Hallo, und Willkommen zu meiner Kritik zu "Danganropa".
Zusammenfassung des Plots (Keine Spoiler)
15 Elite-Schüler sind im Begriff sich bei einer renommierten High-School anzumelden: der Hope's Peak Academy. Jedoch sind die Regeln dieser Schule, milde gesagt, außergwöhnlich. Wir werden schon zu Beginn der ersten Folge dieser kurzen Serie sofort in die Problematik eingeführt: Die Schüler, die sich scheinbar alle nicht kennen, sind in der Schule gefangen und können nicht fliehen. Nachdem sie damit anfangen, eigene Theorien darüber aufzustellen, wer dahinter stecken könnte und wie sie da wieder rauskommen könnten, erscheint der Direktor der Schule: Der einzigartige Monokuma, ein süßer aber dabei zwiellichtig wirkender, sprechender Teddybär, (zu deutsch: Monobär) und erklärt ihnen die Regeln für sein teuflisches Spiel: Zu Monokumas Unterhaltung sollen die Schüler, die die ganze Schule für sich alleine haben, sich gegenseitig ermorden, denn das, so Monokuma, ist ihre einzige Chance die Schule lebend zu verlassen. Wenn ein Mord geschehen ist und eine Leiche gefunden wurde, macht Monokuma eine Ansage und die Schüler haben eine "gewisse Zeit" Hinweise zu sammeln und zu ermitteln, wer der Mörder sein könnte. Irgendwann ruft Monokuma zum Prozess auf. Bei diesem diskutieren die Schüler alle miteinander über den Tathergang und schließlich muss jeder Schüler seine Vermutung abgeben, wer den Mord begangen hat. Dabei entscheidet die Mehrheit der Stimmen, wen die Schüler als schuldig anerkennen. Sollten sie mit ihrer Entscheidung richtig liegen, wird der Mörder bestraft und zwar in Form einer brutalen Hinrichtung. Sollten unsere Schüler jedoch falsch liegen werden sie alle getötet und nur der tatsächliche Mörder ist frei. Der einzige Ausweg ist also das perfekte Verbrechen zu begehen und nicht erwischt zu werden bzw. dafür zu sorgen, dass jemand anderes verurteilt wird. In Folge der Tage, die die Schüler in der High-School verbringen geschehen Morde und es werden immer mehr Geheimnisse über die Schule, den "Drahtzieher" und dem eigentlichen Zweck des großen Spiels enthüllt.
- Kritik -
Grundidee/Story
Wenn man sich den Grundplot anhört/liest fallen einem viele gute Möglichkeiten für Mysterien, Twists und Beziehungs- und Charakterentwicklungen auf. Außerdem stellt die Serie indirekt die Frage, wie man selber in der Situation agiert hätte. Damit hat die Idee sogar sozialpsychologische Dimensionen inne und das finde ich grundsätzlich interessant, aber ob diese starke Idee auch gut umgesetzt wurde ist ein ganz anderes Thema...
7/10 Punkten in der Disziplin -Grundidee/Story-
Charaktere/Figuren
Und hier gehts auch schon los mit den vielen Schwächen dieser ansonsten liebevoll konzipierten Serie: Die Charaktere sind nahezu ausschließlich stark überzeichnete, eindimensionale Stereotypen und dabei hilft es auch nicht, dass sie durch die starke Übertreibung irgendwie besonders wirken sollen. Was man ihnen zu gute halten muss, ist, dass sie sich zumindest Mühe gegeben haben, viele verschiedene Charaktere aufwendig zu zeichnen und ihnen individuelle Rollen zu geben, auch wenn fast alle Charakterzüge schon millionenfach kopiert wurden und inzwischen einfach nur ausgelutscht sind. Von Entwicklung der Charaktere ganz zu schweigen, die ist nämlich praktisch nicht vorhanden. Die einzigen Charaktere, die sich hier etwas abheben, aber auch nicht grandios sind, sind: Togami, Kirirgiri, Sakura und Fujisaki...naja gut...Da gibts natürlich noch eine große Ausnahme: Der Monokuma! Von dieser Figur war ich wirklich fasziniert und es gab lange Phasen in denen dieser kleine Bär die ganze Serie fast alleine stemmen musste, um für mich noch unterhaltsam zu sein. Nur dank dem Monobär (und einigen Szenen von den oben genannten) sinkt die Bewertung in diesem Bereich nicht vollkommen in den Keller!
4/10 Punkten in der Disziplin -Charaktere/Figuren-
Dramaturgie
Hier ist wieder ein Punkt in dem Ganganropa vieles gut macht. Während die Handlung voranschreitet, wird die Geschichte im Maximaltempo erzählt und wirkt dadurch zwar sehr stark komprimiert und man wünschte sich manchmal, dass der Anime sich auch mal Zeit nähme, doch dafür ist die Langeweile über die meiste Zeit besiegt. In fast jeder Folge gibt es Schlüsselszenen für die Handlung, das ist allerdings auch vollkommen notwendig, um nicht völlig fad zu werden. Allerdings gibt es auch nichts wirklich besonderes. Abgesehen von ein, zwei guten Cliffhangern, wartet der Anime mit kaum interessanter Erzählstruktur auf. Alles ist sehr straight hintereinandergereiht und erst gegen Ende merkt man, das der Anime versucht zu glänzen, was aber langfristig scheitert. Alles in allem ist es bei Danganropa, wie in fast jeder anderen Disziplin meiner Kritik: Die kleinen Stärken, die immer wieder aufblitzen, wirken den Schwächen entgegen und schieben den Anime in den Durchschnitt.
5/10 Punkten in der Disziplin -Dramaturgie-
Technische Umsetzung (Bild/Ton/Schnitt)
Hier wird die Toleranz des Zuschauers auf eine ernsthafte Probe gestellt: Wie verrückt kann es überhaupt werden, ohne dass man als Zuschauer kopfschüttelnd abbricht? Das Problem ist, dass der Anime irgendwie selbst nicht so recht zu wissen scheint, wo er hin will. Für Thriller, oder Krimi, gibt es viel zu viele Bunte Chraras und Szenen (ähem pinkes Blut), aber so richtig auf Comedy macht der Anime auch nicht. Der Gipfel des Ganzen ist die Aufmachung der Prozesse, bei denen die Schüler diskutieren: Die Musik, Schnitte und Kameraeinstellungen sind viel zu verspielt und schreien förmlich danach, bloß nicht ernstgenommen zu werden, nur um dann, wenn jemand entlarvt wurde, wieder auf emotional zu machen, was zu ungefähr 0% ankommt. Aber wie schon vorher erwähnt: Auch hier gibt es wieder entgegenwirkende Stärken. Und damit meine ich allen voran den Stil bei der Darstellung der Hinrichtung: Ohne allzu brutal zu werden, werden Schmerz und Leid angedeutet und mit der niedlichen, spielerischen Art des Monobärs kombiniert, was einfach schockierend und faszinierend zugleich ist. Ansonsten ist wieder nicht mehr als Durchschnitt zu holen.
5/10 Punkten in der Disziplin -Technische Umsetzung (Bild/Ton/Schnitt)-
Kreativität/Vielseitigkeit
Hier kann ich die Serie wieder relativ uneingeschränkt loben, denn bezogen auf die einzelnen Fälle und deren Lösung, haben sich die Macher hier komplexe Rätsel ausgedacht, die zum Teil weit hergeholt sind, aber meistens dennoch logisch und ein guter Spaß zum mitraten. Es verstecken sich viele unerwartete Überraschungen, Geheimnisse und Twists, die erst während des Prozesses geklärt werden. Die vielen Regeln Monokumas für die Schüler, zwingen eben diese mitunter zu kreativen Lösungsansätzen. Was den großen Clou um die Schule angeht, wurde hier sehr weit ausgeholt, aber das man sich hier nicht genug Gedanken gemacht hat, kann ich nicht behaupten. Danganropa hält einige nette Ideen bereit, die auch gut für das Ende gespart werden um sie trupfartig auszuspielen.
7/10 Punkten in der Disziplin -Kreativität/Vielseitigkeit-
Intensität
Hier äußert sich die fehlerhafte Umsetzung am stärksten, denn wenn man die Fehler bemerkt leidet alles darunterm was der Anime letztendlich vermitteln will. Was versucht wurde ist klar. Der Kampf der Hoffnung gegen die Verzweiflung wird vor allem gegen Ende gut verdeutlicht, aber emotional berührt hat mich die Serie so gut wie überhaupt nicht, weil sie erstens: Sich keine Zeit nimmt, dass man die Charaktere gut genug kenen lernt, um wirklich stark mit ihnen mitzufühlen und zweitens: durch manchmal zu Comic- oder Comedyhafte Darstellung einfach alles ins Lächerliche gezogen wird. Die gesamte potenzielle Intensität, die die Serie aufgrund der Grundstory hatte wird quasi im Klo runtergespült. Es ist natürlich nicht ausschließlich so, es gibt auch vereinzelt bessere Szenen, doch alles in allem trifft es leider zu. Für Leute, die keinen großen Wert auf ein intensives Erlebnis legen, sollte das aber kein Hindernis sein.
3/10 Punkten in der Disziplin -Intensität-
Gesamtwertung
Was soll ich noch sagen, was oben nicht schon so oft steht, dass man es langsam gemerkt haben sollte. Ich wurde leider etwas enttäuscht. In der ersten Folge habe ich deutlich gespürt, das hier was gutes drinsteckt und dann gab es einfach zu viele Momente, in denen der Anime sich nur noch lächerlich gemacht hat und dabei nicht mal so oft witzig war. Wie gesagt: Relativ guter Stoff, relativ schlecht umgesetzt. Alles in allem kann sich der Anime im Durchschnitt schon gut sehen lassen. Er ist auf jeden Fall keine Schande.
In der Gesamtwertung erhält Danganropa von mir 5,2/10 Punkten (2,5 Sterne) und damit das Attribut "Durchschnittlich"
...Achja übrigens
Ich kann trotz meiner Enttäuschung verstehen, wenn viele diesen Anime feiern. Er bietet einem viele, viele Gründe ihn zu mögen und über seine Schwächen hinweg zu sehen: Gerade Leute, die gar keinen Wert auf tiefe und realistische Charaktere legen, oder die den Anime nur aus der Sicht des verrückten Humors sehen und ihn allgemien witzig finden würden, kann man ihn ans Herz legen. Es gibt keine richtige Sicht auf einen Anime. Das wollte ich unbedingt einmal klar gestellt haben. Ich versuche eher zu zeigen, was der Anime kann und was nicht, damit man sich ein Bild davon machen kann, ob der Anime einem persönlich zusagen würde.
Heinrich Runge