
LebboV.I.P.
#1Wann ist ein Remake ein gutes Remake?
Man könnte meinen, dass bei einer Neuauflage eines bekannten Titels wenig schiefgehen kann, weil sich die jeweilige Serie schon einmal bewiesen hat. Es gibt schon eine gewisse Fanbasis, das Konzept hat bereits erfolgreich funktioniert und man weiß, wohin die Reise geht. Aber einige Serien scheitern an den unterschiedlichsten Aspekten: Mal fehlt das Geld für einen ebenbürtigen Look im Vergleich mit dem Original, mal das etablierte Studio, das solche Heiligtümer der Fans auch mit einer gewissen Sorgfalt angeht und ein anderes Mal fehlt es gänzlich an der Hingabe zum Original. Genau so etwas hätte dem Remake von Ranma 1/2 auch passieren können. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ranma 1/2 (2024) ist ein gelungenes Remake – sogar viel besser als ich gedacht hätte.
Das liegt allen voran an Studio MAPPA, das dann eben eine gewisse Erfahrung und somit auch jede Menge (Animations-)Qualität mitbringt, um Fans nicht zu verärgern und Neueinsteiger nicht gänzlich zu verschrecken. Es gibt kein CGI, es gibt kaum Schwankungen bei den Animationen und es gibt auch bei den Kämpfen das ein oder andere Highlight zu bestaunen. Gerne hätte ich noch mehr Mut in der Optik gesehen, gerade weil so ein großes Studio dahintersteckt, aber letztlich war es eine gute Entscheidung, so nah wie möglich am Original zu bleiben. Man könnte behaupten, dass die Optik von Ranma 1/2 (2024) etwas austauschbar ist, weil sie sich zu wenig von anderen Titeln abgrenzt, aber für mich war das alles durchaus stimmig.
Denn ein bestimmter Look bringt aber auch immer eine gewisse Atmosphäre mit sich. Und genau das ist dann ein zweiter Aspekt, den die Zuschauer und die Fans kritisch bewerten bei Remakes. Es geht dann immer um den „Charme“, der bei einer Neuauflage verlorengeht. Für mich hatte die Serie aus den 80ern damals sicherlich auch Charme und das lag allen vor am Zusammenspiel des Hauptpaares Ranma und Akane. Und auch das steht beim Remake im Mittelpunkt. Ich finde, es ist sogar noch besser gelungen, weil die Figur von Akane noch mehr Raum bekommt. Die Charaktere funktionieren weiterhin so wie früher und es fühlt sich auch „zeitgemäß“ an. Auch das der Großteil der alten Synchronsprecher dabei ist, hat seinen Charme und trägt maßgeblich zur Stimmung bei. Das Ganze gilt übrigens nicht nur für die japanische, sondern auch für die deutsche Synchronisation, was auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Aber auch durch ein paar Straffungen bei der Handlung wirkt das Ganze noch flotter. Im Grunde genommen lernen wir in jeder Folge einen neuen Charakter kennen und da tauchen dann noch einige weitere sehr wilde Figuren auf, die der Serie noch mehr Dynamik geben wie z. B. Ryoga aka P-Chan oder Shampoo.
Letztlich ist Ranma 1/2 eine Wohlfühlserie – mal sehr laut und verrückt, aber auch mal mit der ein oder anderen Verschnaufpause, um den Figuren auch etwas mehr Charakter zu verleihen. Ich war und bin nicht unbedingt großer Fan der damaligen Serie gewesen, weil es dann oft auch zu sehr in den Nonsens abdriftete. Und es ist oft auch Schwachsinn, den wir hier sehen. Die Charaktere suchen förmlich nach Gründen bzw. wissen sie selbst irgendwann gar nicht, warum sie nun aufeinander losgehen. Es wiederholen sich Dinge dann doch sehr oft mit einem ewigen Liebeskarussell, den immergleichen Konflikten und das Spiel zwischen warm und kalt, und wenn es nur der Eimer Wasser über den Kopf ist, nimmt kein Ende. Ranma 1/2 hat sicherlich einen gewissen Abnutzungseffekt und es dreht sich auch zu sehr im Kreis, was sicherlich bei vielen Zuschauern die Wertung nach unten drücken wird. Der Manga ist weitaus umfangreicher und auch die Serie damals hatte in seiner 2. Staffel weit über 100 Folgen. Aber den großen Vorteil bei diesem Remake ist nun eben, dass der Einstieg sehr kompakt in 12 Folgen abgehandelt wird – quasi ein Best of der Erzählungen, die einen dann auch in vielen weiteren Folgen erwarten werden.
Aber das führt mich zum letzten Punkt, denn ich muss bei all der Lobhudelei an der Stelle auch die Kirche im Dorf lassen: Es sind eben auch „nur“ 12 Folgen und es ist eben Comedy mit ein klein wenig Romantik ohne die ganz großen Abzweigungen in der Handlung. Auch wenn ich nun Dinge aufgezählt habe, die schiefgehen konnten, dann war hier die Gefahr überschaubarer als bei anderen Titeln. Aber mit diesen Voraussetzungen kann man als Animationsstudio eben auch eine gewisse Qualität garantieren, wenn man sich mit etwas Akribie an so eine Umsetzung macht. Eine weitere Staffel des Remakes ist bereits bestätigt, was auch für das gelungene Konzept spricht, aber auch hier sollte MAPPA dann noch mehr darauf achten, mit den vielen netten Ergänzungen und vielleicht auch der ein oder anderen neuen Idee das Niveau konstant hoch zu halten. Aber mich hat die Umsetzung nun so sehr positiv überrascht und ich mochte die Stimmung des Remakes von Woche zu Woche mehr, sodass ich mir die noch sehr viele Staffeln davon ohne Bedenken angucken könnte. Denn in der 2024er-Version sind es auch noch die stimmigen kleineren Ergänzungen und die liebevollen Details, die die Serie sehenswert machen. Sei es das Intro zu Beginn, das auch so in der Originalserie laufen hätte können, der ein oder andere optische Liebesbeweis, die hochwertige Synchronisation oder die musikalische Untermalung, wozu auch das wunderschöne Ending zählt, das mich mit seiner kleinen Geschichte jedes Mal mit einem guten Gefühl aus der Folge begleitete. Und genau so darf mich die Serie auch nächstes und übernächstes Jahr begleiten, denn so bleibt das Remake von Ranma 1/2 weiterhin ein gutes Remake!

Ranma 1/2 (2024)
Ranma 1/2 (2024)
Ranma 1/2 (2024)
Ranma 1/2 (2024)
Ranma 1/2 (2024)
Ranma 1/2 (2024)
























Kommentare
Nicht einmal ein Intro kann ich mir ansehen, (egal ob alt oder neu) ohne dabei massive Herzschmerzen und Liebeskummer zu erleiden.
Daher fürchte ich, daß ich mir Ranma, ob alt oder neu, den Rest meines Lebens nie wieder ansehen kann...
😥😥😥😥