Crunchyroll hat uns letztes Jahr auf die AnimagiC eingeladen, um exklusive Einblicke in die japanische Anime-Branche zu gewähren. Dabei richten wir unser Spotlight auf den kommenden Film von „Miss Kobayashi’s Dragon Maid“ und treffen Tatsuya Ishihara, den Regisseur, und Masashi Nishikawa, den Produzenten des Animes. Viel Vergnügen mit dem Interview!
Im folgenden Interview teilen Tatsuya Ishihara und Masashi Nishikawa ihre Gedanken und Erfahrungen zum kommenden Film von „Miss Kobayashi’s Dragon Maid“. Wir beginnen mit der ersten Frage:
Frage 1: Wie lange hat die Produktion des Films gedauert?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Die Gesamtproduktion dauerte etwa zweieinhalb bis drei Jahre, mit einer kurzen Pause von rund einem halben Jahr.
Frage 2: Wie fühlt es sich an, wieder in den geliebten Menschen-Drachen-Haushalt zurückzukehren?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Ich habe eine große Vorliebe für Welten mit Drachen, daher war es mir eine besondere Freude, erneut in dieses Umfeld einzutauchen.
Masashi Nishikawa (Produzent): Meine Vorfreude war vermutlich sogar größer als die der Fans, und ich war sehr glücklich, das fertige Ergebnis zu sehen.
Frage 3: Im Anime beschwerte sich Miss Kobayashi einmal über zu enge Fristen. Waren diese Fristen auch dieses Mal eine Herausforderung?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Ich liebe Animation, aber Deadlines sind stets eine Belastung. Auch diesmal stellten sie eine Herausforderung dar.
Masashi Nishikawa (Produzent): Deadlines sind notwendig, um die Produktion abzuschließen. Als Produzent sehe ich mich in der Verantwortung, dass diese Deadlines eingehalten werden. Obwohl es stressig und anstrengend sein kann, ist eine klare Deadline wichtig, da ohne Zeitlimit die Gefahr besteht, dass man nie fertig wird. Gleichzeitig gab es den Wunsch nach etwas mehr Zeit, was ein gewisses Spannungsfeld schafft. Dennoch sorgt die Deadline dafür, dass sich alle auf den Termin konzentrieren und ihr Bestes geben, damit ein gutes Ergebnis entsteht.
Frage 4: Wäre die Reise zur AnimagiC auf Tohrus Rücken angenehmer gewesen als mit dem Flugzeug zu fliegen?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Tohru wäre wahrscheinlich schneller gewesen, aber ich mag Flugzeuge ebenfalls sehr gerne, weshalb die Entscheidung nicht einfach ist. Dennoch wäre es sicherlich interessant, einmal auf einem Drachen zu reiten.
Masashi Nishikawa (Produzent): Ich bevorzuge den Komfort und den Service eines Flugzeugs, den ein Drache nicht bieten kann. Außerdem gibt es keinen Kabinenservice auf einem Drachen, was für mich ein wichtiger Faktor ist.
Frage 5: Welche Sequenz im Film war für Sie persönlich am schwierigsten zu inszenieren, und wie sind Sie diese Herausforderung angegangen?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Szenen mit vielen Drachen waren besonders anspruchsvoll, da auf den Bildern sehr viel los war und sie sehr detailreich gezeichnet werden mussten. Wir waren nicht besonders einfallsreich, sondern mussten einfach viel zeichnen und arbeiten, um diese Herausforderung zu meistern.
Masashi Nishikawa (Produzent): Ich bin sehr dankbar für den unermüdlichen Einsatz aller Mitarbeiter, die ihr Herzblut in die Arbeit gesteckt und trotz der Anstrengungen nicht aufgegeben haben.
Frage 6: Auf welche visuellen Details oder kleinen Easter Eggs im Film sind Sie besonders stolz und warum?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Ich habe viele kleine Details eingebaut, kann aber spontan keines hervorheben.
Masashi Nishikawa (Produzent): Fans des Mangaka könnten einige subtile Anspielungen entdecken.
Frage 7: Konnten Sie Techniken im Spielfilm anwenden, die zu Beginn der Serie nicht verfügbar waren?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Es gab keine bedeutenden technischen Neuerungen; wir arbeiteten mit bewährten Methoden.
Frage 8: Kanna scheint seitdem ein wenig gewachsen zu sein. Haben sich die anderen Charaktere auch weiterentwickelt?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Tohru geht sehr viel in sich, reflektiert intensiv und überlegt, ob sie Kobayashi weiterhin beschützen kann. Kobayashi selbst mischt sich mutig in Kämpfe mit Drachen ein und entwickelt sich ebenfalls weiter. Aus meiner Sicht hat sich Kannas Vater persönlich am meisten weiterentwickelt – ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für die Drachen.
Frage 9: Haben Sie mit der Arbeit an dem nächsten, vermutlich noch geheimen Projekt begonnen?
Masashi Nishikawa (Produzent): Wir arbeiten an neuen Projekten, können aber noch keine Details preisgeben.
Frage 10: Gab es bestimmte Szenen oder emotionale Sounds, die besonders herausfordernd oder bedeutungsvoll zu inszenieren waren?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Der emotionale Höhepunkt des Films ist eine Szene, in der Kanna ihre Gefühle in einem intensiven Ausbruch offenbart. Diese Szene ist technisch besonders anspruchsvoll, da sie feine, detailreiche Zeichnungen erfordert, die nicht maschinell, sondern menschlich präzise umgesetzt werden. Diese emotionale Darstellung ist sehr gelungen und soll die Zuschauer tief berühren.
Frage 11: Was waren einige der wichtigsten Produktionsherausforderungen, um Dragon Maid auf die große Leinwand zu bringen?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Die 90-minütige Filmlänge stellte eine besondere Herausforderung dar, da wir sicherstellen wollten, dass keine Langeweile aufkommt. Anders als bei einer Serienepisode mit etwa 30 Minuten Länge erfordert ein Kinofilm eine andere Erzählweise, um das Publikum durchgehend zu fesseln.
Masashi Nishikawa (Produzent): Deshalb haben wir die Einführung möglichst kompakt gehalten und darauf geachtet, frühzeitig spannende Elemente wie Actionszenen einzubauen. So wollten wir eine dynamische Erzählweise schaffen, die das Interesse der Zuschauer konstant hochhält und sie sofort in die Geschichte zieht.
Frage 12: Wie hat die Zusammenarbeit mit dem Team von Kyoto Animation Ihre kreativen Entscheidungen während der Produktion beeinflusst?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Trotz langer Zusammenarbeit gab es gelegentlich Verständigungsprobleme, deren Überwindung unser Verständnis vertieft hat.
Masashi Nishikawa (Produzent): Viele Ideen stammen aus dem Team, und die Umsetzung verändert sich durch die Zusammenarbeit.
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Viele Meinungsverschiedenheiten gab es in der Produktion und oft flossen Ideen anderer Teammitglieder ein. Ich fertige immer eine grobe Zeichnung an, wie etwas aussehen soll, aber die tatsächliche Umsetzung weicht meist ab und wird durch viele Einflüsse anderer geprägt. Wenn etwas unverständlich ist, wird es verständlicher gemacht – das ist der Vorteil der Teamarbeit und der vielfältigen Einflüsse.
Frage 13: Dragon Maid verbindet eine unbeschwerte Komödie mit tieferen Themen wie Familie, Identität und Zugehörigkeit. Wie trifft man den richtigen Ton, ohne Herz oder Humor zu verlieren?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Ich schätze Werke, die Humor und Tiefe verbinden. Diese Balance strebe ich stets an. Dabei möchte ich betonen, dass Comedy nicht nur lustig sein sollte, sondern auch Tiefgang braucht. Persönlich bevorzuge ich Filme, die beides vereinen, wie „Little Big Man“ als Beispiel, der als Komödie schwierige Themen wie das Leben der Native Americans behandelt. Diese ausgewogene Mischung aus komischen Elementen und Tiefgang ist das Ziel, das ich in meinen eigenen Werken, wie „Clannad“, anstrebe und weiterverfolge.
Frage 14: Wenn man auf den Produktionsprozess zurückblickt, gab es einen Moment, der auffällt – etwas besonders Herausforderndes, Emotionales oder sogar Lustiges?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Die Produktion war oft angespannt und meine groben Zeichnungen führten manchmal zu Beschwerden.
Masashi Nishikawa (Produzent): Für Recherchen suchten wir einen „ausländisch wirkenden“ Wald in Japan, da wir kein Budget hatten, ins Ausland zu reisen. Wir fanden eine Region nahe Yamanashi namens Fuji no Jukai (dt. Fuji-Baummeer), die exotisch genug erschien. Allerdings waren dort Braunbären unterwegs, weshalb ich den Regisseur mithilfe eines YouTube-Videos von Glocken, die Bären vertreiben, schützen musste, da wir keine echte Glocke hatten. So konnte ich ihn sicher wieder nach Hause bringen – das ist die Geschichte dazu.
Frage 15: Was ist dein Lieblingszitat eines Charakters aus der Serie?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Shouta beschreibt den Sinn des Lebens als das Ansammeln von Taten, sodass Menschen am Ende ihres Lebens zufrieden auf das zurückblicken können, was sie erreicht haben. Dieses Zitat mag ich sehr. Masashi Nishikawa (Produzent): Ein weiteres zentrales Thema des Films ist, dass es bei den Drachen keine elterliche oder familiäre Liebe gab, eine Emotion, die erst im Film thematisiert wird. Ich habe mich intensiv mit der Eltern-Kind-Beziehung und menschlicher Liebe beschäftigt. Die Entwicklung dieser Gefühle ist eine große Frage, die mich immer wieder beschäftigt hat. Eine besonders wichtige Szene im Film zeigt Kanna, die zu ihrem Vater sagt: „Lob mich.“ Als Vater einer kleinen Tochter berührt mich diese Szene sehr, denn dieses eine Wort macht den Vater zum großen Antagonisten des Films. Diese Szene ist auch im Trailer zu sehen und stellt einen emotionalen Höhepunkt dar.
Frage 16: Was unterscheidet Ihrer Erfahrung nach Kyoto Animation von anderen Studios?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Bei Kyoto Animation ist es sehr speziell, dass alle Abteilungen, die am Schaffensprozess beteiligt sind, mehr oder weniger am gleichen Ort in Uji arbeiten. Obwohl es mehrere Gebäude gibt, sind wir räumlich nah beieinander, was die Zusammenarbeit erleichtert. Im Vergleich dazu sind bei anderen Studios wie Toei die Abteilungen zwar auch oft am gleichen Ort, aber es gibt häufiger Outsourcing und räumliche Trennung.
Masashi Nishikawa (Produzent): Obwohl es heutzutage theoretisch möglich wäre, im Homeoffice zu arbeiten, verzichten wir bewusst darauf. Wir legen großen Wert darauf, dass sich alle persönlich treffen, sich ins Gesicht schauen und direkt miteinander sprechen. Das fördert den Austausch und die Zusammenarbeit enorm. Als Produzent bin ich normalerweise eher außerhalb angesiedelt, aber bei uns sind wir als Unternehmen eng verbunden. Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten, aber ich sehe meine Aufgabe darin, die Wünsche des Regisseurs und der Kreativen bestmöglich umzusetzen.
Frage 17: Wenn Sie eine Sache an der Anime-Industrie als Ganzes ändern könnten, was wäre das?
Tatsuya Ishihara (Regisseur): Wenn man nicht über die bereits besprochenen großen Projekte spricht, wäre es wünschenswert, dass die Kreativen ein höheres Einkommen erzielen könnten. Das würde es ermöglichen, nicht nur große, populäre Titel umzusetzen, sondern auch kleinere Projekte zu realisieren, die von einer entsprechenden Community aufgenommen werden könnten. Natürlich ist das Wunschdenken, aber es gibt einige sehr treue Fans, die solche Projekte unterstützen würden. Letztlich muss alles finanziert werden. Die Anime-Industrie entsteht oft aus der Motivation heraus, etwas schaffen zu wollen – und nicht nur aus kommerziellen Überlegungen.
Masashi Nishikawa (Produzent): Mehr Budget und die Möglichkeit, auch kleinere Projekte umzusetzen, wären wünschenswert. Dabei steht die Kreativität der Schöpfer im Vordergrund, nicht nur der kommerzielle Erfolg. Trotz der aktuellen Gegebenheiten ist bei uns der Ausgangspunkt immer, was die Kreativen schaffen wollen, und darauf bauen wir auf. Das unterscheidet uns auch von anderen Studios.
aniSearch bedankt sich herzlich bei Tatsuya Ishihara und Masashi Nishikawa für das ausführliche Interview sowie bei Crunchyroll für die Möglichkeit, spannende Einblicke in die Welt von „Miss Kobayashi’s Dragon Maid“ zu erhalten. Wir freuen uns auf weitere Projekte und wünschen viel Erfolg!
Crunchyroll zeigt den Film „Miss Kobayashi’s Dragon Maid: Ein einsamer Drache sehnt sich nach Liebe“ am 31. März deutschlandweit im Kino.
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