
- Handlung
- Illustrationen
- Charaktere
How do you expect me to just smile like before—”
—Hinako Yaotose
Als Hinako 6 Jahre alt ist, verunglücken ihre Eltern und ihr älterer Bruder bei einem tragischen Unfall. Die einzige Erinnerung, die sie an diesen Unfall hat, ist, wie sie in den tiefen Ozean fiel. Mittlerweile sind zehn Jahre vergangen und Hinako hat ihr Trauma immer noch nicht überwunden. Als sie eines Tages auf dem Nachhauseweg von der Schule entlang der Strandpromenade stehen bleibt und schwermütig auf die See blickt, erregt ein Mädchen mit Augen, die so blau sind wie das Meer, ihre Aufmerksamkeit.
Einige Zeit später geht sie erneut ihren Heimweg an der Promenade entlang und sieht, wie ein Monster aus der Tiefe des Meeres aufsteigt, das versucht sie mit sich nach unten zu ziehen, doch das Mädchen mit den blauen Augen taucht wieder auf und erklärt ihr, dass sie kein Mensch ist. Schuppen und Klauen kommen zum Vorschein und sie wehrt das Ungeheuer ab. Sie, eine Meerjungfrau, erklärt Hinako, dass sie sie vor den Monstern, die ihr Blut wollen, beschützen wird, bis der Tag reif ist, an dem sie sie selbst fressen wird.
Am folgenden Tag erscheint das Mädchen, welches sich Shiori Oumi nennt, als Austauschschülerin in ihrer Klasse. Sie erklärt Hinako, dass ihr Fleisch außergewöhnlich köstlich ist und noch viel köstlicher werden wird, sobald sie wieder Freude empfindet und sie es deshalb für sich beansprucht. Shiori sieht, dass Hinako sterben will, aber sie wird das nicht zulassen … noch nicht.
„This Monster Wants to Eat Me“ ist ein Horror-Psychodrama, ein moderner Schauerroman um Verlust, Depression und Suizidgedanken. Die Umkehr des japanischen Märchens von der Meerjungfrau, deren Fleisch man essen muss, um unsterblich zu werden, verpackt in eine Youkai-Geschichte. Für mich, die Horror nicht mag, sind einige Splatter-Szenen wirklich grenzwertig, aber Artwork, Erzählung, Tempo, Spannungsaufbau, alles zusammen war einfach fesselnd.
Die Geschichte stellt Hinakos Kindheitstrauma und ihre innere Welt mit den seelischen Schmerzen eindrucksvoll dar. Ihre Melancholie und stille Traurigkeit, die auch in Momenten der Unbeschwertheit spürbar sind. Ein Mädchen, dessen Leben zerstört wurde, als sie ihre Familie unter rätselhaften Umständen verlor. Sie sucht die Dunkelheit, um ihr eigenes Leben und Leiden zu beenden. Doch um zu sterben, ohne den Wunsch ihrer Familie, dass sie weiterlebt zu brechen, braucht sie eine Existenz mit absoluter Macht wie Shiori, die ihr das Leben nimmt.
Shiori beginnt als mysteriöses Mädchen, das einfach in der Stadt auftaucht. Sie ist eine Mischung aus süß und unheimlich. An der Oberfläche scheint sie harmlos, aber ihre Dialoge sind alles andere als das. Die Fassade ihres heiteren Lächelns ist oftmals völlig fehl am Platz. Es zeigt, wie sie versucht, menschliches Verhalten nachzuahmen, ohne wirklich zu verstehen, wie Menschen fühlen und denken. Ihre zynische Sicht auf alle Lebewesen ist das Ergebnis ihres Lebens als isoliertes Wesen während ihrer gesamten Existenz.
“To mingle with Humans. To be tied to this World.
Those are things I don’t really understand.”
—Shiori Oumi
Es gibt Gewalt, die gezeigt wird, um angsteinflößend zu sein, und wegen der Selbstmordgedanken ist diese Serie sicher nicht für jeden geeignet, aber beides wird eher als ein Gefühl denn in wirklichen Bildern dargestellt. Der Horror in diesem Manga ist trotz der gelegentlich brutalen Panels sehr genau dosiert und schleicht sich langsam in die Szenen ein. Das spritzende Blut dient der Stimmung nicht dem Bild. Genau die richtige Menge beklemmenden Grusels, welcher eine geheimnisvolle Atmosphäre schafft. Dieser Manga lässt einen eher einen kalten Schauer den Rücken runterlaufen, statt derben Schreckmomenten und grober Gewalt.
Schon beim Betrachten des Covers von Band 1 kann man das tiefe Meer erkennen. Das Thema Wasser zieht sich durch die ganze Geschichte, sei es durch das Setting in einer Küstenstadt am Seto-Binnenmeer oder durch einen der Hauptcharaktere, die eine Meerjungfrau ist. Aber nicht nur die Szenen mit Shiori beinhalten Wasser, sondern auch die mit Hinako, in denen sie zu ertrinken scheint. Beispielsweise sieht man Hinako zu Beginn in der Schule, es sieht so aus, als ob sie sich mit Freunden unterhält, sie beginnt abzuschalten, die Panels werden dunkler und überall schimmert Wasser mit furchterregenden Fischen, die im Hintergrund schwimmen, während ihre Freunde aus dem Blickfeld verschwinden, als ob sich die vertraute Umgebung für sie so fremd und tödlich anfühlt wie das tiefblaue Meer. Das Ertrinken ist ein wiederkehrendes Motiv, das die Depression anschaulich macht. Hinako ertrinkt bildlich in ihrem Kummer, ihre Freunde scheinen nicht zu erkennen, wie tief ihre Traurigkeit wirklich ist, was sie direkt in die Arme des Monsters Shiori führt.
Die Grafiken am Anfang des Mangas sind auf einem soliden Niveau, ohne besonders geschliffen zu sein, wenn sie es jedoch sein müssen, sind die Zeichnungen herausragend. Sai Naekawas Artwork entwickelt sich im Laufe der Serie sehr weiter. Die Kontraste, Hell-Dunkel-Komposition und Dynamik der einzelnen Panels, jedes Bild wird zunehmend lebendiger, detailvoller und steckt voller subtiler Emotionen. Die Nahaufnahmen von Hinakos toten Augen sind herzzerreißend und Shioris Gefühle, die sie nicht gewohnt ist, sind faszinierend.
„This Monster Wants to Eat Me“ ist eine atemberaubend schöne, auf schaurig-schöne Art unheimliche, fantastische Serie mit gerade genug Bedrohlichkeit, um einen das Gefühl zu geben, mittendrin zu sein, in dieser ängstigenden Geschichte über ein Mädchen, das nicht gestorben ist, und all die übernatürlichen Kreaturen, die sie entweder tot oder lebendig sehen wollen. Eine von Dunkelheit durchdrungene Geschichte mit vielen Anleihen aus der japanischen Folklore. Wer Youkai, Horror und tiefe Existenzangst mit einem Hauch Yuri ohne Fanservice mag, für den ist diese Geschichte genau das Richtige.
Nun hoffe ich auf eine ebenso atmosphärisch dichte Anime-Adaption.
(Bewertung bis Band 9)

Watashi o Tabetai, Hitodenashi
This Monster Wants to Eat Me
This Monster Wants to Eat Me
This Monster Wants to Eat Me
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