
conalyModerator
– Themenstarter#1Der Tod eines Familienmitglieds kann einen in eine tiefe emotionale Krise stürzen. „Kann man die Person nicht doch zurückholen?“ ist dabei sicher ein immer wiederkehrender Gedanke. Im Kinofilm „Tunnel to Summer“, der in Kürze auch bei uns laufen wird, ist dies eine der zentralen Fragen, die sich Protagonist Kaoru stellt.
Vorwort und generelle Filminfos:
In Japan lief der Film mit bereits im Jahr 2022 an, hatte aber auch dort nur einen recht unaufgeregten Release mit einem verhältnismäßig geringen Zuschauerinteresse und nur guten 700.000$ Einspielergebnis (zum Vergleich: Makoto Shinkais „Suzume“ spielte in Japan im selben Jahr ca. 78 Millionen Dollar ein, der 30. „Shin-chan“-Film immerhin noch 14 Millionen). Außerhalb Japans hatte „The Tunnel to Summer, the Exit of Goodbyes“, so der internationale Titel, etwas mehr Erfolg: Es gab Kinovorstellungen unter anderem im Südkorea, im Vereinigten Königreich sowie der Volksrepublik China, wobei der erst vergangenen August erfolgte China-Release laut diverser Quellen mehr als zwei Millionen Dollar eingespielt haben soll. Zudem ist der Film auf dem Annecy International Animation Film Festival 2023 gelaufen und konnte dort den in dem Jahr erstmals vergebenen Paul Grimault Award gewinnen, einen der drei großen Spielfilmpreise des Animationsfilm-Festivals.
„Tunnel to Summer“ ist übrigens kein Originalwerk, sondern eine Adaption der Light Novel „Natsu e no Tunnel, Sayonara no Deguchi“, mit welchem Autor Mei Hachimoku sein Debüt gab. Die Illustrationen dazu stammen von Zeichner Kukka. Die One-Shot-Novel war dabei durchaus sehr erfolgreich, so verkündete der Autor vor Kurzem auf dem Kurznachrichtendienst X, dass bereits der zwölften Nachdruck in die japanischen Buchläden kam.
Für die animierte Umsetzung zeigte sich das noch recht junge Studio Clap verantwortlich, welches mit „Pompo: The Cinéphile“ bereits einen Achtungserfolg feiern durfte. Zum Produktionsteam gehörten Regisseur Tomohisa Taguchi, unter welchem bereits Serien wie „Twin Star Exorcists“, „Kinos Reise: Die wunderschöne Welt“ und „Akudama Drive“, aber auch die letzten beiden „Digimon“-Filme „Digimon Adventure: Last Evolution Kizuna“ und „Digimon Adventure 02: The Beginning“ entstanden sind. Die Filmmusik stammt von Komponistin Harumi Fuuki, die schon die Soundtracks für „Lonely Castle in the Mirror“ und „The Deer King“ beisteuerte.
Ein deutschsprachiger Release wurde für „Tunnel to Summer“ bereits vor über einem Jahr angekündigt, jedoch herrschte anschließend recht lange Funkstille. Erst vor wenigen Wochen bestätigte KSM Anime sowohl einen Eventkino-Release (-> Kinoliste <-) für den 20. Oktober, als auch einen Disk-Release, der am 12. Dezember folgen soll. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an KSM Anime, die uns bereits vor dem offiziellen Kinorelease die Möglichkeit gegeben haben, den Film in der deutschen Synchronfassung sehen können. Diese Fassung wird auch im Folgenden rezensiert.
Inhalt des Films:
Der Junge Kaoru Touno lebt in einem verschlafenen kleinen Örtchen irgendwo auf dem Lande Japans. Freude am Leben findet er kaum noch, nachdem zuvor seine jüngere Schwester Karen gestorben ist. Sein Vater, mit dem er zusammenlebt, wurde zum Trinker, da dieser den Tod seiner Tochter ebenfalls nicht richtig verarbeiten konnte und dieses Ereignis zudem zur Scheidung geführt hat. Noch dazu gibt er Kaoru die Schuld am Tod von Karen. Eines verregneten Tages trifft Kaoru auf Anzu Hanashiro, die am Bahnhof auf den verspäteten Zug wartet. Wie sich am nächsten Tag herausstellt, ist sie frisch aus der Großstadt herzogen und landet direkt in Kaorus Klasse. Sie ist absolut nicht an ihren Mitschülern interessiert, sondern liest lieber in aller Stille in ihren alten Mangas. Die Klassenqueen Koharu Kawasaki nimmt dies sogleich als Anlass, Anzus kalte und abweisende Art zu kritisieren und Anzu direkt wegen des Mangas aufzuziehen, was letztendlich mit einer blutigen Nase für Koharu endet.
Die Wege von Kaoru und Anzu kreuzen sich erneut am sogenannten Urashima Tunnel. Dieser Tunnel, so die Legende, erfüllt einem den innigsten Wunsch, jedoch wird man im Gegenzug 100 Jahre älter. Kaoru findet den Tunnel erstmals zufällig und stellt nach einem kurzen Besuch darin fest, dass der Tunnel nicht nur seinen vor Jahren gestorbenen Vogel zurückgebracht hat, sondern er in seiner Welt eine ganze Woche gefehlt hat. Nachdem sich auch Anzu zufällig in den Tunnel verirrt und sogleich von Kaoru wegen des drohenden Zeitverlusts außerhalb direkt aus dem Tunnel herausgezogen wird, beschließen die beiden den Tunnel geheim zu halten und selbstständig näher zu analysieren. Sie finden heraus, wie viel Zeit in der Welt vergeht, wenn man nur wenige Sekunden im Tunnel verbringt, und wollen dieses Wissen nun für sich nutzen. Beide haben nämlich jeweils einen Wunsch an den Tunnel, welcher tief in ihren jeweiligen Gefühlen verwurzelt ist: Kaoru will seine verstorbene Schwester zurückholen, während der Wunsch Anzus etwas mit ihrem ebenfalls verstorbenen Großvater und dem Manga zu tun hat, den sie kurz zuvor noch in der Schule gelesen hat. So beginnen die Zeitreisen der etwas anderen Art. Und dann ist da auch noch der Regenschirm, den Koaru Anzu bei ihrer ersten Begegnung geliehen hat …
Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht zu weit vorgreifen und keine größeren Spoiler in diese Review packen. Dennoch möchte ich berichten, wie mich diese Story gepackt hat, wobei ich den Hinweis gebe, dass dies nicht ohne ein gewisses Vorgreifen funktioniert. Wer sich also den Film in seiner vollen Pracht geben will, ohne mehr als nötig zu erfahren, dem empfehle ich den nächsten Absatz zu überspringen und erst an der nächsten Unterüberschrift weiterzulesen. Die nachfolgenden Zeilen enthalten zwar keine inhaltlichen Spoiler zum Ablauf oder zum Ende, jedoch lässt sich unter Umständen schon eine Richtung erahnen, in die es abdriften könnte, wodurch ab hier gilt: Lesen auf eigene Gefahr!
So viel sei gesagt: Die Geschichte gewinnt keinen Innovationspreis, dafür wirkt sie mit der Trope „Boy meets Girl“ und der fantastische Ort zunächst nicht allzu originell. Die Umsetzung des scheinbar generisch wirkenden Stoffs aber hat mich dennoch vollends überzeugt, denn bei genauem Hinsehen entfaltet sich eine einzigartige emotional-melancholische Geschichte zweier seelenverwandter junger Menschen, die zu sehr in der Vergangenheit leben, aber gemeinsam lernen das Hier und Jetzt wertzuschätzen. Denn Kaoru und Anzu, die beide aus ihrer Vergangenheit fliehen und frühere Fehler ungeschehen machen möchten, verbindet dabei viel: Die weniger positive Vergangenheit, die zerrütteten Familienverhältnisse, und dass beide auch mit ihrer jetzigen Situation nicht zufrieden sind und endlich einen Ausweg suchen, für welchen beide bereit sind, ihre Zeit im Tunnel zu opfern. Der Junge, der mit seiner Schwester auch seine Lebensfreude verloren hat, und das stoische, abweisende Mädchen, welches einen Traum hat und mit jeder Minute mit dem Jungen immer weiter auftaut. Die gemeinsame Zeit, welche sich zunächst nur um den Tunnel dreht, ist genau das, was die beiden brauchen. Die Chemie der beiden stimmt einfach in jeder Szene: Zunächst als Fremde, danach als Verbündete und letztendlich als Freunde. Dabei kommen sie einander näher, ohne dass das ganze zu schnell in die romantische Schiene abdriftet, denn der Versuchung des Tunnels können beide einfach nicht widerstehen. Die Fantasy-Elemente sind dazu sehr dezent platziert, alles Übernatürliche spielt sich ausschließlich im Urashima Tunnel ab, welcher bestimmten Regeln folgt, die die beiden durch Try&Error herausfinden möchten, um so die Erfüllung ihrer Wünsche zu planen. Das gesamte Tunnel-Abenteuer schreitet dabei überraschend aber angenehm langsam voran, so dass man besonders im letzten Drittel mitfiebert, wie denn die Geschichte letztendlich für die Beiden ausgeht. Das wird aber an der Stelle mit Sicherheit nicht verraten! ;)
Ich weiß, dass mancherorts besonders die Auflösung im Finale einigen Zuschauern nicht richtig zu gefallen vermochte, vor allem weil einzelne Fragen, die sich einem möglicherweise stellen könnten, einfach eiskalt ignoriert werden. Ich finde aber das den genau korrekten Ansatz hier, denn gerade das letzte Drittel des Films, in dem das Drama deutlich zunimmt, hat mich eigentlich nur mit beiden Protagonisten mitfiebern lassen und mir gar keine Zeit gelassen, über mögliche übernatürliche Hintergründe nachzudenken. Wer unbedingt eine Erklärung erwartet, der hat in dem Fall wirklich Pech gehabt, alle anderen dürfen hier eine gefühlvoll ausgearbeitete Geschichte mit Fokus auf zwei junger Menschen Rund um die Themen Verlust, Trauer und Hoffnung erleben.
Animation und Sound:
Unbedingt hervorgehoben werden müssen die Farben des Films, sind diese doch ein kleines Highlight. Während die Umwelt zunächst eher grau und trist dargestellt wird – und damit quasi aus den Herzen der Protagonisten spricht – ist der fantastische Tunnel mit seinen kräftigen Farben und bunten Ahornbäumen der genaue Gegenpol zur gefühlt trostlosen realen Welt. Die Szenen im Tunnel sind ein wahres Fest für die Augen, so dass man fast vergessen könnte, dass mit jeder Sekunde im Tunnel die Zeit unaufhörlich in der realen Welt weiter voranschreitet und dieser fantastische Ort damit eine äußert brutale Kehrseite hat.
Die Animationen und das Charakterdesign selbst sind dabei zwar in die obere Mittelklasse einzuordnen und fallen dadurch eher weniger auf, jedoch ist dies in Anbetracht der wundervollen Story in keinster Weise negativ gemeint, da die insgesamt äußert hübsche Optik ein stimmungsvolles Gesamtbild abgibt und klar dem Inhalt folgt. Und ich wiederhole mich hier inhaltlich gerne: Jede Szene im Tunnel ist atemberaubend schön!
Musikalisch wird das Ganze weitgehend sehr dezent von zur Optik passenden Klängen untermalt, die sich nie zu stark in den Vordergrund schieben mit zwei Ausnahmen: Der Film beginnt mit eine emotional-ruhigen Opening-Song zu Pianoklängen, zum Ende des ersten Drittels folgt zudem eine positiv gestimmte J-Pop-Nummer, welche die aufbauende Freundschaft der beiden Protagonisten akustisch begleitet. Der Soundtrack ist somit mehr funktional-emotional als brachial und trifft damit für einen gefühlvollen Film genau ins Schwarze.
Qualität der deutschen Fassung:
An dieser Stelle muss ich zunächst etwas beichten: Der Film war mir nicht neu, so habe ich mir bereits die englische OmU-Fassung angesehen, welche bereits vor einiger Zeit auf der Nippon Connect in Frankfurt gelaufen ist. Trotzdem oder gerade deswegen war ich sehr gespannt, wie der Film auf Deutsch und beim zweiten Durchlauf wirken wird. Um es kurz zu machen: Weder durch den zweiten Durchlauf noch mit deutscher Synchronfassung, verliert der Film auch nur Bisschen seines melancholischen Charmes. Die deutsche Synchronfassung ist qualitativ auf einem hohen Niveau und bringt die Stimmung genauso überzeugend rüber, wie die japanischen Originalstimmen.
Die deutsche Fassung entstand dabei beim Düsseldorfer Studio Think Global Media, welche u. A. auch die Filme „Poupelle und die andere Seite des Himmels“ und „The First Slamdunk“ lokalisiert hatten. Kaoru wird dabei von Julius Jellinek vertont (Natsu aus „Fairy Tail“, Genya aus „Demon Slayer“), Anzu bekommt ihre Stimme von Luisa Wietzorek geliehen (Taiga aus „Toradora“, Chizuru aus „Rent-a-Girlfriend“). Beide sind sehr gute Besetzungen: Zwar wirkt Kaoru mit dieser Stimme vielleicht ein klein wenig Älter, als er eigentlich ist, aber besonders die ruhige Stimmlage, mit der er meistens spricht, bringt Jellinek gekonnt und glaubwürdig rüber. Auch Wietzorek brilliert mit allen Stimmlagen, die Anzu bietet: Sei es die stoische, ruhige Einzelgängerin, die faszinierte, vom Abenteuer gepackte Entdeckerin, oder die emotionale Teenagerin, die sie eigentlich darstellt. Alles absolut gekonnt umgesetzt. Einzig die eine kurze Heul-Szene konnte ich ihr einfach nicht abkaufen, wobei hier auch die japanische Originalfassung eher weniger überzeugend wirkte, was ein bisschen Schade, aber insgesamt verkraftbar ist.
Der Rest des Casts hat nicht sonderlich viel Screentime, somit sind auch nicht viele Worte darüber zu verlieren: Die Besetzungen passen zu dem, was sie darstellen und rüberbringen sollen, ohne große Ausschweifungen nach oben oder unten. Alle Dialoge wirken dabei natürlich und entsprechend dem Alter und emotionalen Zustand der jeweiligen Charaktere und so tut auch die deutsche Fassung dem Film absolut keinen Abbruch. Für die Wirkung des Films macht es damit keinen Unterschied, ob man die deutsche Synchro oder OmU guckt, die Intentionen und Emotionen kommen in beiden Fassungen glaubhaft beim Zuschauer an. Bravo!
In der Geschichte nehmen übrigens auch SMS-Nachrichten einen prominenten Platz ein. Diese wurden in der deutschen Fassung nicht mit Typesets übersetzt, sondern lediglich durch Untertitel dem Zuschauer verständlich gemacht.
Fazit:
Mit „Tunnel to Summer“ gelingt dem Studio Clap nach „Pompo: The Cinéphile“ der zweite größere Wurf, der zunächst zwar eher in die Kategorie Geheimtipp fallen mag, aber letztendlich den Zuschauer mit einer gekonnt langsam erzählten Story (im positivsten Sinne!) in seinen Bann zieht. Es wird trotz der nicht allzu üppigen Laufzeit von nur 83 Minuten die Zeit genommen, sich auf die beiden Protagonisten zu fixieren und die nötige Charakterentwicklung zu zeigen, die einem am Ende zufrieden nach Hause gehen lässt. Der Film versucht dabei zu keinem Zeitpunkt unnatürlich auf die Tränendrüse zu drücken, stattdessen ist das ganze Drama gut verschiedene emotionale Aspekte verpackt, die nie gezwungen, sondern durchgehend glaubhaft wirken. Die wundervolle optische Aufmachung und die passende musikalische Untermalung tun dabei ihr übriges und lassen den Must-See-Faktor zusätzlich in die Höhe schnellen! Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die ruhige Filme ohne viel Action mögen!
„Tunnel to Summer“ läuft am 20. Oktober als Eventvorführung in zahlreichen Kinos, am 12. Dezember folgt ein Release auf Blu-ray und DVD. Ob Ihr Euch für die OmU-Fassung, oder die deutsche Synchronfassung entscheiden solltet, bleibt Euch überlassen, denn beide werden dem Film gerecht!
Wir danken KSM Anime für die Möglichkeit, den Film kostenfrei bereits vor offiziellem deutschen Release genießen zu dürfen!
Lust bekommen den Film direkt vorzubestellen? Dann stöbert doch mal bei Amazon und Anime-Planet.de:
Vorwort und generelle Filminfos:
In Japan lief der Film mit bereits im Jahr 2022 an, hatte aber auch dort nur einen recht unaufgeregten Release mit einem verhältnismäßig geringen Zuschauerinteresse und nur guten 700.000$ Einspielergebnis (zum Vergleich: Makoto Shinkais „Suzume“ spielte in Japan im selben Jahr ca. 78 Millionen Dollar ein, der 30. „Shin-chan“-Film immerhin noch 14 Millionen). Außerhalb Japans hatte „The Tunnel to Summer, the Exit of Goodbyes“, so der internationale Titel, etwas mehr Erfolg: Es gab Kinovorstellungen unter anderem im Südkorea, im Vereinigten Königreich sowie der Volksrepublik China, wobei der erst vergangenen August erfolgte China-Release laut diverser Quellen mehr als zwei Millionen Dollar eingespielt haben soll. Zudem ist der Film auf dem Annecy International Animation Film Festival 2023 gelaufen und konnte dort den in dem Jahr erstmals vergebenen Paul Grimault Award gewinnen, einen der drei großen Spielfilmpreise des Animationsfilm-Festivals.
„Tunnel to Summer“ ist übrigens kein Originalwerk, sondern eine Adaption der Light Novel „Natsu e no Tunnel, Sayonara no Deguchi“, mit welchem Autor Mei Hachimoku sein Debüt gab. Die Illustrationen dazu stammen von Zeichner Kukka. Die One-Shot-Novel war dabei durchaus sehr erfolgreich, so verkündete der Autor vor Kurzem auf dem Kurznachrichtendienst X, dass bereits der zwölften Nachdruck in die japanischen Buchläden kam.
Für die animierte Umsetzung zeigte sich das noch recht junge Studio Clap verantwortlich, welches mit „Pompo: The Cinéphile“ bereits einen Achtungserfolg feiern durfte. Zum Produktionsteam gehörten Regisseur Tomohisa Taguchi, unter welchem bereits Serien wie „Twin Star Exorcists“, „Kinos Reise: Die wunderschöne Welt“ und „Akudama Drive“, aber auch die letzten beiden „Digimon“-Filme „Digimon Adventure: Last Evolution Kizuna“ und „Digimon Adventure 02: The Beginning“ entstanden sind. Die Filmmusik stammt von Komponistin Harumi Fuuki, die schon die Soundtracks für „Lonely Castle in the Mirror“ und „The Deer King“ beisteuerte.
Ein deutschsprachiger Release wurde für „Tunnel to Summer“ bereits vor über einem Jahr angekündigt, jedoch herrschte anschließend recht lange Funkstille. Erst vor wenigen Wochen bestätigte KSM Anime sowohl einen Eventkino-Release (-> Kinoliste <-) für den 20. Oktober, als auch einen Disk-Release, der am 12. Dezember folgen soll. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an KSM Anime, die uns bereits vor dem offiziellen Kinorelease die Möglichkeit gegeben haben, den Film in der deutschen Synchronfassung sehen können. Diese Fassung wird auch im Folgenden rezensiert.
Inhalt des Films:
Der Junge Kaoru Touno lebt in einem verschlafenen kleinen Örtchen irgendwo auf dem Lande Japans. Freude am Leben findet er kaum noch, nachdem zuvor seine jüngere Schwester Karen gestorben ist. Sein Vater, mit dem er zusammenlebt, wurde zum Trinker, da dieser den Tod seiner Tochter ebenfalls nicht richtig verarbeiten konnte und dieses Ereignis zudem zur Scheidung geführt hat. Noch dazu gibt er Kaoru die Schuld am Tod von Karen. Eines verregneten Tages trifft Kaoru auf Anzu Hanashiro, die am Bahnhof auf den verspäteten Zug wartet. Wie sich am nächsten Tag herausstellt, ist sie frisch aus der Großstadt herzogen und landet direkt in Kaorus Klasse. Sie ist absolut nicht an ihren Mitschülern interessiert, sondern liest lieber in aller Stille in ihren alten Mangas. Die Klassenqueen Koharu Kawasaki nimmt dies sogleich als Anlass, Anzus kalte und abweisende Art zu kritisieren und Anzu direkt wegen des Mangas aufzuziehen, was letztendlich mit einer blutigen Nase für Koharu endet.
Die Wege von Kaoru und Anzu kreuzen sich erneut am sogenannten Urashima Tunnel. Dieser Tunnel, so die Legende, erfüllt einem den innigsten Wunsch, jedoch wird man im Gegenzug 100 Jahre älter. Kaoru findet den Tunnel erstmals zufällig und stellt nach einem kurzen Besuch darin fest, dass der Tunnel nicht nur seinen vor Jahren gestorbenen Vogel zurückgebracht hat, sondern er in seiner Welt eine ganze Woche gefehlt hat. Nachdem sich auch Anzu zufällig in den Tunnel verirrt und sogleich von Kaoru wegen des drohenden Zeitverlusts außerhalb direkt aus dem Tunnel herausgezogen wird, beschließen die beiden den Tunnel geheim zu halten und selbstständig näher zu analysieren. Sie finden heraus, wie viel Zeit in der Welt vergeht, wenn man nur wenige Sekunden im Tunnel verbringt, und wollen dieses Wissen nun für sich nutzen. Beide haben nämlich jeweils einen Wunsch an den Tunnel, welcher tief in ihren jeweiligen Gefühlen verwurzelt ist: Kaoru will seine verstorbene Schwester zurückholen, während der Wunsch Anzus etwas mit ihrem ebenfalls verstorbenen Großvater und dem Manga zu tun hat, den sie kurz zuvor noch in der Schule gelesen hat. So beginnen die Zeitreisen der etwas anderen Art. Und dann ist da auch noch der Regenschirm, den Koaru Anzu bei ihrer ersten Begegnung geliehen hat …
Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht zu weit vorgreifen und keine größeren Spoiler in diese Review packen. Dennoch möchte ich berichten, wie mich diese Story gepackt hat, wobei ich den Hinweis gebe, dass dies nicht ohne ein gewisses Vorgreifen funktioniert. Wer sich also den Film in seiner vollen Pracht geben will, ohne mehr als nötig zu erfahren, dem empfehle ich den nächsten Absatz zu überspringen und erst an der nächsten Unterüberschrift weiterzulesen. Die nachfolgenden Zeilen enthalten zwar keine inhaltlichen Spoiler zum Ablauf oder zum Ende, jedoch lässt sich unter Umständen schon eine Richtung erahnen, in die es abdriften könnte, wodurch ab hier gilt: Lesen auf eigene Gefahr!
So viel sei gesagt: Die Geschichte gewinnt keinen Innovationspreis, dafür wirkt sie mit der Trope „Boy meets Girl“ und der fantastische Ort zunächst nicht allzu originell. Die Umsetzung des scheinbar generisch wirkenden Stoffs aber hat mich dennoch vollends überzeugt, denn bei genauem Hinsehen entfaltet sich eine einzigartige emotional-melancholische Geschichte zweier seelenverwandter junger Menschen, die zu sehr in der Vergangenheit leben, aber gemeinsam lernen das Hier und Jetzt wertzuschätzen. Denn Kaoru und Anzu, die beide aus ihrer Vergangenheit fliehen und frühere Fehler ungeschehen machen möchten, verbindet dabei viel: Die weniger positive Vergangenheit, die zerrütteten Familienverhältnisse, und dass beide auch mit ihrer jetzigen Situation nicht zufrieden sind und endlich einen Ausweg suchen, für welchen beide bereit sind, ihre Zeit im Tunnel zu opfern. Der Junge, der mit seiner Schwester auch seine Lebensfreude verloren hat, und das stoische, abweisende Mädchen, welches einen Traum hat und mit jeder Minute mit dem Jungen immer weiter auftaut. Die gemeinsame Zeit, welche sich zunächst nur um den Tunnel dreht, ist genau das, was die beiden brauchen. Die Chemie der beiden stimmt einfach in jeder Szene: Zunächst als Fremde, danach als Verbündete und letztendlich als Freunde. Dabei kommen sie einander näher, ohne dass das ganze zu schnell in die romantische Schiene abdriftet, denn der Versuchung des Tunnels können beide einfach nicht widerstehen. Die Fantasy-Elemente sind dazu sehr dezent platziert, alles Übernatürliche spielt sich ausschließlich im Urashima Tunnel ab, welcher bestimmten Regeln folgt, die die beiden durch Try&Error herausfinden möchten, um so die Erfüllung ihrer Wünsche zu planen. Das gesamte Tunnel-Abenteuer schreitet dabei überraschend aber angenehm langsam voran, so dass man besonders im letzten Drittel mitfiebert, wie denn die Geschichte letztendlich für die Beiden ausgeht. Das wird aber an der Stelle mit Sicherheit nicht verraten! ;)
Ich weiß, dass mancherorts besonders die Auflösung im Finale einigen Zuschauern nicht richtig zu gefallen vermochte, vor allem weil einzelne Fragen, die sich einem möglicherweise stellen könnten, einfach eiskalt ignoriert werden. Ich finde aber das den genau korrekten Ansatz hier, denn gerade das letzte Drittel des Films, in dem das Drama deutlich zunimmt, hat mich eigentlich nur mit beiden Protagonisten mitfiebern lassen und mir gar keine Zeit gelassen, über mögliche übernatürliche Hintergründe nachzudenken. Wer unbedingt eine Erklärung erwartet, der hat in dem Fall wirklich Pech gehabt, alle anderen dürfen hier eine gefühlvoll ausgearbeitete Geschichte mit Fokus auf zwei junger Menschen Rund um die Themen Verlust, Trauer und Hoffnung erleben.
Animation und Sound:
Unbedingt hervorgehoben werden müssen die Farben des Films, sind diese doch ein kleines Highlight. Während die Umwelt zunächst eher grau und trist dargestellt wird – und damit quasi aus den Herzen der Protagonisten spricht – ist der fantastische Tunnel mit seinen kräftigen Farben und bunten Ahornbäumen der genaue Gegenpol zur gefühlt trostlosen realen Welt. Die Szenen im Tunnel sind ein wahres Fest für die Augen, so dass man fast vergessen könnte, dass mit jeder Sekunde im Tunnel die Zeit unaufhörlich in der realen Welt weiter voranschreitet und dieser fantastische Ort damit eine äußert brutale Kehrseite hat.
Die Animationen und das Charakterdesign selbst sind dabei zwar in die obere Mittelklasse einzuordnen und fallen dadurch eher weniger auf, jedoch ist dies in Anbetracht der wundervollen Story in keinster Weise negativ gemeint, da die insgesamt äußert hübsche Optik ein stimmungsvolles Gesamtbild abgibt und klar dem Inhalt folgt. Und ich wiederhole mich hier inhaltlich gerne: Jede Szene im Tunnel ist atemberaubend schön!
Musikalisch wird das Ganze weitgehend sehr dezent von zur Optik passenden Klängen untermalt, die sich nie zu stark in den Vordergrund schieben mit zwei Ausnahmen: Der Film beginnt mit eine emotional-ruhigen Opening-Song zu Pianoklängen, zum Ende des ersten Drittels folgt zudem eine positiv gestimmte J-Pop-Nummer, welche die aufbauende Freundschaft der beiden Protagonisten akustisch begleitet. Der Soundtrack ist somit mehr funktional-emotional als brachial und trifft damit für einen gefühlvollen Film genau ins Schwarze.
Qualität der deutschen Fassung:
An dieser Stelle muss ich zunächst etwas beichten: Der Film war mir nicht neu, so habe ich mir bereits die englische OmU-Fassung angesehen, welche bereits vor einiger Zeit auf der Nippon Connect in Frankfurt gelaufen ist. Trotzdem oder gerade deswegen war ich sehr gespannt, wie der Film auf Deutsch und beim zweiten Durchlauf wirken wird. Um es kurz zu machen: Weder durch den zweiten Durchlauf noch mit deutscher Synchronfassung, verliert der Film auch nur Bisschen seines melancholischen Charmes. Die deutsche Synchronfassung ist qualitativ auf einem hohen Niveau und bringt die Stimmung genauso überzeugend rüber, wie die japanischen Originalstimmen.
Die deutsche Fassung entstand dabei beim Düsseldorfer Studio Think Global Media, welche u. A. auch die Filme „Poupelle und die andere Seite des Himmels“ und „The First Slamdunk“ lokalisiert hatten. Kaoru wird dabei von Julius Jellinek vertont (Natsu aus „Fairy Tail“, Genya aus „Demon Slayer“), Anzu bekommt ihre Stimme von Luisa Wietzorek geliehen (Taiga aus „Toradora“, Chizuru aus „Rent-a-Girlfriend“). Beide sind sehr gute Besetzungen: Zwar wirkt Kaoru mit dieser Stimme vielleicht ein klein wenig Älter, als er eigentlich ist, aber besonders die ruhige Stimmlage, mit der er meistens spricht, bringt Jellinek gekonnt und glaubwürdig rüber. Auch Wietzorek brilliert mit allen Stimmlagen, die Anzu bietet: Sei es die stoische, ruhige Einzelgängerin, die faszinierte, vom Abenteuer gepackte Entdeckerin, oder die emotionale Teenagerin, die sie eigentlich darstellt. Alles absolut gekonnt umgesetzt. Einzig die eine kurze Heul-Szene konnte ich ihr einfach nicht abkaufen, wobei hier auch die japanische Originalfassung eher weniger überzeugend wirkte, was ein bisschen Schade, aber insgesamt verkraftbar ist.
Der Rest des Casts hat nicht sonderlich viel Screentime, somit sind auch nicht viele Worte darüber zu verlieren: Die Besetzungen passen zu dem, was sie darstellen und rüberbringen sollen, ohne große Ausschweifungen nach oben oder unten. Alle Dialoge wirken dabei natürlich und entsprechend dem Alter und emotionalen Zustand der jeweiligen Charaktere und so tut auch die deutsche Fassung dem Film absolut keinen Abbruch. Für die Wirkung des Films macht es damit keinen Unterschied, ob man die deutsche Synchro oder OmU guckt, die Intentionen und Emotionen kommen in beiden Fassungen glaubhaft beim Zuschauer an. Bravo!
In der Geschichte nehmen übrigens auch SMS-Nachrichten einen prominenten Platz ein. Diese wurden in der deutschen Fassung nicht mit Typesets übersetzt, sondern lediglich durch Untertitel dem Zuschauer verständlich gemacht.
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Mit „Tunnel to Summer“ gelingt dem Studio Clap nach „Pompo: The Cinéphile“ der zweite größere Wurf, der zunächst zwar eher in die Kategorie Geheimtipp fallen mag, aber letztendlich den Zuschauer mit einer gekonnt langsam erzählten Story (im positivsten Sinne!) in seinen Bann zieht. Es wird trotz der nicht allzu üppigen Laufzeit von nur 83 Minuten die Zeit genommen, sich auf die beiden Protagonisten zu fixieren und die nötige Charakterentwicklung zu zeigen, die einem am Ende zufrieden nach Hause gehen lässt. Der Film versucht dabei zu keinem Zeitpunkt unnatürlich auf die Tränendrüse zu drücken, stattdessen ist das ganze Drama gut verschiedene emotionale Aspekte verpackt, die nie gezwungen, sondern durchgehend glaubhaft wirken. Die wundervolle optische Aufmachung und die passende musikalische Untermalung tun dabei ihr übriges und lassen den Must-See-Faktor zusätzlich in die Höhe schnellen! Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die ruhige Filme ohne viel Action mögen!
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Natsu e no Tunnel, Sayonara no Deguchi
The Tunnel to Summer, the Exit of Goodbyes
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El Túnel de los Deseos
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Kommentare
Es gibt einen einzigen Grund warum Kaoru in den Tunnel geht, um seine verstorbene Schwester zurück zu holen.
Der Wellensittich ist ja auch irgendwie wiederbelebt worden und konnte in der realen Welt leben.
Also da geht er rein, ja er geht obwohl er durch die Test weis wie schnell dort die Zeit vergeht.
''Oh schon soviel Zeit vergangen''
Jedenfalls trifft er seine Schwester und was macht er? Er geht und lässt sie zurück, weil er in Anzu verliebt ist.
Diese rennt ich nicht hinterher als Kaoru in den Tunnel geht, sondern wartet Jahre bis sie eine Erwachsene Frau ist. (wäre sie gleich rein, müsste sie ja wieder in der gleichen Zeitebene wie Kaoru sein) Dann bekommt sie eine SMS und dann erst bekommt sie die Idee mal nachzusehen.
Wie schon ein Vorredner. Noch ein bisschen rumknutschen, damit gleich noch ein paar Jahre vergehen.
Für mich kein Happy End.
Er hat seine Schwester einfach zurückgelassen.
Die Präsentation war super. Musik und gerade visuell war es wirklich super. Die erste Hälfte der Story war auch gut.
Aber das Ende hat mich dermaßen rausgeworfen aus jeglichem Mitfiebern und jeglicher Immersion.
Die beiden Charaktere haben einen ganzen Teil des Films damit verbracht genaustens die Eigenschaften des seltsamen Zeitreise-Wunsch-Tunnels zu ergründen. Es wurde also ganz klar(!) festgelegt das es Regeln gibt.
Aber aus irgendeinem Grund spielt das in diesem Film komplett keine Rolle mehr, wenn Plotconvenience mehr wiegt als Kontinuität.
Es wurde festgestellt das ca. 3 Sekunden im Tunnel ca. 1 Stunde in der normalen Welt entsprechen. Der Hauptcharakter-Junge rennt am Ende mitten in der Nacht alleine in den Tunnel, obwohl die beiden Hauptcharaktere zusammen da rein wollten (nebenbei auch eine sehr merkwürdige und inkohärente Entscheidung des Jungen). Und als das Hauptcharakter-Mädel das mitkriegt, ca. 5 Stunden später, rennt sie da hin und laut der eigenen Recherche, müsste der Junge innerhalb des Tunnels jetzt einen 15 Sekunden Vorsprung haben. Aber was macht das Mädel. Sie gibt auf, verzweifelt, den Jungen evtl. für immer verloren zu haben. Bitte was? Ein 15 Sekunden Vorsprung, mit den eigenen Regeln die der Film klar und deutlich erklärt hat, und sie gibt einfach auf?
Außerdem wurde klar erklärt welche Regeln für Anrufe und Textnachrichten gelten. Allerdings kann ich die nichtmal wiedergeben, weil am Ende des Films auch einfach beides in jede Richtung ging, je nach dem was gerade gebraucht wurde.
Und nicht zuletzt die Schwester des Haupt-Jungen. DER alleinige Grund warum der Junge da rein wollte. Er trifft sie auch. Aber anstatt irgendwie versuchen sie mitzunehmen, erteilt sie ihm einfach Absolution und der Junge stellt auf einmal fest das er das Haupt-Mädel liebt und die Schwester ist dann egal und das wars.
Diese ganzen Fehler am Ende zu sehen hat mich wesentlich emotionaler gemacht, als jeder dieser seltsamen vor Plotconvenience strotzender Handlungsstränge am Ende. Wirklich wirklich Schade.
Aber ich möchte nochmal sagen, der Film hat das recht junge Studio "Clap Co." auf mein Radar gebracht und ich bin gespannt was da in Zukunft kommt, denn wie gesagt, musikalisch und visuell war der Film top.