Rocket-Special zum Brexit: Anime in Großbritannien

Neuigkeiten rund um Animationsfilme und -serien aus Fernost.

Rocket-Special zum Brexit: Anime in Großbritannien

Ende Januar verließ Großbritannien die Europäische Union; während einer Übergangsphase bis Ende des Jahres bleibt aber zunächst fast alles beim Alten. Doch wie sieht es auf der Insel in Sachen Anime aus?

Obwohl Großbritannien den Vorteil genießt, in den meisten Fällen die amerikanische Synchronfassung übernehmen zu können – seit dem Ende der VHS kam allenfalls eine Handvoll britischer Anime-Synchronisationen zusammen –, wurden in den letzten Jahren im Vereinigten Königreich weniger Anime auf Disc veröffentlicht als in Deutschland. Angesichts der vergleichsweise günstigen Preise, dem trotzdem sehr vielfältigen Katalog und den geringen Import-Hemmnissen ist das Vereinigte Königreich für viele Titel trotzdem eine Alternative.

Vorweg gesagt: Einen starken Hang zu Release-Verschiebungen haben so ziemlich alle britischen Publisher, die sich auf Anime spezialisiert haben. Bedingt durch die Gestaltung der Lizenzverträge kommt es zudem häufiger als in anderen Ländern vor, dass verschiedene Serien oder Staffeln eines Franchise letztendlich bei verschiedenen Publishern landen. Leider gibt es aber auch immer wieder Fälle, in denen nur einzelne Staffeln einer Serie im Vereinigten Königreich veröffentlicht werden oder aber die Filme außen vor bleiben.
Seit einigen Jahren ist es zudem üblich, dass die Blu-ray-Master (teils auch DVD-Master) von anderen Publishern aus den USA oder Australien geklont werden, um Kosten zu sparen. Standardausgaben sind oft sehr einfach gestaltet: Booklets sind seltene Ausnahmen und Cover häufig nur einseitig bedruckt. Ähnlich wie in den USA, sind seit etwa 2010 Staffelboxen und Gesamtausgaben üblich. Sehr lange Serien werden in Teile mit 10 bis 26 Episoden unterteilt. Dies gilt inzwischen auch für Sublizenzen des US-Publishers Aniplex, die noch sehr lange als „Einzelvolumes“ mit 5 bis 8 Episoden erschienen.

Doch nun zu den Publishern auf dem britischen Anime-Markt:

Anime Limited:

Der Publisher wurde erst 2012 gegründet und steht in recht enger Verbindung mit dem „Scotland Loves Anime Festival“. Der aktuell lieferbare Katalog umfasst 189 Blu-rays und 98 DVDs, wobei sich vor allem drei Schwerpunkte zeigen:
  • Filme:
    Anime Limited hat sich stark gemacht und viele Anime-Filme in die britischen Kinos gebracht und natürlich auch auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.
  • Sammlerausgaben:
    Aktuell sind 84 Sammlerausgaben lieferbar (und zahlreiche weitere ausverkauft). Anime Limited setzt zumeist auf Digipaks im stabilen Schuber mit einem Booklet, Artcards und/oder Poster als Extra. Bei Filmen sind die Sammlerausgaben fast immer DVD-/BD-Combo-Packs, bei Serien meist ausschließlich Blu-rays. Einige Titel wurden zudem als „Ultimate Edition“ veröffentlicht, wobei je nach Ausstattung der Listenpreis mehrere hundert Euro erreichen kann.
    Anzumerken ist, dass nicht auf jede Sammlerausgabe auch eine Standardausgabe folgt.
  • „Gundam“:
    Das wohl umfangreichste Franchise des Publishers ist „Mobile Suit Gundam“ und trotz des Alters vieler Titel sind die Collector’s Editions (Standard-Amaray mit Sammelschuber bei Teil 1, großes Booklet bei Teil 2) oft sehr schnell ausverkauft. Alle „Gundam“-Produkte des Publishers sind nur auf Blu-ray erhältlich.

Anime Limited war von etwa 2016 bis ca. März 2019 auch der primäre Vertriebspartner für Funimation. Für viele Titel hat Anime Limited in diesem Zusammenhang exklusive Sammlerausgaben, andere hingegen nur als einfache Standardausgaben nach US-Vorbild veröffentlicht. Da die Lizenzen inzwischen abgelaufen sind, sind nur noch Restbestände im Handel verfügbar.

Als erster britischer Publisher hat Anime Limited ausgewählte Titel ausschließlich auf Blu-ray veröffentlicht – inzwischen wurde die Veröffentlichung von Serien auf DVD eingestellt (Filme erscheinen weiterhin in beiden Formaten). Da Anime Limited auch in Frankreich aktiv ist, haben Sammlerausgaben im Vereinigten Königreich und Frankreich teils identische Verpackungen, aber nur in wenigen Fällen auch identische Discs.

Manga Entertainment UK:

Manga Entertainment UK (kurz: Manga UK) ist ein Urgestein auf dem britischen Markt und schon seit rund 30 Jahren im Geschäft. Unternehmensstrategie und Eigentumsverhältnisse haben in der Vergangenheit häufig gewechselt. Seit Frühling 2019 befindet sich Manga UK im Besitz der Sony-Gruppe und ist offiziell dem US-Publisher Funimation unterstellt. Manga UK veröffentlicht dabei neben Lizenzen von Funimation auch beispielsweise „Pokémon“, „Dragon Ball“, „One Piece“, „Yu-Gi-Oh!“, das komplette „Naruto“-Franchise und das „Ghost in the Shell“-Franchise. Der aktuell lieferbare Katalog umfasst 236 Blu-rays und 341 DVDs, nach eigenen Angaben ist Manga UK der Marktführer in Großbritannien.

Bemerkenswert ist, dass Manga UK als einziger britischer Publisher auch weiterhin fast alle seine Produkte sowohl auf DVD als auch auf Blu-ray veröffentlicht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Publishern werden aktuelle Neuerscheinungen in der Regel mit einem Slipcover (also „Überzieher“ aus Pappe) veröffentlicht. Die Preise liegen dabei oft etwas unterhalb der Konkurrenz (und der US-Versionen). Aktuelle Sammlerausgaben sind zumeist „Kopien“ der US-Ausgaben von Funimation, wobei die Discs durch die UK-Versionen ersetzt werden. Frühere Sammlerausgaben waren hingegen meist sehr einfach gestaltet.

Einzelne zunächst auf VHS veröffentlichte Titel von Manga UK haben nie eine DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichung erhalten. Zum inzwischen inaktiven US-amerikanischen Publisher Manga Entertainment (USA) besteht schon seit einigen Jahren keine Verbindung mehr.

MVM Entertainment:

MVM ist ebenfalls ein Urgestein auf dem britischen Markt und schon seit VHS-Zeiten aktiv. Obwohl der Publisher nur ein sehr kleines Team hat, übernimmt er zusätzlich auch einzelne Logistik-Aufgaben für andere Publisher. Der aktuell lieferbare Katalog umfasst 159 Blu-rays und 212 DVDs. Nachdem MVM von 2015 bis 2018 fast alle Neuerscheinungen in beiden Formaten angeboten hat, beschränkt sich der Publisher für neue Serien inzwischen auf das Blu-ray-Format.

Nachdem der Schwerpunkt lange Zeit auf Produktionen des Animationsstudios Gonzo lag, machen aktuell Sublizenzierungen des US-Publishers Sentai Filmworks den Großteil der Neuerscheinungen aus. Aber auch für die ansonsten sehr hochpreisigen US-Veröffentlichungen von Aniplex bietet MVM häufig preiswerte Alternativen an. Der Publisher hat aktuell 27 Sammlerausgaben im Sortiment, die zumeist aus Amaray, umfangreichen, gedruckten Beilagen und einem Sammelschuber bestehen. Ausgewählte Klassiker erhalten hingegen neue Sammlerausgaben als Steelbook. Im Gegensatz zu Anime Limited veröffentlicht MVM bislang zu (fast) jeder Sammlerausgabe auch eine günstigere Standardausgabe als Alternative, jedoch zumeist mit einigen Monaten Verzögerung.

Im Vergleich zu den anderen Publishern hat MVM nur sehr wenige Kinofilme im Portfolio. Bedingt durch die zahlreichen Sublizenzierungen von Sentai Filmworks liegt der Anteil der Nischen-Titel (und damit auch der nicht auf Englisch synchronisierten Anime) etwas höher als bei anderen Publishern.

Studiocanal:

Auch wenn Studiocanal nicht auf Anime spezialisiert ist, soll nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Publisher die „britische Heimat“ für Produktionen aus dem Hause Studio Ghibli ist.

Andere Publisher kurz vorgestellt:

  • ADV Films war bis 2010 auch im Vereinigten Königreich aktiv. Problematisch für Sammler kann dabei sein, dass einige Releases im Vereinigten Königreich und den USA denselben Barcode haben und deshalb eine Vermischung beziehungsweise Verwechselung in den Lagern verschiedener Händler (einschließlich Amazon) möglich ist.
  • Animatsu Entertainment wurde 2014 gegründet, ist jedoch seit 2016 personell eng mit Manga Entertainment verbunden und seit 2018 praktisch inaktiv. Die Produkte sind jedoch weiterhin erhältlich (je 49 DVDs und Blu-rays).
  • Anime Projects war von 1992 bis 1995 im Vereinigten Königreich aktiv. Entsprechend sind alle Produkte nur auf VHS erschienen.
  • Beez war bis 2012 auch im Vereinigten Königreich aktiv. Die meisten Produkte sind inzwischen nicht mehr erhältlich – einige der beliebteren Titel wurden jedoch zwischenzeitlich von anderen Publishern erneut veröffentlicht. Beez hat schon sehr früh einzelne Anime auf Blu-ray veröffentlicht.
  • Kaze UK war von etwa 2012 bis 2017 im Vereinigten Königreich aktiv und hat in dieser Zeit das Vertriebsnetzwerk von Manga UK genutzt. Ein Teil der Produkte ist inzwischen weitgehend vergriffen, einzelne wurden inzwischen von Manga UK neu aufgelegt.
  • Kiseki Films war in den 90er Jahren im Vereinigten Königreich und in Australien aktiv. Die meisten Titel sind leider nur auf VHS erschienen. 2001 wurde Kiseki von Revelation übernommen.
  • Pioneer LDCE war Ende der 90er Jahre im Vereinigten Königreich aktiv. Die Titel wurden nur auf VHS veröffentlicht.
  • Revelation Films war während der 2000er Jahre als Vertrieb für Funimation tätig. Die Produkte sind inzwischen weitgehend vergriffen.
  • Sony war um 2018 zeitweise als Vertrieb für Funimation tätig, hat in dieser Zeit aber nur wenige Produkte in den Handel gebracht. Zuvor hat Sony einige amerikanisch-japanische Koproduktionen veröffentlicht.
  • Universal Pictures war von 2016 bis 2018 auf dem britischen Anime-Markt aktiv und hat ausschließlich Sammlerausgaben verkauft. Alle Releases waren mehrsprachig (inklusive Deutsch). 2018 wurden fast alle angekündigten, aber noch nicht veröffentlichten Lizenzen an MVM verkauft. Restbestände sind zum Teil sehr günstig erhältlich. Zuvor hatte Universal auch Teile des „Pokémon“-Franchise veröffentlicht.
  • Western Connection war um 1994 im Vereinigten Königreich aktiv. Alle Produkte sind nur auf VHS erschienen.

Nachdem mehrere Publisher zeitweise versucht haben den Kunden das Blu-ray-Format mit Blu-ray-DVD-Combo-Packs schmackhaft zu machen, sind diese inzwischen weitgehend verschwunden. Ausnahmen sind zumeist Sammlerausgaben, in der Regel von Kinofilmen. Während britische Blu-rays immer auf deutschen Playern funktionieren, ist das bei DVDs nicht immer der Fall: Aus Kostengründen wurden zuletzt im Vereinigten Königreich viele DVDs im NTSC-Format veröffentlicht, die von sehr alten DVD-Playern, aber auch Spielekonsolen, zum Teil nicht abgespielt werden können. Speziell bei Sublizenzierungen von Funimation-Titeln kann es zudem vorkommen, dass auf der DVD große Teile des Bonusmaterials fehlen – teilweise sogar OVAs.

Da sich das Blu-ray-Format auf dem britischen Anime-Markt erst wesentlich später etablieren konnte, erschienen bis etwa 2015 zahlreiche Titel nur auf DVD. Nur für wenige Titel der „HD-Frühzeit“ wurden bislang britische Blu-rays nachgereicht, sodass sich im Zweifel ein Blick in die USA lohnt, ob die dortigen Blu-rays „regionfree“ sind. Angesichts des Alters sind diese oft recht günstig zu beziehen.

Merchandise auf aniSearch:

Unter https://www.anisearch.de/merchandise/anime?partner=amazon.co.uk findet Ihr alle britischen Anime-Veröffentlichungen der kommenden Wochen. Die Einträge werden regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Die Filter-Optionen rechts und die Suchfunktion ermöglichen es, gezielt nach britischen Anime-Releases zu suchen. Ein Klick aufs Cover führt direkt zu Amazon UK – wer lieber bei Amazon Deutschland kaufen möchte, findet das Produkt auf der hiesigen Amazon-Seite über das „+“ unterhalb des Covers. In beiden Fällen unterstützt Ihr mit Eurem Einkauf den Betrieb von aniSearch.

Aktuell umfasst unsere Datenbank mehr als 2.000 britische Anime-DVDs und -Blu-rays (sowie über 5.000 amerikanische). Wir legen dabei Wert auf eine logische Bezeichnung der Produkte und versuchen auch fehlerhafte Cover-Darstellungen zu korrigieren. Produkte ohne englische Synchronisation sind mit dem Kürzel (OwS für „Original with Subtitles“) im Namen versehen.

Abseits der üblichen Verdächtigen („Pokémon“, „Yu-Gi-Oh!“, „Digimon“, …) beinhalten praktisch alle britischen Releases auch die japanische Vertonung mit englischen Untertiteln und sind unzensiert.
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