal wieder an ihren Grenzen scheitern, daraus speist sich die Komik und daraus entspringt auch die große Sympathie, die man den beiden entgegenbringen kann – trotz aller Reduktion der animatorischen Mittel.

Wenn der zweite Teil der Staffel dazu übergeht, kleinere episodenübergreifende Geschichten zu erzählen, verliert sich dieser spezifische Charme paradoxerweise ein wenig. Weil der Fokus mehr auf die zu diesem Zweck eingeführten Nebencharaktere verlagert wird. (Miao Miao als beste Freundin ist einfach herzig!)

Ein kleiner Gegencheck auf anidb ergibt, daß ich offenbar immer wieder mit User -Blackiris- einer Meinung bin:
Surprisingly funny and endearing. The purposefully awkward animation actually adds to the charm and it doesn’t have any incestous implications whatsoever, unlike many other brother-sister anime.

Von dieser Schwester beschützt oder von ihr verprügelt zu werden – obwohl mir ersteres lieber wäre, würde ich auch mit letzterem klarkommen.

Fazit: Ein Juwel.
Beitrag wurde zuletzt am 28.02.2021 um 00:14 geändert.
    • ×1
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Cyclops Shoujo Saipuu

Avatar: Asane
Redakteur
#13
Wer liest denn schon Rezensionen? – Im wesentlichen zwei Gruppen von Leuten:

Die einen haben den Anime schon gesehen und wollen wissen, was andere dazu schreiben; vielleicht sogar die eigene Meinung bestätigt sehen und anschließend zur Feier des Tages mit bunten Dangos um sich schmeißen.
Die anderen haben ihn nicht gesehen (oder auch noch nicht) und wollen wissen, worauf sie sich da einlassen.
Diese zweite Gruppe ist das Problem. Schließlich wissen sie nicht, was sie erwartet.
Und je eindringlicher der Rezensent von dieser Serie abrät und dazu vielleicht sogar noch schlagende Argumente ins Feld führt, desto größer ist die Gefahr, daß das ratsuchende Publikum dennoch und trotz aller Warnungen sich den Anime reinzieht. Weil: ist das wirklich so schlimm, wie der da schreibt? Kann doch gar nicht sein... *klick*

Also erspare ich mir den unnützen Versuch, die Menschheit vor Schaden zu bewahren und versuche eine simple Bestandsaufnahme.

Sicherlich hat man schon den ein oder anderen Anime gesehen, der in diesem knackigen Kurzformat von nur wenigen Minuten pro Folge vorliegt, und weiß dementsprechend, wie man seine Erwartungen an solch ein Werk anpassen muss. Nämlich heftig nach unten.
Auf künstlerischer Seite wirkt sich das beim Zyklopenmädchen so aus, daß die Hintergründe recht stark simplifiziert sind (je nach Komplexitätsgrad), die Charaktere sind's noch viel mehr – und von den Dialogen will ich gar nicht erst anfangen. Aber das macht zunächst mal nichts. Für den Fall nämlich, daß dieses Manko durch andere Qualitäten wieder aufgewogen werden kann. Wie beispielweise bei Ani ni tsukeru Kusuri wa nai, wo eine Protagonistin ähnlichen Alters und mit gleicher charakteristischer Frisur sich durch die Episoden prügelt.
Fehlt diese Komponente, wird es schnell öde, und dann hilft auch die Optik nicht mehr viel, denn die meiste Zeit bekommt man eh nur Manga-typische Grafikelemente zu sehen und semi-deformierte Gesichtszüge, wie es sich für einen anständigen Gag-Anime gehört, der die 4-Panel-Vorlage möglichst hautnah umzusetzen versucht.

Damit wird schon zwanglos die inhaltliche Seite angeschnitten, wo man Dinge wie Plot, Handlungsverlauf, Charakterentwicklung recht bündig zusammenfassen kann mit: inexistent.
Und dies trifft im wesentlichen auch auf die Qualität der Animationen zu. Was natürlich auch ein Wesensmerkmal solcher Comedy-Serien ist – aber das funktioniert nur dann und unterstützt die Comedy nur dann, wenn überhaupt welche vorhanden ist.

Daher erst nochmal einen Schritt zurück zur Ausgangssituation. In einem Satz: Dolly Buster als Imouto. Gekreuzt mit der Lieblings-Obsession von Lolicons: Imouto rückt ihrem Bruder gespielt lasziv-unschuldig auf die Pelle und sorgt so am laufenden Band für peinliche Situationen und lustige Missverständnisse. Besser: lustig gemeinte.
Die Gags werden darüberhinaus gekonnt durch allerlei lustige Geräusche unterstützt (*boing*) im Stil von viel hilft viel. Hilft blöderweise aber nicht. Denn das, was einem als Gag untergejubelt werden soll, hat man schon unzählige Male in anderen Animes gesehen, und anders als die Produzenten meinen, wird der Gag nicht besser, wenn man ihn akustisch und optisch aufbrezelt bis zum Anschlag und immer wieder wiederholt.

Gut, eine Einschränkung: wer bislang noch nicht mitgekriegt hat, daß plötzliches Ecchi beim Gegenüber spontanes Nasenbluten auslösen kann, gern in Form wild aufschießender Fontänen, könnte mit der Serie glücklich werden.
Wirklich neu und daher noch in guter Erinnerung waren für mich nur die beiden Jokes mit Penis-Anspielungen zu Beginn der dritten Folge. Außerdem sollte erwähnt werden, daß sich die Comedy in der zweiten Hälfte des Animes etwas bessert, vielleicht auch, weil nun einzelne Pointen zu kleineren thematischen Einheiten gefügt werden (Karaoke!), anstatt wie bisher lediglich eine Handvoll Sekundengags abzufeuern.

Jetzt es doch mehr so eine Art Rant geworden, aber das lass ich jetzt einfach mal so stehen.

Das "Zyklop" übrigens bezieht sich auf die bevorzugte Haartracht der Protagonistin, einseitig verhangen durch die Weltgeschichte zu spazieren. Ist das lustig? Genau aus diesem Grund wird das jede Folge im Vorspann thematisiert. Sind permanente Boobs-Jokes lustig? Also rein damit, daß die Schwarte kracht! Das Nerv-Potential jedenfalls ist beachtlich. Aber bei 2-Minuten-Episoden ist es doch eher albern, auch noch vorzuspulen, ertragen wir's also. Immerhin: wenigstens bin ich jetzt um zwei gelungene Penis-Pointen reicher.

Am Ende wirkt die ganze Veranstaltung wie Werbung für den zugrundeliegenden Manga. Nicht zuletzt wegen der nach jeder Folge eingeblendeten Kaufaufforderung. Ob's aber hilft?

Anstelle eines Fazits mein Lieblings-Char: Nacchan beim Karaoke (unten liegend)
Beitrag wurde zuletzt am 27.02.2021 um 23:52 geändert.
    • ×2
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Akudama Drive

Avatar: Slaughtertrip
Redakteur
#14
Wer glaubt, die Filmreihe »The Expendables« sei ein unübertreffliches Konglomerat aus den coolsten und badassigsten Typen, die dem Erdboden die Ehre zuteilkommen lassen, auf ihm wandeln zu dürfen, der irrt! Mit den Charakteren aus »Akudama Drive«, die so cool sind, dass sie nicht einmal Namen brauchen, gibt es nun ernsthafte Konkurrenz!

Doch zuerst ein paar Worte zur Handlung. Denn wie auch Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis brauchen die Charaktere eine passende Bühne, um ihre Badassigkeit zur Schau stellen zu können. Ein Krieg zwischen Kansai und Kantou hat das Antlitz Japans grundlegend verändert. Wir befinden uns nun in einer Zeit nach dem Krieg … in einer technologisch fortgeschrittenen Zukunft, in welcher die Menschen wieder ein geregeltes Leben führen, aber in der die Spuren, die der Krieg hinterlassen hat, noch immer deutlich zu sehen sind und Einfluss auf das Leben der Menschen haben. Schwarz/Weiß-Gruppierungen haben sich gebildet, die dem Anime eine gewisse Geradlinigkeit geben und somit das Angucken des Anime zu keiner herausfordernden Denkaufgabe machen. Das möchte er auch nicht. Vielmehr möchte er den Zuseher mit regelmäßigen Plot Twists, Überraschungen und futuristische Spielereien, die den Machern aufgrund des Settings großen kreativen Spielraum geben konnten, so richtig schön flashen. Die erwähnten Gruppierungen sind die Akudama – besonders gefährliche Verbrecher – und die Execution Division, welche für Recht und Ordnung sorgt – die Polizei sozusagen. Die Akudama haben von einem unbekannten Klienten den Auftrag bekommen, einen der Ihrigen vor der Hinrichtung zu retten und zu befreien. Als sich das Verbrecherteam zusammengefunden hat, langt ein weiterer, ein weitaus mysteriöserer Auftrag ein, und die Execution Division ist alarmiert.

Alle Zutaten für ein dystopisches Cyberpunk-Setting sind hier vorhanden, aber der Anime ist einfach viel zu actiongeladen und zu spaßig anzusehen, als dass ich diesen Anime in diese Schublade stecken und mit einem kurzen Drehen des Schlüssels darin einschließen möchte. Nein, der Anime schielt in mehrere Schubladen – jedoch vermehrt in die etwas ernsteren. Die bereits erwähnte Action ist sehr brutal, weshalb es eine zensierte Fassung gibt, in der es die von Zusehern so sehr gehassten schwarzen Balken gibt. Das Drama ist fortwährend zu spüren, aber nie wirklich niederschmetternd oder deprimierend. Die Charaktere stehen teilweise unter großem psychischen Druck, was den Härtegrad des Anime zusätzlich nach oben schraubt. Dennoch hat man hier etwas, das man bei ähnlich gelagerten Serien und Filmen nur selten findet: mordsmäßig Spaß! Und dieser Spaß wird nicht mittels unpassender Comedyszenen erzeugt, sondern von den irrwitzigen Einfällen, die man einfach nicht ernst nehmen kann, und den Charakteren, die alle genauso gut mit schwarzen Sonnenbrillen durch die Gegend laufen könnten, um ihre Coolness zu unterstreichen. Aber man möchte ja nicht »Matrix« oder »Men in Black« kopieren.

Das Herz des Anime sind wohl die Charaktere, die zwar so bunt sind wie die Verbrecher aus »Nanbaka«, jedoch nie unpassendes Comedy-Terrain betreten. Gleich zu Beginn fallen die Namen der Charaktere auf … weil es diese nicht wirklich gibt. Die Charaktere werden nach ihrem Wesen/ihrer Tätigkeit benannt, ähnlich wie bei »Goblin Slayer«. Der Hauptcharakter ist eine ganz normale junge Frau, weshalb sie Ordinary Person, also Normale Person heißt. Aufgrund eines Missverständnisses ist sie an der Rettungsaktion des gefährlichen Akudama Cutthroat beteiligt, weshalb sie selbst das Branding eines solchen und zugleich einen neuen Namen bekommen hat: Swindler (deutsch: Betrügerin). Somit haben wir mit der Protagonistin also eine »normale Person«, die es dennoch schafft, dem Zuseher im Gedächtnis zu bleiben. Wer braucht schon dauernd überzeichnete Charakteristika, wenn man auch einfach nur normal sein kann, um Akzente zu setzen?
Die restlichen Akudama, die sich um die Betrügerin scharen, sind dafür alles andere als normal. Ihr wichtigster Komplize (wenn man das so sagen kann) ist wohl Courier (deutsch: Schmuggler). Er verzieht nur dann eine Miene, wenn er meint, dass sein neu eingenommener Gesichtsausdruck noch eine Stange cooler wirkt als der davor. Ich würde mich aber auch cool finden, wenn ich ein Obermacker-Motorrad hätte, mit dem ich mich von Haus zu Haus angeln könnte wie Spider-Man.
Auf eine andere Art cool ist Brawler (deutsch: Raufbold). Er liebt das Kämpfen, womit die Beschreibung seiner Persönlichkeit schon jetzt vollständig ist. Er ist zwar ein unfassbar oberflächlicher Charakter, aber zumindest zeigt er seine wahren Gefühle, und in der Mitte des Anime hat er sogar eine sehr emotionale Szene.
Vielleicht noch weitaus gefährlicher als der Muskel-Matcho ist Doctor (deutsch: Ärztin). Diese könnte die Ehefrau von Hajime Hanafusa aus »Kengan Ashura« sein. Beide sind Ärzte ... und beide haben nicht alle Latten am Zaun.
Genauso wenig Latten am Zaun (null) hat Cutthroat (deutsch: Halsabschneider). Sein Name kommt jedoch nicht von seiner Vorliebe, Menschen auszubeuten. Nein, diese Vorliebe besitzt er nicht. Seinen Namen sollte man wortwörtlich nehmen, um zu wissen, welche Vorliebe er wirklich besitzt.
Da es aber auch halbwegs intelligente Verbrecher braucht, weil man nicht jedes Problem mit Muskeln und Beklopptheit lösen kann, entschied man sich, die Gruppe um den Schrecken jedes EDVlers zu erweitern: Hacker (deutsch: Datenpirat. Oder, um ein Wort zu nehmen, das jeder kennt und benutzt: Hacker).
Das Verbrecher-Septett wird mit Hoodlum (deutsch: Ganove) komplettiert. Genauso wie Swindler gerät auch er irgendwie in die Riege der Superkriminellen, obwohl er nur ein kleiner Fisch ist. Seine Entwicklung vom langweiligen Comic Relief zu Brawlers besten Freund und letzten Endes zu einer wirklich sympathischen Figur mit unerwartet viel Tiefgang ist aufseiten der Charaktere wohl die Überraschung des Anime.
Die Mitglieder der Execution Division sind genauso cool. Und der Boss dieser Einheit – genannt »Boss« (wie auch sonst?) – hat so ein richtig großes Büschel Haare auf den Zähnen.

Kudos an die Mitglieder des Produktionsteams mit ihren witzigen Einfällen. Diese haben begriffen, dass Science Fiction keine Grenzen kennt, weshalb man hier nicht nur einen Blick auf die üblichen hochmodernen Geräte erhaschen kann. Nein, das Produktionsteam scheint ein lustiger Haufen zu sein. Deswegen trifft man hier auf eine sprechende USB-Stick-Roboterkatze, ein digitales Wählscheibentelefon, das den Begriff »Science Fiction« ad absurdum führt, und ein paar Wichtigtuer in Säulen, die mich an Zordon aus »Power Rangers« erinnern. Für ein paar Popkultur-Referenzen sind sich lustige Produktionsteammitglieder auch nie zu schade, weshalb es hier unter anderem eine offensichtliche »Shining«-Referenz gibt. Wer noch immer nicht davon überzeugt ist, dass man den Anime nicht allzu ernst nehmen sollte, der muss sich nur einmal Bunny und Shark ansehen, welche die Welt und viele Teile der Story erklären. Doch völlig hirnlos ist der ganze Spaß nicht, denn eine drogengetünchte Szene gegen Ende des Animes basiert auf dem Gleichnis »Schmetterlingstraum« von Zhuangzi.

Die in den ersten und letzten Episoden durchgehend spürbare Lässigkeit fehlt leider etwas in den Episoden dazwischen. Hier wurde mir der Anime etwas zu ernst und brutal. Am Schluss konnte der Anime aber noch einmal die Kurve kriegen, sodass auch hochemotionale Szenen, von denen viele nur mittels Bildsprache transportiert werden, nicht auf der Strecke bleiben mussten. Wunschlos glücklich hinterlässt der Anime einen jedoch nicht. Zu viele Hintergründe über Story und Charaktere, die durchaus spannend hätten sein können, wurden nicht näher behandelt. Man wollte sich wohl auf das Wichtigste konzentrieren: absolute Coolness.
    • ×1
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Kamisama ni Natta Hi

Avatar: Slaughtertrip
Redakteur
#15
Wird die Welt wirklich in 30 Tagen untergehen? Ist Hina Satou wirklich eine allwissende Göttin? Wenn nein, warum kann sie dann bei ihren Vorhersagen so viele Treffer ins Schwarze landen? Zufall? Manipulation? Kommt Hina aus der Zukunft? Ist sie ein Roboter? Ein Alien? Eine Hexe? Ein Esper? Ein Magical Girl? Eine sprechende Schokopastete? (Hey, das ist ein Anime; hier ist alles möglich!) Oder träumt Youta Narukami, an dem Hina wie eine Klette hängt, das alles nur? Das sind so die Fragen, anhand derer man den Zuseher Woche für Woche an den Bildschirm locken möchte, bis schlussendlich entweder die überraschende, schockierende oder – so kann es natürlich auch kommen – langweilige und vorhersehbare Auflösung präsentiert wird.

Alles beginnt so typisch, wie es nur sein kann. Im Leben des ganz gewöhnlichen Schülers Youta taucht plötzlich ein Mädchen mit übernatürlichen Kräften auf. Der erste Satz des Beschreibungstextes für geschätzt 25.000 Animes ist somit erstellt. Doch schon die zweite Hälfte der ersten Folge geht in eine Richtung, die ich sehr begrüße. In Youtas Leben gibt es mit Kyouko Izanami ein Mädchen, an der sein Herz hängt. Der ach so wichtige Moment – das Liebesgeständnis – wird oft bis zum Schluss hinausgezögert und zieht sich wie ein Arbeitstag, an dem nix zu tun ist und man förmlich die oft in Westernfilmen gezeigten vom Wind verwehten Steppenläufer vor seinem geistigen Auge sieht. Doch hier hat der männliche Hauptcharakter doch tatsächlich den Mumm, seiner Angebeteten seine Gefühle zu offenbaren, wodurch sich zwischen den beiden eine selten gezeigte Dynamik entwickelt. Es ist nur bedauerlich, dass die Beziehung der zwei immer mehr in den Hintergrund gerät. Dadurch wird aber umso deutlicher, dass Hina und Youta die zentralen Himmelskörper sind und alle anderen Charaktere auf ihrer Umlaufbahn um diese kreisen.

Der Anime versucht, den Zuseher mit Comedy und Drama gleichermaßen zu überzeugen. Zu Beginn sind es noch die spaßigen Folgen, die dominieren, wohingegen in den letzten Episoden alle Dämme brechen. Jeder Mensch hat einen anderen Sinn für Humor. Mein Sinn sagt mir, dass der Humor oft genauso ins Schwarze getroffen hat wie Hinas Vorhersagen, jedoch auch des Öfteren komplett am Ziel vorbeigeschossen ist. Persönliche Highlights von mir sind die Filmparodien von »Armageddon«, »Rocky« und »Edward mit den Scherenhänden« in Folge #2, Youtas Job als »Ramenrestaurant-Revitalisierungsunternehmer« in Folge #3 und das Mahjong-Turnier in Folge #4.
Das Drama ersetzt die Comedy in den letzten Folgen komplett. Ist man nah am Wasser gebaut, kann man hier schon mal seine Taschentücher griffbereit halten. Doch es ist nicht nur das Drama um Hina und Youta, sondern die traurige Geschichte über Kyouko und ihre Familie, die es mir besonders angetan hat. Kyouko zeigt kaum Gefühle und ist praktisch unnahbar. Doch das alles hat seine Gründe, und sobald man diese erfährt, sieht man Kyouko mit ganz anderen Augen.

Hina kann beim Zuseher durchaus auf Ablehnung stoßen, wenn sie zu Beginn als »die Tsundere des Anime« präsentiert wird. Schon viel zu oft hat man diesen Charaktertyp gesehen. Doch alleine das Geheimnis um ihr wahres Wesen macht sie für den Zuseher interessant, weshalb man sie weiß Gott (oder weiß Hina?) nicht sofort aufgeben möchte. Um das Herz des Zusehers zu gewinnen, bedient man sich zweierlei Mittel, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während den Comedyszenen lacht man mit Hina, und während den Dramaszenen weint man mit ihr. Bei diesem Anime geht man von einem Extrem ins andere, wodurch eine breite und zugleich tiefe Gefühlsebene erschaffen wird, um so die Sympathie und Empathie des Zusehers zu gewinnen.

Youta besitzt bei weitem nicht den benötigten Wiedererkennungswert, um länger im Gedächtnis zu bleiben. Er besitzt etwas anderes, nämlich Austauschbarkeit – leider. Das beginnt schon bei seinem Charakterdesign und bei der Ausgangssituation des normalen Schülers, der auf ein besonderes Mädchen trifft. Er ist nett. Aber so etwas sagt man meist über Personen, von denen man nicht weiß, was man sonst über sie sagen soll. Doch auch wie Hina steht er im Mittelpunkt der Comedy und des Dramas, wodurch man auch mit ihm mitfühlen kann – so unscheinbar er auch sein mag.

Von den Nebencharakteren überzeugen nur ganz wenige. Zu Beginn wird ein Mysterium rund um die namenlose Vorstandsvorsitzende eines großen IT-Unternehmens und den genialen Hacker Hiroto Suzuki aufgebaut. Die in fast jeder Folge auftauchenden kurzen Szenen, die so todernst sind, dass sie einen extremen Kontrast zu den oft lustigen Episoden bilden, lassen auf einen baldigen Knalleffekt hoffen. Zu diesem kommt es jedoch nicht. Die namenlose Vorstandsvorsitzende hat aus gutem Grund keinen Namen bekommen, denn das so schön aufgebaute Mysterium verläuft im Sand. Nur Hiroto hat noch für die Geschichte essenzielle Szenen, wird jedoch mehr oder weniger als Mittel zum Zweck für das Voranschreiten von Hinas und Youtas Beziehung benutzt.

Meine Gedanken zu den technischen Aspekten sind so ausführlich, dass ich diese lieber in schön auf- und zuklappbare Akkordeons setze:

Animation

normal

Musik

normal

Was ist Hina jetzt nun? Tja, sag ich nicht. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass man häppchenweise mit Hinweisen gefüttert wird. Diese sind jedoch weit davon entfernt, einen großen Interpretationsspielraum zuzulassen. Man weiß ziemlich schnell oder zumindest ungefähr, auf was das alles hinauslaufen wird. Die Spannung ist deshalb zwar immer gegeben, aber nie besonders hoch. Kommt man der Lösung Schritt für Schritt näher, erkennt man vielleicht sogar ein paar kleine Ungereimtheiten, über die man jedoch hinwegsehen kann.

Der Anime überzeugt mit so einigen tollen Comedyfolgen. Nachdem diese den Zuseher um den Finger gewickelt haben, hat es das Drama etwas schwierig, sollte der Zuseher hoffen, von einer neuen Episode des Animes abermals zum Lachen gebracht zu werden. Hier ist es vonnöten, eine Verbindung zu den Hauptcharakteren aufgebaut zu haben, um mit diesen mitfühlen und -leiden zu können. Fans von sentimentalen Dramen kommen hier bestimmt auf ihre Kosten.
    • ×1
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0
    • ×0

Aktivste Rezensionsschreiber

Folgende 10 Rezensionsschreiber waren in den letzten Tagen am aktivsten:

Wie schreibe ich eine Rezension?

Auf der Detailseite eines jeden Animes findest Du unter dem Reiter Forum außer den Kommentar- und Episodenbereichen auch den Rezensionsbereich für diesen Titel. Hier kannst Du Dich austoben und der Community Deine begründete Meinung zum Titel hinterlassen.

Hast Du Interesse, Dich mit anderen Schreibern auszutauschen oder Dir Hilfe für Deine erste Rezension zu holen? Dann scheu Dich nicht, in unserem Club vorbeizuschauen, in dem wir Dir gern bei allen Fragen zum Rezensieren helfen!