
SabriSonneRedakteur
#1Simple und einfach: ich verstehe den Hype nicht.
Zur Handlung
„Persuit of Jade“ gehört jetzt schon zu den erfolgreichsten Serien des Jahres, wenn nicht sogar der letzten Jahre. Da ich die Serie jedoch vorzeitig abgebrochen habe, kann ich nur eine sehr eingeschränkte Review meinerseits abgeben, aber eines kann ich sagen: WIESO?
Keine Frage, die Serie hat gute Elemente, aber so herausragend im Vergleich zu anderen Titeln des Genres ist nun auch wieder nicht. Ich finde, sie macht sogar einige Sachen extrem falsch, die mich dann auch zum Abbruch bewogen haben.
Doch erst mal zum Guten: die ersten 10 Folgen sind wirklich sehr schön, niedlich und toll gelungen. Die Idee mit einem weiblichen Metzger ist erfrischend, genauso die damit verbundenen Charaktereigenschaften. Chang Yu ist sehr charakterstark, ohne dass es einem wie heutzutage üblich, mit purer Wucht ins Gesicht geschlagen wird. Die Kombination aus Job und Charaktereigenschaften allein reicht aus, um Chang Yu nicht als unsympathischen Girl-Boss darzustellen und das macht den Einstieg sehr leicht. Auch ihre Familie und die Gesamtstimmung im Dorf tragen zum positiven ersten Eindruck bei. Dies sorgte mich auch noch einmal für ein Highlight rund um Folge 20.
Auch der Start mit Yan Zheng, der verletzt im Schnee gefunden wird, funktioniert gut, obwohl es der totale Standard ist. Die erzeugte Spannung reicht dennoch aus, um für den Anfang gut zu motivieren, obwohl man meiner Meinung nach noch länger mit der geheimen Identität von Yan Zheng hätte spielen können (man hat ja noch über 40 Folgen vor sich!). Doch so erfährt man als Zuschauer schon viel zu früh, wer sich tatsächlich hinter dem Charakter verbirgt, während der komplette Cast im Dunkeln gelassen wird.
Positiv fand ich auch die Slow-Burn-Romance, für die man sich entschieden hat. Ich bin ehrlich: diese war für mich der Grund, überhaupt so weit zu schauen. Die beiden Darsteller haben zwar keine übertrieben gute, aber dennoch ausreichende Chemie und trotz der bekannten Plotpoints und Konflikte funktioniert die Romanze inhaltlich und in ihrer Reihenfolge sehr gut.
Herausragend fand ich jedoch die Rolle der kleinen Schwester. Nicht nur für das Alter wirklich sehr gut geschauspielert, ich mochte es auch, dass sich mit ihr einige sehr interessante Punkte im Storytelling ergeben haben. Sicherlich verkörpert sie die „Damsel in Distress“, doch gerade die Idee mit dem Fokus auf sie während Kämpfen fand ich jedes mal super. So bitten sie die Charaktere mehrfach, sich die Ohren zuzuhalten und bis 10 zu zählen, während ein relativ brutaler Kampf in Gange ist. Die meiste Zeit bleibt man dann entweder mit der Kamera bei ihr oder übertönt mit ihrem Zählen bewusst das Getöse, was ich für ein wirklich sehr spannendes und tiefgründiges Storyelement halte.
Ebenso herausragend fand ich das Bühnenbild und Setting. Es gibt eher wenige Serien, die im Winter spielen, daher tut die Abwechslung wirklich gut, und auch Kameraeinstellungen, Belichtung und Bildkomposition sind dermaßen herausragend, dass es allein optisch ein absolutes Highlight ist. Auch die Darsteller werden durch passende Kostüme, Frisuren und Licht wirklich gut in Szene gesetzt. Die Serie wirkt wirklich teuer, das Geld wurde gut eingesetzt.
Doch nun möchte ich eine andere Review sehr gerne zitieren, die es für mich abschließend perfekt auf den Punkt gebracht hat: „Pretty, but Hollow“
„Persuit of Jade“ ist einfach nur „schön“.
Wenn man ein bisschen in die Tiefe geht, bemerkt man jedoch schnell, dass die Schönheit über so viele Fehler hinweg täuschen will – und betrachtet man die Bewertungen, so scheint das ja super zu funktionieren!
Den Fehler mit Yan Zheng habe ich bereits beschrieben: ein absolutes Standard-Set-Up, das für die Zuschauer viel zu früh aufgelöst wird, worauf jedoch alle anderen Figuren noch Folgen lang warten müssen.
Ebenso wird viel zu viel erklärt anstatt tatsächlich gezeigt. Nicht nur im Sinne von „Show, don’t Tell“ nicht wahnsinnig clever, sondern auch dadurch, dass man es unter den Charakteren genauso hält. Anstatt diese nämlich sinnvoll in der Handlung zu platzieren, greift man viel zu oft auf Gespräche zurück, in denen einfach die wichtigsten Infos ausgetauscht werden. Statt dies aber clever zu nutzen und dem Zuschauer nach 10 Folgen eine kleine Zusammenfassung der zentralen Elemente zu geben, blendet man ungeschickt aus und startet die nächste Szene mit „Was? Das ist alles passiert?“ – und schon sitzt man daneben und fragt sich, worüber die sich unterhalten haben! Das sorgt außerdem dafür, dass man einen schlechten Überblick darüber hat, wer eigentlich was weiß.
Des Weiteren rennt die Serie doch immer wieder von einem Stereotyp in den nächsten. Innovativ ist an der Gesamthandlung nämlich so rein gar nichts. Wer schon verschiedene Titel aus dem Genre gesehen hat, der wird viele Handlungsstränge und Szenen wieder erkennen, die dann im Endeffekt auch nicht besser oder schlechter ausgearbeitet sind wie in vergleichbaren Serien. Auch die politische Handlung hat man in vielen Serien schon besser gesehen.
Und dann kommt nach Folge 10 auch noch ein kompletter U-Turn in der Handlung. Dass sich irgendwie die Stimmung ändert, habe ich persönlich gegen Folgen 13/14 gemerkt und das war für mich der Moment, in der meine Motivation auch deutlich nachgelassen hat. Plötzlich wird alles so unnötig ausladend und unrelevante Nebencharaktere, die es vorher nicht einmal gab, werden plötzlich total wichtig. Ich habe mich wie in einer Sidequest gefühlt, die einfach nur unnötig viel Platz wegnimmt. Sicherlich hatte die Sidequest einige tolle Elemente, doch als der Kriegsschauplatz losgeht, verschwindet eine der zentralen Geschichten fast vollkommen, was den Sidequest-Eindruck nur noch einmal mehr verstärkt. Das man hier auch noch von einem Klischee ins nächste rennt, hilft auch nicht unbedingt weiter.
Und damit ging für mich das Pacing komplett verloren. Die Serie war von Anfang an nie wirklich schnell, aber es passte sehr gut zum Einstieg. Doch ab dem Kriegssetting dreht es wirklich nur noch im Kreis, sowohl handlungstechnisch als auch emotional. Man kann locker 5 Folgen auslassen und hat nicht das Gefühl, dass man sowohl in der Gesamthandlung als auch der Romanze irgendetwas Wichtiges verpasst hätte. Sicherlich sind der Weg und die Rolle von Chang Yu in diesem Krieg noch am besten geschrieben und hat durchaus seine Logik, aber das kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass über 40min lang nichts Nennenswertes passiert oder sich diese 40min in irgendeiner Weise von den 40min der Vorfolge unterscheiden würden.
Zu den Charakteren
Und das finde ich sehr schade, da die Charaktere und der Cast doch eigentlich gut funktionieren würden.
Tian Xi Wei („Moonlit Reunion", „Guardians of the Dafeng") als Chang Yu finde ich wirklich A*sch auf Eimer gecastet. Xi Wei hat eine sehr natürliche Art, Chang Yu zu portraitieren, die wirklich hervorragend funktioniert und sie trotz der typischen Girl-Boss-Eigenschaften doch sehr sympathisch macht. In Kombination mit dem Metzgerberuf wirkt die Rolle sehr bodenständig und weniger aufgesetzt wie vergleichbare moderne weibliche Figuren, sodass man dies wirklich positiv hervorheben kann.
Was ich für sie jedoch sehr schade fand, wird sehr offensichtlich, sobald der Kriegsschausplatz losgeht. Erstens macht es überhaupt keinen Sinn, dass sie in ihrer Position und als Frau in vorderster Reihe mitkämpft, v.a. in dieser Zeitepoche. Zweitens findet man meiner Meinung nach keinen richtigen Mittelweg zwischen „Girl-Boss" und „Damsel in Distress" für Yan Zheng. Und beides gleichzeitig zu verkörpern lässt immer einen der beiden Aspekte extrem lächerlich ausschauen, weil dadurch die Kontinuität bzgl. der bereits etablierten Charaktereigenschaften verloren geht.
Was ich für sie jedoch sehr schade fand, wird sehr offensichtlich, sobald der Kriegsschausplatz losgeht. Erstens macht es überhaupt keinen Sinn, dass sie in ihrer Position und als Frau in vorderster Reihe mitkämpft, v.a. in dieser Zeitepoche. Zweitens findet man meiner Meinung nach keinen richtigen Mittelweg zwischen „Girl-Boss" und „Damsel in Distress" für Yan Zheng. Und beides gleichzeitig zu verkörpern lässt immer einen der beiden Aspekte extrem lächerlich ausschauen, weil dadurch die Kontinuität bzgl. der bereits etablierten Charaktereigenschaften verloren geht.
Zhang Ling He („My Journey to You", „Kunning Palace", „The Best Thing") sehe ich tatsächlich zum ersten Mal überhaupt und ich habe ihn immer für diesen Typ Schauspieler „schaut gut aus, nichts dahinter“ gehalten, aber ich war auch hier sehr positiv überrascht. Yan Zheng passt gut zu ihm, nur leider ist der Charakter so farblos und blass geschrieben, dass er sich wie die Handlung irgendwann nur noch im Kreis dreht.
Auch die Romanze, die eh schon sehr slow-burn ist, dreht sich ab dem Kriegsschauplatz nur noch im Kreis. Man hat kaum das Gefühl, dass die Emotionen im Vergleich zu 10 Folgen vorher groß stärker geworden wären. Sicherlich geht es hier storytechnisch erst einmal um eine Bestätigung der Gefühle, aber nach dieser Bestätigung möchte man auch weiter kommen.
Auch die Romanze, die eh schon sehr slow-burn ist, dreht sich ab dem Kriegsschauplatz nur noch im Kreis. Man hat kaum das Gefühl, dass die Emotionen im Vergleich zu 10 Folgen vorher groß stärker geworden wären. Sicherlich geht es hier storytechnisch erst einmal um eine Bestätigung der Gefühle, aber nach dieser Bestätigung möchte man auch weiter kommen.
Im Nebencast fanden sich zu viele Charaktere, die sich entweder optisch zu sehr ähnelten oder charakterliches Copy-Paste sind. So verstehe ich z.B. nicht, warum man neben Sui Yuan Qing mit Sui Yuan Hai noch einmal wortwörtlich den gleichen Charaktertyp braucht, nur mit einer anderen Haarfarbe! Das einzige, was man davon hat, ist wieder der typische Sidequest-Charakter, weil man das Gefühl bekommt, als würde man 2x das gleiche Setting vor sich haben.
Fazit
Ich kann mich nur wiederholten: „Pretty, but Hollow“
Die Serie übertönt für mich durch ihre optische Schönheit zu viele Fehler, die dazu führen, dass sich die Handlung irgendwann nur noch im Kreis dreht, ohne nennenswerte Fortschritte zu erzielen. 40 Folgen sind nicht wenig und wenn man schon nach der Hälfte nur noch vor sich hin plätschert, dann hat meiner Meinung nach in der Handlung trotz im Grunde guter Charaktere und gutem Cast irgendetwas falsch gemacht.


Beitrag wurde zuletzt am 22.03.2026 08:57 geändert.

Zhu Yu
Pursuit of Jade
En Busca del Jade

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