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Ich möchte heute „Lost World“ von Osamu Tezuka vorstellen. Trotz Namensgleichheit handelt es sich um keine Umsetzung von Arthur Conan Doyles Roman, sondern um eine Science-Fiction-Story, die es in sich hat. Die Entstehungsgeschichte von Osamu Tezukas „Lost World“ ist dabei eine sehr lange und ambitionierte.
Denn bereits im Alter von 12 Jahren begann Tezuka, laut eigener Aussage im Nachwort, einen Prototyp für diese Geschichte zu zeichnen, die er immer wieder überarbeitete, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren ging und die er schließlich im Jahr 1948 komplett neu gestaltete.
Im Gegensatz zum kürzlich vorgestellten „The mysterious underground Men“ ist er hier einen Schritt weiter gegangen und hat sich in der Erzählweise und dem Textgehalt der Panels deutlich mehr Zeit gelassen, was der Komplexität der Geschichte so richtig zugutekommt.
Handlung:
(ACHTUNG! Spoiler!)
Meine Meinung:
Wie auch schon „The mysterious underground Men“ besticht „Lost World“ durch einen etwas trashigen Science-Fiction-Charme und Tezukas typischen Erzähl- und Zeichenstil. Leser beider Werke stellen außerdem eine für Tezuka typische Eigenart fest. Es tauchen bereits bekannte Figuren in neuen oder artverwandten, aber nicht denselben Rollen auf.
Obwohl beispielsweise der Hase Mimio in „The mysterious underground Men“ den Heldentod gestorben war, taucht er hier erneut in etwas abgewandelter Form auf, um am Ende selbiges Schicksal zu erleiden. Die als John und Onkel Bill bekannten Figuren sind hier als jugendlicher Professor Shikishima und Detektiv Ban Shunsaku besetzt.
Was hat es damit auf sich?
Tezuka pflegte in seinen Werken seit jeher die Idee, dass es sich bei den agierenden Figuren in seinen Manga und Anime um Schauspieler handelt, die er später mal als sein „Sternensystem“ bezeichnete. Viele seiner Figuren waren dabei Personen aus Tezukas Lebensumfeld entlehnt. So basiert Ban Shunsaku zum Beispiel auf dem Großvater eines Freundes von ihm. Bei dem hier zum ersten Mal auftauchenden Acyteline Lampe handelt es sich um einen Klassenkameraden. In einem Interview sagte Tezuka einst auch über das ständige Wiederauftauchen seiner Figuren in anderen Werken, dass jeder seiner „Schauspieler“ sogar eine eigene Gage einforderte. Demnach tauche der Charakter des verwegenen Arztes Black Jack in kaum einer anderen Geschichte als seiner eigenen Reihe auf, weil er am meisten verlangen würde. 😀
Handwerkliches:
„Lost World“, welches laut Aussage Tezukas sein persönlich frühestes Werk darstellt, ist manga-historisch auch deshalb bemerkenswert, weil es der erste japanische Comic war, der aufgrund seiner Länge auf zwei Bände aufgeteilt wurde. In der englischen Dark-Horse-Ausgabe ist auch ein zeichnerischer Break in der Mitte der Handlung spürbar, was Tezuka damit erklärte, dass zwei verschiedene Drucker seine Zeichnungen für den jeweiligen Band auf die Zink-Druckerplatten übertrugen. Insgesamt ist ein Anstieg in Tezukas zeichnerischer Qualität bemerkbar, da es mehrere doppelseitige Panels zu bestaunen gibt, die fast schon Artbook-Qualität erreichen.
Themenvielfalt:
Auch erzählerisch hat er Themen hervorgehoben, die er in späteren Werken verfeinern sollte. Das Streben des Menschen nach göttlicher Schöpfungskraft wird deutlich durch verschiedene Experimente an Tieren und Pflanzen, die der Mensch nach seinem Bilde formen möchte. In späteren Werken sollte sich dieser Aspekt noch stark in Richtung Medizin und Robotik verlagern.
Ein anderer neuer Aspekt ist die Kraft der Liebe, die alle Grenzen überwindet. Tezuka hatte ein Faible dafür, emotionale und sexuelle Kontakte zu kybernetischen oder biologisch nicht kompatiblen Partnern zu thematisieren. So auch in „Lost World“, wo der Schöpfer einer Pflanzenfrau diese lediglich schuf, um sie als Partnerersatz zu besitzen, die sich allerdings dann in den jungen Professor Shikishima verliebt, um am Ende mit diesem eine neue menschliche Zivilisation auf Mamango zu gründen. Womit wir den dritten wichtigen Aspekt in Tezukas Werk sehen. Die Entwicklung und Gründung von Zivilisationen auf Basis einer einzigen Beziehung. Immer wieder wird dem Leser dieses Element in Tezukas Werk begegnen. Zwei Personen pflanzen sich fort (entweder biologisch oder technisch) und aus dieser Fortpflanzung entsteht im Laufe von Jahrhunderten eine Zivilisation.
Fazit:
Zum Zeitpunkt des Erscheinens von „Lost World“ schrieben wir das Jahr 1948. Osamu Tezuka hat mit diesem Werk Pionierarbeit auf dem Gebiet der späteren Manga-Definition geleistet, aber auch eine thematische Basis für sein eigenes späteres Schaffen begründet. „Lost World“ erschien in englischer Sprache im Jahr 2003 bei Dark Horse Comics in einer gespiegelten Fassung. Das sollte niemanden davon abhalten, mal einen Blick auf dieses Stück Manga-Geschichte zu werfen. Ich jedenfalls empfehle es sehr. 🙂
Denn bereits im Alter von 12 Jahren begann Tezuka, laut eigener Aussage im Nachwort, einen Prototyp für diese Geschichte zu zeichnen, die er immer wieder überarbeitete, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren ging und die er schließlich im Jahr 1948 komplett neu gestaltete.
Im Gegensatz zum kürzlich vorgestellten „The mysterious underground Men“ ist er hier einen Schritt weiter gegangen und hat sich in der Erzählweise und dem Textgehalt der Panels deutlich mehr Zeit gelassen, was der Komplexität der Geschichte so richtig zugutekommt.
Handlung:
(ACHTUNG! Spoiler!)
Die Geschichte beginnt direkt mit einem mysteriösen Mord an einem Wissenschaftler, dessen Glasauge gestohlen wird. Sofort treten Detektiv Ban Shunsaku und der vermenschlichte Hase Mimio auf den Plan, um das Verbrechen zu lösen. Mimio kennt das Opfer sogar, denn es handelt sich um einen Freund von Professor Shikishima, der im wissenschaftlichen Institut arbeitete. Dort angelangt erfährt Ban Shunsaku von den vielfältigen Ambitionen des Instituts, in dem auch Mimio geschaffen wurde. Denn dort werden sowohl menschliche Gehirne in die Körper von Tieren transplantiert als auch Pflanzen in menschliche Gestalt evolviert. Dreh- und Angelpunkt der derzeitigen Forschungen stellt jedoch der Planet Mamango dar, der einst ein Stück der Erde war und nun in einem eigenständigen Orbit durchs All reist und der Erde demnächst recht nahe kommen wird.
Erst kürzlich sind mehrere Gesteinssplitter von Mamango auf die Erde gefallen, die sich als unerschöpfliche Energiequelle erwiesen. Es beginnt nun eine halsbrecherische Jagd zwischen Institut, Presse und einer Handvoll Gangstern nach diesen kostbaren Steinen und letztendlich wird mit Hilfe der Steine als Antriebsquelle sogar ein Raumschiff gebaut, das nur ein Ziel kennt – Mamango!
Erst kürzlich sind mehrere Gesteinssplitter von Mamango auf die Erde gefallen, die sich als unerschöpfliche Energiequelle erwiesen. Es beginnt nun eine halsbrecherische Jagd zwischen Institut, Presse und einer Handvoll Gangstern nach diesen kostbaren Steinen und letztendlich wird mit Hilfe der Steine als Antriebsquelle sogar ein Raumschiff gebaut, das nur ein Ziel kennt – Mamango!
Meine Meinung:
Wie auch schon „The mysterious underground Men“ besticht „Lost World“ durch einen etwas trashigen Science-Fiction-Charme und Tezukas typischen Erzähl- und Zeichenstil. Leser beider Werke stellen außerdem eine für Tezuka typische Eigenart fest. Es tauchen bereits bekannte Figuren in neuen oder artverwandten, aber nicht denselben Rollen auf.
Obwohl beispielsweise der Hase Mimio in „The mysterious underground Men“ den Heldentod gestorben war, taucht er hier erneut in etwas abgewandelter Form auf, um am Ende selbiges Schicksal zu erleiden. Die als John und Onkel Bill bekannten Figuren sind hier als jugendlicher Professor Shikishima und Detektiv Ban Shunsaku besetzt.
Was hat es damit auf sich?
Tezuka pflegte in seinen Werken seit jeher die Idee, dass es sich bei den agierenden Figuren in seinen Manga und Anime um Schauspieler handelt, die er später mal als sein „Sternensystem“ bezeichnete. Viele seiner Figuren waren dabei Personen aus Tezukas Lebensumfeld entlehnt. So basiert Ban Shunsaku zum Beispiel auf dem Großvater eines Freundes von ihm. Bei dem hier zum ersten Mal auftauchenden Acyteline Lampe handelt es sich um einen Klassenkameraden. In einem Interview sagte Tezuka einst auch über das ständige Wiederauftauchen seiner Figuren in anderen Werken, dass jeder seiner „Schauspieler“ sogar eine eigene Gage einforderte. Demnach tauche der Charakter des verwegenen Arztes Black Jack in kaum einer anderen Geschichte als seiner eigenen Reihe auf, weil er am meisten verlangen würde. 😀
Handwerkliches:
„Lost World“, welches laut Aussage Tezukas sein persönlich frühestes Werk darstellt, ist manga-historisch auch deshalb bemerkenswert, weil es der erste japanische Comic war, der aufgrund seiner Länge auf zwei Bände aufgeteilt wurde. In der englischen Dark-Horse-Ausgabe ist auch ein zeichnerischer Break in der Mitte der Handlung spürbar, was Tezuka damit erklärte, dass zwei verschiedene Drucker seine Zeichnungen für den jeweiligen Band auf die Zink-Druckerplatten übertrugen. Insgesamt ist ein Anstieg in Tezukas zeichnerischer Qualität bemerkbar, da es mehrere doppelseitige Panels zu bestaunen gibt, die fast schon Artbook-Qualität erreichen.
Themenvielfalt:
Auch erzählerisch hat er Themen hervorgehoben, die er in späteren Werken verfeinern sollte. Das Streben des Menschen nach göttlicher Schöpfungskraft wird deutlich durch verschiedene Experimente an Tieren und Pflanzen, die der Mensch nach seinem Bilde formen möchte. In späteren Werken sollte sich dieser Aspekt noch stark in Richtung Medizin und Robotik verlagern.
Ein anderer neuer Aspekt ist die Kraft der Liebe, die alle Grenzen überwindet. Tezuka hatte ein Faible dafür, emotionale und sexuelle Kontakte zu kybernetischen oder biologisch nicht kompatiblen Partnern zu thematisieren. So auch in „Lost World“, wo der Schöpfer einer Pflanzenfrau diese lediglich schuf, um sie als Partnerersatz zu besitzen, die sich allerdings dann in den jungen Professor Shikishima verliebt, um am Ende mit diesem eine neue menschliche Zivilisation auf Mamango zu gründen. Womit wir den dritten wichtigen Aspekt in Tezukas Werk sehen. Die Entwicklung und Gründung von Zivilisationen auf Basis einer einzigen Beziehung. Immer wieder wird dem Leser dieses Element in Tezukas Werk begegnen. Zwei Personen pflanzen sich fort (entweder biologisch oder technisch) und aus dieser Fortpflanzung entsteht im Laufe von Jahrhunderten eine Zivilisation.
Fazit:
Zum Zeitpunkt des Erscheinens von „Lost World“ schrieben wir das Jahr 1948. Osamu Tezuka hat mit diesem Werk Pionierarbeit auf dem Gebiet der späteren Manga-Definition geleistet, aber auch eine thematische Basis für sein eigenes späteres Schaffen begründet. „Lost World“ erschien in englischer Sprache im Jahr 2003 bei Dark Horse Comics in einer gespiegelten Fassung. Das sollte niemanden davon abhalten, mal einen Blick auf dieses Stück Manga-Geschichte zu werfen. Ich jedenfalls empfehle es sehr. 🙂

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