Ich weiß noch, wie ich ein junger Teenager und völlig geil auf »
Dragon Ball GT« war. »
Dragon Ball« hat mich gecatcht und bis heute nicht losgelassen, und »
Dragon Ball Z« war einer der größten verdienten Hypes der 00er-Jahre. Natürlich wurde da »
GT« mit großer Spannung erwartet. Mit meinen Freunden ging ich auf die Sparkasse, weil man dort kostenlos PCs mit Internetzugang benutzen durfte. Dort haben wir uns in Foren über »
GT« und allgemein über »
DB« informiert und wichtiges Datenmaterial ausgedruckt. Als sich ein Bankmitarbeiter beschwert hat, hab ich ihn beschwichtigt, indem ich ihm gesagt hab, dass ich das Druckerpapier extra von zu Hause mitgenommen hab. Um die Zeit bis zur Erstausstrahlung zu verringern, habe ich regelmäßig auf einer bestimmten Internetseite für »
GT« gevotet. Der härteste Konkurrent war »
Naruto«. Wer hätte damals gedacht, dass beide Animes so kacke sind? – »
Naruto« aus ein paar Gründen ausschließlich in der deutschen Version (die japanische Version ist geil), »
GT« aus vielen Gründen in allen Sprachen.
Das Produktionsstudio ist auf dem Hype Train aufgestiegen und hat schon eine Woche nach »
Z« den infamosen Nachfolger gebracht. Bei Fans kommt »
GT« schon alleine deshalb nicht gut an, weil es nicht canon ist.
Akira Toriyama war zwar an der Produktion beteiligt, jedoch nur minimal. Bevor es »
Dragon Ball Super« und »
Dragon Ball Daima« gegeben hat, war es noch irgendwie möglich, die Geschehnisse aus »
GT« irgendwie in die offizielle Timeline zu quetschen. Jetzt aber ist nicht mal mehr das gegeben, wodurch »
GT« ganz offiziell inoffiziell geworden ist. Es ist eine Geschichte aus einem Paralleluniversum, vergleichbar mit den Filmen. Der Uber-Shit-Anime »
Super Dragon Ball Heroes« hat die Charaktere aus allen Universen – inklusive »
GT« – miteinander in Kontakt treten lassen, wodurch der reinste Fan-Service-Anime niedrigster Qualität entstanden ist. Während der Ausstrahlung von »
GT« hat man auch noch einen halb-crappy
Film veröffentlicht. Das war‘s aber auch schon mit den »
GT«-Comebacks. Man hat es bei einer Staffel belassen, und das ist auch gut so.
Produktion:Obwohl es einen nahtlosen Übergang von »
Z« zu »
GT« gibt, ist die Produktionsqualität miserabel, so als hätte man bewusst das Budget geviertelt, weil man gewusst hat, dass die Fans nach dem »
Z«-Hype auch noch die 64 »
GT«-Folgen schlucken und ein paar Merchandise-Artikel kaufen werden. Das Bild ist sehr dunkel und matt. Dennoch haben die Charaktere ab und zu ein paar helle Stellen am Körper, sodass sie aussehen wie
dunkle Seifenstücke. Die Figuren sehen auch gar nicht mehr so aus, wie man sie sonst kennt. (
Vergleich »
Z«/»
GT«.) Nicht einmal die
Komparsen sind gut gezeichnet, wenn man sie mit
jenen aus dem Original vergleicht. Goku ist viel gebräunter als sonst. Das wirkt im ersten Moment zwar ungewohnt, kommt
Toriyama-senseis Vision aber viel näher als die anderen Art Styles, da Gokus Aussehen auf einem Asiaten basiert. Das ist aber keine Entschuldigung dafür, dass man auch
Muten Roshi nicht nur ebenfalls eine Bräune verpasst, sondern diesen zudem zu einem
hippen Late-Life-Crisis-Opa gemacht hat. Was die Community in Aufruhr versetzt hat, ist natürlich
Vegetas schwuler Biker-Schnauzer und sein Besenhaarschnitt. Selbst ohne Schnauzer wirkt er im
Vergleich zu der »
Z«-Version einfach nur traurig. Was er jedoch über die ganze Serie beibehalten hat, ist die zum schwulen Biker-Outfit passende
Lederhose, die eine völlig dämliche Wahl ist, wenn man beim Kämpfen Bewegungsfreiheit haben möchte. Viele modische Entscheidungen sind vermutlich den damaligen Trends geschuldet. Trends hin oder her, manche Charakterdesigns sind einfach völlig unverständlich. Warum beispielsweise sieht
Krillin weitaus älter aus als der drei Jahre ältere
Yamchu? Krillin hat sogar noch grauere Haare als der
Rinderteufel, der eine Generation älter ist. Sind das die Gene? Diese können jedenfalls nicht erklären, warum manche Charaktere von der ersten bis zur letzten Folge in den immer selben Klamotten rumlaufen. Bei den Kämpfern, die bestimmte Kampfanzüge tragen, ist das ja noch verständlich, aber warum laufen z. B.
Pan und
Bra immer in denselben Freizeitoutfits herum? So wirkt dieser Anime nur noch mehr wie ein Cartoon für Kinder, wo es normal ist, dass die Figuren immer dasselbe an haben. Apropos Bra: Diese ist wohl eine der schlimmsten Figuren hier. Je nach Quelle ist sie zwischen 9 und 11 Jahre alt, sieht aber älter aus. Oder zumindest zieht sie sich an, als würde sie gerne älter wirken. Ihre Klamottenauswahl ist nicht besonders gut, denn sie sieht aus wie irgendeine beliebige Disco-Schlampe. In einer Folge wird sie sogar von zwei erwachsenen Kerlen
angebaggert. Ich finde es schon fragwürdig, dass man zeigt, wie ein minderjähriges Mädchen von zwei Erwachsenen angebaggert wird, ohne dass der große Altersunterschied überhaupt angesprochen wird.
Die Animationen sind all das, was sie nicht sein sollten. Gibt es Action, bewegen sich die Figuren zwar, verlieren dabei jedoch das letzte Bisschen an Detaillierungsgrad. Hintergründe werden aufgefüllt mit willkürlichen
Zuckerwatte-Farben und -Linien oder was auch immer den bekifften Produktions-Clowns in ihrem Zirkuszelt noch so alles eingefallen ist.
Nur die Musik ist ein Lichtblick am so düster erscheinenden Horizont. Oder besser gesagt: Die Engelsharfen erklingen an diesem tristen Ort. Meine Favoriten sind »
Dan Dan Kokoro Hikareteku«, was bis heute einer meiner hartnäckigsten Ohrwürmer ist, und »
Blue Velvet«, was irgendwie rockig, jazzig und hispanisch zugleich daherkommt. Einen Abzug bei der Musik gibt es nur für die BGM, die in den seltensten Fällen die richtige Atmosphäre einfängt. Da wird stellenweise hyper-dramaturgische Musik gespielt, während gegen ein paar kleine Fische gekämpft wird. Oder es wird plötzlich Rummelplatzmusik während einer Rettungsaktion oder einer Transformation des Gegners gespielt.
Ab hier SpoilerCharaktere:Die Charaktere hat man in diesem Anime völlig zerstört. Es ist die reinste Goku-Show, auch wenn man versucht hat, Pan und
Trunks als Sidekicks zu etablieren. Die »
GT«-Pan ist einer der nervigsten Charaktere hier und ganz und gar nicht so liebreizend wie die
»Z«-Pan oder die »Super«-Pan. Bei Trunks hat man es geschafft, einen der beliebtesten Charaktere aus »
Z« zu einem jämmerlichen Waschlappen zu machen.
Kid Trunks ist so richtig cool. Er ist vielleicht etwas arrogant, aber er ist die Art von Junge, mit dem man gerne spielt, weil man weiß, dass man dann Spaß hat.
Future Trunks war damals bei der »
Z«-Erstausstrahlung der große Mädchenschwarm. Er ist ein gutaussehender, introvertierter junger Mann mit reinem Herzen, der alles tut, um die Menschheit zu retten. Der »
GT«-Trunks würde in der Schule gemobbt werden. Und weil dieser Waschlappen noch nicht nass genug war, hat man ihn in einer Folge sogar in
Frauenklamotten gesteckt, weil man vergessen hat, dass man so ein schwaches Monster auch mit Tritten und Schlägen besiegen kann. Alle Figuren bis auf Goku sind die meiste Zeit völlig irrelevant oder machen überhaupt keine Charakterentwicklung durch.
Gohan, der sogar mal Goku als Protagonist hätte ablösen sollen (was aber nicht funktioniert hat), wird hier fast genauso schlecht behandelt wie in den ersten paar Dutzend Folgen von »
Super«. Er ist nicht stärker geworden – vermutlich sogar schwächer – und ist in manchen Folgen einfach nur da, um entweder ein paar unwichtige Zeilen zu sagen oder sich vom Antagonisten verprügeln zu lassen. Aus
Goten hat man einen Womanizer gemacht, der genauso aussieht wie Gohan, nur dass seine Frisur noch etwas
schiefer ist. Er hat eine Freundin namens
Palace, die noch naiver ist als Goku damals als Kind. Ich weiß nicht, was Goten an ihr findet, außer dass sich der Spruch, dass dumm gut fickt, bei ihr bewahrheiten könnte. Was man aus
Piccolo gemacht hat, ist fast schon vergleichbar mit Rufmord. Seinen ersten Auftritt hat er in Folge 26, und da wird er mit einem Angriff weggeblasen. Insgesamt hat er hier nur fünf Auftritte. Wichtig wurde er nur, als das Produktionsstudio ihn gezwungen hat, sich auf dämlich Weise zu opfern. Zumindest hat er seine Raison d'Être als Höllenwächter gefunden. Noch schlimmer ist, was man mit
Boo angestellt hat. Er und
Mr. Satan waren bis zur Hälfte des Animes die
lustigsten und ein paar der besten Charaktere des Animes, was schon aussagekräftig genug ist, handelt es sich bei diesen nur um Nebencharaktere. Beim Kampf gegen
Baby hat man sich entschlossen, Boo »sterben« zu lassen, indem dieser Teil von
Uub wird. Das Schlimme daran ist nicht nur, dass von da an einer der besten Charaktere weg war, sondern dass die Fusion auch gar nichts gebracht hat. Uub wurde so oder so von Baby verprügelt. Man hat also Boo aus dem Cast gestrichen, nur damit ein langweiliger Nebencharakter, den Goku am Ende von »
Z« zum neuen Helden trainieren wollte (ähnlich wie damals Gohan), ein Upgrade bekommt, das keinerlei positiven Auswirkungen auf whatsoever hat. Bei ein paar altgedienten Charakteren wie Yamchu,
Tenshinhan oder
Chao Zu darf man froh sein, dass diese überhaupt einen Cameo-Auftritt (letztere beiden ohne Sprecherrolle) bekommen haben. Was man hier aus den Charakteren gemacht hat, ist genauso traurig wie das Schicksal der
Pilaw-Gang.
Dieser Anime besteht aus vier Arcs, deren viele Fehler ich beleuchten werde.
Black-Star-Dragonball-Arc:Oft wird der »Black Star Dragonball«-Arc als eigenständiger Arc dieser Serie benannt, doch weil die Übergänge von diesem zum Baby-Arc fließend sind, ist es für mich persönlich nur ein einziger Arc. Der große Antagonist ist Baby mit seinen vielen, vielen Formen, wie man es bereits von anderen Bösewichten aus »
Z« kennt. Doch bis man zu Baby kommt, muss man erst noch andere Abenteuer bestehen, deren Ursprung der größte Bullshitnonsense dieses Franchises ist. Mit den
Black Star Dragonballs gibt es neue Wunschkugeln, mit denen man einen fetzig geilen neuen Heiligen Drachen namens
Ultimate Shenlong rufen kann.
Prinz Pilaw wünscht sich unabsichtlich, dass Goku wieder ein Kind wird. Man wollte vermutlich zu den Ursprüngen vom originalen »
DB« zurückkehren und diesen Anime etwas kindgerechter als »
Z« machen. Im Endeffekt hat man um die 16 langweilige und unlogische Folgen gemacht, bevor man ab Folge 17 zu den spannenden und actiongeladenen Folgen à la »
Z« zurückgekehrt ist. In den USA hat man statt den ersten 16 Folgen ein Recap ausgestrahlt, weil man wusste, dass diese kacke sind. Eine der miesesten Folgen des Franchises ist »Geliebter Ehemann! Die Verlobte ist Trunks?«, was eine schlechte Kopie der 4. Folge aus »
DB« ist, in der man
Oolong kennengelernt hat. Es funktioniert einfach nicht, alte Dinge zu kopieren, wenn die Figuren inzwischen so stark sind, dass sie mit einer Handbewegung einen Planeten pulverisieren können. Es passieren noch andere unsinnige Dinge, z. B. dass die Figuren das
Fliegen verlernen, von kleinen
Steinen ausgeknockt werden oder auf einem breiten Stahlträger die
Balance verlieren, obwohl sie geschulte Kampfkünstler sind und mit einem Finger einen Handstand auf einer Nadel machen können. Jedenfalls verstreuen sich die Black Star Dragonballs nicht auf der Erde, so wie es die üblichen Dragonballs tun, sondern im gesamten Universum. Goku, Pan und Trunks setzen sich in ein Raumschiff und starten ihre »Grand Tour«. Man könnte die Dragonballs einfach im All lassen, weil man eh ein anderes Set davon hat, wäre da nicht die unsinnige Prämisse, die alles in Gang setzt: Bringt man die Dragonballs nicht innerhalb eines Jahres zurück, explodiert die Erde. In Fantasy-Serien kann man sich ja viel Quatsch ausdenken, aber irgendwann sind die Grenzen überschritten. Goku und seine Anhängsel besuchen mehrere Planeten, um von dort die Dragonballs einzusammeln, und erleben dort ein langweiliges Abenteuer nach dem anderen. An den Außerirdischen ist mir aufgefallen, dass diese viel zu vermenschlicht sind. Auch gibt es technologisch und kulturell viel zu geringe Unterschiede zur Erde. Beispielsweise sind
Doma und die anderen Aliens des Planeten
Gelbo nur Indianer mit spitzen Ohren und Tattoos. Und niemand wundert sich über außerirdische Besucher, obwohl sie alles andere als technologisch fortschrittlich wirken. Dann gibt es beispielsweise noch
Don Kiah, einen geldgierigen Sack, der die Bewohner seines Planeten in Armut stürzt. Die Geschichte über einen korrupten Politiker könnte es auch auf der Erde geben. Mich überrascht es sowieso, dass es eine politisch angehauchte Folge gibt, wo dieser Arc doch eigentlich für die ganz Kleinen gedacht ist, die in der Norm überhaupt nichts mit Politik anfangen können. Dann gibt es noch die Geschichte über einen
Kult-Anführer, was ebenfalls auch auf der Erde stattfinden könnte. Typische Toriyama-Aliens sind
einfach gezeichnete Knuffel mit speziellen Kräften oder moderner Technologie. Ein weiteres Downlight ist die Folge mit den
Parapara-Brothers, die mit ihrer Music Box Goku und die anderen zum Tanzen bringen. Die Musik ist nicht mal gut und besteht nur aus einem Beat und einem Soundfetzen. Oder gefällt euch
das? Das war mir so peinlich, als ich diese Folge damals als Teenager im Wohnzimmer meiner Eltern angesehen habe.
Baby-Arc:Die ersten Spuren zu Baby tauchen bereits am Ende von Folge 8 auf, als
Bon Para den Dragonball stiehlt. Bon Para ist Teil des oben erwähnten Kults, der wiederum nur dazu da ist, um Energie für Baby zu sammeln. Weil Baby ebenfalls die Dragonballs sucht, könnte man sagen, dieser Arc hat bereits mit dem Verstreuen der Dragonballs im All begonnen. Der Baby-Arc ist der mit Abstand durchdachteste und komplexeste Arc. Zuerst führt der Weg über Bon Para, dann über den
Rudo-Kult, über einen Metallplaneten mit
General Rirudo als mächtigen Secondary Antagonist und letzten Endes über die
Dr.-Gero-Kopie namens
Dr. Mu, bis man endlich bei Baby landet. Baby besitzt große Ähnlichkeiten zu Dr. Geros ultimativer Kreation
Cell, nur dass er andere Personen nicht absorbiert, sondern diese als Wirt benutzt. Weil er aus den Zellen des
tsufurianischen Königs besteht, wird sogar die Brücke zur Geschichte der
Saiyajins geschlagen. Der Parasit Baby ist ein außerirdisches Experiment, der durch die Kombination aus tsufurianischen Zellen und Maschinenmutanten-Technologie entstanden ist. Ziemlich abgedrehtes Zeugs. Am besten an Baby hat mir diese unheimliche Atmosphäre gefallen, jedes Mal, wenn er auf dem Bildschirm aufgetaucht ist. Seine Stimme ist schön creepy und hat was von einer Mischung aus hinterlistiger Hexe und
Gollum. Diesen hohen Grad der Schaurigkeit gab es bisher nur bei den ersten Folgen mit Cell, als dieser in Form eines Riesen-Insekts die Menschen ausgenuckelt hat. Schritt für Schritt erreicht Baby sein Ziel. Er hat einen Plan, den er rigoros verfolgt und dabei erfolgreich ist, unter anderem deshalb, weil alle anderen sich extrem dämlich anstellen und zu nichts zu gebrauchen sind. Weil Babys letzter Wirt Vegeta ist, kommt es zu einer Art Rematch zwischen den beiden Fan Favourites. Es gibt auch heute noch Spekulationen darüber, ob die letzte Verwandlungsform von Baby den dreifachen Super-Saiyajin darstellen soll. Der Endkampf ist schön abwechslungsreich, und es kommt zu einer historischen Verwandlung – aber dazu später. Mit ein paar Änderungen (vor allem bei den ersten 16 Episoden und der Nutzlosigkeit der Nebencharaktere) hätte dieser ohnehin schon anständige Arc phänomenal werden können.
Super-17-Arc:Es kennt doch jeder den Spruch: »Hier gibt es nichts zu sehen!«, oder? Dieser Arc steht synonym für diesen Spruch. Nach dem langen Baby-Arc wollte man vermutlich wieder einen etwas kürzeren machen. Dieser Arc umspannt nur sechs Folgen, und da zähle ich die erste Folge dieses Arcs, in der es ein unsinniges Kampfturnier gibt, gar nicht hinzu. Der Antagonist ist
Super 17, eine Fusion aus
C-17, einer Erfindung von Dr. Gero, und
Neo-Nr. 17, einer Erfindung von Dr. Mu. Zuerst einmal möchte ich positiv erwähnen, dass man hier einen Übergang vom Baby-Arc zu einem neuen Arc gemacht hat, da Dr. Mu abermals auftaucht. Der Rest ist gequirlte Ochsenkacke. Erst einmal muss man es etwas skeptisch betrachten, dass zwei böse Wissenschaftler in der Lage sind, in der Hölle an einem mächtigen Roboter zu basteln. Und warum landet Dr. Mu überhaupt in der Hölle, wenn er selbst nur ein Roboter ist? Die beiden Uni-Absolventen erschaffen ein Portal, wodurch alle bisherigen Bösewichte ins Diesseits zurückkommen können und Chaos auf der Erde verursachen. Es ist ungefähr das, was »
Super Dragon Ball Heroes« auch macht, nämlich mit so vielen Charakteren wie möglich herumzuschmeißen, sodass die Fans sagen können: »Hui, endlich seh ich den und den wieder!«, wobei den Fans eher das Kotzen kommt. Die toten Bösewichte sind derart blass, so als hätte man ihnen in der Hölle die Persönlichkeit weggenommen. Sie reden kaum bis gar nicht, sondern machen nur ab und zu Grunzgeräusche. Man muss auch hinterfragen, warum manche Figuren mit ihren Flugzeugen und Kampfrobotern zurückgekehrt sind, obwohl ich bereits weiß, dass es dafür keine logische Erklärung gibt. Dazu kommt noch, dass die alten Charaktere im »
GT«-Style teilweise
furchtbar aussehen. Das Konzept ist nicht besonders gut, aber man hat es geschafft, es auf die schlimmstmögliche Art umzusetzen. Der Kampf gegen Super 17 ist genauso schlecht, wobei ich mich ohnehin frage, wie eine Fusion aus zwei C-17s überhaupt so stark sein kann. Es gibt ein paar Ungereimtheiten, wie z. B. Dr. Geros Aussage, dass C-17 von Anfang an der stärkste Cyborg sein sollte, obwohl er dasselbe Modell ist wie C-18, die auch »nur« so stark ist wie ein etwas stärkerer Super-Saiyajin. So ganz zu einem hirnverbrannten Theaterstück wollte man diesen Arc nicht verkommen lassen, denn man wollte daraus eine herzergreifende Geschwistergeschichte machen, was nur so halbwegs gut funktioniert hat. Der Leidtragende war Krillin, der durch die Hand des Bruders sterben musste. Dieser Arc ist auch deshalb so schlecht, weil alles viel zu schnell geht. Damit meine ich nicht nur den Umfang von nur sechs Folgen, sondern auch die Tatsache, dass Dr. Gero und Dr. Mu ihren Roboter scheinbar innerhalb von nur ein paar Tagen gebaut haben und diesen direkt nach dem Kampf gegen Baby auf die Menschheit losgelassen haben.
Teufelsdrachen-Arc:Alles hat mit den Dragonballs begonnen, und mit diesen endet auch alles. Das Konzept ist sehr interessant. Schon während des Super-17-Arcs sieht man in ein paar Szenen, wie die Dragonballs plötzlich Risse bekommen, was ganz gutes Foreshadowing ist. Als man nach dem Sieg über Super 17 die Dragonballs einsammelt und
Shenlong rufen möchte, verfärben sich die Kugeln
schwarz und statt Shenlong taucht der
Drache des schwarzen Rauchs auf. Ich persönlich bin kein Fan dieses Drachen, denn er ist im Prinzip nur ein Rowdy, und wenn er
raucht, wirkt er nicht cool, sondern goofy. Eine etwas ernsthaftere Inszenierung hätte die Schwere der Situation besser beleuchtet. Es stellt sich heraus, dass nach jedem Wunsch negative Energie entsteht, die normalerweise um die 100 Jahre braucht, um gereinigt zu werden. Weil in den letzten Jahren jedoch so viele Wünsche erfüllt worden sind, hat sich die negative Energie angestaut, wodurch die Dragonballs Risse bekommen haben und die sieben Teufelsdrachen, in die der Drache des schwarzen Rauchs sich aufteilt, entstanden sind. Ich verstehe nicht ganz, warum die Teufelsdrachen ein Teil des Rauchdrachens sein sollen, aber von mir aus. Von da an wird gegen die
sieben Teufelsdrachen gekämpft, von denen die ersten vier zuerst reine Gag-Charaktere sind, bis sich herausstellt, dass sie doch gefährliche Fähigkeiten haben. Diese vier Drachen werden in jeweils einer Folge besiegt. Die nächsten beiden Teufelsdrachen,
Sixinglong und
Sanxinglong, sind schon viel ernsthaftere Gegner, und Letzterer ist sogar gutherzig, was ganz gut passt, da dieser dem 4-Sterne-Dragonball zugehörig ist, der ein Memento von Gokus Großvater ist. Der große Antagonist ist jedoch
Yixinglong, der erst mal weder eine besondere Fähigkeit hat, noch überhaupt einen Grund, weshalb er Goku und die anderen bekämpfen möchte. Und das ist auch die große Schwäche von Yixinglong, denn der zerstört nur um der Zerstörung willen. Im Laufe des Kampfes macht er eine Verwandlung zu Omega Shenron durch, was eine der unepischsten Verwandlungen im ganzen Anime ist, und davon gibt es viele. Bei meinem ersten Watch hab ich nicht mal erkannt, dass er an ein paar Körperstellen ein klitzekleines bisschen anders aussieht. Der Kampf ist jedoch wie der gegen Baby schön abwechslungsreich. Man zieht hier alle Register, und Goku setzt alle seine stärksten Techniken ein, unter anderem die
Drachenfaust, die ihren Erstauftritt im Film »
Ryuuken« hatte und noch gar keine Anwendung in einem Canon-Werk gefunden hat. Auch eingesetzt wird das
10x Kamehameha, das 10x stärker sein soll als ein reguläres Kamehameha, aber einfach nur rot statt blau ist. Bei der ersten Anwendung gegen Baby war es noch blau, danach rot. Auch hatte es bei der ersten Verwendung einen verzögerten Effekt, den es danach nicht mehr hatte. Continuity-Fehler können passieren – aber doch nicht von einem Kampf zum anderen ... Die letzten beiden Folgen gehören zum Besten, was dieser Anime zu bieten hat. Goku steigt zu einem Wesen auf, von dem man nur erahnen kann, um was es sich dabei handelt. Voller Furcht fragt Yixinglong ihn,
wer er überhaupt ist. Nach Gokus Sieg über den Teufelsdrachen verabschiedet er sich von seinen Freunden, von denen die scharfsinnigsten unter ihnen bereits ahnen,
wer oder was er ist. Am Ende wird er
eins mit den Dragonballs und löst sich auf Shenlongs Rücken auf. 100 Jahre später taucht er bei einem Kampfturnier abermals auf und
verabschiedet sich beim Zuseher. In irgendeiner Form lebt er also weiter.
Super-Saiyajin 4:Ohne diese Verwandlung wäre »
GT« noch irrelevanter. Diese Serie ist zwar nicht beliebt bei den Fans, der SSJ4 aber schon. Das
Aussehen hebt sich stark von den bisherigen SSJ-Stufen ab. Auch der Vorgang, wie man diese Stufe erreicht, ist sehr speziell. Bisher hat man einfach nur hart trainieren und wütend sein müssen, um ein Power-Up zu bekommen. Beim SSJ4 ist das schon viel komplizierter. Zuerst braucht man einen Affenschwanz, was Gokus erstes Problem war, denn diesen hatte er schon lange nicht mehr. Glücklicherweise wusste der
Kaioshin von vor 15 Generationen, wie er diesen zurückbekommt: durch
ZIIIIIIIIIIIIIIIEHEN! Man sollte für einen Gag die Logik nicht komplett über Bord schmeißen. Wenn man einen Schwanz hat und zusätzlich die Fähigkeit, sich in einen Super-Saiyajin zu verwandeln, braucht es den Mond oder Ähnliches, um sich in einen
Oozaru zu verwandeln. Das ist die Geburtsstunde eines
Golden Oozaru. Schafft man es, die Kontrolle zu behalten, verwandelt man sich in weiterer Folge in einen SSJ4. Diese Form inklusiver der Schritte, die es bedarf, um sie zu erreichen, ist eines der Highlights dieses Animes. Vegeta erreicht zwar auch den SSJ4, doch nur mit Hilfe einer von
Bulma erfundenen Maschine, die ihn mit
Blutz-Wellen beschießt. Das ist sehr billig, und man hat es Gefühl, dass Vegeta diese Form nicht verdient, vor allem weil er nicht einmal den dreifachen Super-Saiyajin geschafft hat. Dass Vegeta diese Form erreicht, war aber nötig, damit ein weiteres Highlight zustande kommen kann: die Fusion zu
Gogeta SSJ4! Dieser Krieger ist eine der stärksten Figuren im gesamten Franchise. Mehr Positives kann ich über ihn aber nicht berichten, denn Gogeta ist hier ein absoluter
Pausenclown, der das Schicksal des Universums aufs Spiel setzt, um seinen Gegner zu veralbern. Das wäre ja noch einigermaßen annehmbar gewesen, wenn er bei seinem Erstauftritt im Film »
Fusion« nicht als sehr ernsthafte Figur dargestellt worden wäre. Auch in späteren Inkarnationen ist er mehr an die »
Z«-Version als an die »
GT«-Version angelehnt. Ich denke, man hat sich hier
Gotenks zum Vorbild genommen und dessen Charakterzüge auf die Spitze getrieben.
Lichtblicke:Man kann diesem Anime vieles unterstellen, z. B. dass Story, Charaktere und Animationen streckenweise grausam sind, und damit hat man recht. Doch das Produktionsteam hat sich einigermaßen Mühe gemacht, das »
DB«-Flair einzufangen. Es gibt ein paar Referenzen an alte Folgen, die nur richtige Fans als solche erkennen. Das Team hat also seine Hausaufgaben gemacht und bewiesen, nicht komplett ahnungslos zu sein. Beispielsweise sieht der
Angriff von
C-18 auf C-17 haargenau so aus wie ihr
Angriff damals auf Vegeta. Es ist vermutlich kein Zufall, dass die
Schläge ausgerechnet im Super-17-Arc dieselbe
dehnbare Wirkung haben wie damals im Cyborg-Arc. Die Szene, als Goku ganz
panisch wird, weil er plötzlich einen Dragonball an der Stirn hat, und kurz darauf ganz seelenruhig meint, das sei
egal, ist praktisch eine 1:1-Kopie von der Szene, als er im Pilaw-Arc seinen Affenschwanz verliert.
Fazit:»
Dragon Ball GT« sollte man vielleicht keine höhere Relevanz geben als einer ambitionierten Fanfiction. Wer den Canon ehrt, für den ist »
GT« ohnehin nichts wert. Dennoch ist dieser Anime eine interessante, wenn auch nicht gut geschriebene oder produzierte Erweiterung des Franchises. Besonders die Interaktion zwischen Goku und Piccolo (»Son, you are Son Goku. There isn‘t anything that Son Goku cannot do.«) sowie die letzten beiden Folgen entschädigen einen für den vielen Mist, in den man auf dieser langen und beschwerlichen Reise getreten ist. Was am Ende übrig bleibt, ist nicht das Gesehene, sondern das Gehörte. Eine erneute Runde »Dan Dan Kokoro Hikareteku« in Dauerschleife kann man sich immer geben. Es ist vielleicht eines der bekanntesten Lieder dieses Franchises. Es klingt sehr heiter, erweckt in mir aber immer ein Gefühl von Nostalgie. Es erinnert mich an damals, als ich die 50 Megabyte kleinen Folgen auf einem Portal, das es heute nicht mehr gibt, heruntergeladen habe. Es erinnert mich an damals, im Jahr 2006, als ich als 18-jähriger Bursch mitten in der Nacht wie gebannt vor dem PC gesessen bin und Screenshots von dem bescheidenen Bildmaterial gemacht habe. Es erinnert mich an damals, als ich bei Folge 40 weinen musste. Es erinnert mich an einen Anime, der den Erwartungen zwar nicht gerecht geworden ist, der durch meine Handlungen und Erlebnisse aber seine ganz eigene Geschichte bekommen hat, und diese Geschichte ist Teil meines Lebens geworden.
Kommentare