Wo könnte man Hyouka einordnen, unter Mystery verstehe ich etwas anderes, ein Krimi ist es auch nicht, schon eher eine Alltagsgeschichte mit Anlehnungen an die zuvor erwähnten Genres. Die größte Stärke von Hyouka, die Rätsel, sind leider auch die größte Schwäche, denn so gut durchdacht sie auch sind, bieten sie nicht die Intensität um einen mitfiebern zu lassen,
das liegt vor allem daran, dass einem der Grund warum die Rätsel durchgeführt werden, nicht interessiert. Doch Hyouka will unterhalten und tut es.
Story:
Houtarou Oreki, unser fauler Protagonist, tritt dem Klassiker Club bei, mehr erzwungen als freiwillig. Dort trifft er auf die aktive Chitanda Eru. Bald schließen sich noch zwei weitere Personen dem Club an. Von nun an bekommt man seichte Rätsel serviert an dessen Lösungen sich der Klassiker Club beteiligt.
Die Rätsel reichen von der Frage warum ein Lehrer etwas mag bis zu leichtem Diebstahl, gehen aber nicht darüber hinaus. Und hier finde ich die Schwachstelle des Anime, die Rätsel an sich sind interessant, nur das drumherum ist es nicht. Mich interessiert es eben nicht ob ein Lehrer Hubschrauber mag oder nicht, das möchte ich nicht sehen. Hier ist Hyouka zu unspektakulär. Leider wird in vielen der Fälle noch ein kleines Drama eingefügt, dass total deplatziert wirkt, durch die Unwichtigkeit der Fälle. Einerseits finde ich es schön wenn mal etwas echt nah an der Realität gebaut ist, aber hier ist es einfach zu wenig, fast schon langweilig. Die Rätsel an sich, und der Lösungsweg, sind dafür Top! Man bekommt die Lösung nicht immer gleich vor den Latz geknallt, sondern nur Häppchenweise, und zwischen diesen Häppchen, verstecken sich auch oft neue Fragen und Denkansätze. Unsere Protagonisten sind auch mal auf dem Holzweg was mir auch gut gefällt. Lösbar sind die Fälle für den Zuschauer zwar schon, aber wohl zu schwer. Oft bekommt man nicht genug Einsicht in die Unterlagen die den Charakteren zu Verfügung steht, doch ab und zu habe ich selbst schon gute Denkansätze VOR unseren Protagonisten (HOHO!) gehabt. Das Setting beschränkt sich großteils auf die Schule und andere typische Orte wie Onsen etc. Auch der Realismus ist recht ordentlich, es gibt keine übertrieben klischeehafte Orte sondern sie haben alle ihren eigenen Charme. "Ich glaube so siehts in Japan auch in echt aus" habe ich mir oft gedacht.
Charaktere:
Joa, da haben wir auf jeden Fall mal einen eher untypischen Protagonisten, Houtarou Oreki. Sein Motte lautet "Ich mach nichts was ich nicht tun muss, das was ich machen muss, mach ich schnell" Zitat frei wiedergegeben. Er ist faul, rührt am liebsten keinen Finger und ist nicht sonderlich gesprächig. Zynisch und oft auch sarkastisch. Ich mag so Charaktere. Er ist der Detektiv wider Willen in der Serie.
Dann haben wir noch Chitanda Eru, aktiv, fröhlich, nett, ein wenig naiv und vor allem neugierig. Sie bringt Houtarou meistens dazu sich mit den Fällen auseinanderzusetzen. Nicht der beste Charakter aller Zeiten, aber ganz sympatisch. Ihr Gesichtsausdruck und ihre Augen wenn sie neugierig ist, sehr schön, man merkt richtig den Druck der von ihr ausgeht.
Dann haben wir da noch den Sidekickcharakter, Fukube Satoshi, gibt eigentlich nichts überragendes über ihn zu erzählen, aber auch er hat so seine Momente.
Die letzte im Bunde ist Ibara Mayaka die eigentlich nur eine kleine Tsundere/Tomboy Persönlichkeit verpasst bekommen hat, aber ansonsten recht langweilig ist.
Charakterentwicklung gibt es keine, außer vielleicht bei Houtarou ein ganz kleines bisschen. Was ich persönlich sehr schade finde.
Animationen:
Es haut einen um. Der Detailreichtum ist atemberaubend. Schon mal in einem Anime gesehen wie an einem Fahrrad die Gangschaltung benutzt wurde? Solche Details finden sich in Hyouka zuhauf und das ist extrem... cool. Man sollte auch mal wirklich mehr auf die Backgrounds achten, was hier geliefert wurde, ist gigantisch. Ganz großes Plus. Auch das Charakterdesign ist sehr schön anzusehen individuell gestaltet. Mir ist bei den Animationen nichts negatives aufgefallen, in keiner Folge. Die Theorien und Denkansätze bekommt man auch oft animiert zu Gesicht, diese sind vereinfacht dargestellt, wie z. B. mit Strichmännchen, aber toll gemacht. Für jemandem der japanische Schriftzeichen lesen kann, wahrscheinlich noch viel toller.
Sound:
Durchschnittlich bis gut. Das erste Opening hat mir sehr gefallen, passt zu der Serie wie die Faust aufs Auge, das erste Ending ist durchschnittlich. Zweites Opening ist nicht so gut wie das erste, aber trotzdem toll, zweites Ending hat mir nicht gefallen. Die BGM hat ein paar gute Stücke, die vor allem wenn gerade Theorien zu den Rätseln aufgestellt werden, schön zum Einsatz kommen. Viele Flöten- und Geigenstücke. Passt auf jeden Fall zum Setting und wirkt gut, ist aber nicht atemberaubend.
Fazit:
Tja, wer könnte mit so einem Anime etwas anfangen. Ich für meinen Teil, habe immer zwei drei vier Folgen nach der Nachtschicht angeschaut, für sowas ist er perfekt. Man kommt heim, will nichts spannendes oder actionlastiges sehen, aber trotzdem noch bisschen den Kopf einschalten. Auf dieser Ebene habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ein unterhaltsames Werk für Leute, die ihren Kopf ein wenig anstrengen wollen. Nicht mehr und nicht weniger.
Kommentare
Du magst phlegmatische, gelangweilte Protagonisten, deren Mundwinkel 95% der Spielzeit nach unten hängen?
Du erwartest von einem Anime keinerlei Story, Message, Charakterentwicklung oder Substanz?
Perfekt! Dann ist Hyouka vermutlich genau das richtige für Dich! Herzlichen Glückwunsch!
...Spaß beiseite.
Womit man in Hyouka drangsaliert wird, sind die an Belanglosigkeit und Langeweile leider kaum zu überbietenden "Fälle" eines Highschool Clubs für klassische Literatur, dem unser uncharismatischer, wenig bis annähernd unsympathischer Hauptdarsteller Houtarou und seine ihn trotzdem (völlig grundlos und unnachvollziehbar) gut findenden Freunde angehören. Ein Setup, das sich so auch bei Free! in ähnlicher Konstellation wiederfindet, nur halt in einem Sport-Setting... keine Ahnung, wer bei Kyoto Animation auf solche Charaktere und Prämissen abfährt... ich jedenfalls nicht.
Da nun wie gesagt die zu lösenden Fälle - oder sprechen wir vielleicht lieber von Fragestellungen - so uninteressant sind, dass eigentlich niemand auch nur entfernt aus eigenem Antrieb auf die Idee kommen würde, die Antworten bzw. Lösung der Rätsel überhaupt wissen zu wollen, wird als Gegenmaßnahme permanent versucht, sie emotional über die Charaktere aufzuladen. Das geschieht in erster Linie durch den Mensch gewordenen Hundewelpen Chitanda, deren ständiges "Watashi Ki ni Narimasu!" (I'm curious!) man irgendwann synchron mitsprechen kann, sobald ihre Kulleraugen mal wieder über den Bildschirm funkeln... Hinweis an die Regie: das nutzt sich trotz aller Niedlichkeit SEHR schnell ab. Man hätte auch einfach etwas mit mehr Substantz oder Tragweite schreiben können, dann wäre es nicht nötig gewesen, dieses Stilmittel so überzustrapazieren
Nunja... viel mehr habe ich hierzu eigentlich nicht mehr zu sagen... die Animation ist Kyoto-typisch schön, die Musik ist in Ordnung.... aber ich wusste schon, warum ich die Serie vor ein paar Jahren nach 5 Folgen erstmal auf Eis gelegt hatte... Hier gibt es mit Ausnahme einiger weniger akzeptabler - weil zusammenhängender - Folgen (Schulfest) nicht viel Zählbares, was Hyouka über das Gesamturteil "stinkend langweilig und nahe an der Grenze zu ätzend" erheben könnte.... Muss man - wenn man mich fragt - definitiv nicht gesehen haben.
Hyouka ist ein echtes Juwel! Ein „Kammerspiel“ mit genau vier Hauptpersonen, mit toller Regie, passender musikalischer Untermalung, sympathischen Charakteren und bester zeichnerischer Gestaltung. Man könnte es heute auch beschreiben als die „Essenz von In/Spectre“, aber ohne Magie, Gewalt, reduziert auf einfache Geschichten über logische Deduktion von teilweise banalen Alltags- und Schulproblemen. Wobei In/Spectre natürlich erst viel später kam (und sich vielleicht auch von Hyouka hat inspirieren lassen?).
Hört sich lahm an? Ist aber spannend und unterhaltsam - wenn man so etwas mag. Wer gerne Action, Kämpfe, Suspense, Horror etc. anschaut, macht besser einen weiten Bogen um Hyouka.
Besonders gefällt mir bei jedem Rätsel der „Startpunkt“, wenn Chitanda Eru unter kompletter Verletzung jeder japanischer Abstandsregel ein paar Zentimeter vor Oreki Houtarous Gesicht schwebt und ihm ihre Neugierde entgegenruft: „ki ni narimasu“ - „ich bin neugierig“ … und Houtarou kann wieder einmal nicht widerstehen, ein Rätsel zu lösen, obwohl er doch eigentlich jegliche Energieverschwendung hasst.