
SabriSonneRedakteur
#16 Jahre lang habe ich „Nokdu Flower“ vor mir her geschoben, weil ich nie in der Stimmung war. Mir kam die Serie immer sehr mächtig und schwer vor, die Raum einnehmen wird und auf die man wirklich Lust haben muss. Und was soll ich sagen – ich hatte Recht!
Zur Handlung
„Nokdu Flower“ ist ein klassisches Kriegsdrama – nicht mehr, nicht weniger.
Es wird kaum Zeit auf Alltagsleben, Romanzen oder ähnliches verschwendet, es geht schlicht und einfach um Politik, Krieg, Elend und Not. Dementsprechend mächtig und überwältigend kommt die Story daher, die alles andere als locker flockig leicht ist und die in ihrer Tragweite doch ermüden kann. Man muss hier ehrlich sein: viele andere Serien schauen sich leichter. Die Szenen haben viel Dramatik, sind dialoglastig und konzentrieren sich nicht nur auf unsere beiden Hauptcharaktere, sondern eben auch unsympathische alte Männer, die im Hintergrund ihre Interessen durchsetzen wollen.
Die Serie ist ausladend und absolut nichts für Zwischendurch. Denn wenn man mal mit einer Folge angefangen hat, möchte man gerne weiter schauen. Man rutscht förmlich in die Stimmung, die man auch wirklich braucht, um motiviert weiter schauen zu können. Mit Gewalt wird hier nämlich nicht gespart. Somit ergibt sich jedoch auch zwangsläufig das Problem, sollte man eben nicht in diese Stimmung rutschen – dann wird es anstrengend.
Vor allem da man ab dem ersten Moment das Gefühl bekommt, dass es sich um eine waschechte Tragödie handelt. Typisch Kriegsdrama erwartet man nicht, dass alle am Ende durchkommen. Das gibt der Handlung eine ungewollte Spannung, da man jede Folge damit rechnen muss, dass lieb gewonnene Charaktere das Zeitliche segnen oder unter die Räder kommen. Aber auch sonst hat die Handlung einen guten Spannungsbogen und für die Länge ein relativ stabiles Pacing. Jedem Charakter wird genügend Raum gegeben, um ihn emotional auszulegen und ihn nachvollziehbar zu machen. Durststrecken lassen sich dennoch nicht vermeiden, gerade durch gefühlt endlos lange Konversationen, dafür schlagen die emotionalen Szenen oft ein wie eine Bombe.
In wie weit die Serie historisch akkurat ist, kann ich schlecht beurteilen, aber beim spontanen googlen habe ich viele Namen wieder gelesen und ebenso einige historische Ereignisse. Sicherlich ist die Handlung unserer Brüder fiktional, doch warum sollte sie nicht auch wirklich so passiert sein. Dadurch fügt sie sich gut in den historischen Verlauf und gibt ein gutes Rückgrat, um viele Ereignisse auch emotional mit einander zu verbinden.
Ebenso positiv möchte hier einen OST (YouTube) der Serie hervorheben, der anscheinend von einem tatsächlichen Volkslied auf der Zeit abgeleitet worden ist. Dies gibt der Gesamtstimmung noch einmal einen zusätzlichen Impact als dass man sich tatsächlich vorstellen kann, wie vor über 100 Jahren Dorfbewohner und Bauern diesen Text gesungen haben könnten.
Dennoch muss man auch hier ehrlich sein: viele Storyelemente sieht man aufgrund des Genres schon kommen. Auf einige Arcs wartet man förmlich, ebenso auf gewisse Bauernopfer, die dann widerrum eine Charakterentwicklung triggern oder eine wichtige Grundlage für eine kommende Entscheidung werden. Das macht einige Szenen leider weniger eindrucksvoll als sie tatsächlich sind, weil sie in ihrer Gesamtheit und Emotion zu erwartbar sind.
Zu den Charakteren
Insgesamt hat die Serie in dieser Kategorie wenig Ausfälle, was auch darin begründet liegt, dass man weniger auf Mainstream-Darsteller und gut aussehende junge Idol-Actors setzt, sondern wirklich Leute gecastet hat, die auch was auf dem Kasten haben. Dennoch sind gerade in den Nebenrollen viele bekannte Gesichter zu finden. Und gerade der Hauptcast mit Jo Jung Suk (Hospital Playlist, Oh My Ghost), Yoon Shi Yoon (Mirror of the Witch, Psychopath Diary, Train) und Han Ye Ri (Age of Youth) liefern hier wirklich sehr stark ab. Keiner spielt geschenkte Rollen, wie es heutzutage in sehr vielen anderen K-Drama der Fall ist, und jeder muss emotional auf ganzer Linie glänzen – und alle 3 überzeugen final.
Ebenso muss hier kurz die Chance nutzen und die gute japanische Aussprache aller Darsteller zu betonen.
Storytechnisch geben die ersten Folgen bereits vor, in welche Richtungen jeweils die charakterlichen Entwicklungen der beiden Brüder laufen werden. Wir haben hier den unehelichen Bastard Yi Kang, der keinen wirklichen Platz zu haben scheint und sich im Kriegsgetümmel endlich selbst findet, auf der anderen Seite steht sein jüngerer Halbbruder Yi Hyun, der unschuldig und naiv vom Krieg überfahren wird. Dementsprechend kommen die Entwicklungen nicht unerwartet, dennoch sind sie gut gezeichnet, nachvollziehbar und rund. Persönlich hat mir die Handlung und Charakterentwicklung von Yi Hyun besser gefallen, da sie weniger Standard verläuft als die von Yi Kang, dennoch sind beide sehr stark.
Leider fand ich dann den Anfang etwas holprig, bei dem ich das Gefühl hatte, mir würden wichtige Informationen zu unseren beiden Hauptcharakteren fehlen. Bei dieser Serienlänge wirklich schwach, aber ich konnte beide Charaktere nicht wirklich gut in der Handlung platzieren. Bei Yi Kang kann ich das noch verkraften, ruht doch seine Charakterentwicklung gerade auf der Thematik des „Finden des eigenen Platzes“, während Yi Hyun von Anfang an ohne erkennbaren Grund Stress mit seinem Lehrmeister hat, mit dem augenscheinlich vorher nie wirklich Probleme gab.
Ebenso hatte ich Handlungstechnisch einige Probleme mit dem weiblichen Hauptcharakter Ja In, die häufiger die Seite wechselt als sich manch andere Charaktere in der Serie offensichtlich das Gesicht waschen. Auf der einen Seite fand ich es sehr ansprechend mal nicht die typische „Damsel in Distress“ zu haben, auf der anderen Seite empfand ich sie fast als zu skrupellos, um sie wirklich sympathisch zu finden. Positiv fand ich jedoch, dass ihr Charakter nicht, wie zuerst von mir erwartet, für eine Dreiecksbeziehung mit den Brüdern hergenommen wird, sodass wir uns dieses unnötige Storyelement Gott sei Dank sparen können.
Die Nebencharaktere tun ihr bestes, die Geschichte entsprechend zu unterstützen und mit ihrer eigenen Emotionalität die Handlung plastisch zu gestalten. Sicherlich sind einige nur Mittel zum Zweck, bei anderen ist man vom emotionalen Impact im Verlauf der Story doch positiv überrascht. Und auch den einen oder anderen nervigen Charakter kann man nicht vermeiden, aber welche Serie kann das nicht.
Fazit
Ein mächtiges Kriegsdrama mit vielen emotionalen Szenen und zwei Brüdern, die sich unterwegs nicht nur selbst sondern auch gegenseitig verlieren. Leider ist die Gesamthandlung in ihrer Abfolge zu vorhersehbar, wodurch das Schauen nicht einfacher wird, dennoch absolut sehenswert mit toller Charakterentwicklung und starkem Schauspiel.
Für Fans von realhistorischen Serien, die mal nicht das typische K-Drama Sageuk suchen.



Nokdukkot
The Nokdu Flower
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