Phoenix (1967)

Hi no Tori / 火の鳥

Informationen

Inhaltsangabe

Menschen werden geboren, altern und müssen eines Tages sterben. Dies ist das absolute Gesetz des Himmels und der Erde. Doch Himiko, die alternde Königin des Landes Yamataikoku will sich nicht damit abfinden und sucht nach einer Möglichkeit, sich diesem Gesetz, zu entziehen. Deshalb schickt sie ihre Armee auf die Jagd nach dem legendären Phönix, dessen Blut ewiges Leben verspricht, und nimmt dafür jeden Preis in Kauf: Als General Sarutahiko auf Feuerland fündig wird, lässt er auf Geheiß der Königin beinahe alle Einwohner umbringen. Nur das Leben des Jungen Nagi verschont er und lässt ihn nach Yamataikoku bringen, wo er ihn zum Jäger ausbilden will. Als er sich Königin Himikos Befehl widersetzt, den Jungen unverzüglich zu töten, führt ihre Flucht die beiden zurück nach Feuerland, wo eine abenteuerliche Odyssee beginnt …
Anmerkung:
Phoenix umfasst pro Buch je eine in sich abgeschlossene Geschichte. Das Setting, Szenario und die Zeitepoche unterscheiden sich von Buch zu Buch, aber im Grunde geht es dort immer um das selbe Dilemma der Menschen: Die Gier nach dem ewigen Leben. Der Grundsatz in diesem Manga ist immer gleich, alle Menschen werden geboren und müssen eines Tages sterben. Nur das hohe, beinah schon göttliche, Tier, der Phönix, lebt ewig und laut Legende soll das Blut des Phönix einen selbst das ewige Leben verleihen. In einem Wirbel der Gezeiten zeigt der Manga also in unterschiedlichen Geschichten und zeitlichen Epochen von der Prähistorik, Antike, hohe Prinzipatszeit bis hin zu einer fernen Zukunft im Jahre 3300.
Der Manga zeigt also in verschiedenen Geschichten, Handlungen und Epochen immer den gleichen Gedanken, aber immer komplett neu und anders erzählt. Durch Erkenntnisse die man in der einen Geschichte zieht, kann man die vorherige neu deuten.

Hauptgenres / Nebengenres / Tags

Trailer

Um sich einen ersten Eindruck über einen Titel zu verschaffen, sind Trailer eine gute Wahl. Der Meinung sind auch wir, weswegen wir auf dieser Seite mehrere Trailer zum Manga „Phoenix“ auflisten würden, wenn sie uns bekannt wären. Du hast schon den einen oder anderen gesehen? Dann hilf uns und trag alle Dir bekannten Trailer zu diesem Manga über unsere Eintragsmaske ein!

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Avatar: NoaKeksheld
V.I.P.
#1
Bei Hi no Tori handelt es sich um ein Gesamtkunstwerk aus der Feder von Osamu Tezuka, welches im Zeitraum von Juli 1954 bis Mai 1955 konzipiert und im Laufe seiner Schaffenszeit geschrieben, sowie gezeichnet wurde. Eine englische Veröffentlichung erfolgte von 2003 bis 2008 über Viz Media, welche jedoch die 17 japanische Bände auf ings. 12 verlegten.​

Sowohl im Himmel als auch auf der Erde ist es das Gesetzt des Lebens, dass Menschen geboren werden, altern und eines Tages sterben müssen. Die Handlung beginnt mit dem Eintreffen von Em Dee auf der Feuerinsel um den legendären Phönix für seine Königin zu fangen, dessen Blut ein ewiges Leben leihen soll. Er wird jedoch bei seiner Ankunft gefangen genommen und als Doktor vor die Wahl gestellt entweder zu sterben oder die kranke Hinaku zu retten, dessen älterer Bruder beim Versuch den Phönix zu fangen verstarb. Em Dee gelingt es Hinaku zu heilen und heiratet sie wenige Monate später. Gemeinsam mit Nagi, den jüngeren Bruder von Hinaku, und seiner Frau lebt er fortan auf der Feuerinsel und genießt das Vertrauen des Dorfes. Doch dies war von Anfang sein Plan, denn als Spion nutzt er eine passende Gelegenheit und lässt die Armee der Königin passieren die fast alle Dorfbewohner töten. Em Dee schafft es jedoch mit Hinaku zu fliehen, welche ihn nicht mehr verzeihen will. Als Nagi versucht den General Sarutahiko umbringen ist dieser von sein Fähigkeiten als Bogenschütze begeistert und verschont sein Leben. Gemeinsam kehrt er mit Nagi als Sklaven zurück in sein Königreich um ihn dort zum Jäger auszubilden und mit dessen Fähigkeiten den Phönix aus sicherer Entfernung umbringen zu können. Als er sich Königin Himikos Befehl jedoch widersetzt, den Jungen unverzüglich zu töten, führt ihre Flucht die Beiden zurück nach Feuerland, wo eine abenteuerliche und dramatische Odyssee beginnt...

Die Handlung ist so derart facettenreich, komplex und interessant gesponnen, dass es mir nach mehreren Bänden schwer fiel dies zu Seite zu legen. Bereits im ersten Band entwickelt sich die Handlung so rasant fort das die Beschreibung nur ein kleinen Part vom Anfang einnimmt. Jedes Band erzählt eine eigene in sich geschlossene Geschichte und spielt in eine eigene Ära. So wandelt die Handlung vom alten Asien, dem historischen bis hin in eine ferne Zukunft des Sciece-Fiction und wiederum zurück in die Urgeschichte (Prähistorisch). Von der Prämisse her ist das Szenario von der Gier des Menschen nach dem ewigen Leben ein präsenter Inhalt aller Geschichten und verknüpft die sonst allein stehenden Handlungen.

Ich kann Hi no Tori schlussendlich jeden empfehlen, der auf der Suche nach etwas anspruchsvollerem ist als herkömmliche Mangas/Animes, derjenige sollte längere und komplexere Geschichten nicht abgeneigt sein und auch bereit dazu sein, das Geschehene zu hinterfragen. Es werden hauptsächlich Themen wie Politik, Religion, Freundschaft, Familie, Glaube, Verrat, Hass, Liebe, Kriege und das Leben selbst dargestellt und das nahtlos in einer simplen und doch eindrucksvolle Erzählung. Es ist das Lebenswerk des als Gott des Manga gefeierten Osamu Tezuka.
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Avatar: Mr.Columbo#2
Hi no Tori ist ein Manga von Osamu Tezuka und zugleich der erste, den ich von ihm gelesen habe.
In ihm geht es vorwiegend um „den Phönix“ und die damit verbundenen Thematiken, die alle in in sich geschlossenen Geschichten behandelt werden.
Jede führt neue Charaktere samt Protagonisten ein, die sich auf verschiedene Abenteuer und Lebenswege begeben, und spielt in einer eigenen Ära, seien diese Ären Zeiten des Weltuntergangs, Szenarios der Science-Fiction oder Urzeiten.
Interessanterweise kann man manche Charaktere, die prägend für ihre Zeit waren, in anderen Geschichten wiedererkennen: als Abenteurer auf der Flucht vor Soldaten oder als Forscher, die sich mit der Erhaltung des Lebens beschäftigen – doch befinden sie sich ständig in Zeiten, in denen seltsame Kräfte ihr Spiel treiben, und versuchen, sich in deren Wirbeln zu behaupten …

Bevor ich näher ins Detail gehe, sollte ein sehr wichtiger Grundsatz, der in Hi no Tori gilt, hervorgehoben werden: Alle Lebewesen sterben eines Tages und werden irgendwann – egal, als welches Wesen, wann und wo – wiedergeboren.
Dies ist in vielen Geschichten des Mangas von großer Bedeutung und kann, wenn man über sie nachdenkt, zu neuen Einschätzungen führen, auf die man ohne Weiteres nicht gekommen wäre.
Also kann man, obwohl alle Geschichten grundsätzlich nichts miteinander zu tun haben, Zusammenhänge zwischen ihnen erkennen.

Der erste Band „Dawn“ verläuft noch relativ gewöhnlich und führt lediglich ein, dass das Blut des Phönix’ Menschen, die es trinken, unsterblich macht, wie gierig Leute danach sein können und dass der Phönix selbst ein überaus hohes Tier in der Welt ist. Was genau er überhaupt ist und welche Zeitspannen sein Dasein umfasst, bleibt noch ungeahnt.
Doch ist diese Einführung keineswegs schlecht, denn schon dort entwickelt sich die Handlung äußerst rasant fort und sie bringt auch passable Charakterentwicklungen mit sich.
Schon wird klar, dass man es hier mit wirklich glaubhaften Charakteren zu tun hat.

Beginnt man mit der nächsten Geschichte „Future“, merkt man sofort, dass sie nicht ans Ende der vorhergehenden anknüpft. 
Anstelle eines mittelalterlichen Kriegssettings hat man nun ein technisch hochentwickeltes Volk, das sich inmitten einer untergehenden Welt behaupten muss.
Dieser Band gehört sogar zu meinen Lieblingen der Reihe, da nicht nur hervorragend geschildert wird, worin genau sich der Phönix überhaupt manifestiert, sondern auch das Thema, was es bedeutet, unsterblich zu sein, in keinem Werk, das ich bisher kenne, besser behandelt wurde.
Der Leser begleitet einen Menschen, der eine Lebenszeit von Billionen Jahren auferlegt bekommen hat, um das Leben auf seinem Planeten zu schöpfen und zu erhalten – etwas, das für uns vollkommen unvorstellbar wäre.
Wie verbringt er seine Zeit in dieser Leere? Welchen Hürden muss er sich stellen?
Welche Fragen um seine Gedanken und Psyche werden aufgeworfen?
Könntet ihr euch vorstellen, dass eine Geschichte euch so fesselt wie mich, indem einfach geschildert wird, was über Milliarden von Jahren auf einem verlassenen Planeten passiert?
Generell behandelt der Manga so viele verschiedene Themen wie Verrat, Liebe, Kriege oder Freundschaft, aber auch völlig bizarre, wie vorher beschrieben, besser als so ziemlich jedes andere Werk, das ich bis jetzt kenne.
Da die Erzählgeschwindigkeit so hoch ist, entstehen oftmals Handlungen
voller Ereignisse und Wendungen, was dem Manga große Spannung verleiht.

Zudem bietet der Manga viele hervorragende Charakterentwicklungen.
Schaut man sich die Protagonisten vieler Bänder zu Beginn und zum Ende der Geschichten an, sind sie kaum miteinander vergleichbar, da sie sich von Anfang bis Ende äußerst stark entwickelt haben.
Doch das mindert nicht die Glaubhaftigkeit der Entwicklungen, denn der Manga bietet den Charakteren genug Zeit und besondere Ereignisse und Begegnungen in ihrem Leben, und schafft dem Zuschauer eine große Verbundenheit zu ihnen.
Besonders stark hervorheben möchte ich da meine beiden Favoriten der gesamten Reihe, „Karma“ und „Sun“.
Auch als recht früher Teil in der Reihe sticht Karma stark hervor, eine Geschichte, die zu Beginn einen Massenmörder vorstellt, von dem man meinen würde, er könne sich niemals mehr aus seiner Brutalität und Achtlosigkeit befreien.
Doch im Laufe seines Lebens trifft er auf einen Mann, der seinen Werdegang stärker beeinflusst, als man es hätte zu diesem Zeitpunkt ahnen können.
„Sun“ hingegen stellt sozusagen das Finale des gesamten Mangas dar und ist die mit der niedrigsten Erzählgeschwindigkeit, zumindest meines Gefühls nach.
Doch gerade durch diese Langsamkeit konnte man sich stark in die Hauptfigur hineinversetzen, und wenn es zu Konklusionen gekommen ist, gingen diese besonders nah und erzeugten eine große Spannung.
Hier geht es um einen Jungen, der in der Kriegszeit aus seinem Clan ausgeschlossen wurde und zur Strafe einen Wolfskopf aufgedrückt bekam.
In der Herausforderung, sich aus seinem Lebensschlamassel zu befreien, findet er sich in seinen Träumen in der Zukunft in einem Szenario der Science Fiction wieder und ist auf der Suche nach dem Blut des Phönix’.
So entwickeln sich zwei parallel geschilderte Geschichten, die beide Einfluss aufeinander haben – besonders auf den Protagonisten.
Ich könnte noch weit mehr zu den einzelnen Bänden schreiben, doch das würde den Rahmen wohl sprengen.

Außerdem bringt der Manga einige Kreativität mit sich. Wo sonst sieht man fleischfressende Planeten oder Planeten, die komplett elektrisiert sind?


Die Zeichnungen sind natürlich sehr alt und sehen oftmals tatsächlich sehr seltsam aus. Trotzdem bietet der Manga viele Bilder, die wirklich sehr schön aussehen.
Außerdem sind sie meist so gezeichnet, dass sie auf nur kleiner Bildfläche verblüffend viel erfassen können.

Der einzige ansatzweise negative Punkt, den ich anbringen könnte, wäre, dass der Bezug der ganzen Stories zum Phönix, der sozusagen die Basis für den gesamten Manga darstellt, manchmal nur kaum oder einmal sogar gar nicht da war, was etwas schade war.

Dennoch: Hi no Tori ist ein meisterlich konzipierter, packender und geschriebener Manga.
Kaum ein anderes Werk konnte mich bisher so in Staunen versetzen.
Allerdings sollte man noch erwähnen, dass er nur für Leute was ist, die auch anspruchsvollen oder gar bizarren Geschichten nicht abgeneigt sind und auch bereit sind, das Geschehene zu hinterfragen.
Manchmal las ich ihn auch in bis späte Tageszeiten – ich konnte beim besten Willen nicht aufhören, ehe die letzte Seite verschlungen war.

Wertung: 10/10
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Avatar: Mettwurst#3
  • Handlung
  • Zeichenstil
  • Figuren
  • Dramatik
Dieser Text stellt lediglich eine Rezension des ersten Bands der Reihe dar.

Über einen Zeitraum von 21 Jahren konzeptionierte Osamu Tezuka sein Manga-Epos „Hi no Tori“, das seine komplexe Geschichte vom Jahr 240 bis ins Jahr 3404 erzählt. Das besondere hierbei ist, dass die 12 Bände mehrere Lesarten zulassen. Ich möchte heute den ersten Band vorstellen, der im Magazin COM von Januar bis November 1967 erschien: „Dawn“ zu deutsch „Dämmerung“, der den Zeitraum von 240 bis 270 nach Christus umfasst!

Zu den Lesarten:
Grundsätzlich kann jeder Band der „Phoenix“-Reihe einzeln für sich gelesen und genossen werden, ohne die anderen Bände zwingend vorausgesetzt zu wissen. Geschrieben hat Osamu Tezuka die Bände in einer eigentümlichen Reihenfolge. Er beginnt in Band 1 im Jahr 240 zur Gründungszeit Japans, wohingegen er in Band 2 eine Geschichte vom Ende und der Wiedergeburt der Welt im Jahr 3404 erzählt. Und so wechseln sich die Geschichten immer ab. Eine Geschichte mit historischem Bezug, dann ein Science-Fiction-Abenteuer und immer so weiter. Die historischen Geschichten bewegen sich zeitlich dabei chronologisch vorwärts, wohingegen die Zukunftsgeschichten rückwärts ablaufen.

Die Handlung bewegt sich dabei auf einen Punkt in der Gegenwart der 1980er zu, einer Geschichte, die Tezuka leider nicht mehr vor seinem Tod zeichnen konnte. Daher gilt „Phoenix“ einerseits als Tezukas Schlüsselwerk, andererseits aber auch als unvollendet. Es tut der Qualität allerdings keinen Abbruch, zumal Osamu Tezuka eine leicht zugängliche Parabel über Geburt, Tod und Wiedergeburt verfasste, gespickt mit unzähligen existenzialistischen und humanistischen Elementen, für die ihn seine Leser noch heute weltweit lieben. Es funktioniert auch so.

Inhalt von „Dawn“:
(Vorsicht! Enthält Spoiler)

Spoiler

Die Geschichte beginnt mit dem Aufstieg auf einen Vulkan. Ein junger Mann begibt sich bewaffnet mit Pfeil und Bogen auf die Suche nach dem legendären Feuervogel Phoenix, von dem es heisst dass sein Blut Unsterblichkeit verleiht. Doch als der junge Held sich auf das Federvieh stürzt, verbrennt er elendiglich. In seinem Heimatdorf ist die Trauer über diesen Misserfolg groß, schließlich sollte das Blut die Verlobte des jungen Mannes, Hinako, heilen, die am damals noch unbekannten Tetanus erkrankt ist. Just in der selben Nacht wird ein Fremder namens Guzuri an Land gespült, der sich als Arzt zu erkennen gibt. Als man ihm die Gelegenheit gibt, Hinaku zu heilen darf er sich fortan das Vertrauen des Dorfes sichern. Einige Zeit später heiratet er Hinaku, entpuppt sich allerdings in der Hochzeitsnacht als Spion des Landes Yamatai unter der Führung von Königin Himiko. Mittels Feuerzeichen lockt er eine ganze Armee in das Dorf, unter der Führung von General Sarutohiko. Das ganze Dorf wird dem Erdboden gleichgemacht. Der Verräter Guzuri flieht mit seiner Frau in die Berge und lediglich Hinakus Bruder Nagi wird von Sarutahiko als Sklave und Andenken in das Land Yamatai mitgenommen.

Yamatai wird unter eiserner Knute von Königin Himiko regiert, die nicht drauf klarkommt, altern zu müssen. In ihrer Hysterie setzt sie einen den besten Jäger des Landes darauf an, ihr das Blut des Feuervogels zu beschaffen. Sarutahikos Entscheidung Nagi bei sich aufzunehmen verfolgt Himiko mit strafendem Blick. Nach einem Attentatsversuch Nagis auf die Königin, wird Sarutahiko in eine Höhle mit Hornissen gesperrt, durch deren Stiche seine vormals kleine Nase zu einem charakteristischen Kolben anschwillt. Als die beiden aus Yamatai aufs Festland fliehen, geraten sie in Gefangenschaft der Koreaner, die durch ihre Pferdestaffel Yamatai weit überlegen sind. Und dann kommt es zu einem dramatischen Finale.

Meine Meinung:
(Vorsicht! Auch die enthält Spoiler!)

Spoiler

Osamu Tezuka schafft es in der ersten Geschichte der Phoenix-Reihe mich als Leser direkt in die Geschichte hineinzusaugen. Er beginnt dabei noch mit einem kleinen, fast märchenhaft anmutenden Szenario, das zunehmend komplizierter wird.

Die Idee des Karma spielt hier, wie in vielen Geschichten Tezukas, eine tragende Rolle. Yamatai unter Königin Himiko fühlt sich überlegen, erobert, brandschatzt, nur um am Ende selber von den Koreanern erobert zu werden. Königin Himiko dürstet nach dem Blut des Phoenix, aber ironischerweise stirbt sie vor Freude, als ihr der Leib des Vogels von ihrem Haus- und Hofjäger dargebracht wird.

Sehr interessant gestaltet sich die Beziehung zwischen Nagi und Sarutahiko, die zu Anfang wie eine klassische Versklavung anmutet, sich allerdings im Laufe gemeinsamer Eskapaden zu einer Freundschaft und am Ende gar zu einem Vater/Sohn-Verhältnis ausweitet. Überhaupt ist das Verzeihen in der Geschichte ein wiederkehrendes Motiv. Sarutahiko vernichtet Nagis und Hinakus Dorf und schlachtet die Bewohner auf brutale Weise ab. Dennoch verzeiht Nagi zunehmend diesen Fehler, weil er erkennt, dass Sarutahiko auch nur eine Marionette Himikos gewesen ist. Guzuri, der ja auch maßgeblich an der Vernichtung des Dorfs beteiligt war, wird auch von dessen Frau verziehen, ja sie beschließen sogar, das Dorf durch ihre Nachkommen neu zu gründen.

Visuell und erzählerisch experimentiert Osamu Tezuka mit vielen kuriosen Ideen, wie dem Durchbrechen der vierten Wand, wenn beispielsweise Nagi von einem Panel ins andere hindurchbricht. Das Charakterdesign ist wie in allen anderen Werken des Zeichners auf einfache Weise bezaubernd schön. Der Phoenix ist in seiner Gestalt anmutig, filigran und elegant gezeichnet, Sarutahiko grobschlächtig und Nagi mit seinem wilden Zopf ein verwegener tragischer Held. Sehr interessant finde ich Osamu Tezukas Fußnoten. Tatsächlich ist es so, dass Japan bis zum Jahr 240 keinerlei historische Erwähnung findet. Erst durch Yamatai unter Himiko (wobei sich Archäologen bis heute uneins sind, wo Yamatai genau gelegen hat) findet Japan erstmals Erwähnung in einem chinesischen Bericht, wo die Bewohner allerdings noch als barbarisch beschrieben werden. Und genau so, sind sie auch von Tezuka inszeniert worden, denn ihr Verhalten gegenüber anderen ist einfach nur barbarisch und egoistisch.

Sarutahiko, der in der japanischen Folklore als Urvater der Tengu gilt, charakteristisch an seiner großen Nase erkennbar ist hier ein ganz normaler General von Yamatai, der diese Nase durch Hornissenstiche erhält. Tezuka entmystifiziert in dieser Geschichte mehrere magische Figuren des Shintôismus, obwohl er interessanterweise in einer späteren Geschichte im Phoenix-Zyklus genau diese Wesen legitim aufgreift.

Zur Erhältlichkeit:
„Dawn“ erschien 2002 in englischer Sprache im Viz-Verlag und 2006 als eBook. Die Sprache ist einfach gehalten, so dass der Leser den Band mit der Kenntnis von einfachem Schulenglisch leicht verstehen kann.

Verfilmungen:
Die Geschichte wurde zwei Mal verfilmt, einmal 1978 als Realfilm mit animierten Sequenzen und im Rahmen der kurzen Phoenix-Serie als 4-Teiler. Letzterer ist erfreulicherweise vor paar Jahren mit einer sehr guten deutschen Synchronisation erschienen. Was allerdings in dieser Verfilmung verloren geht, ist Tezukas typischer Slapstick, der Lesern seiner Manga nur allzu vertraut ist.

Fazit:
Alles in Allem handelt es sich bei „Dawn“ um einen poetischen Auftakt zu einer der wahrscheinlich wichtigsten Manga-Reihen. Im Zuge der Schnelllebigkeit und aktuell populären Langzeitserien gerät zwar ein Werk wie „Phoenix“ leicht in den Hintergrund, was aber nicht minder an der Qualität kratzt. Obwohl Osamu Tezuka schon vor 35 Jahren von uns gegangen ist, überdauert seine Popularität. Ich kann den Band allen aufgeschlossenen Lesern sehr empfehlen, all jenen vor allem die Klassiker lieben.
Beitrag wurde zuletzt am 01.08.2025 17:50 geändert.
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