"Der Junge und der Reiher" von Hayao Miyazaki gewann 2024 den Oscar für den besten animierten Spielfilm. Doch ich habe, bevor ich den Film angeschaut habe, sehr verschiedene Meinungen über diesen Film gehört. Von "Meisterwerk" bis "eine Tortur" war da alles an Ansichten vertreten. Und ich muss sagen: So zwiespältig die Meinungen bei "Der Junge und der Reiher" sind, so schwer fällt es auch mir, den Film zu bewerten...
1943 in Tokio: Der Junge Mahito verliert während des Krieges seine Mutter, da das Krankenhaus, in dem sie liegt, Feuer fängt. Dieser Verlust traumatisiert ihn völlig.
Mahitos Vater heiratet seine Tante Natsuko. Von nun an lebt Mahito auf deren Anwesen in einer ländlichen Umgebung. Gefallen tut es Mahito dort nicht, zumal er in der Schule unbeliebt ist.
Außerdem ist da noch ein äußerst merkwürdiger, sprechender Graureiher, der behauptet, Mahitos Mutter wäre noch am Leben- und ein geheimnisvoller Turm, der in eine andere Welt führt...
Gleich vorweg: Die visuellen Schauwerte sind, wie man es bei einem Film von Hayao Miyazaki erwartet, bezaubernd. Der Zeichenstil, die flüssigen Animationen, die Farben, die hübschen Schauplätze- da stimmt einfach alles! Kombiniert mit der wunderschönen, sanften Musik von Joe Hisaishi denkt man sich beim Anschauen wirklich oft: "Was für eine Pracht!"
Wenn ich was kritisieren müsste, dann höchstens, dass ich mich doch öfter mal an andere Ghibli-Filme erinnert fühlte (zum Beispiel erinnerten mich einige Szenen sehr an "Das wandelnde Schloss").
Aber wie gesagt: Künstlerisch kann man echt nicht meckern!
Leider ist die Story aber sehr abstrakt und wenig zugänglich. Der Film beginnt als realistische Alltagsgeschichte (diesen Teil des Films fand ich recht langatmig), driftet aber nach einer halben Stunde ins Bizarre ab. Das ist natürlich Geschmackssache und wer es liebt, zu interpretieren, hat bei "Der Junge und der Reiher" sicherlich viel Freude. Mir persönlich war es doch zu sonderbar und ich hätte mir eine nachvollziehbarere Geschichte gewünscht.
Hinzu kommt noch, dass mich der Schluss enttäuscht hat. Das Ende ist dermaßen abrupt, dass ich wirklich dachte: "Hä, das war es? Da kommt jetzt echt nichts mehr?"
Aber generell bleiben bei "Der Junge und der Reiher" leider viele Fragen offen.
Auch mit den Charakteren tat ich mich teilweise schwer. So ist es mir irgendwie nicht gelungen, zu Mahito eine Bindung aufzubauen. Sein Trauma mit dem Verlust seiner Mutter ist vollkommen verständlich, aber irgendwie bleibt Mahito, obwohl er die Hauptfigur ist, passiv und fast schon leer. Umso geschockter war ich, als sich Mahito in einer Szene am Anfang des Films selbst verletzte, was für einen Ghibli-Film recht heftig aussah!
Ich weiß auch nicht so ganz, was ich von dem Reiher halten soll (den umgibt ein Geheimnis, welches ich an dieser Stelle nicht lüften möchte). Die Figur wirkt manchmal boshaft, aber manchmal auch fast mehr wie eine Lachnummer. Ich fand es auch ein bisschen seltsam, dass der Reiher einerseits meinte, er sei weder Mahitos Freund noch sein Verbündeter und er würde sogar sein Herz fressen wollen(!), dann allerdings hilft er ihm doch ständig.
Der Reiher ist allerdings bei Weitem nicht der einzige Vogel, der in diesem Film eine Rolle spielt. Bei "Der Junge und der Reiher" kommen (im wahrsten Sinne des Wortes) viele schräge Vögel vor.
Sehr gut gefallen haben mir in dem Film kleine, knubbelige Wesen, die "Warawara" genannt werden und so ein bisschen an die Baumgeister aus "Prinzessin Mononoke" erinnern. Leider mit zu wenig Screentime.
Fazit
Es fällt mir wahnsinnig schwer, diesen Film zu beurteilen. Er ist interessant, ja, aber für meinen Geschmack doch zu seltsam und zu wenig zugänglich. So schön die Bilder und die Musik auch sind: Wenn es um Filme von Hayao Miyazaki geht, wäre "Der Junge und der Reiher" bei mir doch relativ weit unten auf der Beliebtheitsskala.
Aber wie gesagt: Dies ist ein Film, der sehr unterschiedliche Meinungen hervorruft und daher muss sich wirklich jeder Zuschauer ein eigenes Bild von ihm machen (das trifft natürlich auf jeden Film zu, auf so einen speziellen aber ganz besonders).
Insgesamt könnte man wohl abschließend sagen: Ein sehr eigenwilliges Kunstwerk!
1943 in Tokio: Der Junge Mahito verliert während des Krieges seine Mutter, da das Krankenhaus, in dem sie liegt, Feuer fängt. Dieser Verlust traumatisiert ihn völlig.
Mahitos Vater heiratet seine Tante Natsuko. Von nun an lebt Mahito auf deren Anwesen in einer ländlichen Umgebung. Gefallen tut es Mahito dort nicht, zumal er in der Schule unbeliebt ist.
Außerdem ist da noch ein äußerst merkwürdiger, sprechender Graureiher, der behauptet, Mahitos Mutter wäre noch am Leben- und ein geheimnisvoller Turm, der in eine andere Welt führt...
Gleich vorweg: Die visuellen Schauwerte sind, wie man es bei einem Film von Hayao Miyazaki erwartet, bezaubernd. Der Zeichenstil, die flüssigen Animationen, die Farben, die hübschen Schauplätze- da stimmt einfach alles! Kombiniert mit der wunderschönen, sanften Musik von Joe Hisaishi denkt man sich beim Anschauen wirklich oft: "Was für eine Pracht!"
Wenn ich was kritisieren müsste, dann höchstens, dass ich mich doch öfter mal an andere Ghibli-Filme erinnert fühlte (zum Beispiel erinnerten mich einige Szenen sehr an "Das wandelnde Schloss").
Aber wie gesagt: Künstlerisch kann man echt nicht meckern!
Leider ist die Story aber sehr abstrakt und wenig zugänglich. Der Film beginnt als realistische Alltagsgeschichte (diesen Teil des Films fand ich recht langatmig), driftet aber nach einer halben Stunde ins Bizarre ab. Das ist natürlich Geschmackssache und wer es liebt, zu interpretieren, hat bei "Der Junge und der Reiher" sicherlich viel Freude. Mir persönlich war es doch zu sonderbar und ich hätte mir eine nachvollziehbarere Geschichte gewünscht.
Hinzu kommt noch, dass mich der Schluss enttäuscht hat. Das Ende ist dermaßen abrupt, dass ich wirklich dachte: "Hä, das war es? Da kommt jetzt echt nichts mehr?"
Aber generell bleiben bei "Der Junge und der Reiher" leider viele Fragen offen.
Was sollte die Szene am Anfang, in der Mahito plötzlich mit Fröschen übersät ist?
Wieso ist Natsuko erst so freundlich zu Mahito, schreit ihn dann aber in einer Szene total an und meint, sie würde ihn hassen?
Wieso findet Mahito es überhaupt nicht merkwürdig, das jüngere Ich seiner Mutter zu treffen?
Und was hat Mahitos Trauer bezüglich seiner Mutter überhaupt mit diesem komischen Urgroßonkel zu tun, der einen Nachfolger suchte?
Wieso ist Natsuko erst so freundlich zu Mahito, schreit ihn dann aber in einer Szene total an und meint, sie würde ihn hassen?
Wieso findet Mahito es überhaupt nicht merkwürdig, das jüngere Ich seiner Mutter zu treffen?
Und was hat Mahitos Trauer bezüglich seiner Mutter überhaupt mit diesem komischen Urgroßonkel zu tun, der einen Nachfolger suchte?
Auch mit den Charakteren tat ich mich teilweise schwer. So ist es mir irgendwie nicht gelungen, zu Mahito eine Bindung aufzubauen. Sein Trauma mit dem Verlust seiner Mutter ist vollkommen verständlich, aber irgendwie bleibt Mahito, obwohl er die Hauptfigur ist, passiv und fast schon leer. Umso geschockter war ich, als sich Mahito in einer Szene am Anfang des Films selbst verletzte, was für einen Ghibli-Film recht heftig aussah!
Ich weiß auch nicht so ganz, was ich von dem Reiher halten soll (den umgibt ein Geheimnis, welches ich an dieser Stelle nicht lüften möchte). Die Figur wirkt manchmal boshaft, aber manchmal auch fast mehr wie eine Lachnummer. Ich fand es auch ein bisschen seltsam, dass der Reiher einerseits meinte, er sei weder Mahitos Freund noch sein Verbündeter und er würde sogar sein Herz fressen wollen(!), dann allerdings hilft er ihm doch ständig.
Der Reiher ist allerdings bei Weitem nicht der einzige Vogel, der in diesem Film eine Rolle spielt. Bei "Der Junge und der Reiher" kommen (im wahrsten Sinne des Wortes) viele schräge Vögel vor.
Sehr gut gefallen haben mir in dem Film kleine, knubbelige Wesen, die "Warawara" genannt werden und so ein bisschen an die Baumgeister aus "Prinzessin Mononoke" erinnern. Leider mit zu wenig Screentime.
Fazit
Es fällt mir wahnsinnig schwer, diesen Film zu beurteilen. Er ist interessant, ja, aber für meinen Geschmack doch zu seltsam und zu wenig zugänglich. So schön die Bilder und die Musik auch sind: Wenn es um Filme von Hayao Miyazaki geht, wäre "Der Junge und der Reiher" bei mir doch relativ weit unten auf der Beliebtheitsskala.
Aber wie gesagt: Dies ist ein Film, der sehr unterschiedliche Meinungen hervorruft und daher muss sich wirklich jeder Zuschauer ein eigenes Bild von ihm machen (das trifft natürlich auf jeden Film zu, auf so einen speziellen aber ganz besonders).
Insgesamt könnte man wohl abschließend sagen: Ein sehr eigenwilliges Kunstwerk!
Beitrag wurde zuletzt am 01.11.2024 20:52 geändert.

Kimitachi wa Dou Ikiru ka
The Boy and the Heron
Der Junge und der Reiher
El Chico y la Garza
Le Garçon et le Héron
Il Ragazzo e l’Airone

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Kommentare
Der Film "Kimitachi wa Dou Ikiru ka" hat viele Elemente, die mir aus anderen Filmen des Entwicklerstudios bekannt vor kamen; Er erzählt aber trotzdem seine eigene spannende Geschichte. An manchen Stellen empfand ich die Handlung als etwas konfus, was aber auch an meinen mittelmäßigen Sprachkenntnissen liegen kann.
Faizit: Ein Muss für Studio-Ghibli Fans.