Live-Action-Rezensionen

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Rezensionen

Der Mann mit dem Karateschlag

Avatar: Mettwurst#1
  • Handlung
  • Ästhetik
  • Figuren
  • Musik
  • „Erotik“
Gestern habe ich endlich mal einen Film nachgeholt, den ich schon ne Weile im Regal habe, aber der erstmal reifen musste, wie ein edler Wein…. „Duo ming ke“ aus dem Jahr 1973, auch bekannt als „Killer in the Dark“ oder „Der Mann mit dem Karateschlag“. Ein #Thriller der Gattung #Giallo. Allerdings handelt es sich um keinen italienischen, ja nicht mal einen europäischen Film. Dieser Giallo entstand als Ko-Produktion zwischen #Thailand und #HongKong. Das einzige, für westliche Zuschauer vielleicht bekanntere Gesicht, ist Bolo Yeung, der hier einen Wahnsinnigen spielt. Bei allen anderen muss der Zuschauer wahrscheinlich tiefer in der Materie stecken, um diese zuordnen zu können. Ich kanns nicht.

Handlung:
Ein Killer schleicht umher und tötet promiskuitive Frauen. Kurioserweise alles Damen, mit denen der fesche Ching Li Affären oder One Night Stands hatte. Eine ihm befreundete Reporterin und deren Verlobter ermitteln in der Angelegenheit parallel zu Zweien. Hat alles mit einem mysteriösen Flugzeugabsturz in Thailand zu tun? Oder ist Ching Li der Killer?…

Meine Meinung:
Mehrere Dinge finde ich an dem Film überraschenderweise ganz famos. Erstmal die Tatsache, dass die Giallo-Formel offenbar ne gewisse Bekanntheit in Thailand und Hong Kong hatte und ein gewisser Tung-Min Chen sich sagte: „Yo, sowas können wir auch!“.

Und dann wird bewiesen, dass er genau weiss, was alles dazugehört: Rasiermesser, schwarze Handschuhe, knallige Farben, Rumgebumse, penetrante Musik, undurchsichtige Typen, ein Ermittler, der nichts zuwege bringt, sauber. Lediglich mit #Gewalt wurde sich auffällig zurückhaltend gezeigt; im Allgemeinen wirkt der Film stellenweise bisschen holprig in gewissen Schnitten. Auch manche Übergänge und Panik-Momente wirken unglaubwürdig bis willkürlich. Da geht der Film dann meines Erachtens nach deutlich in die Knie, obwohl die Auflösung am Ende auch nicht schlechter ist als in den italienischen Originalen und der Mörder sogar eine Erklärung für seine Greueltaten parat hat.

Insgesamt würde ich den Film eher als Kuriosum werten. Ich fand ihn nicht ganz so gut, wie den kürzlich vorgestellten „The Butterfly Murders“ von #TsuiHark, aber tatsächlich auch nicht ganz so verheerend, wie beispielsweise „Play Motel“. Und weil „Killer in the Dark“ vermutlich auch in China selbst so kurios war, war es dem deutschen Publisher #FilmArt oder irgendwelchen anderen im Ausland bislang wohl nicht möglich, da ein Masterband von aufzutreiben. Dementsprechend sieht der Film halt aus wie ein VHS-Rip aus, der er wahrscheinlich auch ist. Fairerweise wurde er deswegen auch nur günstig auf DVD gepresst. Reicht. Wer sich ihn gönnen mag, weiss hiermit, was zu erwarten ist.
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Last Twilight: Phap Nai Maikhoei Luem

Avatar: SabriSonneKekslegende
Redakteur
#2
Als ich „Last Twilight“ angefangen habe, hatte ich tatsächlich schnell das Gefühl, dass es für mich eine 10 von 10 werden könnte. Doch dann gab es doch ein paar Fehler zu viel …


Zur Handlung
So dramatisch wie meine Einleitung war es dann final natürlich doch nicht, sonst hätte die Serie nicht die gute Bewertung von mir bekommen, die sie nun mal hat. Denn die Idee und die Ambitionen sind wirklich mehr als sehenswert.

„Last Twilight“ erzählt mit einer Romanze zwischen einem Bad Boy und einem fast Blinden nicht nur eine sehr außergewöhnliche Geschichte, sondern versucht wiederholt diese auch noch mit vielen Metaphern zu untermalen, und so in die Meta-Ebene vorzudringen. Insgesamt funktioniert das auch sehr gut.

Die offensichtlichste Metapher ist sicherlich, dass es sich beim Titel „Last Twilight“ um ein real existierendes Buch handelt, das von unseren beiden Protagonisten im Verlauf der Handlung immer wieder gelesen wird. So spiegelt die Handlung des Buchs sehr gekonnt die Handlung der Serie wieder und ergänzt sie sehr schön auf emotionale Weise. Die Figur im Buch erlebt ähnliche Höhen und Tiefen wie unser fast blinder Hauptcharakter und unterstreicht damit den Augenmerk auf den emotionalen Part sehr gut.
Doch hier zeichnet sich schon das erste logische Problem ab: Day wollte das Buch unbedingt haben, wächst auf der Suche danach sogar charakterlich über sich hinaus – nur um dann das Buch über Wochen hinweg zu lesen?! Es gab eine solche Dringlichkeit, das Buch zu Beginn zu finden, und dann will man mir erzählen, dass Day keinen Drang hat, dieses sofort lesen zu wollen?
Die Begründung liegt sicherlich darin, dass man die Vernetzung zwischen Buch und Serienhandlung erzeugen wollte. Man liest immer das nächste Kapitel, wenn auch in der Serie das nächste Kapitel der Beziehung abgeschlossen ist. Vom Grundgedanken absolut gut und emotional funktioniert das Ganze auch, aber logisch betrachtet macht es absolut keinen Sinn.

Dennoch kann gerade die Romanze auf ganzer Linie überzeugen. „Last Twilight“ liefert als Liebesdrama wirklich hervorragend ab und hat trotz einem gewissen Slow-Burn ein gutes Pacing und Tempo. Die Szenenabfolge ist logisch, auch der Gesamtaufbau der Romanze, wodurch sie sich zu keinen Zeitpunkt gezwungen anfühlt und fließend ineinander übergeht. Mein persönliches Highlight kam dann in Folge 9, die man emotionaler nicht hätte abschließen können.

Größter Pluspunkt dieser Romanze ist sicherlich die Charakterkonstellation mit Bad Boy und einem fast Blinden. Obwohl damit das Grundthema sehr offensichtlich wird und man dementsprechend auf inhaltlich nicht überrascht wird, fühlt sich die Romanze doch deutlich anders an als in anderen Serien. Day lernt Mhok nicht über seine Optik kennen, sondern über seine Charaktereigenschaften. Ebenso bekommt er einige Szenen, die Mhok betreffen und sein Verhalten betreffen, nicht mit, wodurch ihm immer wieder gewisse Informationen fehlen. So verliebt er sich in eine Mischung aus Charaktereigenschaften und Phantasie-Bild, was sehr interessant ist. Ebenso ist interessant, dass Mhok dieses Phantasie-Bild aufrecht zu erhalten versucht, weil er genau weiß, dass er charakterlich eben nicht so perfekt ist, wie Day es sich ausmalt. Das gibt der Romanze eine Besonderheit, die man in anderen Serien sucht, und die sie auch deutlich von anderen BLs ab.
In der Romanze selbst übernimmt Mhok den Teil des Protagonisten, da dieser mit dem Zuschauer zusammen die Beeinträchtigung und Grenzen, aber auch die Chancen von Day gemeinsam erforscht. Ich fand diese Mischung aus Grenzen und Chancen insgesamt sehr gelungen, was immer wieder einen angenehmen Wechsel zwischen Dramatik und Euphorie zur Folge hatte. Somit wirken die kleinen Erfolge, aber auch die Rückschläge stärker im Kontrast zueinander. Dieser Kontrast bringt auch die Charaktere enger zusammen, sodass die Romanze flüssig läuft.

Viele Szenen sowohl in als auch außerhalb der Romanze empfand ich als sehr sehenswert und interessant, da man so etwas in anderen Serien kaum sieht. Sämtliche Hindernisse waren gut gewählt und teilweise bewusst „einfach“, um den Kontrast zu unserem Verständnis der Selbstverständlichkeit im Vergleich zu Days Beeinträchtigung sehr gut darzustellen. Als Zuschauer macht man sich bei vielen Szenen keinen Kopf, doch mit Day erlebt man Alltagssituationen anders, was diese plötzlich sehr spannend macht. Hier funktioniert auch Mhok als Hauptcharakter sehr gut, der sich in der gleichen Rolle wie der Zuschauer wieder findet und gewisse Alltagssituationen erst neu erleben muss.
Dass Mhok diese Beeinträchtigung auch zu seinem Vorteil ausnutzt, finde ich ebenso so spannend. Dies macht ihn umso menschlicher, obwohl sein Verhalten eigentlich ethisch falsch ist.

Leider endet die Serie nicht so zielsicher, wie man es erwartet hatte, da man hier leider das Phantasie-Bild, das Day von Mhok hat, leider nicht wirklich in der Realität testet.
Ich war sehr gespannt, wie sich die Romanze entwickelt, wenn Day wieder sehen kann. Da wir hier einen Thai-BL vor uns haben, zweifelt man zu keinem Moment an, dass es zu einem Happy End kommt. Nur leider war es eine der letzten Szenen der Serie, sodass man kaum Zeit hat, hieraus noch ein Hindernis für die Liebe zu formulieren. Sicherlich kann man dies auch als Bestärkung der Romanze betrachten, die auch dann noch funktioniert, obwohl Day Mhok nun sehen kann, doch leider schreibt man am Ende ein anderes und wirklich so unnötiges Hindernis für die Romanze hinein, dass man sich doch fragt, warum man nicht das Offensichtliche hätte nehmen können. Hätte man Day zweifeln lassen, nachdem dieser nun Mhok sehen kann, hätte man einen logischen Konflikt, der sich einfach aus der Tatsache ergeben hätte. So aber konstruiert man am Ende einen künstlichen Konflikt, der wirklich stört und inhaltlich unlogisch und unsympathisch daher kommt. Hier verschenkt man nicht nur eine gute Chance, sondern leider auch viel Emotion.

Wo man leider ebenso viel verschenkt sind die Charaktere und deren Storys außerhalb des Main Couples. Hier verbergen sich nämlich auch sehr tiefgründige Geschichten, nur leider gibt man diesen trotz der 60min Folgen keine wirkliche Screentime. Angefangen mit Mhoks Freundin Phojai, die sich schwanger von ihrem untreuen Verlobten trennt. Eine harte Situation, doch man sieht sie nur ein einziges Mal wirklich mit sich selbst ringen. Danach läuft alles wie am Schnürchen und lässt somit viele alltägliche Sorgen und Probleme auf der Strecke, die man wirklich hätte ausführen können. „Last Twilight“ gibt mit seinem Main Couple eigentlich den Raum dafür und spricht hier schon schwierige Themen an, und da verwundert es schon, dass man solche Nebengeschichten mit viel Potential liegen lässt. Auch ihre spätere Romanze hat so wenig Screentime, dass sie beinahe wie aus dem Nichts geflogen kommt. Gerade mit der Tatsache, dass sie von einem anderen Mann schwanger ist, hätte man deutlich mehr beleuchten und dramatisieren müssen.
Ebenso verschenkt man auch viel bei Days ebenfalls blinden Kumpel On. Dieser bildet zwar Charakterlich eine wertvolle Stütze für Day und seine Blindheit, fällt dann aber mit seiner eigenen Romanze mit einer sehenden Frau ziemlich ab. Auch hier hätte man mehr ins Detail gehen können und müssen, da sich beide über Tinder kennen lernen und damit das Handicap im heutigen Online-Dating-Zeitalter besser thematisieren können.

Was man dann jedoch leider total in den Sand setzt ist die Rolle von August als Love-Interest von Day. Und das ist sehr schade, läuft doch das sonst immer so nervige Love-Triangle doch sehr flüssig und logisch und bringt auch charakterlichen Tiefgang und Entwicklung. Nur leider entscheidet man dann nach dem Scheitern dieser Beziehung, August einfach aus der Serie zu schreiben, indem man ihn schlicht und einfach ins Ausland versetzt – von Jetzt auf Gleich wohl bemerkt! Das hätte man definitiv eleganter lösen müssen. So bleibt nämlich das Gefühl, dass August lediglich ein Plotdevice war, das man nach Erfüllung seiner Rolle einfach nicht mehr braucht.
Denn August hat als Charakter die wichtige Rolle, den alten Teil von Days Leben darzustellen. Dies gelingt in der Serie sehr gut. Dementsprechend ist es sehr enttäuschend, wie mit ihm am Ende umgegangen wird.


Zu den Charakteren
„Last Twilight“ ist definitiv eine character-driven Storyline, bei der viel von Charakterzeichnung und entsprechenden Situationen abhängt. Insgesamt bin ich hierbei sehr zufrieden, mit dem was man vorgesetzt bekommt.

Zum ersten funktionieren Day und Mhok charakterlich einzeln sowie im Zusammenspiel hervorragend. Obwohl bei unterschiedlicher nicht sein können, haben beide die gleiche emotionale Grundlage: Day fühlt sich ausgegrenzt, weil er sich ununterbrochen aufgrund seiner Behinderung beobachtet fühlt und ihm seine eigene Phantasie böse Blicke vorgaukelt, während Mhok zu Beginn mit seiner elektronischen Fußfessel und nach einem Jahr Knast diese Ausgrenzung tatsächlich spürt. Somit sind sich beide ähnlicher, als sie sich selbst eingestehen, was zu einer schönen und nachvollziehbaren Charakterentwicklung führt.

Die Charakterentwicklung insgesamt ist dann auch der Faktor, der einem vor dem Bildschirm hält und mit den Charakteren mitfühlen lässt. Die Hindernisse, die beide überwinden müssen, sowohl einzeln als auch als Team, sind realistisch und gut gewählt und sind nicht immer leichtgängig, was auch immer wieder zur Rückentwicklung führt. Das gibt der Geschichte eine gewisse Spannung, ohne aber die Grundstimmung zu verändern.

Wie gesagt hätte man aus den Nebencharakteren und Freunden deutlich mehr machen können als bloße Plotdevices, um die Handlung voran zu bringen. Hier verschenkt man einiges. Auch die Figur der Mutter wird zum Ende hin doch sehr unsympathisch, was nicht nur handlungstechnisch unlogisch war.

Dafür kommt man schauspielerisch doch sehr auf seine Kosten. Ich kannte von den Darstellern bisher noch keinen, bzw. nur aus dem einen oder anderen Trailer, und war insgesamt sehr positiv überrascht. Obwohl Sea in seiner Darstellung als Day doch manchmal zu sehr in eine Art autistische Darstellung abdriftet, muss ich zugeben, dass das bisher die beste Darstellung eines Blinden war, die ich bis dato gesehen habe. Es ist immer knifflig, wenn ein sehender Darsteller eine blinde Person verkörpern muss, da doch oft viel zu häufig auf optische Signale unbewusst reagiert wird, doch Sea unterdrückt hier wirklich sehr stark seine Reflexe und spielt sehr überzeugend. Und auch Jimmy in seiner Rolle als Mhok schafft die Rolle als „Bad Boy with a Heart of Gold“ perfekt. Auch der Rest des Casts überzeugt in den jeweiligen Rollen.


Fazit
Obwohl „Last Twilight“ viele doch ethisch schwierige Themen verschenkt und die oder andere Entscheidung in der Handlung schlichtweg schlecht ist, ist die Serie definitiv ein anderer BL, der unglaublich viel richtig macht und v.a. in der Emotionalität der Romanze massiv punkten kann. Die Darsteller funktionieren in ihren Rollen perfekt und tragen zu einem tollen Gesamterlebnis bei.


Beitrag wurde zuletzt am 14.06.2026 10:24 geändert.
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Der große Krieg der Planeten

Avatar: Mettwurst#3
  • Handlung
  • Handwerkliches
  • Figuren
  • Musik
Ich habe gestern „Der große Krieg der Planeten“ gesehen. Ein japanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1977. Produziert wurde der Film von der beliebten Toho Company, die für diverse Produktionen aus dem Sektor Kaiju Eiga und Tokusatsu, sowie auch diversen Anime und auch den Filmen von Akira Kurosawa bekannt geblieben ist. Regie führte hier Jun Fukuda mit Darstellern wie Kensaku Morita, Yuko Asano, Masaya Oki, Ryō Ikebe und diversen anderen.

Handlung:
Eine Armada kugelförmiger UFOs aus der Venus stürzt sich auf die Erde und reißt in wenigen Stunden ganze Großstädte in die Vernichtung. Die Welt steht am Abgrund, als der geniale japanische Wissenschaftler Prof. Masato Takigawa das längst aufgegebene Kriegsraumschiff Gothen wieder zum Leben erweckt. Im Wettlauf gegen die Auslöschung treibt er das Projekt mit eiserner Entschlossenheit voran und vollendet die Gothen in einer beispiellosen Kraftanstrengung. Kaum startbereit, entfesselt das Schiff einen vernichtenden Gegenschlag und löscht die außerirdische Angriffsflotte in einem Feuersturm aus.
Doch Takigawa kennt keine Ruhe und führt die Gothen entschlossen direkt in das Herz des Feindes auf Kurs zur #Venus. Dort entscheidet sich das Schicksal der Menschheit im finalen Duell…

Meine Meinung:
An vielen Stellen ist zu lesen, dass dieser Film auf dem Siegeszug von „Star Wars“ mitzureiten versucht. Im Vergleich zu einigen anderen weit offensichtlicheren RipOffs, offenbart dieser Film hier jedoch einige andere Fingerzeige. So fühlte ich mich durch die multiprofessionelle Crew von der Erde und ihrem Rumgepimmel auf der Brücke deutlich stärker an „Star Trek“ als die Lichtschwert-Saga von George Lucas erinnert.

Aber auch sowas wie „U2000 - Tauchfahrt des Grauens“ oder Leiji Matsumotos „Space Battleship Yamato“ fallen mir deutlich schneller ein, was auch an der Tatsache liegt, dass die Raumschiffe sich hier ziemlich analog zu Flugzeugträgern auf See verhalten. Die Raumanzüge übrigens erinnerten mich vom Design frappierend an „2001 - Odyssee im Weltraum“. Und dann taucht am Ende überraschend doch ein Chewbacca mit Hörnern auf… Es wurde sich also an mehreren Stellen großzügig bedient.

Handwerkliches:
Handwerklich wurde im Film eine charmante kleine Meisterleistung erzielt. So gibt es geschickte Überblendungen zwischen schön anzusehenden Miniatur Aussenaufnahmen der Venus, Weltraumflügen sowie den Interieurs der Raumschiffe und Hangare zu sehen. Die Japaner gaben sich Mühe, auch wenn stellenweise die Immersion dann kippt, wenn beispielsweise ein Fahrzeug durch eine Druckwelle über den Venus-Boden rollt, hier nix verlangsamt wurde und dadurch das Gefühl entsteht, dass jemand einfach ein Spielzeugauto rollt. - Sowas habe ich kürzlich deutlich geschickter in dem britischen „Unfall im Weltraum“ bewundern können.

Zur Erzählweise:
Der Film erstmal extrem talky auf der Erde. Signale von Terra 5 werden empfangen (ich dachte erst an nen weiteren erdähnlichen Planeten, war aber doch nur nen Raumschiff) und der spätere Commander der Gohten führt ein langes Gespräch mit einem Venusianer der das Gesicht des kurz zuvor für tot geglaubtem Dr.Schmidt trägt. Kommt natürlich raus.

Sobald dann die Action auf der Venus beginnt, dauert es also erstmal ein wenig; selbst bei nur 86 Minuten Laufzeit. Die Action selbst fand ich dann cool, allerdings gab es mehrere Momente, wo es unübersichtlich wurde, wer eigentlich wo oder hinein umgestiegen ist. Ach, ist schon bei ner Kamikaze-Aktion ums Leben gekommen. Na dann‘

Die Figuren:
Die große Schwachstelle aus meiner Sicht ist, dass der Film seine Geschichte mit einem recht großen, aber unetablierten Ensemble zu erzählen versucht. Der Held des Films soll das Kollektiv des Crew sein, aber jedes einzelne Mitglied bleibt blass und rauscht namenlos an mir vorbei. Da ist irgendnen Typ, dem sein einst bester Freund die Freundin in dessen Abwesenheit „weggeschnappt“ hat (so sagt es der Film gleich nach dem fast 4-minütigen Vorspann). Deren Vater hätte aber lieber den ersten Freund an der Seite seiner Tochter gesehen. Und wie es der Zufall so will, ist der Vater der Commander an Bord der Gohten und mangels Auswahl Tochter und die beiden Nebenbuhler und einstigen Homies Crew-Mitglieder. Aber glaub man nicht, dass die sich deswegen in die Haare kriegen. Nein, nein, das sind schließlich Japaner, die da souverän bleiben und professionelle Contenance wahren. Ansonsten gibts noch irgendsonen Deutschen namens Armin, der ganz dramatisch den Heldentod sterben darf.

Das alles bleibt aber so hintergründig und unnahbar erzählt, weil der Film den Hauptfokus dafür aufwendet seinen titelgebenden großen Krieg der Planeten inszenieren zu dürfen. Dabei fiel mir bei der Infiltration der Venus irgendwie auf, dass der böse Zampano offenbar alles ganz alleine steuert und koordiniert. Als einzigen Helferich sehen wir den Wookie mit Hörnern, aber keinesfalls, wer eigentlich dessen Space-Galeere und die kleinen runden Dinger steuert. Seltsam.

Fazit:
Ich für meinen Teil fühlte mich gut unterhalten, liebte die Spezialeffekte und das Erzeugen der Illusion von Größe, die allerdings nicht immer zündete. Wer also Bock auf einen handwerklich kreativen, aber erzählerisch etwas holprigen Science-Fiction-Film mit blass bleibenden Abziehbild-Figuren hat, dem sei „Der große Krieg der Planeten“ wärmstens ans Herz gelegt.
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Police Story

Avatar: Mettwurst#4
  • Handlung
  • Action-Choreografie
  • Figuren
  • Comedy-Faktor
  • Spannung
Ich hab am Samstag „Police Story“ gesehen. Ein #Polizeithriller aus #HongKong mit komödiantischen Momenten von 1985. Regie und Hauptrolle übernahm Jackie Chan. In weiteren Rollen zu sehen sind Bill Tung, Brigitte Lin, Charlie Cho und die etwas bekanntere Maggie Cheung, die ich aber nicht erkannt habe.

Handlung:
In einer spektakulären Razzia wie der Drogenbaron Mr. Koo von Polizist Kevin festgenommen. Dessen Sekretärin Selina Fong soll bei einem Prozess an Zeugin gegen ihn aussagen. Eine zeitlang weicht Kevin nicht von ihrer Seite und inszeniert sogar eine Bedrohung durch einen Assassinen, damit sie aus Angst aussagt, aber beim Prozess bleibt sie verschwunden. Koo wird freigelassen und zieht Kevins #Integrität in den Dreck. Da dreht Kevin durch und macht Tabula Rasa mit der Bande…

Meine Meinung:
In der ersten Hälfte hatte ich viel Spass mit dem Film. Ohne lange Einführung geht es direkt mit aberwitziger Action los, die offensichtlich auch ziemlich gefährlich inszeniert wurde. Netze, Schutzseile oder ähnliches habe ich nicht im Ansatz gesehen, stattdessen immer nur Jackie Chan himself, der an einem fahrenden Bus mit nem Regenschirm hängt, sich bis aufs Blut prügelt und mit dem Rücken voraus in einem Baldachin brettert.

Besonders krass eine Szene, wo er in einem Einkaufszentrum an einer Lichterkette 10 Meter in die Tiefe saust, während er wahrscheinlich mehrere 220 Volt Stromstöße verpasst bekam. Ich weiss nicht, ob ich da Respekt vor haben soll oder den Kopf schütteln muss, das gedreht zu haben. Die Macher scheinen sich der Wahnwitzigkeit immerhin bewusst gewesen zu sein, weswegen diese Szene aus mehrere Perspektiven gedreht und hintereinander gelooped wurde.

Jenseits dieser Leistungen ist natürlich auch noch ein wenig Handlung in dem ganzen Spektakel versteckt. Vereinzelt gibt es einige visuelle Gags, die ich wirklich witzig fand, andere jedoch, wie Jackie in der Telefonzentrale eher nicht so. Auch den Gag mit dem falschen Assassinen habe ich viel zu spät verstanden, so dass bei mir eher Verwunderung als Lachen aufkommen wollte.

Hinzu kommt, dass Chans Synchronsprecher Arne Elsholtz hier auch die komplette deutsche Dialogregie übernahm und (ähnlich wie Rainer Brandt bei den Filmen mit Terence Hill und Bud Spencer) den Film mit Wortwitzen nachgewürzt hat. So wird unser Kevin öfters tollpatschiger dargestellt, als er wahrscheinlich in der chinesischen Fassung ist, verspricht sich und tölpelt durch die erste Hälfte des Films.

Handwerklich seltsam fand ich ein wenig, dass manche Szenen offensichtlich akzeleriert wurden, was dem ganzen den Touch von so nem hektischen Stummfilm á la Harold Lloyd und Charlie Chaplin gab, andere Szenen hingegen waren in spannendem Zeitlupen gefilmt. Äußerst seltsam hingegen fand ich im ersten Viertel des Films mehrerer Szenen, die entweder aus so ner Fischaugen-Optik zu sehen waren, wo an den Rändern die Leute deutlich verzerrten; in einer anderen wirkte Chan selber dann wie schräg abgefilmt. Sollte wohl Stilmittel sein, aber ich verstand nicht ganz, was es aussagen sollte.

Ab dem letzten Drittel jedoch verändert sich die Tonalität des Films, Kevin nimmt Rache an Koo, der dessen Ruf in der Öffentlichkeit vernichtet hat (und das obwohl auch Kevin sich nachweislich vorher unlauterer Mittel bediente) und das ganze nimmt ein wenig die Züge eines italienischen Poliziotesco an. Und dieser Break ist so spürbar hart, weil er durch die vormalige Blödel-Synchro noch verstärkt wurde, die sich hier immerhin zurücknimmt. Dafür kann der Film prinzipiell nichts, aber die deutsche Fassung sehr wohl.

Fazit:
Alles in allem hatte ich meinen Spass. #JackieChan in der Blüte seines Lebens läuft hier zu Hochtouren auf, eine Drosselung des Tempos ist maximal in der Mitte des Films zur Gerichtsverhandlung spürbar, um am Ende wieder zu einem furiosen Finale aufzufahren. Bravo. Die deutsche nachgeblödelte Fassung kann fand ich aber nur bedingt überzeugend.
Beitrag wurde zuletzt am 12.05.2026 06:43 geändert.
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One Piece

Avatar: El_LaJokerKeksheld
DB-Helfer
#5
Die Realverfilmung von One Piece auf Netflix hat mich insgesamt absolut begeistert. Zu Beginn hatte ich – wie vermutlich viele Fans – gewisse Zweifel, ob es sich dabei nur um eine lieblos umgesetzte Adaption eines so großen Anime-Titans handelt. Umso positiver war dann die Überraschung: Die Umsetzung ist wirklich gelungen und zeigt, dass hier mit viel Respekt und Verständnis für die Vorlage gearbeitet wurde.

Besonders hervorzuheben ist, wie gut es der Serie gelingt, den Charme, den Humor und die Abenteuerlust des Originals einzufangen, ohne dabei gezwungen oder künstlich zu wirken. Die Welt von One Piece fühlt sich lebendig an, die Charaktere sind authentisch dargestellt und die Handlung wird spannend und unterhaltsam umgesetzt.

Ein großes Plus sind zudem die größtenteils originalen Synchronstimmen, die enorm zum Gesamtgefühl beitragen. Gerade für langjährige Fans sorgt das für eine zusätzliche emotionale Bindung und ein vertrautes Erlebnis.

Insgesamt ist die Realverfilmung eine sehr empfehlenswerte Umsetzung, die sowohl Fans als auch Neueinsteiger überzeugen kann. Eine gelungene Adaption, die zeigt, dass Anime-Realverfilmungen durchaus funktionieren können.
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Zhu Yu

Avatar: SabriSonneKekslegende
Redakteur
#6
Simple und einfach: ich verstehe den Hype nicht.


Zur Handlung
„Persuit of Jade“ gehört jetzt schon zu den erfolgreichsten Serien des Jahres, wenn nicht sogar der letzten Jahre. Da ich die Serie jedoch vorzeitig abgebrochen habe, kann ich nur eine sehr eingeschränkte Review meinerseits abgeben, aber eines kann ich sagen: WIESO?

Keine Frage, die Serie hat gute Elemente, aber so herausragend im Vergleich zu anderen Titeln des Genres ist nun auch wieder nicht. Ich finde, sie macht sogar einige Sachen extrem falsch, die mich dann auch zum Abbruch bewogen haben.

Doch erst mal zum Guten: die ersten 10 Folgen sind wirklich sehr schön, niedlich und toll gelungen. Die Idee mit einem weiblichen Metzger ist erfrischend, genauso die damit verbundenen Charaktereigenschaften. Chang Yu ist sehr charakterstark, ohne dass es einem wie heutzutage üblich, mit purer Wucht ins Gesicht geschlagen wird. Die Kombination aus Job und Charaktereigenschaften allein reicht aus, um Chang Yu nicht als unsympathischen Girl-Boss darzustellen und das macht den Einstieg sehr leicht. Auch ihre Familie und die Gesamtstimmung im Dorf tragen zum positiven ersten Eindruck bei. Dies sorgte mich auch noch einmal für ein Highlight rund um Folge 20.

Auch der Start mit Yan Zheng, der verletzt im Schnee gefunden wird, funktioniert gut, obwohl es der totale Standard ist. Die erzeugte Spannung reicht dennoch aus, um für den Anfang gut zu motivieren, obwohl man meiner Meinung nach noch länger mit der geheimen Identität von Yan Zheng hätte spielen können (man hat ja noch über 40 Folgen vor sich!). Doch so erfährt man als Zuschauer schon viel zu früh, wer sich tatsächlich hinter dem Charakter verbirgt, während der komplette Cast im Dunkeln gelassen wird.

Positiv fand ich auch die Slow-Burn-Romance, für die man sich entschieden hat. Ich bin ehrlich: diese war für mich der Grund, überhaupt so weit zu schauen. Die beiden Darsteller haben zwar keine übertrieben gute, aber dennoch ausreichende Chemie und trotz der bekannten Plotpoints und Konflikte funktioniert die Romanze inhaltlich und in ihrer Reihenfolge sehr gut.

Herausragend fand ich jedoch die Rolle der kleinen Schwester. Nicht nur für das Alter wirklich sehr gut geschauspielert, ich mochte es auch, dass sich mit ihr einige sehr interessante Punkte im Storytelling ergeben haben. Sicherlich verkörpert sie die „Damsel in Distress“, doch gerade die Idee mit dem Fokus auf sie während Kämpfen fand ich jedes mal super. So bitten sie die Charaktere mehrfach, sich die Ohren zuzuhalten und bis 10 zu zählen, während ein relativ brutaler Kampf in Gange ist. Die meiste Zeit bleibt man dann entweder mit der Kamera bei ihr oder übertönt mit ihrem Zählen bewusst das Getöse, was ich für ein wirklich sehr spannendes und tiefgründiges Storyelement halte.

Ebenso herausragend fand ich das Bühnenbild und Setting. Es gibt eher wenige Serien, die im Winter spielen, daher tut die Abwechslung wirklich gut, und auch Kameraeinstellungen, Belichtung und Bildkomposition sind dermaßen herausragend, dass es allein optisch ein absolutes Highlight ist. Auch die Darsteller werden durch passende Kostüme, Frisuren und Licht wirklich gut in Szene gesetzt. Die Serie wirkt wirklich teuer, das Geld wurde gut eingesetzt.

Doch nun möchte ich eine andere Review sehr gerne zitieren, die es für mich abschließend perfekt auf den Punkt gebracht hat: „Pretty, but Hollow“

„Persuit of Jade“ ist einfach nur „schön“.

Wenn man ein bisschen in die Tiefe geht, bemerkt man jedoch schnell, dass die Schönheit über so viele Fehler hinweg täuschen will – und betrachtet man die Bewertungen, so scheint das ja super zu funktionieren!

Den Fehler mit Yan Zheng habe ich bereits beschrieben: ein absolutes Standard-Set-Up, das für die Zuschauer viel zu früh aufgelöst wird, worauf jedoch alle anderen Figuren noch Folgen lang warten müssen.
Ebenso wird viel zu viel erklärt anstatt tatsächlich gezeigt. Nicht nur im Sinne von „Show, don’t Tell“ nicht wahnsinnig clever, sondern auch dadurch, dass man es unter den Charakteren genauso hält. Anstatt diese nämlich sinnvoll in der Handlung zu platzieren, greift man viel zu oft auf Gespräche zurück, in denen einfach die wichtigsten Infos ausgetauscht werden. Statt dies aber clever zu nutzen und dem Zuschauer nach 10 Folgen eine kleine Zusammenfassung der zentralen Elemente zu geben, blendet man ungeschickt aus und startet die nächste Szene mit „Was? Das ist alles passiert?“ – und schon sitzt man daneben und fragt sich, worüber die sich unterhalten haben! Das sorgt außerdem dafür, dass man einen schlechten Überblick darüber hat, wer eigentlich was weiß.

Des Weiteren rennt die Serie doch immer wieder von einem Stereotyp in den nächsten. Innovativ ist an der Gesamthandlung nämlich so rein gar nichts. Wer schon verschiedene Titel aus dem Genre gesehen hat, der wird viele Handlungsstränge und Szenen wieder erkennen, die dann im Endeffekt auch nicht besser oder schlechter ausgearbeitet sind wie in vergleichbaren Serien. Auch die politische Handlung hat man in vielen Serien schon besser gesehen.

Und dann kommt nach Folge 10 auch noch ein kompletter U-Turn in der Handlung. Dass sich irgendwie die Stimmung ändert, habe ich persönlich gegen Folgen 13/14 gemerkt und das war für mich der Moment, in der meine Motivation auch deutlich nachgelassen hat. Plötzlich wird alles so unnötig ausladend und unrelevante Nebencharaktere, die es vorher nicht einmal gab, werden plötzlich total wichtig. Ich habe mich wie in einer Sidequest gefühlt, die einfach nur unnötig viel Platz wegnimmt. Sicherlich hatte die Sidequest einige tolle Elemente, doch als der Kriegsschauplatz losgeht, verschwindet eine der zentralen Geschichten fast vollkommen, was den Sidequest-Eindruck nur noch einmal mehr verstärkt. Das man hier auch noch von einem Klischee ins nächste rennt, hilft auch nicht unbedingt weiter.

Und damit ging für mich das Pacing komplett verloren. Die Serie war von Anfang an nie wirklich schnell, aber es passte sehr gut zum Einstieg. Doch ab dem Kriegssetting dreht es wirklich nur noch im Kreis, sowohl handlungstechnisch als auch emotional. Man kann locker 5 Folgen auslassen und hat nicht das Gefühl, dass man sowohl in der Gesamthandlung als auch der Romanze irgendetwas Wichtiges verpasst hätte. Sicherlich sind der Weg und die Rolle von Chang Yu in diesem Krieg noch am besten geschrieben und hat durchaus seine Logik, aber das kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass über 40min lang nichts Nennenswertes passiert oder sich diese 40min in irgendeiner Weise von den 40min der Vorfolge unterscheiden würden.


Zu den Charakteren
Und das finde ich sehr schade, da die Charaktere und der Cast doch eigentlich gut funktionieren würden.

Tian Xi Wei („Moonlit Reunion", „Guardians of the Dafeng") als Chang Yu finde ich wirklich A*sch auf Eimer gecastet. Xi Wei hat eine sehr natürliche Art, Chang Yu zu portraitieren, die wirklich hervorragend funktioniert und sie trotz der typischen Girl-Boss-Eigenschaften doch sehr sympathisch macht. In Kombination mit dem Metzgerberuf wirkt die Rolle sehr bodenständig und weniger aufgesetzt wie vergleichbare moderne weibliche Figuren, sodass man dies wirklich positiv hervorheben kann.
Was ich für sie jedoch sehr schade fand, wird sehr offensichtlich, sobald der Kriegsschausplatz losgeht. Erstens macht es überhaupt keinen Sinn, dass sie in ihrer Position und als Frau in vorderster Reihe mitkämpft, v.a. in dieser Zeitepoche. Zweitens findet man meiner Meinung nach keinen richtigen Mittelweg zwischen „Girl-Boss" und „Damsel in Distress" für Yan Zheng. Und beides gleichzeitig zu verkörpern lässt immer einen der beiden Aspekte extrem lächerlich ausschauen, weil dadurch die Kontinuität bzgl. der bereits etablierten Charaktereigenschaften verloren geht.

Zhang Ling He („My Journey to You", „Kunning Palace", „The Best Thing") sehe ich tatsächlich zum ersten Mal überhaupt und ich habe ihn immer für diesen Typ Schauspieler „schaut gut aus, nichts dahinter“ gehalten, aber ich war auch hier sehr positiv überrascht. Yan Zheng passt gut zu ihm, nur leider ist der Charakter so farblos und blass geschrieben, dass er sich wie die Handlung irgendwann nur noch im Kreis dreht.

Auch die Romanze, die eh schon sehr slow-burn ist, dreht sich ab dem Kriegsschauplatz nur noch im Kreis. Man hat kaum das Gefühl, dass die Emotionen im Vergleich zu 10 Folgen vorher groß stärker geworden wären. Sicherlich geht es hier storytechnisch erst einmal um eine Bestätigung der Gefühle, aber nach dieser Bestätigung möchte man auch weiter kommen.

Im Nebencast fanden sich zu viele Charaktere, die sich entweder optisch zu sehr ähnelten oder charakterliches Copy-Paste sind. So verstehe ich z.B. nicht, warum man neben Sui Yuan Qing mit Sui Yuan Hai noch einmal wortwörtlich den gleichen Charaktertyp braucht, nur mit einer anderen Haarfarbe! Das einzige, was man davon hat, ist wieder der typische Sidequest-Charakter, weil man das Gefühl bekommt, als würde man 2x das gleiche Setting vor sich haben.


Fazit
Ich kann mich nur wiederholten: „Pretty, but Hollow“

Die Serie übertönt für mich durch ihre optische Schönheit zu viele Fehler, die dazu führen, dass sich die Handlung irgendwann nur noch im Kreis dreht, ohne nennenswerte Fortschritte zu erzielen. 40 Folgen sind nicht wenig und wenn man schon nach der Hälfte nur noch vor sich hin plätschert, dann hat meiner Meinung nach in der Handlung trotz im Grunde guter Charaktere und gutem Cast irgendetwas falsch gemacht.

Beitrag wurde zuletzt am 22.03.2026 08:57 geändert.
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Das Schwert der gelben Tigerin

Avatar: Mettwurst#7
  • Handlung
  • Inszenierung
  • Figuren
  • Musik
„Come, drink with me“ ist ein Martial Arts-Abenteuerfilm von 1966 produziert von den #ShawBrothers. In den Hauptrollen spielen Cheng Pei-Pei, Yueh Hua und Chen Hung-Lieh. Auch Jackie Chan läuft hier als Kind durchs Bild.

Handlung:
Im feudalen China wird der Sohn eines Gouverneurs brutal von der Bande des skrupellosen Jadetigers entführt! Sie wollen ihn zum Austausch für ihren Meister benutzen. Doch sie haben nicht mit seiner Tochter gerechnet, der legendären Goldenen Schwalbe, die sich als Mann verkleidet auf einen Höllenritt begibt, um ihren Bruder zu befreien! In einer düsteren Herberge entgeht sie nur knapp dem Tod, gerettet von einem versoffenen Bettelmönch mit einem tödlichen #Geheimnis! Denn hinter dem torkelnden Wrack verbirgt sich Betrunkene Katze; ein #KungFu-Meister, dessen Fäuste schneller sind als der Blitz und der Wind aus den Händen zaubern kann. Im Kloster der Verdammten gibts dann ein tödliches Duell mit dem Jadetiger. Während die Armeen aber aufeinanderprallen und Verrat die Nacht zerreißt, erhebt sich ein alter Feind aus den Schatten und fordert Betrunkene Katze zum finalen #Showdown…

Meine Meinung:
Ich war hochgradig überrascht, diesen Film letzte Woche zu sehen, denn ich hatte keinerlei allzu großen Erwartungen. Immerhin genießt die Filmschmiede der Shaw Brothers den zweifelhaften Ruf, über 1000 Filme weggekurbelt zu haben, einige davon in wenigen Tagen. Andererseits feierten die Jungs des Wu-Tang Clan die Filme so sehr, dass sie Samples aus diesen Filmen in ihren Rap-Songs verewigten und ihre Musik immer als Vereinigung zwischen Fernost-Philosophie und Blacksploitation verstanden. Also muss ja irgendwas geiles dran sein.

Und tatsächlich ist es das auch. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, zum Einstieg direkt einen der besten Filme dieser Art zu erwischen oder ich bin noch nicht besonders wählerisch. Szenenbilder, Kostüme und die ruhige Erzählweise fern von späterer Wuxia-Hektik haben mich sofort in ihren Bann gezogen und in diese Welt entführt.

Hier wurde teilweise unter freiem Himmel und stellenweise im Studio gedreht; sieht aber alles äußerst bezaubernd aus. Die Hauptdarsteller fand ich leicht zu unterscheiden (was in dieserlei Szenarien nicht selbstverständlich für westliche Augen sein muss) und das Aufgebot von Statisten kratzt teilweise monumentale Grenzen an.

Die Kampfchoreografien fand ich spannend. Jeder der Darsteller hats hier körperlich drauf und gibt sein Maximum. Besonders erstaunt hat mich der hohe Gehalt an Gewalt. Obwohl der Film bereits 60 Jahre auf dem Buckel hat, spritzt hier bereits das knallrote Blut versiert durch die Gegend und an einer Stelle wird bereits eine Hand abgehackt. Oh Mann!

Was ich total cool fand, war den Aufbau der Geschichte. Erst dachte ich, dass es nur um diesen Geiselaustauscg gehen würde, aber dann zum Ende wurde noch ein übernatürlicher Gegner aus dem Hut gezaubert, der von den Superkräften der betrunken Katze in seine Schranken gewiesen werden muss.

Das absolute Sahnehäubchen des Films aber ist die Figur der goldenen Schwalbe; man höre und staune: Eine starke Frau als Hauptfigur, die ihren Mann steht und nur einmal gerettet werden muss. Und das im konservativen China jener Zeit. #FemaleEmpowerment for the Win! Diametral zu den positiv geladenen Hauptfiguren steht der etwas zweifelhafte deutsche Titel „Das Schwert der gelben Tigerin“. Irgendwie war es früher hip, Filmen mit Asiaten als Erkennungsmerkmal im Titel die Farbe Gelb zu verbauen, damit auch ja jeder wusste „Ach, das ist wieder einer von DIESEN Filmen!“.

Ich kann jedenfalls nur gute Worte über den Film verlieren und empfehle ihn alle anderen Interessierten zum Einstieg. Wer noch Empfehlungen bezüglich Shaw Brothers für mich hat, kanns gerne sagen.
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In den Krallen des Roten Phönix

Avatar: Mettwurst#8
  • Handlung
  • Kampfchoreografie
  • Figuren
  • Spannung
  • Comedy
Ich habe heute „In den Krallen des roten Phoenix“ gesehen, ein taiwanesisches MartialArts-Abenteuer mit Whodunit-Mysterium aus dem Jahr 1978. Regie führte ein Tien-Yung Hsu. Die Hauptrollen spielen David Chiang, Yueh Hua und Polly Ling-Feng Shan-Huan.

Handlung:
In so nen kleinen malerischen Dörfchen erwartet eine Kampfschule ihren Meister, der da längere Zeit absent war. Doch nicht nur er, sondern auch andere Gäste finden sich ein, um gegen den Feind, also die bösen Japaner zu trainieren. Doch dann taucht ein knallrot gekleideter maskierter Assassine auf, der sich als roter Phoenix bezeichnet und in rasanten Kämpfen nach und nach die Kampfschüler dezimiert, also #ermordet. Was und wer steckt dahinter? Der tapfere Liang Wen ermittelt zusammen mit seinem Love Interest, hat aber deren Bruder Lin Ming Huan unter Verdacht, der sich auffällig ungeschickt inszeniert….

Meine Meinung:
Heute habe ich auf Waipu so nen KungFu Sender entdeckt. Und da ich dahingehend jetzt meinen Horizont erweitern möchte, habe ich bisschen die Inhaltsangaben der Filme gelesen, intuitiv diesen hier angeschaltet und nicht bereut. Im Gegenteil war ich über die 85 Minuten Laufzeit hinweg ziemlich gut unterhalten, gerade weil ich Filme mit maskierten Killern und geheimer Identität total mag.

So schaffte es der Film, mich gut bei Laune zu halten, obwohl die vom roten Phoenix abservierten Knallchargen allesamt austauschbar wirkten. Einen wirklichen Bezug hatte ich nur zur Hauptfigur. - Die Auflösung gestaltete sich dann sogar ziemlich überraschend. Ein #Rätsel bleibt mir jedoch, wann dieser Film überhaupt spielen soll. Dazu gibt es keinerlei Angaben oder Anhaltspunkte.

Da ich kaum Erfahrung mit Kampffilmen aus dieser Ära und dem asiatischen Raum habe, kann ich nur grob einschätzen, wie gut die Kämpfe hier choreografiert waren. Ich fand sie fantasievoll und spannend inszeniert, obwohl schon oft sichtbar war, dass die Darsteller aneinander vorbeikloppen und sich nicht wirklich hart aufs Mowl geben. Da gibt es sicherlich derberes, aber immerhin kann ich sagen, dass die Darsteller hier jedenfalls topfit sind und offensichtlich nur selten gedoubelt wurden.

Kleines Highlight ist hier auch das auffällig knallrote Kostüm des Mörders. Auch wenn die Bösen hier die Japaner sind, frage ich mich ob das bisschen ein Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Volksrepublik China darstellen sollte, auch dass die Maske zwei Gesichter hat. Hmmm….

Fazit:
Alles in Allem war es jedenfalls die richtige Wahl zum Einstieg in derlei Filmwelt. Darum empfehle ich den Film hiermit wärmstens weiter und würde mich selbstverständlich auch über weitere Tipps aus dieser Richtung freuen. 🙂
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Armour of God: Der rechte Arm der Götter

Avatar: Mettwurst#9
  • Handlung
  • ACTION
  • Figuren
  • Musik
  • Humor
„Armor of God“ ist ein Abenteuerfilm aus dem Jahr 1986 von und mit Jackie Chan in der Hauptrolle. Die HongKong-Produktion wurde im exotischen Österreich und Jugoslawien gedreht.

Handlung:
Zu Beginn klaut Jackie einem Stamm von Wilden irgendwo im Hinterland ein einzigartiges Schwert. Bei einer Auktion in Graz treibt er den Preis dafür in die Höhe und es findet in den Händen der adretten May eine zufriedene Käuferin. Doch hätte Jackie mal noch ein wenig gezögert, denn plötzlich wendet sich sein bester Freund Alan an ihn, dessen Freundin Lorelei von einer jugoslawischen #Sekte entführt wurde und im Austausch alle fünf Teile der Legenden Rüstung Gottes verlangt. Und eines davon war eben jenes Schwert. Und so beginnt ein turbulentes Abenteuer voll rasanter Action und spektakulärem Kung Fu…

Meine Meinung:
Es ist Jahrzehnte her, dass ich diesen und andere Filme mit Jackie Chan mal im TV nachts auf RTL2 gesehen habe und viele der Titel, die im feudalen China spielen verschwimmen zu einem kuddelmuddeligen Einheitsbrei in meiner Erinnerung. Nicht aber „Armor of God“ (in Deutschland auch bekannt als „Der rechte Arm der Götter“) der mit seinem Fish-out-of-the-Water-Setting mit zwei Chinesen, die durch Jugoslawien dölmern, etwas enorm erinnerungswürdiges hatte. - Das ganze ist bei bestem Wetter eingefangen worden und wer mal in diesen Breitengraden unterwegs war, wird Szene für Szene überlegen, wo die Helden wohl jetzt gerade sind.

Und so bestätigte sich dieser Eindruck als ich ihn letzte Woche nochmal sah. Durch sein Setting wirkt der Film über weite Stellen sogar wie eine europäische Produktion und durch den klamaukigen Slapstick-Humor und die brachiale Action erinnerte mich das Ganze stellenweise an die Filme mit Terence Hill und Bud Spencer. Wer mit diesen was anfangen kann, bei dem wird „Armor of God“ sicherlich gut andocken können.

Die Kampf-Choreografien haben ihren eigenen Witz und Verfolgungsjagden sind spektakulär inszeniert, dass mir die Augen überliefen. Allerdings fallen manche Sprüche und Aktionen im Film mittlerweile so herrlich grenzwertig und chauvinistisch aus, dass sich die Balken biegen. Frauen werden gegen ihren Willen auf den Mund geküsst und von den Sektenmitgliedern zum Verkehr genötigt. Und an einer Stelle wird ein homosexueller Kellner in seinem Habitus stark überzeichnet. Dadurch wird der Film sicherlich bei einigen Zuschauern anecken… zu denen ich mich zwar nicht zähle, aber alle anderen seien gewarnt.

Im mehr als abstrusen Finale schickt der comichafte Oberschurke dann auch noch seine fünf besten Kämpfer ins Rennen: vier Look-a-Likes von Diana Ross, die in Lack und Leder und mit Stöckelschuhen gegen Jackie kämpfen. / Witzig zu erkennen, dass die Frauen in die Kampfszenen durch Männer mit Perücken ersetzt wurden, die stellvertretend von Jackie aufs Mowl kassieren. Wirklich köstlich, sich das anzusehen.

Fazit:
Interessanterweise gibt es von dem Film übrigens auch noch einen zweiten und einen dritten Teil, die ich zwar noch nicht gesehen aber immerhin jetzt Bock drauf bekommen habe. Dieser Film jedoch sei all jenen empfohlen, die es mit Political Correctness nicht so genau nehmen und mal wieder einen kernigen Unterhaltungsfilm sehen wollen.
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Good News

Avatar: ChroloKeksgeselle#10
  • Handlungsverlauf
  • Satire / Humor
  • Cast
  • Charaktere
  • Atmosphäre
“The truth can sometimes exist on the far side of the moon, but that doesn’t mean the near side is a lie.”
Der Film startet mit diesem uns nicht bekanntem Zitat und spielt damit schon zu Beginn darauf an, dass wir es mit einem Werk zu tun bekommen, welches sich nicht an ein typisches Schema F hält.
Als Plotgerüst dient dem Film dabei die tatsächlich geschehene Entführung des japanischen Inlands-Linienfluges 351 von Tokyo nach Itazuke im Jahr 1970 von bewaffneten Mitgliedern der japanischen Roten Armee Fraktion (einer militanten kommunistischen Organisation, existierend primär von 1968-71).

Ganz ohne Frage muss man bei Rezensionen immer eine Sache bedenken – es ist Geschmackssache und jeder hat andere Aspekte, auf die er/sie ganz besonders achtet. Auch Sie haben vermutlich Dinge, die Sie in Filmen schätzen und brauchen; ebenso Dinge, die Sie in Filmen kritisieren bzw. überhaupt nicht sehen möchten.
Dazu kommt, dass Filme von vielen Leuten heutzutage mit dem Auge auf der Suche nach Kritik geschaut werden, und nicht wenige Filmliebhaber werden von einem „Früher war alles besser, vor allem Musik und Filme“-Gefühl zusätzlich in solch eine überkritische Richtung gelenkt.
Letzterem stimme ich persönlich zwar überhaupt nicht zu, aber die konstante Suche nach Kritik kenne ich viel zu gut von mir selbst. Auch deshalb bin ich unglaublich froh, dass „Good News“ mir von Anfang an das Gefühl gegeben hat, dass ich diesen Film ausschließlich in gespannter Erwartung schaue – ohne spezielle Erwartungen und – vor allem – ohne primär nach Filmfehlern zu suchen. Belohnt wurde ich mit wunderbaren, in jeder Hinsicht äußerst unterhaltsamen 136 Minuten Unterhaltung. Und am Ende entscheide ich mich in der Bewertung sogar erstmals, einem Film die volle Punktzahl zu geben – 100%.

„Good News“ ist dabei allem voran eines – er ist intelligent geschrieben.
Ich war sehr gespannt, wie eine Komödie mit schwarzem Humor aus Asien aussehen würde, da sowohl die koreanische, als auch die japanische Kultur für genau diesen überhaupt nicht bekannt sind. Aber wir haben hier tatsächlich eine gesunde Mischung Ernst und Witz, aus geschichtlicher Ernsthaftigkeit und purer Unterhaltung. Ein (asiatischer) Mix aus 'United 93' und 'Wag the Dog', der erzähltechnisch auf Niveau von Parasite und dem parallel auf dem Filmfestival Toronto die Show stehlenden 'No Other Choice (어쩔수가없다)' agiert ~ womöglich noch eine Stufe darüber.
Getragen von herrlichen Mimiken und Gestiken des gesamten Casts, tollen Kamerafahrten, unerwarteten aber nicht unpassenden Cuts sowie dem nötigen Dialogwitz wird es zu keiner Zeit langweilig – zumindest mir und meiner Partnerin nicht, was ich deshalb betonen möchte, da wir mittlerweile kaum noch einen Film schauen, ohne dabei mehrfach zu unterbrechen, parallel am Handy zu sein, etc. (Asche auf unser Haupt)

Ein ganz zentral hervorstechendes Merkmal des Films ist die Sprache. Vor allem, da Koreanisch und Japanisch beide den gesamten Film hinweg parallel benutzt werden, und noch dazu verschiedene Dialekte und Mundarten des Koreanischen. (Dazu kommen noch einige nicht minder interessante Konversationen in Englisch, wenn die amerikanischen Soldaten auftreten.) Eine Mischung aus verschiedenen Sprachen ist kein Leichtes – weder für Regisseure, noch für Skript- und Dialogschreber, und auch nicht für diejenigen im multinationalen Cast, welche nicht beide/alle Sprachen flüssig beherrschen. Umso höher bewerte ich das Resultat in „Good News“. Die Konversationen werden durchwegs sehr lebendig geführt, teils wechselt die Sprache sogar in einem einzigen Gespräch hin und her. (Ein Fest für Freunde der ostasiatischen Sprachwissenschaften)

Grund für die ausgezeichneten sprachlichen Leistungen sind nicht zuletzt die SchauspielerInnen, unter welchen ich mehrere hervorheben könnte, aber einen ganz besonders hervorheben möchte. Denn besonders interessant ist fraglos die Rolle des „Nobody“, der einerseits als Lenker im Schatten der größeren Akteure dargestellt wird, gleichzeitig aber auch gelenkt wird. So ein bisschen wie ein Roadie im Musikbiz. Ich halte seine Rolle für diejenige, die zwar am meisten von der Realität abweicht, aber diesen Film in seiner Form erst möglich oder zumindest interessant macht. Daher wurde sich beim Schreiben diese Rolle sicherlich besonders viel Gedanken gemacht – und das kann man den Film über sehr gut sehen. Eine Weile fragt man sich – auch das ist gewollt – was nun genau seine Rolle ist oder darstellen soll, und während der ersten Stunde wird diese Antwort langsam aber stetig klarer. Und in dieser Formung des Charakters „Nobody“ setzt die politische Satire an. Nicht so offensichtlich wie bei KCIA-Chef Park Sang-hyeon, dessen ausdrucksstark vorgetragene Scharaden ganz klar zeigen sollen, wie unglaublich mies und opportunistisch sich Leute in gewissen Positionen verhalten und vor allem ohne Konsequenzen verhalten können – sondern subtiler, sich konstant entwickelnd.
Es gibt Momente, in welchen man „Nobody“ hassen darf, aber seine Rolle steht und bleibt jenseits von Schwarz und Weiß. Er fungiert für die Zuschauer als subtiler Narrator – vor allem für die weniger geschichtsbewanderten.

Darüber hinaus würde ich den Cast als durchaus starbesetzt bezeichnen. Während ich den exzellent spielenden Sul Kyung-gu (=Nobody) tatsächlich nicht kannte, waren mir Hong Kyung und Ryoo Seung-bum ebenso ein Begriff wie Kim Sung-oh, Takayuki Yamada, Yoon Kyung-ho oder Choi Deok-moon. Hinzu kommt ein genialer Auftritt von Jeon Do-yeon als südkoreanische First Lady, während der Korea zur damaligen Zeit 'regierende' Militärautokrat Park Chung-Hee lediglich am Rande als Opfer eines herben Katers erwähnt wird – ganz große Klasse.

Ein weiterer Aspekt, den ich an dieser Stelle erwähnen möchte, ist die Rollenverteilung. Es gibt zahlreiche koreanische Filme, in welchen das Feindbild Japan aus koreanischer Sicht als das absolute Böse dargestellt wird. Es gibt auch Filme und Geschichten, welche Amerikas Rolle im Bezug auf Südkorea brandmarken oder mindestens sehr kritisch erzählen. Unglaublich erfrischend ist daher, wie „Good News“ sich zu keiner Zeit eines Rollenspiels (oder gar einer Dämonisierung) hingibt, obgleich es möglich gewesen wäre. Vielmehr liegt der Fokus auf der Erzählung der Story, d. h. auf der satirischen Wiederaufbereitung eines skurrilen Ereignisses, welches uns zwar wie so viele andere Filme auch aufzeigt, wie falsch es in der Politik läuft und auch vor 56 Jahren schon gelaufen ist – aber auf eine ganz besonders unterhaltsame Art und Weise.
Auch die das Flugzeug kapernde Rote Armee-Fraktion wird bemerkenswert menschlich dargestellt und man kommt obgleich ihrer kriminellen Taten innerhalb des Flugzeuges nicht wirklich dazu, sie als absolut antagonistische Fraktion einzustufen. Die 'Ashita no Joe'-Referenzen sind in Hinblick darauf so genial wie simpel und geben (vor allem wenn man selbst einmal erwachsene japanische Otaku kennengelernt hat) noch so eine kleine Extrawürze.

Der Titel „Good News“ ist gut gewählt und eine Szene nahe Ende des Filmes bezieht sich direkt auf den Titel (oder andersherum, wie man es nimmt). Möchte ich hier jedoch nicht spoilern.
Frank Sinatras “Blue Moon” als Lied für die Ending Credits mag eine sehr frühe Wahl aufgrund der (gar nicht mal notwendigen) Mondreferenz gewesen sein, passt aber auch vom Klangbild hervorragend.
Und so möchte ich den Film herzlich empfehlen und hoffe, dass Sie ihn ähnlich genießen wie wir es konnten.
Beitrag wurde zuletzt am 14.03.2026 12:13 geändert.
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Begins Youth

Avatar: SabriSonneKekslegende
Redakteur
#11
„Begins Youth“ ist die Serie, bei der man genau weiß, was die eigentlich wollte – aber so richtig funktioniert hat es dann irgendwie nicht so…


Zur Handlung
Das Thema, das sich die Serie aussucht, ist von Grund auf schon sehr massiv: 7 Jugendliche, deren Leben nicht so Friede-Freude-Eierkuchen ist, wie man es im ersten Moment erwarten würde.
Vom Grundgedanken ein typischer Coming-of-Age, aber mit um einiges härten Themen wie Korruption, Armut, Alkoholabhängigkeit, Tod von Familienmitgliedern oder psychischen Erkrankungen. Die Serie händelt hierbei die diese Themen mit größter Sorgfalt und findet einen guten Mittelweg zwischen knallharter Realität und einer gewissen Verstörtheit. Ebenso wird auch nicht zu sorglos mit ihnen umgegangen, weshalb die Umsetzung im Ganzen gut funktioniert.

Wo dann für mich jedoch die Handlung ins Wanken kam, war die Tatsache, dass man kein gutes Tempo findet. Einige Geschichten drehen sich ab der 1 Folge nur im Kreis und kommen kaum aus dem Quark, andere Ideen gehen beinahe unter, weil nebenher eine ebenso ausladende Story läuft und die Handlung keinen passenden Schwerpunkt definiert. Sind wir nämlich ehrlich: allein die Geschichte von Ha Ru hätte ausgereicht, um den Großteil der Laufzeit mehr als nur gut zu füllen. So verläuft sich jedoch die wirklich gut ausgearbeitete Idee schnell im Sande, weil plötzlich zu viel anderes genauso wichtig wird. Sicherlich nimmt das der Handlung dieses Gefühl von Abarbeiten, dadurch hat gerade die Geschichte von Ha Ru jedoch nicht mehr den nötigen Impact, was aufgrund des sehr guten Starts in den ersten Folgen doch sehr verschenkt war.
Auf der anderen Seite dümpeln einige Handlungen nur so vor sich hin und scheinen gefühlt kaum aus dem Quark zu kommen oder so gut wie nichts zu erreichen. Sehr auffällig ist dies bei Joo An, dessen Story wenigstens noch ein tolles Ende findet, aber zwischendurch wirklich anfängt zu nerven, weil einfach so gar nichts weitergehen will. Auch Hwan und Do Geon haben im Grunde tolle Handlungen, sind jedoch selbst zu passiv, um hier wirklich Fahrt zu produzieren.
Somit fehlt der Serie auch schnell eine gewisse Richtung, die man einschlagen kann. Es sind viel zu viele einzelne Handlungen, die auch allein locker eine Serie gefüllt hätten. Und dass teilweise nicht einmal alle Jungs in die jeweiligen Handlungen verwickelt werden, sorgt für eine Parallelität, die für den Schwerpunkt Coming-of-Age und eine Clique, die sich gegenseitig stärkt einfach nicht passend ist.
Und damit passiert nun auch noch etwas ganz Verheerendes: man schafft es kaum, die Clique als Schulfreunde zu etablieren. Es fehlt meiner Meinung nach an Szenen in der Schule, genauso ist kaum klar, wer mit wem in welche Klasse geht und wer sich wie kennt. Dann ist plötzlich das Schuljahr vorbei, ohne dass man jedoch den Wechsel der Jahreszeit gut ausgelegt hat, genauso fehlen dann doch die typischen Schulprobleme.

Und auch die irgendwie vieles vereinende Geschichte rund um Se In überzeugt final nicht, und das nicht nur des Tempos wegen. Nicht nur, dass sich vieles im Kreis dreht, sondern eher aufgrund der Tatsache, dass die Handlung kein Ende hat. Es wird viel spekuliert, so gut wie alle Charaktere sind zu irgendeinem Punkt der Handlung darin involviert, aber eine finale Antwort bekommt man nicht. Zum einen natürlich ein interessantes Storyelement, um die Nichtigkeit gewisser Antworten deutlich zu machen, auf der anderen Seite nimmt dies doch einen gehörigen Teil der Handlung ein, nur um dann mit einer Spekulation zu enden.

Und bleiben wir gleich beim Ende: mein erster Gedanke war nur „WTF?!“
Erstens fand ich die Idee für diese Art der Serie viel zu abgespaced! Warum auf einmal diese Idee mit diesem Ende?! Die finale Folge funktionierte auf so viele Arten wirklich gut, nur um dann in eine komplett seltsame Richtung abzulenken. Und leider löst diese Ablenkung auch nur einen einzigen Teil der kompletten Handlung richtig auf.
Zweitens fand ich das Ganze dann doch etwas überdramatisch. Für Joo An fand ich das Ende seiner Geschichte wirklich gelungen, die anderen fand ich doch sehr übertrieben und teilweise sogar unlogisch. Sicherlich gibt es dadurch am Ende diese gewisse Nostalgie, die die Serie erreichen möchte, aber sie wirkt doch sehr erzwungen, da nicht alle einzelnen Handlungen der Jungs zu diesem Ende führen. Damit verpufft meiner Meinung nach auch noch der emotionale Moment von Se In, was ich im Grunde wirklich dramatisch finde.

Was die Serie jedoch gut hinbekommt, ist die Darstellung der Emotionen – und das zum richtigen Moment. Wie gesagt wird hier mit sehr großem Feingefühl gearbeitet und das merkt man in den entsprechenden Momenten wirklich sehr. Auch die Abfolge der einzelnen Ereignisse ist nachvollziehbar und gewisse Zusammenhänge zwischen den einzelnen Figuren sind sehr logisch und wirken kaum gezwungen. Die Verzahnungen gelingen insgesamt wirklich gut.

Was für mich dann jedoch sehr gezwungen wirkte war der starke Fokus auf BTS und deren Alben. Ich selbst bin kein großer BTS-Fan, bzw. höre die Lieder nur ab und zu, sodass ich nicht mit irgendwelchen Album-Konzepten vertraut bin. Dementsprechend war es für mich eher störend und verwirrend, wenn plötzlich irgendwelche Liedtitel eingeblendet wurden. Einige waren aufgrund der englischen Übersetzung wenigstens selbst erklärend, bei anderen wusste man so gar nicht, was die Wörter überhaupt bedeuten sollen. Außerdem empfinde ich nicht, dass die Musik von BTS wahnsinnig gut als OST für ein K-Drama geeignet ist. Damit fand ich den starken Fokus doch etwas störend, wie es BTS-Fans hier jedoch geht, kann ich nicht beurteilen.


Zu den Charakteren
Ich kann tatsächlich nicht sagen, ob es mir zu viele Charaktere waren oder die Anzahl genau passend war, um alle Schwerpunkte abzuhandeln. Denn genau das ist irgendwo mein Argument: man versucht mit den vielen Charakteren doch nur möglichst viele Schwerpunkte abzuhandeln.

Dabei drehen sich nicht nur einige Stories, sondern auch die entsprechenden Charaktere doch sehr im Kreis, allen voran Hwan. Zum einen verstehe ich seine Rolle, da man mit ihm den neutralen, passiven Protagonisten zeichnet, den die Handlung wirklich braucht. Es kann einfach nicht alles dramatisch sein und man braucht irgendwo einen Ruhepol, an dem sich der Zuschauer orientieren kann. Nur ist Hwan einfach zu passiv. Man versteht seine Einstellung, gerade im Zusammenhang mit seinem Vater, aber viel zu oft hat man das Gefühl, er würde jetzt ausbrechen, nur um es dann doch nicht zu tun. Wenigstens zum Ende hin trifft er die richtigen Entscheidungen, sodass man doch mit seinem Charakter zufrieden ist.

Ha Ru geht leider am Ende etwas die Puste aus, was ich aufgrund des doch sehr starken Anfangs sehr schade fand, Joo An dreht sich zu lange im Kreis, um dann aber wenigstens noch auf ein tolles Finale zu kommen. Se In war für mich ein Buch mit sieben Siegeln, und das, obwohl er eigentlich eine sehr zentrale Rolle einnimmt und auch Do Geon ist zwar nachvollziehbar, kommt aber kaum aus dem Quark.
Für mich waren die klaren Überraschungen Ho Su, den ich zwar als Charakter super unsympathisch fand, der aber mit die beste Story hat und tolle emotionale Punkte setzt. Und auch Jae Ha überzeugt mit interessanter Familiendynamik und einer spannenden Beziehung zu seinem Bruder. Meine beiden persönlichen Highlights, die ich so nicht auf dem Schirm hatte.

Worüber man nicht meckern kann, ist die durchwegs sehr gute schauspielerische Leistung der Darsteller, und das trotz des teilweise doch jungen Alters. Keiner ist fehlgecastet und alle spielen mit viel Nuancen und Talent und erreichen durchwegs das hohe Anforderungsniveau ihrer jeweiligen Rollen. Auch die Erwachsenen in den Serien unterstützen ihre „Kinder“ schauspielerisch gut.


Fazit
Ich weiß, was „Begins Youth“ sein und welche Schwerpunkte es setzten wollte, für mich scheitert die Serie jedoch in der finalen Umsetzung. Und das ist wirklich schade, da das Potenzial wirklich da gewesen ist.

Tatsächlich tue ich mich damit mit einer finalen Bewertung schwer: ich kann jede Entscheidung, jedes Storyelement nachvollziehen, jedoch hatte es bei mir nicht die erhoffte Wirkung, die ich auch selbst von mir erwartet hatte.

Mein Fazit also: selbst ausprobieren!

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Die Todesgrotten der Shaolin

Avatar: Mettwurst#12
  • Handlung
  • Bildsprache
  • Figuren
  • Originalität
  • Spannung
#Giallo meets #Wuxia? Geht das überhaupt? „The Butterfly Murders“ versucht sich als solch ein wilder #GenreMix. Es war 1979 der erste Film von #TsuiHark. Die Darsteller waren mir allesamt unbekannt, aber in China bestimmt bekannte Gesichter.

Handlung:
Die Story spielt hauptsächlich in einer Festungsanlage, in der ein Haufen von Leuten zusammentrifft und eine Reihe mysteriöser #Morde untersuchen wollen, die angeblich von gefräßigen Killer-Schmetterlingen verübt wurden. Nach dem Tod des Burgherren werden Brieftauben entsandt und auf einmal treffen drei finstere Gesellen wegen des Erbes ein, von denen einer ein eiskalter maskierter #Killer mit undurchdringbarer Rüstung ist…

Meine Meinung:
Ich werde mir keine Mühe geben, die etwas wirre Story komplett zu entflechten, wahrscheinlich würde das ein paar Schwachstellen in dem Gesamtgerüst offenbaren. Dass das ganze noch komplizierter wirkte, als es wahrscheinlich war, liegt mit Sicherheit daran, dass ich zu selten chinesische Filme schaue und kein Ohr für diese Namen habe, die obendrein allesamt anders geschrieben als ausgesprochen werden. So ordnete ich auch hier gedanklich während des Guckens die Rollen grob für mich ein, aber sie kamen nicht darüber hinaus. Aber das soll keinesfalls dem Film negativ angerechnet werden, sondern meine Defizite als Zuschauer offenlegen.

Denn trotz allem hat der Film eine Menge an handwerklichen und stilistischen Qualitäten zu bieten. Tsui Hark kannte ich hauptsächlich als Namen seiner späteren Regiearbeiten wie „A Chinese Ghost Story“ sowie „Mutant City“. Interessant finde ich hier, dass der Film zwar im feudalen China spielt und natürlich diese overacted #Wuxia-Figuren beinhaltet, aber sehr stark am europäischen Genrefilm orientiert ist.

Genauer gesagt am #Giallo und #GothicHorror und mit den Schmetterlingen auch einen Wink Richtung #TierHorror macht. Die Kamera ist dabei manchmal wackelig aus der Verfolger-Perspektive inszeniert. Die Einflüsse westlicher #Horrorfilme sind hier also mehr als erkennbar. Auch was die bloße Erzählung sowie die ästhetischen Mittel anbelangt. Die Story ließe sich fast 1:1 auch in einem rein europäischen Schloss nacherzählen, würden die asiatischen Elemente subtrahiert werden.

Und so fand ich es aber auch erstaunlich zu sehen, wie die Atmosphäre eines europäischen Schlosses in eine chinesische Burg gemünzt werden konnte. So wird hier viel mit flackerndem Kerzenlicht und seidenen Vorhängen gearbeitet; auch fließt eine gute Menge knallroten Blutes und der Killer geht mit einer seltsamen Waffe zu Werk, die aussieht wie diese Lacrosse-Stäbe. Intimitäten gibt es genretypisch hier mal gar keine zu sehen, tut dem Gesamtbild keinen Abbruch.

Fazit:
Schade jedoch, dass der Film in Deutschland lediglich auf DVD erschienen ist. Durch eine Aufwertung ließe sich mit Sicherheit einiges an visueller Kraft noch herauskitzeln. Hierzulande trägt der Film übrigens den etwas bräsig-verwechselbaren Titel „Die Todesgrotten der Shaolin“. - Über seine 88 Minuten hinweg fand ich den Film trotz seiner Stolpersteine enorm kurzweilig erzählt. Ich kann den Film daher allen kulturell offenen Zuschauern sowie Fans der erwähnten Genre-Sparten wärmstens empfehlen.
Beitrag wurde zuletzt am 07.02.2026 11:25 geändert.
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Sing Sa La Tai

Avatar: SabriSonneKekslegende
Redakteur
#13
Angekündigt, abgesagt, neu gedreht – und ich habe nichts davon mitbekommen! Dementsprechend war meine Enttäuschung erst einmal groß, als mit dem Vorwissen über den alten Trailer die neue Variante von „The Goddess bless You from Death“ losgegangen ist. Und obwohl mir die Serie final dann doch gefallen hat – die originale Variante wäre wahrscheinlich deutlich besser gewesen!


Zur Handlung
Und das hat einen entscheidenden Grund: in der neuen Variante zerlegt sich das Rückgrat der Handlung, der Krimi.

Dennoch muss ich ihm erstmal zu Gute halten, dass ich die Idee sehr ansprechend finde. Serienmörder sind immer spannend und dieses Thema mit einem Ritualmord und Geistergeschichten zu kombinieren war eine sehr clevere Idee. Die Stimmung war durchgehend sehr gut, die Geister wirkten zu keinem Zeitpunkt kitschig und auch das Übernatürliche wurde realistisch als zeitgenössische Fantasy eingebaut. Die Serie verzichtet nämlich darauf, die Geister wissenschaftlich erklären zu wollen und nimmt die Tatsache einfach hin.

Dennoch kann das Setting nicht darüber hinweg täuschen, dass der Krimi von Vorne bis Hinten ein einziges Plothole ist.

Und das startet meiner Meinung nach schon am Set-up.
In der Originalvariante spielt die Handlung auf dem Land. Die Leichen hängen an einem Baum, mitten im Wald. Überall reagiert die Aberglaube und Geister und Naturmächte sind an der Tagesordnung.
Und dann kam die neue Variante: wir legen eben dieses Thema in die Moderne einer Stadt. Und damit hebt sich die Logik von Natur aus schon fast von selbst aus. Das Hauptproblem ist aber nun der Baum, an dem die Opfer aufgehängt werden: er steht mitten in einer verlassenen Baustelle! Mitten in der Stadt! Und da fragt man sich sofort unweigerlich – was ist das für ein Baum?!
  • Natürlich kann der in der Baustelle nicht gewachsen sein! Der Baum sieht nämlich aus, als wäre er hunderte Jahre alt, sprich, er kann weder nach Aufgabe der Baustelle dort gewachsen sein (im Sinne: die Natur erobert sich die Welt zurück), noch werden die Architekten gezielt darum geplant haben. Zumindest nicht in dieser Art und Weise und an dieser Stelle des Gebäudes
  • Wie ist der Baum also dann her gekommen? Der Baum ist definitiv zu groß, um ihn herzutransportieren, geschweige denn ihn alleine aufzustellen. Außerdem wäre ein solcher Baum viel zu instabil und würde kippen. Und transportier mal einen solchen Baum mitten durch die Stadt und stell den mal auf, ohne dass dich jemand sieht!

Und damit war ich gedanklich erst einmal raus!
Ich war nicht nur mega enttäuscht, dass ich eine komplett andere Serie präsentiert bekommen habe, wie ich sie noch von damals aus dem alten Trailer kannte, die Serie machte auch plötzlich keinen logischen Sinn mehr!

Und das Schlimme ist, dass der Krimi von einer praktischen Fügung oder Dummheit in die Nächste rennt:
  • Bereits in der ersten Folge wird klar, dass der Täter ein System bei der Opferwahl verfolgt, nämlich Wochentage – und das grenzt für unsere Polizei die Opfer wie ein?! Jeder Mensch ist an einem Wochentag geboren, dementsprechend kann JEDER Mensch zum Opfer werden! Und dass am Ende zum Großteil unsere Hauptcharaktere ausgewählt werden, gibt zwar Dramatik, macht aber inhaltlich einfach null Sinn!
  • Unsere beiden Gerichtsmediziner, das Second Couple, liefern Hinweise immer genau dann, wenn man in der Story weiter gehen will. Dass sie dadurch nur doof wirken und anscheinend ihren Job nicht ordentlich erledigen – egal! So kommt man erst 6 Folgen später auf die Idee, mal den Mageninhalt der Opfer zu untersuchen und man merkt erst in Folge 10, dass der Täter ja eine Möglichkeit zum Kühlen gebraucht hat (was nach den Rückschlüssen nach der 1. Folge schon klar war!).
  • Thup, Sing und King landen per Zufall in einem zufälligen Krankenhaus auf dem Land, wo sie plötzlich auf die Idee kommen, das Archiv zu durchsuchen. Nach gefühlt 5 Minuten ziehen sie in einem ganzen Zimmer voll mit unbeschrifteten Mappen zufällig genau die richtige heraus, die die Handlung massiv weiter bringt und natürlich etwas mit unserem Fall zu tun hat…?!

Jetzt fragt ihr wahrscheinlich schon die ganze Zeit: „Aber wenn das doch so unlogisch war, wieso dann trotzdem diese Bewertung?“

Erstens, weil ich Plotholes bis zu einem gewissen Punkt gut akzeptieren kann, aber das ist ein persönlicher Aspekt. Zweitens, weil die Handlung vom Aufbau her in sich absolut logisch ist. Der Krimi macht von der Reihenfolge seiner Ereignisse und Erkenntnisse absolut Sinn, wenn auch zu viel des Zufalls und zu viel der praktischen Dummheit zur Lösung führt. Die Schlüsselereignisse sind gut gesetzt, sprich, man erfährt in jeder Folge etwas Neues, aber nie zu viel, um die Handlung bereits nach 3 Folgen zu spoilern. Der Fall bleibt sehr lange sehr interessant, weil man genau die richtige Menge an Informationen präsentiert bekommt. Dennoch muss man zugeben, dass 13 Folgen insgesamt dann doch zu viel waren. Der Täter überrascht am Ende jedoch zu wenig, v.a. als die große Auflösung gegen Ende kam.

Und dann rettet die Romanze einfach viel.
Sicherlich war sie an einigen Stellen auch fehl am Platz, gerade als sich am Ende die Story doch sehr verdichtete und man einen gewissen zeitlichen Druck hatte, unsere Hauptcharaktere aber trotzdem noch für unnötige Niedlichkeiten anscheinend massig Zeit hatten.
Dennoch funktioniert die Romanze in ihrem Aufbau sehr gut. Die Abhängigkeit zwischen Thup und Sing und ihre vielen Interaktionen machen im Zusammenhang mit dem Setting absolut Sinn, denn beide starten ja als Verdächtiger und Polizist. Somit funktioniert der Übergang in eine Romanze sehr sicher. Gut geschrieben fand ich außerdem, dass sie nicht erst über eine aufkommende Freundschaft zum Paar werden, sondern ihre Interaktion eher aufgrund „äußerer Umstände“ zustande kommt. Dies bettet die Romanze sehr gut und sinnvoll in die Serie ein.
Auch den Einsatz von King als Love Rival fand ich trotz bekannter Konflikte überraschend weniger nervig und vorhersehbar als erwartet. Dies lag meiner Meinung hauptsächlich daran, dass Thup überhaupt nicht eifersüchtig reagiert und das Thema durch gute Kommunikation sehr realistisch aus der Welt geschaffen wird. Denn sind wir ehrlich: wie oft entsteht in anderen Serien Drama, nur weil sich die Figuren nicht miteinander unterhalten können oder wollen?!

Leider versagt die Serie etwas beim Second Couple, unseren Gerichtsmediziner. Nicht, weil die beiden Charaktere und Darsteller nicht zusammenpassen, sondern eher, weil man das Gefühl hat, die würden an der Startlinie stehen und keiner gibt das Startsignal. Als hätte man sie zum Beginn des Rennens gerufen und dann steht der Typ mit der Pistole 20 Minuten da, alle sind startbereit, aber er schießt nicht. Man weiß genau, dass das Couple noch wichtig wird, aber die Handlung gibt einem dermaßen das Gefühl, dass sie noch nicht bereit dafür ist. So dreht sich hier gerade zu Beginn doch einiges im Kreis. Auch hier bestätigt sich somit, dass 13 Folgen etwas zu viel waren. Hätte man auf 10 Folgen gekürzt, hätte man Sey und Darin schon deutlich früher in die Handlung einbinden können.


Zu den Charakteren
Mein erster Gedanke war: „Die kenne ich doch irgendwo her…?!“, aber ich konnte sie erst einmal nicht zuordnen. Aber das lag daran, dass ich die andere Serie bis dato nur vom Hören-Sagen kannte, denn beim Cast handelt es sich um Copy-Paste aus der Serie „Pit Babe“!

Kann man jetzt finden wie man will, brachte jedoch den Vorteil, dass sich alle schon untereinander kannten und dementsprechend das Miteinander sehr gut war. Alle Darsteller waren schon aufeinander eingestellt und das merkte man auch in der Performance. Insgesamt sehr solide bis wirklich stark.

Auch charakterlich überraschte mich der eine oder andere doch sehr, allen voran Thup, der trotz der typischen und in anderen Serien schon oft gesehenen „Damsel in Distress“-Optik überraschend wenig zu diesem Stereotyp gehörte. Sicherlich gehört es zu seinem Charakter, Sing als großen Beschützer doch zu pushen, aber er kann auch selbst denken und sich selbst verteidigen.
Sing überzeugt als Polizist und hat eine überraschend emotionale Hintergrundgeschichte, die zwar nicht neu, aber überzeugend war. Die Rivalität mit King, sowohl romantisch als auch beruflich, war ebenfalls nicht neu, aber in sich logisch aufgebaut und eine gute Grundlage für charakterliche Entwicklung für beide und funktionierte im Sinne des Teambuildings sehr gut.

Verschenkt wurden für mich Sey und Darin, und das aus bereits genannten Gründen. Außerdem ist mir Darin ein bisschen zu sehr „Damsel in Distress“. Und wer ist bitte auf die Idee gekommen, Michael (Sey) die Haare in dieser furchtbaren Farbe zu färben?! Erstens passt sie überhaupt nicht zu Seys Charakter, und zweitens steht sie Michael überhaupt nicht! Das war echt ein Knick in der Optik!

Der restliche Cast, auch die Geister, überzeugen durch gute bis sehr gute Performance. Als einzigen fand ich den Polizeichef sehr nervig und zu aufgesetzt, aber gerade die Geister fand ich sowohl optisch als auch darstellerisch ein tolles Highlight.


Fazit
„The Goddess bless You from Death“ rettet sich final über die besondere Idee und logische Abfolge der Ereignisse. Große Abzüge gibt es jedoch beim genaueren Hinschauen in der B-Note, besonders in der Logik aufgrund des getauschten Settings. Hätte die Handlung im hinterletzten Dorf an der hinterletzten Landstraße gespielt, wären sicherlich einige der hier gemachten Fehler gar nicht passiert.
Wen das aber nicht stört, bekommt einen durchaus guten, erwachsenen und spannenden BL mit insgesamt sehr solider Performance präsentiert.

Beitrag wurde zuletzt am 01.02.2026 10:00 geändert.
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Xiaoyao

Avatar: SabriSonneKekslegende
Redakteur
#14
„The Unclouded Soul“ ist wieder ein typisches Beispiel, dass gutes Schauspiel und bekannte Namen nicht ausreichen, um über ein mangelhaftes Skript hinweg zu täuschen.


Zur Handlung
Xianxia ist im Grunde überhaupt nicht mein Genre. Chinesisches Fantasy ist einfach sehr viel und das muss man mögen. Dennoch war die Lust da, nachdem ich den Cast gelesen hatte und ich gerade den 2. Hauptcharakter Bing Zhu sehr schnell sehr interessant fand.

Doch leider konnte auch der im Grunde wirklich gute Charakter von Bing Zhu nicht bis zum Ende tragen und das Ganze endete für mich in einem Trauerspiel.

Erstens, weil so gut wie nichts passiert. Man braucht wirklich viel Sitzfleisch, wenn man sich in den Wust von „The Unclouded Soul“ begeben möchte. Zum einen passiert im wahrsten Sinne des Wortes nicht viel, zum anderen ist das, was passiert, mittelprächtiger Standard im Genre. Oft habe ich im Internet gelesen, dass du dich wirklich mit einem Klemmbrett, Stift und einer Liste aller typischen Klischees eines Xianxias bewaffnen kannst, und ja, man kann wirklich der Reihe nach abhaken.
Sicherlich kann man das Rad nicht jedes Mal neu erfinden und sind wir doch ehrlich – wenn man mal so drüber nachdenkt, wie oft man ein und dieselbe Storyline schon gesehen und toll gefunden hat! Nur hier humpelt die Handlung so dermaßen durch die Serie, weil man einfach nicht so wirklich weiß, wo man hinwill.

Die ersten 20 Folgen verfolgt man Xiao Yao, die passend zum World- und Characterbuilding erst einmal mit den beiden Herren durch die Gegend rennt und verschiedenste Abenteuer und Dramen erlebt. Das ist ehrlicherweise noch der beste Teil, weil die kleinen Side-Stories oft überraschend emotional und gut geschrieben sind, und sich v.a. Bing Zhu als große Überraschung der Serie entpuppt.

Doch in den anderen 20 Folgen merkt man richtig, wie das ganze Konzept irgendwie in sich zusammenbricht, das im Grunde ja eigentlich gut geklungen hätte: die menschliche Gier und die damit verbundenen negativen Aspekte, aber auch positiven Errungenschaften, die durch den Antrieb erst möglich werden. Mit den drei Hauptcharakteren versucht man genau das in unterschiedlicher Art aufzugreifen, und doch scheitert es. Dies liegt meiner Meinung nach an insgesamt 3 Aspekten:
  • Die Romanze zwischen den beiden Hauptfiguren will einfach nicht funktionieren. Auf dem Papier klingt sie sicherlich schön, nur leider haben Hou Ming Hao und Tan Song Yun so gar keine romantische Chemie untereinander. Das lag meiner Meinung nach Song Yun, die einfach von Natur aus zu burschikos wirkt.
  • Bing Zhu bricht insgesamt zu stark als Charakter weg, obwohl er immer noch den besten Story-Arc hat. Aber die Serie ist so stark damit beschäftigt, ihn in eine gewisse Richtung zu drücken, dass es schon auffällig ist, wie sehr gewisse andere Charaktere nur als Fallobst für ihn fungieren.
  • Das Ende mit den Zeitreisen funktioniert überhaupt nicht. Zum einen, weil Xiao Yao mehr wie ein allwissender Erzähler in ihrer eigenen Story steht, zum anderen, weil Zeitreisen eh immer sehr tricky zu schreiben sind. Man kommt unweigerlich in eine Logikfalle, um die man gekonnt herum schreiben muss. Leider versagt hier das Skript! Xiao Yao weiß in ihren Zeitreisen von der Zukunft und einem Charakter die Macht zu geben, die Zukunft zu beeinflussen, ist massiv gefährlich für den Anfang der Story. Auf der anderen Seite endet die Serie mit einer Zeitreise, die eigentlich wieder zum Beginn der Serie passen müsste, dies aber überhaupt nicht tut. Ein schönes Beispiel, wie man sich mit Zeitreise das eigene Grab schaufelt.

Zeitreisen sind so das ziemlich anspruchsvollste, was man schreiben kann. Ich bewundere natürlich den Mut, dennoch hat man hier eher das Gefühl, dass es hier um „wir wollen mal kreativ sein“ ging anstatt die Zeitreise wirklich sinnvoll einzubauen und auszulegen.
Zeitreisen benötigen in sich eine massive Logik, da sich sonst die Handlung aushebt. Ebenso ist es von zentraler Bedeutung, wer in der Zeit reist bzw. wer wie viel von der eigenen Zeitepoche weiß. Denn all dies spielt massiv in das Verhalten des jeweiligen Charakters hinein und lässt uns Entscheidungen nachvollziehen.
Gute Beispiele wären hier „Oriental Odyssey“ oder „Sword & Fairy“. Bei ersterem starten wir mit einem jungen Mann ohne Gedächtnis, dessen Geschichte in einer Tragödie endet. Die Zeitreise dient dazu, die Geschehnisse im Vorfeld schon zu verhindern, was jedoch im Endeffekt dazu führt, dass eben dieser junge Mann sein Gedächtnis verliert und die Handlung erst losgehen kann. Somit haben wir ein in sich geschlossenes Zeireise-Paradoxon, wie man es sich besser kaum vorstellen kann. Auch die andere Serie arbeitet mit einem ähnlichen Prinzip, da der Hauptcharakter in die Vergangenheit reist und einem kleinen Mädchen ein Versprechen gibt, das schlussletztendlich das Abenteuer des Hauptcharakters erst auslösen wird.

Das Skript scheint sich vorher aber nicht wirklich mit diesen Fragen auseinander gesetzt zu haben. Und dementsprechend wirkt Xiao Yao wie ein Erzähler ihrer eigenen Geschichte. Und das ist insofern nur noch unglücklicher, da die Zeitreise endlich die charakterliche Erklärung für Hong Ye wird, der sich geschlagene 25 Folgen kein bisschen verändert.

Und man wundert sich dann am Ende auch schon gar nicht mehr über die Finalfolge. Nicht nur einfach storytechnisch Müll, allein die Tatsache, wie man mit Bing Zhu umgeht, grenzt an Körperverletzung! Warum seine Storyline, die man über 40 Folgen aufgebaut hat auch zu Ende führen – er kann ja einfach aus dem Bild laufen, weg war er!


Zu den Charakteren
Und das nervt so furchtbar, denn für mich war Bing Zhu wirklich die größte Überraschung der ganzen Serie!

Denn leider überzeugen beide Hauptcharaktere nicht wirklich. An der schauspielerischen Leistung liegt dies definitiv nicht, da sowohl Hou Ming Hao als auch Tan Song Yun wirklich zu den solidesten Darstellern gehören. Nur leider spielt sich Song Yun mit Xiao Yao wieder selbst, sprich, wer sie schon aus anderen Serie kennt („Go Ahead“, „Brocade Odyssey“ oder „With You“), der kommt sich langsam wirklich vor wie Copy-Paste, und auch Ming Hao spielt nun zum wiederholten Mal einen Dämonenkönig (nach „Fangs of Fortune“ und „Love in the Clouds“). Er schafft es zwar, seinen Charakter etwas von den anderen Varianten abzuheben, nur leider passiert mit der Rolle geschlagene 25 Folgen so gar nichts! Keinerlei Charakterentwicklung oder überspannenden Bogen. Und auch Xiao Yao ist eher Erzählerin als realexistierende Figur. Sie ist immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und funktioniert damit im Gedanken eines klassischen Protagonisten, nur leider wird die Kombination der beiden sehr schnell langweilig. Man hat das Gefühl, es dreht sich im Kreis. Und als es endlich interessant werden sollte, erschießt sich das Skript mit schlechter Zeitreise-Thematik.

So zog mich vor allem Bing Zhu durch die Handlung, und ich bin ehrlich: ihm zu Liebe ist die Bewertung besser ausgefallen.
Zum einen war es mal angenehm, Darsteller Wang Duo nicht sofort als „Bösewicht der Handlung“ („Immortal Ascension", „Bloody Romance" oder „Yin Yan Master") vor sich zu haben. Ja, er sich dafür prädestiniert, aber ich gönne ihm die schauspielerische Abwechslung, und er liefert wirklich hervorragend ab. Zum anderen bleibt er natürlich der wandelnde Spoiler, weil man Bing Zhu wirklich ordentlich durch den Dreck zieht, und das macht ihn sehr interessant. Er ist ein Mann mit Prinzipien und wird immer wieder in verschiedensten Situationen mit ihnen konfrontiert und getestet. Hier hat man wirklich mal sinnvolle Charakterentwicklung und sein Verhalten ist logisch und nachvollziehbar. Zwar ist sein Startpunkt als Charakter mit seiner Schwester Tan’er nicht unbedingt neu und nie gesehen, aber sie funktioniert als Motivation über die ganze Serie hinweg, weil Bing Zhu damit immer auch ein persönlich verfolgbares Ziel vor Augen hat. Und dies fehlt den meisten Figuren in dieser Serie.
Tan'er fand ich charakterlich eh sehr interessant, weil man diesen Namen als erstes mit Bing Zhus Schwert verbindet, das eben so heißt. Ich fand es sehr spannend zu sehen, wie man in einen eigentlich leblosen Gegenstand so viel Charakter hineinschreiben kann. Ich muss fast sagen, die beste Charakterzeichnung hat im Grunde Bing Zhus Schwert - so lächerlich das klingt! Aber obwohl man Tan'er nie wirklich als tatsächlich existierende Person vor sich hat, kann man sie charakterlich so gut nachvollziehen, dass wie lebensecht und wie ein Mensch wirkt.
Doch wie bereits angesprochen, hätte ich die Schreiber am liebsten erschlagen, als man ihn am Ende einfach mit einem „Sorry Bro, war jetzt nicht so nice von mir…“ aus dem Bild laufen lässt. Dass man so nebenbei die Story mit Tan’er abgeschlossen hat, also sein persönliches Motiv, auf das er die ganze Serie hingearbeitet hat, interessiert nicht mal mehr ihn selbst, genauso dass sich damit im Grunde eine Tragödie mit einem anderen Charakter entwickelt hat. Auch für ihn selbst als Person gibt es keinen Abschluss. Nach dieser Szene war ich wirklich durch mit der Serie! Ich wollte sie nur noch beenden!

Was jedoch sehr angenehm fand war, dass man hier auf die Dreiecksbeziehung zwischen Xiao Yao, Hong Ye und Bing Zhu verzichtet. Auch wenn man Xiao Yao und Bing Zhu eine eigene Storyline gibt, in denen beide ohne Hong Ye agieren, kommt zu keinem Zeitpunkt ein romantisches Gefühl auf. Man merkt, dass Bing Zhu großen Respekt ihr gegenüber hat und sie auch sehr sympathisch findet, aber eben nur als „Freundin“ – und das bewusst in Anführungszeichen. Denn selbst dieses Wort ist eigentlich schon zu hoch gegriffen. Beide entwickeln eine Art Zuneigung für einander und haben auch Sorge um einander, aber als Freunde kann sie dennoch nicht beschreiben. Und das fand ich im Wust der regulären Dreiecksbeziehungen tatsächlich mal sehr angenehm.

Der Nebencast überzeugt insgesamt nur durch Standardfiguren, die austauschbar sind und wenig im Gedächtnis bleiben. Einige der neuen, doch sehr nervigen Freunde von Xiao Yao haben mich wirklich zur Weißglut gebracht, weil sie durch Naivität, Kindergartenverhalten und Fettnäpfchen-Witz massiv stören. Diese Szenen habe ich großflächig übersprungen. Auch einige der Gegner wie der König überzeugen weniger. Dennoch gibt es auch einige interessante Charaktere, wie z.B. Bing Zhus Kollegen oder Pian Pian, die dennoch final überzeugen konnten.


Fazit
Wer Fan von den Darstellern ist, kann sich die Serie gerne antun, ansonsten gibt es definitiv besseres auf dem Markt, wenn es um Xianxia geht.
Das Storytelling macht zu viele Fehler, die Romanze zwischen den Hauptfiguren will aus Chemiegründen nicht wirklich klappen und es passiert insgesamt zu wenig, bis man dann im Höhepunkt über eine schlechte Zeitreise-Story stolpert.

Und auch das im Grunde gute Schauspiel und Wang Duo als Bing Zhu können nicht unendlich lang tragen.

Beitrag wurde zuletzt am 19.01.2026 20:41 geändert.
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The Wicked Game: Game|Rak|Luang

Avatar: SabriSonneKekslegende
Redakteur
#15
Es ist schön zu sehen, dass man mit „Wicked Game“ einen erwachseneren BL zeigen wollte. Endlich mal kein High-School-Thema und Schauspieler, die aussehen, als wären sie noch nicht mal volljährig.

Doch leider schießt dann „Wicked Game“ ein bisschen zu sehr über das Ziel hinaus!


Zur Handlung
Mein erstes großes Problem mit der Handlung ist, dass sie für 10 Folgen eigentlich nicht ausreicht. Man bekommt relativ schnell das Gefühl, man dreht sich im Kreis – manche Figuren bekommen 3 Chancen für immer die gleiche Idee und man fragt sich irgendwann unweigerlich „Wie oft will er oder sie es eigentlich noch probieren?!“.

Und das nimmt der Handlung meiner Meinung nach sehr viel an Spannung. Denn am Anfang war diese durchaus da. Mit dem Mordanschlag auf Pheem taucht man erst einmal Schritt für Schritt in die doch sehr abscheuliche Familie ein und es ist am Anfang wirklich sehr interessant zu sehen, welcher Charakter welche Ambition hat. Nur leider kommt dann nach dem durchaus gelungenen Start nicht mehr wirklich viel Neues und alle eiern mehr durch die Gegend, als wirklich aus ihrem Stereotyp auszubrechen.

Kombiniert mit einer sehr überdramatischen Erzählung macht es die Sache nicht unbedingt noch spannender. Denn nach dem Anfang hat man eher das Gefühl, man schaut einen ganz typischen Lakorn, also das thailändische Familien-Melodrama, in den einfach eine BL-Storyline gequetscht wurde. Diese bekommt zwar durchaus entsprechend viel Screentime, die Handlung hätte aber insgesamt wirklich sehr gut auf sie verzichten können, bringt sie doch kaum einen Mehrwert für die Gesamthandlung. Wenigstens verzichtet man auf weitere Couples, sodass man nicht wie in anderen Titeln das Gefühl bekommt, alle existierenden Männer wären schwul. Damit bekommt das Main-Couple auch deutlich mehr Screentime, was aufgrund der guten Chemie zwischen Darstellern auch sehr positiv ist.
Auch, dass man sich hier mit der Romanze in eine eher düstere Schiene wagt, empfand ich als sehr erfrischend und abwechslungsreich. Es war wirklich einfach mal angenehm, ein Couple vor sich zu haben, dessen Entwicklung einen gewissen verstörend Touch hat und wo nicht alles mit der rosaroten Brille betrachtet wird. Leider händelt die Serie die Thematik jedoch nicht mit der gewissen Sorgfalt, sodass die Beziehung insgesamt zu negativ und toxisch wird. Denn man kann toxische Romanzen sehr gewinnbringend schreiben (siehe Pete und Vegas aus „KinnPorsche", die über ein Stockholm Syndrome starten!), wenn man sich traut, diese wirklich voll und ganz auszuschreiben. Hier hat man eher das Gefühl, man möchte düster schreiben, traut sich aber nicht, in die volle Tiefe zu gehen, sodass leider nur das toxische Gefühl an der Oberfläche bleibt.

Und dann säuft auch noch die Romanze am Ende in der finalen Folge mit ab. Ich muss wirklich sagen: die letzte Folge empfand ich beinahe als Zumutung! Erstens läuft sie für viele Charaktere genauso ab, wie man es erwartet, zweitens tropft sie nur vor Klischees und überbenutzten Storyelementen, die bei mir kaum noch Spannung erzeugen, und drittens schockiert sie mit einer sehr zweifelhaften Moral.
Denn charakterlich bekommt man eigentlich einiges geboten, v.a. in dem Hinblick, dass sich jeder selbst der Nähste ist. Das gibt eine wirklich toxische Atmosphäre, die man sonst in vielen Serien, die sich als „dunkler“ beschreiben, vergeblich sucht. Doch was einige Figuren hier abziehen und wie brutal sie untereinander sind, macht dann wirklich irgendwann keinen Spaß mehr. Einige Figuren sind wirklich ekelhaft.

Und dann noch die wirklich mies gefilmten Kampfszenen!
Sind wir ehrlich, Thailand war noch nie gut in solchen Sachen. Meistens schlecht choreographiert, die Schläge gehen zu offensichtlich aufgrund der schlechten Kameraführung ins Leere, und dann wird auch noch der kitschige Schlag-Sound darunter gepackt, damit es ja unrealistisch wird.
Aber hier schießen sie im wahrsten Sinne den Vogel ab! In einigen Szenen fragt man sich nämlich wirklich, wie gewissen Figuren von Patronen getroffen wurden bzw. warum sich einige Figuren eigentlich mit der talentfreien Waffenführung nicht schon lange selbst ins Bein geschossen haben! Die Darsteller ballern einfach irgendwo rum, die Kugel findet aber gekonnt ihr Ziel – wow!


Zu den Charakteren
Wenigstens die Darsteller überzeugen bzw. versuchen das Beste aus ihren Rollen rauszuholen, denn Charakterentwicklung sucht man trotz des sehr starken Themas leider vergeblich.

Mit Pheem versucht man, uns den moralisch grauen Hauptcharakter zu geben. Bis zu einem gewissen Punkt funktioniert das meiner Meinung nach auch überraschend gut, muss er sich doch in seiner ekelhaften und gnadenlosen Familie behaupten können. Mir hat es sehr gut gefallen, wie das Verhalten aller auch auf ihn abfärbt, bzw. dass er sich als keinen Deut besser als alle anderen herausstellt. Dennoch stört mich bei ihm das erwähnte moralische Ende massiv, denn so einem Charakter ein Happy-End zu geben, finde ich in dieser Art und Weise wirklich verwerflich!
Das Ganze dann auch noch mit Than zu kombinieren, der wirklich null Charakter hat, fand ich dann beinahe schon zu toxisch. Irgendwann fragt man sich nämlich schon, warum Than immer wieder wie das brave Hündchen zu Pheem zurückwackelt. In der Geschichte wird gelogen und betrogen als gäbe es kein Morgen, und Than verzeiht einfach alles. Liebe hin und oder her, einen gewissen Selbsterhaltungstrieb erwartet man dann doch von einer realistischen Figur. Denn so startet Than lediglich am Anfang gut in die Serie und wird dann nach ein paar Folgen wirklich wie der Hund an der Leine einfach nur noch mitgeschleift, ohne wirklich einen charakterlichen Mehrwert zu bringen.

Jet fand ich als den bösen Bruder zwar mit passender Motivation geschrieben, aber insgesamt viel zu dramatisch, übertrieben und krankhaft ambitioniert. Risa fand ich als Schwester und das neutrale Glied sehr gut, gerade, da ihre Rolle durchaus noch interessanter wird. Den Vater der drei würde ich anmelden für den „schlechtesten Vater des Jahres“. Wie kann man seine Kinder so gegeneinander ausspielen!


Fazit
Leider mehr Schein als Sein!

„Wicked Game“ wirkt auf den ersten Blick düster, unberechenbar und hinterfotzig, ist aber auf den zweiten Blick nur ein überdramatisches Melo-Drama mit einem sehr toxischen Hauptcharakter, mit dem nicht richtig umgegangen wird.

Potential leider sehr verschenkt, obwohl der Anfang wirklich Hoffnung gemacht hat!

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