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- Zeichenstil
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Ich liebe die Werke von Osamu Tezuka und bestelle mir seit über 20 Jahren jeden neu erscheinenden Band mit großer Vorfreude vor. Das wahrscheinlich früheste Werk seiner Feder in meinem Regal ist bisher „The Mysterious Underground Men“ von 1947, das ich heute vorstellen möchte…
Handlung:
(Achtung, Spoiler!)
Meine Meinung:
Zugegeben, die Handlung des 1947 entstandenen Manga ist keinesfalls sonderlich originell. Zeichnerisch und erzählerisch fehlt noch vieles von dem, was ich an Osamu Tezuka so besonders schätze. Aber ich möchte das verzeihen. Denn…
a) Gab es damals noch keine klare Definition der Novellisierung des „Manga“, und
b) War Tezuka beim Zeichnen gerade mal 18 Jahre alt und noch auf der Mittelschule.
Trotzdem lassen sich bereits viele Elemente und Charaktere erkennen, die er in späteren Werken verfeinern und weiterentwickeln würde. Zur besseren Einordnung des Werks ist im Buch ein umfassendes Nachwort enthalten, sowohl von Osamu Tezuka selbst als auch vom Verleger Ryan Holmberg. Darin wird erläutert, dass „The Mysterious Underground Men“ zwar nicht Tezukas erste Comic-Novelle war (diese Ehre gebührt „Shin Takarajima“ von 1945), aber eine besondere Stellung einnimmt.
Zum Hintergrund:
Ursprünglich wollte Osamu Tezuka seinen Comic „Der Tunnel“ nennen, durfte das aber wohl nicht, möglicherweise, weil bereits ein populärer deutscher Roman von Bernhard Kellermann aus dem Jahr 1913 diesen Titel trug. Dessen japanische Erstausgabe erschien 1930 und dürfte dem scifi-affinen jungen Tezuka bekannt gewesen sein.
Kellermanns Geschichte erzählt von einem Visionär, der einen Tunnel zwischen Deutschland und Amerika graben möchte; mit einem gigantischen Bohrer, versteht sich. Die Parallelen zu Tezukas Werk sind dahingehend frappierend.
Tezuka war zudem ein großer Kinofan und hatte Gelegenheit, einen Zusammenschnitt des zweiten „Flash Gordon“-Serials mit Buster Crabbe zu sehen. Wer genau hinsieht, erkennt Anleihen im Design des Bohrers, in der Termitenkönigin, sogar bei ihrer Waffe, einem magischen Ring, der Lebewesen versteinern kann. Auch das gab es bereits in Flash Gordon.
Dazu kam wohl noch amerikanischer Einfluss. Durch stationierte US-Soldaten bekam Tezuka offenbar einige Disney-Comics in die Hände, die ihn zu Mimio, dem vermenschlichten Hasen, inspiriert haben könnten. Manche Gesichtsausdrücke von John erinnern übrigens frappierend an Popeye, zusammengekniffenes Auge inklusive. 😉
Es lässt sich also feststellen, dass dieses Frühwerk Osamu Tezukas eine wilde Versatzstückelung verschiedenster Einflüsse ist. In diesem Fall sogar extrem sichtbar. Aber nichts entsteht aus dem Nichts. Jede Idee hat eine Quelle. Mal ist die Inspirationsquelle subtil, mal, wie hier, springt sie dem heutigen Leser geradezu ins Gesicht.
Doch was macht „The Mysterious Underground Men“ besonders?
Wir dürfen uns klarmachen, dass es 1947 den Manga als industriell produziertes Medium, wie wir ihn heute kennen, praktisch nicht gab. Natürlich gab es schon den Begriff „Manga“ seit Hokusai, und natürlich auch Comic-Strips in japanischen Zeitungen, aber noch kein erzählendes Langformat in Serienform.
Osamu Tezuka hat den Manga nicht erfunden. Aber in „The Mysterious Underground Men“ tritt zum ersten Mal diese unverwechselbare Mischung verschiedener Genres auf wie Science-Fiction, Comedy, Drama, die wir heute in 99 % aller Manga wiederfinden. Und das ist mehr als nur ein Versprechen.
Das bemerkenswerteste erzählerische Novum liegt in der Figur des Hasen Mimio. Dieser würde gerne als vollwertiger Mensch akzeptiert werden, wird jedoch von seinen „Freunden“ John und Bill grausam verstoßen, als ein allzu menschlicher Fehler ans Licht kommt. Erst als Mimio sich in mehreren Verkleidungen den beiden wieder nähert, erkennen sie seinen Wert. Seine Qualitäten. Auch seine Fehler.
Damit werden John und Bill, die eigentlich die Helden der Geschichte sind, in ihrer Intoleranz entlarvt. Und Mimio?
Fazit:
Dieses Anti-Happy-End war 1947 das große erzählerische Novum und die humanistische Botschaft dahinter das Element, das Tezukas spätere Werke nachhaltig prägen sollte.
„The mysterious underground men“ ist beim Verlag Picturebox in englischer Sprache erschienen und ist all jenen empfohlen, die Manga nicht nur konsumieren, sondern auch ihre Ursprünge und kulturellen Wurzeln kennenlernen wollen.
Handlung:
(Achtung, Spoiler!)
Oberflächlich gesehen, ist die Geschichte mit ihren rund 150 Seiten schnell gelesen und schnell nacherzählt. Als Johns Vater bei einem Flugzeugabsturz schwer verletzt wird, bittet er seinen Sohn, ein ungefährliches Transportmittel zu erfinden. Daraufhin beginnt John mit der Arbeit an einem tollkühnen Projekt, einem interkontinentalen Passagier-Bohrer, der sich durchs Erdreich wühlt.
Währenddessen wird in einem Geheimlabor der Hase Mimio mittels Elektroschocks so manipuliert, dass er beginnt, auf zwei Beinen zu laufen und wie ein Mensch zu sprechen. Mimio flieht schließlich aus dem Labor und begegnet John, der seinen Bohrer bereits fertiggestellt hat. John nimmt den sympathischen Mimio auf die Jungfernfahrt mit, doch in 6000 Kilometern Tiefe kommt es zu einem Zwischenfall und die beiden stecken fest.
Nun tritt Johns Onkel Bill auf den Plan, der mit einem Team von Arbeitern und dem raffgierigen Ingenieur Hamegg mit einem Auto (!) dem Bohrer ins Erdreich folgt. Dort unten stoßen sie auf eine Rasse intelligenter Termiten und deren Königin und werden gefangen genommen,… alle außer Hamegg. Der verbündet sich mit der Königin und plant, die Oberwelt der Erde im Austausch für die Schätze der Unterwelt (Diamanten, Gold, Klunker!) der Termitenzivilisation zu überlassen.
John und Mimio gelingt es, Onkel Bill und dessen Leute zu befreien. Doch wieder zurück an der Oberfläche beginnt eine Serie terroristischer Anschläge, die das Ende der Menschheit einläuten könnten. Klar ist: Es braucht einen neuen Raketenbohrer, um den Termiten und Hamegg das Handwerk zu legen…
Währenddessen wird in einem Geheimlabor der Hase Mimio mittels Elektroschocks so manipuliert, dass er beginnt, auf zwei Beinen zu laufen und wie ein Mensch zu sprechen. Mimio flieht schließlich aus dem Labor und begegnet John, der seinen Bohrer bereits fertiggestellt hat. John nimmt den sympathischen Mimio auf die Jungfernfahrt mit, doch in 6000 Kilometern Tiefe kommt es zu einem Zwischenfall und die beiden stecken fest.
Nun tritt Johns Onkel Bill auf den Plan, der mit einem Team von Arbeitern und dem raffgierigen Ingenieur Hamegg mit einem Auto (!) dem Bohrer ins Erdreich folgt. Dort unten stoßen sie auf eine Rasse intelligenter Termiten und deren Königin und werden gefangen genommen,… alle außer Hamegg. Der verbündet sich mit der Königin und plant, die Oberwelt der Erde im Austausch für die Schätze der Unterwelt (Diamanten, Gold, Klunker!) der Termitenzivilisation zu überlassen.
John und Mimio gelingt es, Onkel Bill und dessen Leute zu befreien. Doch wieder zurück an der Oberfläche beginnt eine Serie terroristischer Anschläge, die das Ende der Menschheit einläuten könnten. Klar ist: Es braucht einen neuen Raketenbohrer, um den Termiten und Hamegg das Handwerk zu legen…
Meine Meinung:
Zugegeben, die Handlung des 1947 entstandenen Manga ist keinesfalls sonderlich originell. Zeichnerisch und erzählerisch fehlt noch vieles von dem, was ich an Osamu Tezuka so besonders schätze. Aber ich möchte das verzeihen. Denn…
a) Gab es damals noch keine klare Definition der Novellisierung des „Manga“, und
b) War Tezuka beim Zeichnen gerade mal 18 Jahre alt und noch auf der Mittelschule.
Trotzdem lassen sich bereits viele Elemente und Charaktere erkennen, die er in späteren Werken verfeinern und weiterentwickeln würde. Zur besseren Einordnung des Werks ist im Buch ein umfassendes Nachwort enthalten, sowohl von Osamu Tezuka selbst als auch vom Verleger Ryan Holmberg. Darin wird erläutert, dass „The Mysterious Underground Men“ zwar nicht Tezukas erste Comic-Novelle war (diese Ehre gebührt „Shin Takarajima“ von 1945), aber eine besondere Stellung einnimmt.
Zum Hintergrund:
Ursprünglich wollte Osamu Tezuka seinen Comic „Der Tunnel“ nennen, durfte das aber wohl nicht, möglicherweise, weil bereits ein populärer deutscher Roman von Bernhard Kellermann aus dem Jahr 1913 diesen Titel trug. Dessen japanische Erstausgabe erschien 1930 und dürfte dem scifi-affinen jungen Tezuka bekannt gewesen sein.
Kellermanns Geschichte erzählt von einem Visionär, der einen Tunnel zwischen Deutschland und Amerika graben möchte; mit einem gigantischen Bohrer, versteht sich. Die Parallelen zu Tezukas Werk sind dahingehend frappierend.
Tezuka war zudem ein großer Kinofan und hatte Gelegenheit, einen Zusammenschnitt des zweiten „Flash Gordon“-Serials mit Buster Crabbe zu sehen. Wer genau hinsieht, erkennt Anleihen im Design des Bohrers, in der Termitenkönigin, sogar bei ihrer Waffe, einem magischen Ring, der Lebewesen versteinern kann. Auch das gab es bereits in Flash Gordon.
Dazu kam wohl noch amerikanischer Einfluss. Durch stationierte US-Soldaten bekam Tezuka offenbar einige Disney-Comics in die Hände, die ihn zu Mimio, dem vermenschlichten Hasen, inspiriert haben könnten. Manche Gesichtsausdrücke von John erinnern übrigens frappierend an Popeye, zusammengekniffenes Auge inklusive. 😉
Es lässt sich also feststellen, dass dieses Frühwerk Osamu Tezukas eine wilde Versatzstückelung verschiedenster Einflüsse ist. In diesem Fall sogar extrem sichtbar. Aber nichts entsteht aus dem Nichts. Jede Idee hat eine Quelle. Mal ist die Inspirationsquelle subtil, mal, wie hier, springt sie dem heutigen Leser geradezu ins Gesicht.
Doch was macht „The Mysterious Underground Men“ besonders?
Wir dürfen uns klarmachen, dass es 1947 den Manga als industriell produziertes Medium, wie wir ihn heute kennen, praktisch nicht gab. Natürlich gab es schon den Begriff „Manga“ seit Hokusai, und natürlich auch Comic-Strips in japanischen Zeitungen, aber noch kein erzählendes Langformat in Serienform.
Osamu Tezuka hat den Manga nicht erfunden. Aber in „The Mysterious Underground Men“ tritt zum ersten Mal diese unverwechselbare Mischung verschiedener Genres auf wie Science-Fiction, Comedy, Drama, die wir heute in 99 % aller Manga wiederfinden. Und das ist mehr als nur ein Versprechen.
Das bemerkenswerteste erzählerische Novum liegt in der Figur des Hasen Mimio. Dieser würde gerne als vollwertiger Mensch akzeptiert werden, wird jedoch von seinen „Freunden“ John und Bill grausam verstoßen, als ein allzu menschlicher Fehler ans Licht kommt. Erst als Mimio sich in mehreren Verkleidungen den beiden wieder nähert, erkennen sie seinen Wert. Seine Qualitäten. Auch seine Fehler.
Damit werden John und Bill, die eigentlich die Helden der Geschichte sind, in ihrer Intoleranz entlarvt. Und Mimio?
Mimio stirbt auf den letzten Seiten den Heldentod und wird erst auf seinem Totenbett von John und Bill demaskiert.
Fazit:
Dieses Anti-Happy-End war 1947 das große erzählerische Novum und die humanistische Botschaft dahinter das Element, das Tezukas spätere Werke nachhaltig prägen sollte.
„The mysterious underground men“ ist beim Verlag Picturebox in englischer Sprache erschienen und ist all jenen empfohlen, die Manga nicht nur konsumieren, sondern auch ihre Ursprünge und kulturellen Wurzeln kennenlernen wollen.
Beitrag wurde zuletzt am 04.08.2025 18:33 geändert.

Chiteikoku no Kaijin
The Mysterious Underground Men

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