
AsaneV.I.P.
#1Eine kleine Ameise findet eine Violine und gibt sie ihrem Besitzer zurück.
Klingt einfach und vielleicht auch langweilig, aber der Film macht ziemlich viel draus. Man legt dabei den Fokus voll auf den musikalischen Aspekt, was zur Folge hat, daß dieser Tonfilm keine Dialoge oder sonstigen Text enthält. Außerdem versteht man es, den Charme dieser Krabbelwelt detailliert und mit vielen Zwischentöne versehen einzufangen. Eine Welt, deren Horizont nicht weiter reicht als bis zum nächsten Löwenzahnstrunk und deren Himmel eingefasst wird vom Dach der Winden.
Das geschäftige Treiben wird von einem Eingangschor mit einem munteren Wanderlied begleitet, bis sich aus dem allgemeinen Getümmel eine kleine Figur hervortut, Ari-chan (der einzige Charakter mit Eigennamen), der frohgemut sich zum Spielplatz aufmacht, einem miniaturisierten Insektenkinderspielplatz, wo er die scheinbar herrenlose* Violine entdeckt.
Begeistert über diesen Fund macht er sich mit dem Instrument davon, ohne recht zu wissen, was man damit anfangen könnte. Hier beginnt nun der große Mittelteil, der allerlei Genreszenen abbildet und der illustriert, wie es der kleinen Ameise ("ari" = "Ameise") und ihrem Fund ergeht und was am Schluss die Läuterung auslöst. Wie bereits erwähnt, geht es um Musik, und daher ist im folgenden viel Pizzicato und anderes Gezupftes zu hören. Auch himmlische Harfentöne, die der engelgleiche Schmetterling dem Instrument entlockt. Und auch die anderen Wiesenbewohner versuchen sich an dem Instrument, in allen möglichen Stilrichtungen. Einer roher und brutaler als der andere. Von Feinfühligkeit keine Spur. Das geht naturgemäß nicht lange gut, und als Ari-chan dem Orchester mit den fidelen Heuschrecken begegnet und dabei erkennt, zu welch mächtigen Klängen dieses Instrument fähig ist und wie wenig er diesem gewachsen ist, reift allmählich die Erkenntnis, welchen Wert er da in Händen hält und wie unglücklich der Besitzer über den Verlust sein muss. Und daß er unbedingt alles dafür tun muss, um diesen Schatz unbeschadet wieder zurückzubringen.
Dieser kleine Film schafft das Kunststück, solche Gedankengänge in jeder Einzelheit dem Zuschauer vor Augen zu führen, und zwar ohne dabei ins Moralische oder Pädagogische abzugleiten. Das liegt auch an der klugen Regie, die sich nicht aufdrängt und die das Offensichtliche vermeidet. Indem sie einige entscheidende Szenen nicht zeigt, überlässt sie dies der Imagination des Zuschauers. Das verrät schon gutes Gespür für wirkungsvolle Dramaturgie. Andererseits irritieren einige relativ harte Übergänge, wo man sich harmonischere Szenenwechsel gewünscht hätte, aber dafür darf man sich zum Ausgleich an einer sauberen Bild-Ton-Synchronisation freuen.
Der Stil der Animation liegt irgendwo zwischen Disney und Tezuka, besonders was den verschmitzten Humor des berühmten Mangaka betrifft. Zudem gelingt es recht überzeugend, die Graswelt der kleinen Insekten darzustellen. Vor allem beim Versuch, Tiefenwirkung zu erzielen, sowie überhaupt bei vielen Details wie z.B. den absolut realistischen Schattenwürfen.
Am Ende aber steht das Hochgefühl der guten Tat, und die Szene schließt den Kreis zurück zum Anfang.
Klingt einfach und vielleicht auch langweilig, aber der Film macht ziemlich viel draus. Man legt dabei den Fokus voll auf den musikalischen Aspekt, was zur Folge hat, daß dieser Tonfilm keine Dialoge oder sonstigen Text enthält. Außerdem versteht man es, den Charme dieser Krabbelwelt detailliert und mit vielen Zwischentöne versehen einzufangen. Eine Welt, deren Horizont nicht weiter reicht als bis zum nächsten Löwenzahnstrunk und deren Himmel eingefasst wird vom Dach der Winden.
Das geschäftige Treiben wird von einem Eingangschor mit einem munteren Wanderlied begleitet, bis sich aus dem allgemeinen Getümmel eine kleine Figur hervortut, Ari-chan (der einzige Charakter mit Eigennamen), der frohgemut sich zum Spielplatz aufmacht, einem miniaturisierten Insektenkinderspielplatz, wo er die scheinbar herrenlose* Violine entdeckt.
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Alle Reviews auf MAL schrecken nicht davor zurück, das Wort "gestohlen" resp. "Diebstahl" in den Mund zu nehmen. Da möchte ich entschieden widersprechen.
Begeistert über diesen Fund macht er sich mit dem Instrument davon, ohne recht zu wissen, was man damit anfangen könnte. Hier beginnt nun der große Mittelteil, der allerlei Genreszenen abbildet und der illustriert, wie es der kleinen Ameise ("ari" = "Ameise") und ihrem Fund ergeht und was am Schluss die Läuterung auslöst. Wie bereits erwähnt, geht es um Musik, und daher ist im folgenden viel Pizzicato und anderes Gezupftes zu hören. Auch himmlische Harfentöne, die der engelgleiche Schmetterling dem Instrument entlockt. Und auch die anderen Wiesenbewohner versuchen sich an dem Instrument, in allen möglichen Stilrichtungen. Einer roher und brutaler als der andere. Von Feinfühligkeit keine Spur. Das geht naturgemäß nicht lange gut, und als Ari-chan dem Orchester mit den fidelen Heuschrecken begegnet und dabei erkennt, zu welch mächtigen Klängen dieses Instrument fähig ist und wie wenig er diesem gewachsen ist, reift allmählich die Erkenntnis, welchen Wert er da in Händen hält und wie unglücklich der Besitzer über den Verlust sein muss. Und daß er unbedingt alles dafür tun muss, um diesen Schatz unbeschadet wieder zurückzubringen.
Dieser kleine Film schafft das Kunststück, solche Gedankengänge in jeder Einzelheit dem Zuschauer vor Augen zu führen, und zwar ohne dabei ins Moralische oder Pädagogische abzugleiten. Das liegt auch an der klugen Regie, die sich nicht aufdrängt und die das Offensichtliche vermeidet. Indem sie einige entscheidende Szenen nicht zeigt, überlässt sie dies der Imagination des Zuschauers. Das verrät schon gutes Gespür für wirkungsvolle Dramaturgie. Andererseits irritieren einige relativ harte Übergänge, wo man sich harmonischere Szenenwechsel gewünscht hätte, aber dafür darf man sich zum Ausgleich an einer sauberen Bild-Ton-Synchronisation freuen.
Der Stil der Animation liegt irgendwo zwischen Disney und Tezuka, besonders was den verschmitzten Humor des berühmten Mangaka betrifft. Zudem gelingt es recht überzeugend, die Graswelt der kleinen Insekten darzustellen. Vor allem beim Versuch, Tiefenwirkung zu erzielen, sowie überhaupt bei vielen Details wie z.B. den absolut realistischen Schattenwürfen.
Am Ende aber steht das Hochgefühl der guten Tat, und die Szene schließt den Kreis zurück zum Anfang.
Beitrag wurde zuletzt am 13.11.2023 02:49 geändert.

Ari-chan 


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