Oshi no Ko: Mein Star (2023)

Oshi no Ko / 推しの子

Rezensionen – Oshi no Ko: Mein Star

Hier findest Du sowohl kurze als auch umfangreichere Rezensionen zum Anime „Oshi no Ko: Mein Star“. Dies ist kein Diskussionsthema! Jeder Beitrag im Thema muss eine für sich alleinstehende, selbst verfasste Rezension sein und muss inhaltlich mindestens die Kerngebiete Handlung und Charaktere sowie ein persönliches Fazit enthalten. Du kannst zu einer vorhandenen Rezension allerdings gern einen Kommentar hinterlassen.
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Avatar: CipherDoodKekstitan
Redakteur
#1
Die Schattenseiten des schillernden Showbusiness

Es lässt sich an diesem Punkt schwer abstreiten, dass "Oshi no Ko" einen Start hingelegt wie wenige Titel jemals zuvor. Nur verdient dieser Titel seinen großen Hype auch wirklich? Die Antwort dürfte schwierig sein und hängt wahrscheinlich davon ab, was ihr erwartet. Es lässt sich zumindest nicht abstreiten, dass viel Zeit, Blut, Schweiß und Geld in die Serie geflossen ist, welche mit einer wirklich großartigen Präsentation glänzen kann. Daneben ist der Soundtrack auf dem Weg Rekorde für sich alleine aufzustellen, ganz besonders der Opening-Song "Idol" von Yaosobi hat Rekorde ohne Ende gebrochen und die englische Fassung des Songs schaffte es sogar auf Platz 1 der globalen Billboard Charts und ist damit der erste Song, der ursprünglich auf Japanisch performt wurde, dem dies gelang. Aber dies sind nur grobe Eckdaten und sagen nichts zu dem, was ihr geboten bekommt. Die Serie hat eine interessante Art dem Zuschauer einen Einblick in die oft vergessene dunklere Seite des Showbusiness uns zu liefern, ohne uns allerdings durchgängig in Drama zu ersticken. Gleichzeitig erleben wir viele verschiedene Geschichten, Persönlichkeiten und Werdegänge der Protagonisten, was mir besonders gefallen hat, da man viele verschiedene Aspekte zu sehen bekommt. Das Ganze wird verpackt mit teils charmanten, und teils intelligent intriganten Charakteren. Aber lasst uns mal einen näheren Blick auf diese ganzen Details werfen.

Warnung: Ich versuche so gut wie es mir irgendwie möglich ist, große Spoiler zu verhindern, aber es ist schwierig gänzlich zu vermeiden, es ist eine Empfehlung, die Einführung der Episode 1 in Überlänge zu sehen, bevor man diese Rezension weiterliest.

Der Anime adaptiert den Manga nach der Idee von Aka Akasaka (bekannt durch "Kaguya-sama: Love is War") mit den Zeichnungen von Mengo Yokoyari (bekannt durch "Scum's Wish") und wird veröffentlicht in Shueisha's Weekly Young Jump seit April 2020 und wurde bisher in 11 Bänden zusammengefasst, Band 12 soll am 19. Juli erscheinen. Auf Englisch wird es durch Yen Press in einer gedruckten Fassung veröffentlicht und durch Shueisha in ihrer Manga Plus App angeboten. Ein deutscher Release erfolgt durch Altraverse. Diese Staffel hier endet mit dem Abschluss von Band 4.

Es sind Zwillinge
Die Geschichte beginnt mit dem jungen Teen Idol Ai Hoshino, welche die schillernde und strahlende Perfektion des Showbusiness verkörpert wie kaum eine andere. Was viele jedoch nicht erahnen würden, die gerade einmal 16 Jahre alte Schönheit ist schwanger mit Zwillingen! Ihr Arzt ist Goro Amemiya, welcher durch seine kürzlich verstorbene Patientin Sarina ebenfalls zu einem Fan des Idol wurde. Die Schwangerschaft verläuft eigentlich ohne Probleme, nur als der glückliche Tag der Geburt bevorsteht, wird Goro durch einen Stalker von Ai getötet. Jedoch anstatt zu sterben erwacht Goro als Aquamarine Hoshino, einer der beiden Zwillinge von Ai und auch ebenfalls seine Schwester Ruby ist ein einst wiedergeborener Fan, zu welchem Aqua eine unerwartete Verbindung einst hatte. Fortan begleiten wir die beiden, wie sie an der Seite von Ai die schillernden Seiten und auch die Schattenseiten des Showbusiness erleben, bis ein Ereignis ihr Leben aus der Bahn wirft und für Aqua nur noch ein Ziel im Leben existiert, Rache für die Verursacher seines Dramas, wozu er selbst ein Teil des Showbusiness werden muss.

Social Media machen heute den Star

Bei den Charakteren bin ich ehrlich gesagt fasziniert, wie es gelingt so viele unterschiedliche Facetten des japanischen Showbusiness uns zu zeigen, ohne zu träge, langweilig oder zu extrem depressiv zu wirken. Ai Hoshino zeigt uns beinahe wie die Verkörperung der Lügen der Unterhaltungsindustrie, wie diese schöne Scheinwelt eben nur eine schillernde Fassade ist, welche ihre Finsternis versteckt. Aqua ist wohl grundlegend, mit seinem schon sehr erwachsenen Verhalten, aufgrund seiner Lebenserfahrung als einstiger Arzt, vielleicht ein wenig zu vorlaut, was ungewöhnlicherweise in seinen jungen Jahren viele zu einfach akzeptieren, aber er bietet uns dadurch einen objektiven Blick auf die Unterhaltungsindustrie. Seine Schwester Ruby kann uns mit der Erfüllung ihres Lebenstraums aus ihrem früheren Leben, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten, oft sehr emotional berühren. Kana Arima ist eine sehr interessante Figur, die Tsundere zeigt uns, wie schwer es Kinderstars haben aus ihrem einstigen Image herauszuwachsen und eine Karriere als herangereifte Stars zu feiern, unabhängig vom früheren Ruhm. Akane Kurokawa zeigt uns, wie Talent im Showbusiness nichts bedeuten kann, wenn die labile Psyche dieser jungen Teenager mit dem Hass des Internets konfrontiert wird. Der Youtube Star Mem-Cho zeigt uns, wie kritisch das Showgeschäft auf das Alter seiner Stars sieht, und wie schnell man diesen ein Verfallsdatum verpasst.

Kana Arima

Technisch ist es schwer, dem Titel auch nur irgendwas Negatives anzukreiden. Nicht nur kommt man gänzlich ohne CGI aus, man zeigt auch ein stets durchgehend hohes Niveau, wobei die besonderen und extrem detailverliebten Augen der Stars ein absolutes Highlight sind. Aber dabei bleibt es nicht alleine, seien es die Showeinlagen, die depressiven Momenten, immer wieder gelingt es dem Titel diesen Moment durch ihre Präsentation einen ganz besonderen Touch zu verleihen und das Feeling der Situation näherzubringen.
Seitens der Musik haben wir ja schon das absolute Hit-Opening "Idol" von Yaosobi angesprochen, welches einen grandiosen Job macht uns zum einen diese strahlende und schillernde Fassade der Unterhaltungsindustrie zu zeigen und gleichzeitig ihre Verlogenheit aufzuführen, welche sich dahinter versteckt.
Das Ending "Mephisto (メフィスト)" von Ziyoou-vachi hat nicht die Berühmtheit erlangt des Openings, trotzdem finde ich muss es sich nicht verstecken. Es ist ein guter Song, welcher sich auf die Verlogenheit und die Illusion fokussiert, welche uns die Unterhaltungsindustrie zeigen möchte als Zuschauer und Fans.
Für viele unerwartet der Auftritt als einstiger Musikstar von Kana Arima in Epoisode 9 mit ihrem Song "Full moon…!", wobei nicht nur der fiktive Star ein unerwartetes Talent zeigt, sondern besonders auch die Sprecherin Megumi Han als Sängerin, als welche man sie bisher weniger kannte.

Verzweiflung

Fazit:
Rein persönlich würde ich Oshi no Ko eine ungehinderte Empfehlung geben, besonders durch seinen objektiven und kritischen Blick auf die japanische Unterhaltungsindustrie. Es zeigt uns mit einer teils ergreifenden, teils packenden, teils ehrfurchtgebietenden Geschichte viele Facetten dieser Industrie und die Probleme, mit denen junge Talente zu kämpfen haben. Aber ich kann auch verstehen, dass Idol-Geschichten viele verschrecken, jedoch kann ich euch sagen, Oshi no Ko ist wesentlich mehr als nur eine Story über Idols und ihr verpasst wirklich etwas, wenn ihr es versucht alleine darauf zu beschränken.

Bis wir uns in Staffel 2 wiedersehen!

Vielen Dank fürs Lesen
Beitrag wurde zuletzt am 12.07.2025 10:51 geändert.
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Avatar: Lpark
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#2
„Oshi no Ko“ ist der neue Stern am Anime-Himmel. Ich möchte damit starten zu sagen, dass es ein Titel ist, den man so oder so gesehen haben muss. Wer also mag, verzichtet aufs weiterrecherchieren und sieht sich diesen Knaller erstmal unvoreingenommen an. Es ist ein Titel, bei dem man schnell Kleinigkeiten gespoilert wird, sei es über Bilder oder Beschreibungen. Ich versuche natürlich trotzdem Spoiler mit meinem Kommentar bestmöglich zu umschiffen.

Dem japanischen Idol-Kult kann ich eigentlich nichts abgewinnen. Als Musikfanatiker lebe ich in der Traumwelt, dass Äußerlichkeiten nicht maßgebend für den Erfolg in dieser Branche sein sollten. Die zahlreichen Fans von Idols oder hierzulande Schlagerstars sehen das womöglich anders. Meine Abneigung gegenüber dieser Art von Musik ist jedoch vollkommen Schnuppe wenn es um „Oshi no Ko“ geht. Ich konnte nicht anders als mich in diesen Anime zu verknallen. Schon die fulminante erste Episode schreit „Sieh mich an!“ mit einer Bildgewalt, die ihresgleichen sucht. In jeder Faser ist es eine Serie die meinen Nerv trifft. Schon das äußerst abgefahrene Setup ist genauso eines, wie ich es an Animes wohl am meisten liebe. Es sind immer wieder diese ungewöhnlichen, schrägen Ideen, die dem Medium für mich eine besondere Anziehungskraft verleihen.

Nach der filmreifen Startepisode, die die Serie rasant jede Toplist erklimmen ließ, könnte man im Verlauf vielleicht ein kleines Abflachen empfinden. Das sind aber nur minimale Einbußen, da die zugrundeliegende Mystery-Geschichte für mich allein schon spannend genug ist, um die Episoden tragen zu können. Unterstützt wird dieses Element aber noch von einer äußerst gelungenen Rahmenhandlung, die uns in die Schattenseiten des Showbusiness entführt und die Abgründe der beteiligten Personen erkunden lässt. Die behandelten Themen sind überaus packend und werden dem Betrachter mithilfe einer erstklassigen Inszenierung schmackhaft gemacht. Ich kann mich kaum erinnern, mal derart hübsche, schillernde Figuren wie hier gesehen zu haben. Und das passt zum ganzen „Stars und Sternchen“-Umfeld einfach wie die Faust aufs Auge. Dazu kommen noch die plötzlichen Umschwünge in eine elektrisierend düstere Atmosphäre, bei denen das Licht aus den Augen der Charaktere verschwindet. Es ist eine von vorne bis hinten göttliche Umsetzung. Die Kirschen auf der Torte sind dabei dann noch Opening und Ending, die in Perfektion die vom Anime transportierten Gefühle einfangen.

Es ist so ein Moment, wo ich aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskomme, weil mir auch die Charaktere ganz besonders gut gefallen. Aqua versprüht durch seine kalkulierende und manipulative Persönlichkeit eine Priese Light Yagami und trägt damit zur unterliegenden Anspannung bei. Man hat stets dieses Gefühl, dass die Stimmung jederzeit kippen könnte, weil viele der beteiligten Personen auf die eine oder andere Art und Weise geistig angeknackst sind. Das ergibt ein ganz besonderes Kribbeln bei diesem zwischenmenschlichen Spiel mit dem Feuer. An Kana auf der anderen Seite hab ich schlicht und einfach einen Narren gefressen. Sie ist eine derart liebenswerte Figur, dass ich ihr nur das Beste wünschen will und mit ihr in jeder Phase mitfiebere. Aber ich nenne hiermit nur einen kleinen Ausschnitt der großen Fülle hervorragend ausgearbeiteter Charaktere.

Schlussendlich hat mich „Oshi no Ko“ rundum überzeugt. Dieser Anime hat sich ein unverbrauchtes Thema herausgepickt, es mit Mystery-Elementen angereichert und es bestmöglich in Bild und Ton verpackt. Es gibt noch unendlich viel schlummerndes Potential, das in weiteren Staffeln hoffentlich noch ausgeschöpft werden wird. Sollte das geschehen, könnte „Oshi no Ko“ sogar in meinen engen Favoritenkreis eindringen und die Meisterwerksbewertung abgreifen. Bis dahin kann ich das leuchtende Spektakel der ersten Staffel nur uneingeschränkt weiterempfehlen.
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Avatar: AcurosKekstitan
V.I.P.
#3
Wäre mir Oshi no Ko ohne seine hohe Platzierung in der aS-Topliste aufgefallen? Vermutlich nicht, denn weder Titelbild noch Milieu sprachen mich an; das gesamte Idolgedöns ist mir ohnehin enorm suspekt (freundlich formuliert). Die Beschreibung ist schon eine andere Sache, aber das muss nichts heißen – die ganze Angelegenheit kann trotzdem in einer klischeegetränkten Katastrophe enden. Also zog mich hauptsächlich die Neugier bzgl. des Hypes an. Mit denen ist’s halt immer so eine Sache: Praktisch kein Werk wird seinem vorauseilenden Ruf ganz gerecht, so manches scheitert jämmerlich. Aber taugt der Anime nun überhaupt etwas? Ist er am Ende sogar richtig gut? Über Geschmack lässt sich angeblich nicht streiten, daher lautet die Antwort nur für mich (sowie ein paar andere): Und ob.

Oshi no Kou ist eine Geschichte voller Kontraste: Humor und Ernsthaftigkeit, Überzeichnung und Bodenständigkeit, Melancholie und Hoffnung, Einsamkeit und Gemeinsamkeit. Liebe und Hass, so klischeehaft es sich auch lesen mag. Vor allem aber Lüge und Wahrheit, denn das ist wohl das zentralste Thema der Geschichte: Die gesamte Unterhaltungsindustrie ist eine gewaltige Lügenmaschinerie, die insbesondere eines bringen soll: Geld – das bezeugen im Anime gleich mehrere Figuren. Es geht zwar nicht nur um die Idolszene, doch gerade hier kommt eine Botschaft besonders klar rüber: Lüge, wenn du Erfolg haben willst, überleben willst, schließlich wollen auch die Fans belogen werden, und zwar nonstop. Illusion ist alles, die Wahrheit der sichere Weg ins Aus.

Oshi no Kou ist für mich also kein reines Drama, sondern eine gut funktionierende Genremischung aus Drama, Komödie und auch Ganbatte. Wir verfolgen natürlich hauptsächlich den Werdegang von Ais Kindern, ergo den Zwillingen Aquamarine (»Aqua«) und Ruby, und zwar nicht mal nur von Geburt an, sondern dank Reinkarnation auch davor. Das führt zu einer famosen Einführungsfolge mit zwei Hauptfiguren im Babyalter, die so gar nicht babyhaft sind. Diese erste Folge ist nicht nur die längste – mit über 80 Minuten praktisch ein Film –, sondern auch die beste der Staffel. Durchschritten wird im Grunde die volle Bandbreite der Emotionen, von himmelhoch jauchzend (und lachend) bis zu am Boden zerstört. Es passiert nicht allzu oft, dass mir dieselbe Episode mehrere Lacher abgewinnt, aber auch die Salzbrühe in die Augen treibt – und das in der Frühphase, wo die Figuren noch nicht mal richtig etabliert sind. Lange nicht mehr hat mich eine Folge so gut unterhalten wie diese, die vom effektiven Erzähler Aqua fast schon beiläufig als Prolog abgestempelt wird. Doch genau der stellt für die restlichen 10 Folgen ein kleines Problem dar: sie kommen von der Intensität nicht mehr ganz ran, schon gar nicht durchgehend.

Während der Einführung gibt es zunächst ein paar kleinere Zeitsprünge, dann den großen zur Highschool-Phase – und damit den Übergang zur eigentlichen Geschichte. Bereits im Kleinkindalter waren die zwei Geschwister recht verschieden, doch die dramatischen Entwicklungen der Einstiegsfolge haben besonders bei Aqua Spuren hinterlassen. Zur introvertierten Sorte gehörte er schon vor seiner Wiedergeburt, mittlerweile kommt er reichlich unterkühlt daher und zeigt quasi schon »finstere« Charakterzüge – passend durch den dunklen Stern im Auge dargestellt, der nur selten mal aufleuchtet. Aqua ist einerseits darauf aus, seine Schwester vor Unheil aller Art zu bewahren, verfolgt aber zugleich einen drastischen Racheplan. Deswegen kehrt er dorthin zurück, wo er eigentlich nicht mehr hin wollte: ins Milieu von Film und Schauspielerei, um dort Kontakte zu knüpfen und Informationen zu sammeln. Allerdings wird bald klar, dass Aqua ein womöglich außergewöhnliches Talent besitzt, obwohl er selbiges leugnet. Ob sich dazu aber auch Leidenschaft gesellen wird, sehen wir wohl frühestens in der Fortsetzung.

Seine Schwester Ruby ist praktisch der Gegenpol: naiver Ersteindruck, eher extrovertiert, zuweilen unverschämt viel Optimismus besitzend – und fast genauso viel Energie. Ohne Kompromisse will sie in die Fußstapfen ihrer Mutter treten, weswegen sogar der Name von Ais ehemaliger Idol-Gruppe kurzerhand recycelt wird. Ruby ist allerdings keineswegs blöd und auch nicht ignorant gegenüber der harschen Realität der Idolszene. Sieht man mal von ihrem vorherigen tristen Leben ab, hat sie dank etlicher erfolgloser Vorsprechen längst gelernt, dass Erfolg nicht serviert wird. Ihr Sachverstand geht sogar soweit, dass sie bei der Vergabe der Center-Rolle, die einst ihre Mutter innehatte, in zurücksteckt, weil sie die Argumente sehr wohl versteht – und akzeptiert.

Beide Handlungsstränge sind gewissermaßen verknüpft, und zwar nicht nur durch die beiden Protagonisten, sondern auch durch Kana, die den Zwillingen manchmal fast die Show stiehlt. Der erste Eindruck ist jedoch weder beim Auftakt noch beim Wiedersehen in der Highschool ein guter: Versnobt, hochnäsig, leicht aufbrausend, beinahe asozial … kurzum: ein potentieller Nervtöter. Nach hunderten von Animes kennt man diese Art von Figuren, die das Werk merklich runterreißen können, nur zu gut. Das kaum gediehene Grauen wisch bei mir aber binnen kürzester Zeit dem Erstaunen, und zwar komplett. Kana hatte nach ihrem steilen Start effektiv eine Bauchlandung hingelegt und musste während Kindheit und früherer Jugend unentwegt darum kämpfen, überhaupt im Film- und Schauspielumfeld zu bleiben; von Erfolg kann keine Rede sein. Kein Wunder also, dass sie ein bemerkenswertes Maß an Selbstreflexion zeigt und dabei auch öfter mal ins Zynische abdriftet. Kana ist letztendlich ihr härtester Kritiker, nur eben nicht immer konstruktiv. Und weil sie abseits ihrer ernsten Seite praktisch eine klassische Tsundere ist, wird so manche Entscheidung schnell getroffen – und schnell bereut. Bestes Beispiel ist sicher, wenn sie sich später von Ruby zu einer solchen Entscheidung beschwatzen lässt, obwohl sie klar nachvollziehbare Gründe hätte, die Finger davon zu lassen. Offenbar ist gegen Rubys einnehmende, regelrecht strahlende Art kaum ein Kraut gewachsen.

Neben den dreien ist keiner der restlichen relevanten Figuren wirklich uninteressant oder unsympathisch, aber auch nicht innovativ oder frei von Klischees – im Gegenteil. Die schüchtern wirkende Akane und die katzenartige Mem-Cho sind hier sicherlich die prägnantesten Beispiele: Initial wirken sie wie fürchterlich eindimensionale und abgenutzte Tropen, bleiben es aber erfreulicherweise nicht; speziell Akane ist – fast schon wortwörtlich – ein verborgener Stern, aber auch ein Beispiel dafür, wie schnell so ein Stern um ein Haar erlöschen kann. Generell ist die Riege einfach facettenreicher als der weite Durchschnitt und damit schlichtweg interessanter.
Das gilt auch für den Erzählstil: Hier wissen Leute, wie man eine Geschichte vorträgt, und wissen auch, wie man eine solche Geschichte in Szene setzt. Wie man diese wiederholt aufs lustige (zuweilen bizarre oder gar makabere) als auch aufs ernste Gleis befördert, ohne dass die Angelegenheit entgleist. Koshi no Ou ist kein bisschen Revolution, sondern schlichtweg ein Zeugnis von Fähigkeit und Erfahrung – und vermutlich auch Herzblut. Insbesondere bei den Charakteren gelingt der Stimmungswechsel in den meisten Fällen nahtlos … und wenn mal doch nicht ganz, fällt’s nicht groß ins Gewicht. Das gilt auch für die selten auftretenden Längen, die zum Glück allesamt schnell vorbei und womöglich auch einfach eine Folge der starken Auftaktfolge sind – ein Nebeneffekt der Hoffnung auf erneute Höhenflüge.

Dem Anime sieht man auf technischer Seite an, dass einerseits Mühe eingeflossen ist und dass andererseits auch einfach das Jahr 2023 ist. Da meine Fachkenntnisse lausig sind (und es aufgrund inhärenter Faulheit auch bleiben), kann ich nicht sagen, ob die Hintergründe das Nonplusultra sind, aber man kann nicht leugnen, dass sie meistens überzeugen; negative Beispiele sind mir keine aufgefallen. Animatorisch wurde gerade an den richtigen Stellen hingelangt, aber man sieht zuweilen auch mal ein Standbild – oder gleich eine ganze Reihe als Stilmittel fürs »Vorspulen«. Das ist zum Glück die Ausnahme, insgesamt ist das Animationsniveau mehr als ordentlich und für diese Geschichte auch völlig ausreichend.
Optisch geht’s mitunter knallig zu, wenn das Thema Richtung Idol schwenkt. Bei Auftritten oder Videos davon gibt’s schon mal die volle Dröhnung Farbe, bei ernsteren Szene ist die Farbpalette aber wesentlich ausgeglichener. Der Zeichenstil bei den Figuren ist weder zu kindlich noch zu erwachsen, aber das ist bei dieser Kontrastpalette auch der beste Kompromiss.

Sich zu den Synchronsprechern zu äußern, fühlt sich dank der allgemeinen Kompetenz fast schon wie abzuspulendes Standardprogramm an, von daher einfach Dinge, die mir erwähnenswert scheinen: Ais Sprecherin leistet hervorragend Arbeit, aber kurioserweise habe ich sie überhaupt nicht wiedererkannt, obwohl ich sie in ihrer Rolle als Emilia (aus Re:Zero) ausreichend gehört habe. Die Sprecherin von Kana erwähne ich gesondert, weil sie ihr praktisch jede Facette der Figur gekonnt ins Szene setzt. Die größte Überraschung ist jedoch Rubys Stimmgeberin: Abgesehen von Komparsenrollen (aS listet derzeit gar nur zwei auf) scheint der Anime der erste große Einsatz zu sein. Das hätte ich bei dem zur Schau gestellten Können nicht erwartet; ich bin gespannt, wie weit es die junge Dame bringt. Klanglich ging mir eigentlich nur die Stimme der Mutter des Filmdirektors Taishi Gotando auf den Keks, aber erstens ist die Figur für die Handlung praktisch irrelevant und zweitens liegt’s wohl auch eher an der Rolle selbst.

Musikalisch hält sich das Werk überraschenderweise zurück und untermalt einen Großteil der Szenen mit ruhigen Klängen, oftmals mit (sicherlich künstlichen) Streichinstrumenten. Die meiste Zeit fiel mir die Hintergrund nicht mal auf, aber letztendlich erfüllt sie genau die Supportrolle, die vonnöten ist. Die Insertsongs (die meisten davon im Kontext Idol) sowie Vor- und Abspannlied sind logischerweise von einem anderen Kaliber. Ich sage mal unverblümt: Das Abspannlied geht Richtung J-Rock und hat nette Ansätze, aber mein Fall ist das nicht. Und während ich die wenigen Insertsongs (teils bei Auftritten) grazil übersprang, hielt es mich beim Titelsong wegen Neugier und dezenter Verwunderung gerade mal reichlich 10 Sekunden, danach … aber gut, ich will den Text nicht mit einer impliziten Kriegserklärung beenden, denn über Geschmack lässt sich zwar sehr wohl streiten, nur profitiert für gewöhnlich keiner davon.

Fazit:
Herausgekommen ist eine Geschichte, die zuweilen trügerisches Licht mit teils deutlichen Schatten verbindet und dabei wie Selbstkritik erscheinen mag. Das ist sie meiner Meinung nach aber nicht, sondern schlichtweg ein erzählerisches Stilmittel, das sich offenbar aufgrund des aktuellen Zeitgeists lohnt. Und eigentlich ist es nicht mal Kritik, sondern einfach reduzierte Heuchelei. Wir sollten nicht vergessen, dass auch jeder Anime ein Produkt der Unterhaltungsindustrie ist und damit per Definition zumindest ähnliche Anforderungen zu erfüllen hat. Es ist also auch kein Wunder, dass dieses Werk – dieses Produkt – idealisiert ist und somit reichlich Überzeichnung und damit einhergehende Stilmittel enthält, und zwar nicht zu knapp. Das ist letztendlich auch das, was der Fan, der Zuschauer, der Konsument will – und das muss nicht per sé was Schlechtes sein. Was Oshi no Ko letztendlich klar von der Masse abhebt, ist eine dank Grips und Kenntnis gelungene, abwechslungsreiche und zumeist einnehmende Umsetzung einer offenbar starken Vorlage. Für mich eines der Highlights der letzten Zeit und eine weitere Erinnerung daran, warum ich Anime gerne schaue.
Beitrag wurde zuletzt am 13.07.2023 21:21 geändert.
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Avatar: SnefDen#4
  • Handlung
  • Animation
  • Charaktere
  • Staffelende

Eine Kurze Rezension


Bewertungspunkte:

5 Sterne: Sehr gut
4 Sterne: Gut
3 Sterne: Neutral
2 Stern:  Schlecht
1 Stern:  Sehr Schlecht

Handlung:

4/5
Den Auftakt (Folge 1) finde ich etwas gewöhnungsbedürftig. Dieser wirkt auf mich auch mehr wie ein Prolog als wie die Hauptgeschichte. Die Handlung danach finde ich, je weiter die Geschichte heranreift immer besser. Auch führt dieser Anime einem vor Augen, was die Nachteile davon sind, im Showbusiness zu sein, was das Ganze fast schon sehr gut macht. Für mich gleicht sich das aberaus, weshalb ich auf ein gut in diesem Punkt komme.

Animation:

5/5
Anfangs etwas überrascht durch die Sterne in den Augen von Ai, Aqua und Ruby. Doch seit dem Ende von Folge 7, wirkt es auf mich, als wäre die Bedeutung der Sterne eine andere als zuvor angenommen. Wer so weit gekommen ist, weiß welche Stelle ich meine.

Charaktere:

5/5
Für mich haben die Charaktere eine relativ bis sehr gute Wertung. Sehr von Aqua getragen, aber auch die anderen Charaktere gefallen mir im großen und ganzen sehr. Natürlich gibt es Ausnahmen.

Staffelende:

5/5
Nichts groß außergewöhnliches, aber ein guter Abschluss für diese Staffel. Auch ist für mich bei diesem Ende die Vorfreude auf eine Fortsetzung sehr hoch. Daher ein für mich sehr gutes und gelungenes Ende.

Fazit:

4.75/5
Auch wenn die Geschichte anfangs etwas ziellos wirkt, entwickelt sie sich schnell zu einem Punkt, in welchem man das Ziel der Protagonisten erkennen kann. Dabei sollte man sich nicht von der ersten Folge blenden lassen, da die relevanten Ziele sich erst in Folge 2 und 3 zu erkennen geben. Die Geschichte hat durch die Haupt- und Nebencharaktere eine, meiner Meinung nach, relativ gute Tiefe, was dem ganzen eun interessantes Such- und Seherlebnis bietet.
Auch visuell ist die Serie mit interessanten Feinheiten ausgestattet, die einem mehr Einblicke in die Motive und Vorgehensweisen der Charaktere geben. Einer dieser Aspekte sind beispielsweise die Sterne in den Augen mancher Charaktere.
Aus diesen Gründen würde ich "Oshi No Ko" jedem empfehlen, der ein Auge aufs Detail legt. Auch sollten Personen, die ins Showbusiness wollen, diesen Anime schauen, um sich einen Einblick zu verschaffen, was auf einen zukommen kann oder wird.
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Avatar: El_LaJokerKeksheld
DB-Helfer
#5
  • Handlung
  • Animation
  • Charaktere
  • Musik
Im Glanz der Bühne lächeln viele Gesichter – doch nur wenige zeigen, was hinter dem Schein wirklich verborgen liegt.

Oshi no Ko hat mich schon in der ersten Folge direkt abgeholt. Die Serie schafft es von Beginn an, eine ganz besondere Atmosphäre aufzubauen, die zwischen Glanz, Illusion und einer unterschwelligen Dunkelheit super balanciert. Dadurch entsteht sofort ein starkes Interesse daran, wie sich diese Welt und ihre Geschichten weiter entfalten werden. Wie viele andere war ich sofort stark in den Bann von Ai gezogen – ihre Ausstrahlung, ihr Charme und ihre Präsenz waren extrem unterhaltsam. Gleichzeitig war ich unglaublich gespannt, wie sich ihre Geschichte entwickeln würde und in welche Richtung die Serie insgesamt gehen würde.

Story
Die Grundidee der Geschichte ist außergewöhnlich gut umgesetzt. „Oshi no Ko“ schafft es, eine komplexe Handlung mit vielen Twists und unerwarteten Wendungen zu erzählen, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Besonders beeindruckend ist die Dramatik, die sich durch die gesamte Handlung zieht.
Ein zentraler Aspekt ist das Show-Business, das hier sehr schonungslos dargestellt wird. Die Serie vermittelt eindrucksvoll, wie hart und kompromisslos diese Welt sein kann. Selbst ohne eigene Berührungspunkte mit der Branche fühlt man sich als Zuschauer so, als würde man mitten im Druck und den Mechanismen der Unterhaltungsindustrie stehen. Diese Atmosphäre wird sehr stark und glaubwürdig transportiert.

Charaktere
Die Charaktere sind eine der größten Stärken der Serie. Besonders Ai Hoshino hat durch ihre charismatische und zugleich tragische Art einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Auch Aqua entwickelt sich im Verlauf der Serie sehr interessant. Anfangs wirkt er durch bestimmte Ereignisse eher kühl, distanziert und verschlossen. Mit der Zeit zeigt sich jedoch, dass er ein hochintelligenter Charakter ist, der sowohl verbissen als auch loyal und unterstützend handeln kann. Seine Schwester Ruby ist ein totaler Sonnenschein, ganz wie Ai strahlt sie eine Fröhlichkeit aus und es macht Spaß, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Auch Kana Arima wächst im Verlauf der Handlung besonders ans Herz, da sie sich Schritt für Schritt mehr öffnet und ihre Gefühlswelt dadurch immer greifbarer und nachvollziehbarer wird, was sie zu einem der glaubwürdigsten und emotional zugänglichsten Charaktere der Serie macht.
Darüber hinaus haben auch die anderen Charaktere, ob Haupt- oder Nebenfigur, ihre eigenen Schicksale und Hintergründe, die oft emotional berühren und dafür sorgen, dass man mit ihnen mitfühlt. Jeder Charakter wirkt auf seine eigene Weise bedeutungsvoll für die Gesamtgeschichte.

Fazit
Die erste Staffel von Oshi no Ko hat einen sehr starken Eindruck hinterlassen. Die Mischung aus Drama, überraschenden Wendungen und einer intensiven Darstellung des Show-Business funktioniert hervorragend. Besonders die Charaktere und die emotionale Tiefe der Geschichte stechen hervor.
Für mich steht fest: Die Serie hat einen starken Grundstein für eine potenziell herausragende Gesamtgeschichte gelegt. Ich freue mich sehr auf die kommenden Staffeln und bin gespannt, wie sich alles weiterentwickelt.
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