
SlaughtertripV.I.P.
#1Historie:
Halloween-Special 2021 #1: »The Crone«
Halloween-Special 2021 #2: »Cult«
»Talk to the Dead« ist nach »The Crone« und »Cult« der dritte und letzte Film der vom Unternehmen W Field Inc. produzierten Horror-Trilogie und der einzige davon, den man ernst nehmen kann. Was diesen Film von den beiden anderen unterscheidet, ist die Präsentation, die viel seriöser ist und nicht wie eine Parodie auf Horrorfilme wirkt.
Wie man es aufgrund des Titels erwarten kann, geht es hier darum, mit den Toten zu sprechen. Das Thema ist nicht völlig neu, aber aufgrund fortschreitender Technik und gesellschaftlichen Wandels können alte Themen einer Jungzellenkur unterzogen werden und wieder frisch wirken. Apps gab es vor ein paar Jahren noch nicht. »Daraus muss man doch was machen können!«, dachten die Produzenten sich vermutlich. Man kommuniziert mit den Toten also nicht während eines Rituals oder mittels eines Ouija-Bretts oder irgendeines antiken, mystisch-mysteriösen Gegenstandes, dessen Staubschicht so dick ist wie ein Pizzaboden, sondern mittels eines Handys, genauer gesagt mit der App »Sprich mit den Toten«. Zugegeben, für die Atmosphäre ist es vielleicht nicht die beste Wahl, wenn man dauernd jemanden auf seinem Smartphone herumtippseln sieht – und dennoch funktioniert es überraschend gut. Das liegt zum einen am sehr minimalistischen Design der App. Natürlich ist es nicht so farbenfroh wie eine Packung vieler, vieler bunter Smarties. Doch auch auf ein kitschiges Design mit obligatorisch-bösen Motiven wie Totenschädeln, Blut und Fledermäusen hat man verzichtet. Irgendwie wirkt die App trostlos … genauso wie die Menschen, die ihre Liebsten verloren haben und mit denen sie wieder in Kontakt treten wollen. Zum anderen scheint die App immer irgendwelche »Fehlfunktionen« zu haben. Es rauscht und knarzt und ruckelt und flackert, und der Zuseher bekommt dadurch den subtilen Hinweis, dass übernatürliche Mächte am Wirken sind.
Der Film verfolgt zwei Haupthandlungsstränge, die sich überraschenderweise nie kreuzen. Dass die Story um Yuri Kawakubo und ihrem verstorbenen kleinen Bruder Satoshi deutlich mehr Screentime einnimmt als die Story um die Redakteurin Youko, die einfach nur aufgrund ihrer Neugier auf der Suche nach der geheimnisvollen App zu sein scheint, lässt die zweite Geschichte etwas wie Füllmaterial wirken, da die erste wohl nicht genug hergibt, um über 90 Minuten unterhalten zu können. Dennoch ergänzen sie sich sehr gut, da Yuri das Grauen am eigenen Leib erfährt, während Youko eher die Rolle der Erzählerin einnimmt, die durch ihre Nachforschungen dem Zuseher die App etwas näherbringt. Yuris Geschichte ist viel ausführlicher; man lernt ihr Umfeld, ihre Familie und ihre Bekannten kennen. Mit ihrer überaus dämlichen und einfältigen, aber netten* Arbeitskollegin Mayu Oshima – beide sind übrigens Prostituierte – wird ein kleiner Nebenhandlungsstrang erzählt.
*eine klassische Kombination von Persönlichkeitsmerkmalen
Yuris Geschichte überzeugt am meisten, was wohl daran liegt, dass diese am vielschichtigsten ist und hier der ganz große Horror stattfindet. Aber auch daran, dass Yuri der größte Sympathieträger in diesem Film ist. Während man ihren Schmerz nachvollziehen kann, ist Youko zu blass, um eine Verbindung zu ihr aufbauen zu können … jedenfalls bis zum Schluss, der zeigt, dass hinter Youko doch etwas mehr steckt als nur die »rasende Reporterin«, die auf die nächste Schlagzeile scharf zu sein scheint. Mayu ist vielleicht etwas zu doof geraten, sodass man eher Mitleid mit ihr empfindet, wenn sie von den anderen Frauen ausgebeutet wird oder wenn sie tatsächlich glaubt, bei ihrem überaus coolen und intelligenten Arbeitgeber Ryou Saegusa landen zu können, der ihr bei einem gemeinsamen Essen sein kleines Geheimnis verrät. Ryous Schauspieler, Kazuki Katou, zeigt hervorragend, wie man als stoischer Charakter mehr Persönlichkeit ausstrahlen kann als eine rumhüpfende Quasselstrippe. Wobei alle Schauspieler eine gute Performance abliefern. Ayaka Komatsu, die Schauspielerin von Yuri, besitzt ohnehin eine Ausstrahlung, die man durch bloßes Erlernen des Berufes nicht erlangen kann. Und Yuki Sakurai kaufe ich ihre Blödheit vollends ab, wenn sie in die Rolle von Mayu schlüpft. (Ja, das ist ein Kompliment.)
Technisch ist der Film auf einem guten Niveau. Viel an den Effekten musste aber auch nicht gearbeitet werden, denn – und das ist wohl das bedauerlichste an diesem Film – es mangelt an Schockmomenten, und an dem großen Schockmoment erst recht. Auf dem Cover dieses Films sieht man bereits den toten Satoshi, der vielleicht zwei oder drei Mal auftaucht. Abgesehen davon tritt der Horror nur in Form der dichten und düsteren Atmosphäre in weiten Teilen des Films auf, und natürlich durch die spannende Frage, was passiert, wenn man mit dem Toten spricht und genau das macht, wovor man gewarnt wurde: sich mit dem Toten zu treffen.
Dieser Film ist ein guter Abschluss der »W Field Inc.«-Horrortrilogie. Nach einem Film, den man von Anfang an nicht ernst nehmen kann, und einem Film, den man nur in der ersten Hälfte ernst nehmen kann, bekommt man hier einen Film, den man über die gesamte Laufzeit ernst nehmen kann. Ob dahinter wohl ein Konzept steckt?
Halloween-Special 2021 #1: »The Crone«
Halloween-Special 2021 #2: »Cult«
»Talk to the Dead« ist nach »The Crone« und »Cult« der dritte und letzte Film der vom Unternehmen W Field Inc. produzierten Horror-Trilogie und der einzige davon, den man ernst nehmen kann. Was diesen Film von den beiden anderen unterscheidet, ist die Präsentation, die viel seriöser ist und nicht wie eine Parodie auf Horrorfilme wirkt.
Wie man es aufgrund des Titels erwarten kann, geht es hier darum, mit den Toten zu sprechen. Das Thema ist nicht völlig neu, aber aufgrund fortschreitender Technik und gesellschaftlichen Wandels können alte Themen einer Jungzellenkur unterzogen werden und wieder frisch wirken. Apps gab es vor ein paar Jahren noch nicht. »Daraus muss man doch was machen können!«, dachten die Produzenten sich vermutlich. Man kommuniziert mit den Toten also nicht während eines Rituals oder mittels eines Ouija-Bretts oder irgendeines antiken, mystisch-mysteriösen Gegenstandes, dessen Staubschicht so dick ist wie ein Pizzaboden, sondern mittels eines Handys, genauer gesagt mit der App »Sprich mit den Toten«. Zugegeben, für die Atmosphäre ist es vielleicht nicht die beste Wahl, wenn man dauernd jemanden auf seinem Smartphone herumtippseln sieht – und dennoch funktioniert es überraschend gut. Das liegt zum einen am sehr minimalistischen Design der App. Natürlich ist es nicht so farbenfroh wie eine Packung vieler, vieler bunter Smarties. Doch auch auf ein kitschiges Design mit obligatorisch-bösen Motiven wie Totenschädeln, Blut und Fledermäusen hat man verzichtet. Irgendwie wirkt die App trostlos … genauso wie die Menschen, die ihre Liebsten verloren haben und mit denen sie wieder in Kontakt treten wollen. Zum anderen scheint die App immer irgendwelche »Fehlfunktionen« zu haben. Es rauscht und knarzt und ruckelt und flackert, und der Zuseher bekommt dadurch den subtilen Hinweis, dass übernatürliche Mächte am Wirken sind.
Der Film verfolgt zwei Haupthandlungsstränge, die sich überraschenderweise nie kreuzen. Dass die Story um Yuri Kawakubo und ihrem verstorbenen kleinen Bruder Satoshi deutlich mehr Screentime einnimmt als die Story um die Redakteurin Youko, die einfach nur aufgrund ihrer Neugier auf der Suche nach der geheimnisvollen App zu sein scheint, lässt die zweite Geschichte etwas wie Füllmaterial wirken, da die erste wohl nicht genug hergibt, um über 90 Minuten unterhalten zu können. Dennoch ergänzen sie sich sehr gut, da Yuri das Grauen am eigenen Leib erfährt, während Youko eher die Rolle der Erzählerin einnimmt, die durch ihre Nachforschungen dem Zuseher die App etwas näherbringt. Yuris Geschichte ist viel ausführlicher; man lernt ihr Umfeld, ihre Familie und ihre Bekannten kennen. Mit ihrer überaus dämlichen und einfältigen, aber netten* Arbeitskollegin Mayu Oshima – beide sind übrigens Prostituierte – wird ein kleiner Nebenhandlungsstrang erzählt.
*eine klassische Kombination von Persönlichkeitsmerkmalen
Yuris Geschichte überzeugt am meisten, was wohl daran liegt, dass diese am vielschichtigsten ist und hier der ganz große Horror stattfindet. Aber auch daran, dass Yuri der größte Sympathieträger in diesem Film ist. Während man ihren Schmerz nachvollziehen kann, ist Youko zu blass, um eine Verbindung zu ihr aufbauen zu können … jedenfalls bis zum Schluss, der zeigt, dass hinter Youko doch etwas mehr steckt als nur die »rasende Reporterin«, die auf die nächste Schlagzeile scharf zu sein scheint. Mayu ist vielleicht etwas zu doof geraten, sodass man eher Mitleid mit ihr empfindet, wenn sie von den anderen Frauen ausgebeutet wird oder wenn sie tatsächlich glaubt, bei ihrem überaus coolen und intelligenten Arbeitgeber Ryou Saegusa landen zu können, der ihr bei einem gemeinsamen Essen sein kleines Geheimnis verrät. Ryous Schauspieler, Kazuki Katou, zeigt hervorragend, wie man als stoischer Charakter mehr Persönlichkeit ausstrahlen kann als eine rumhüpfende Quasselstrippe. Wobei alle Schauspieler eine gute Performance abliefern. Ayaka Komatsu, die Schauspielerin von Yuri, besitzt ohnehin eine Ausstrahlung, die man durch bloßes Erlernen des Berufes nicht erlangen kann. Und Yuki Sakurai kaufe ich ihre Blödheit vollends ab, wenn sie in die Rolle von Mayu schlüpft. (Ja, das ist ein Kompliment.)
Technisch ist der Film auf einem guten Niveau. Viel an den Effekten musste aber auch nicht gearbeitet werden, denn – und das ist wohl das bedauerlichste an diesem Film – es mangelt an Schockmomenten, und an dem großen Schockmoment erst recht. Auf dem Cover dieses Films sieht man bereits den toten Satoshi, der vielleicht zwei oder drei Mal auftaucht. Abgesehen davon tritt der Horror nur in Form der dichten und düsteren Atmosphäre in weiten Teilen des Films auf, und natürlich durch die spannende Frage, was passiert, wenn man mit dem Toten spricht und genau das macht, wovor man gewarnt wurde: sich mit dem Toten zu treffen.
Dieser Film ist ein guter Abschluss der »W Field Inc.«-Horrortrilogie. Nach einem Film, den man von Anfang an nicht ernst nehmen kann, und einem Film, den man nur in der ersten Hälfte ernst nehmen kann, bekommt man hier einen Film, den man über die gesamte Laufzeit ernst nehmen kann. Ob dahinter wohl ein Konzept steckt?

Talk to the Dead
Talk to the Dead
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