Anime in Deutschland – Jahresbilanz 2019

Neuigkeiten rund um Animationsfilme und -serien aus Fernost.

Anime in Deutschland – Jahresbilanz 2019

Das Jahr 2019 ist zu Ende – Grund genug, auf die wichtigsten Ereignisse auf dem deutschen Anime-Markt zurückzublicken und Entwicklungen zu beleuchten.

Große Geschäfte

Rückblickend wird 2019 wohl das Jahr der ganz großen Geschäfte sein: Zum Jahresanfang lizenzierte KSM auf einen Schlag gleich zwölf Serien von Crunchyroll; Kazé schlug etwas später sogar bei 27 Titeln des Streaming-Anbieters zu.
In der zweiten Jahreshälfte wurde beides jedoch noch getoppt: Die Koch Gruppe, die schon im italienischen Anime-Geschäft tätig ist und in Deutschland zahlreiche Anime-Games vertreibt, hat gleich die komplette Firma KSM gekauft. Wenige Wochen später erwarb Crunchyroll eine Mehrheitsbeteiligung an VIZ Europe (und damit auch an Kazé). Welche konkreten Auswirkungen diese Deals haben werden, wird wohl erst die Zukunft zeigen müssen.

Auffällig ist zudem, dass die Sony-Gruppe international ihren Einfluss ausweitet: So hat Sony Music die Anime-Sparte des größten australischen Publishers Madman übernommen, während der zu Sony Television gehörende Publisher FUNimation den umsatzstarken britischen Publisher Manga Entertainment übernommen hat. Zusätzlich arbeiten innerhalb der Firmengruppe FUNimation und Wakanim seit kurzem zusammen.

Gesamtausgaben, Sammelschuber und Volumes

Während die Zahl der veröffentlichten Produkte nur geringfügig gestiegen ist, zeigen sich in einigen Teilbereichen deutliche Trends: Sowohl die Zahl der Gesamtausgaben (ab vier Stunden Laufzeit) als auch die der mit einzelnen Volumes veröffentlichten Sammelschuber sind um mehr als 40 % gestiegen. Dabei sind jene Sammelschuber, die nur als Exklusivprodukt in einzelnen Shops erhältlich sind, noch gar nicht berüchtigt – ebenso solche, die Teil einer Gesamtausgabe waren.

Neben dem verstärkten Trend zu Gesamtausgaben (die rund 13 % aller im Jahr 2019 veröffentlichten Produkte ausmachen) hat sich bei mehreren Publishern auch die Anzahl der Episoden pro Volume erhöht: Sechs oder sieben Folgen pro Volume sind keine Seltenheit mehr, lange Fighting-Shounen wie „Fairy Tail“ oder „Bleach“ kommen (auch ohne TV-Partner) auf über 20. Der Trend zu mehr Episoden pro Volume (und Staffelboxen) ist auch in Japan zu beobachten, wobei dort wie auch hier der Preis vom Umfang abhängig ist. Einzelne Titel, gerade bei kleineren Publishern, wurden in Deutschland jedoch auf mehr Einzelvolumes als in Japan aufgeteilt.

Streaming-Highlights auf Disc

Seit dem Beginn des Simulcast-Zeitalters haben viele Publisher in Deutschland ihre Titel schon vor der Veröffentlichung auf einer eigenen oder befreundeten Plattform als Stream angeboten. Die großen Streaming-Firmen Amazon, Crunchyroll und Netflix haben ihre Exklusivtitel hingegen unabhängig von den deutschen Disc-Publishern eingekauft.
Während 2018 lediglich vier Titel den Sprung von den oben benannten Streaming-Diensten ins Sammler-Regal geschafft haben, waren es 2019 satte 28 Anime – davon entfielen 19 Titel auf Sublizenzierungen des Crunchyroll-Katalogs. Während die Publisher für zehn Titel, die schon von Crunchyroll oder Netflix produzierte deutsche Synchronfassung übernehmen konnten, bekamen die meisten Titel erst durch die Disc-Veröffentlichung eine deutsche Vertonung spendiert. Dieser Trend wird sich 2020 zweifellos fortsetzen, denn zahlreiche bereits angekündigte Lizenzen warten noch auf die Produktion.

Blu-ray? Selbstverständlich!

Während der Abschied von der VHS innerhalb weniger Jahre vollzogen wurde, leben DVD und Blu-ray seit inzwischen zwölf Jahren in Deutschland friedlich nebeneinander. Wie auch schon in den vergangenen Jahren erscheinen fast alle Titel in beiden Formaten – unter den Ausnahmen finden sich nur noch zwei Kassenschlager: die TV-Boxen von „One Piece“ und „Detektiv Conan“. Einziger relevanter Neustart gegen den Trend waren die neuen Folgen von „Shin-chan“, bei denen Polyband auf Blu-rays verzichtet hat.
Sammlerausgaben mit besonderer Ausstattung erscheinen zunehmend nur noch auf Blu-ray, wobei parallel Standardausgaben für beide Formate veröffentlicht werden. Bei Anime, die in Sonderverpackungen aus Metall, Digipaks oder als Mediabooks veröffentlicht werden, nutzen die Publisher zunehmend für beide Formate identische Verpackungen um die Kosten zu optimieren (und kennzeichnen z. B. durch Einleger oder Aufkleber die Version). Obwohl der Anteil der Blu-rays an den Verkaufszahlen steigt, sind im Gegensatz zum Vorjahr („Kiznaiver“) alle Neuheiten auch auf DVD erschienen.

Mit „Solty Rei“ erschien dieses Jahr der erste Anime in Deutschland, der als SD on Blu-ray beworben wurde. Diese platzsparenden Veröffentlichungen bieten teils komplette Staffeln oder Serien in DVD-Qualität auf einer einzelnen Blu-ray-Disc und können für Titel, die keine HD-Master besitzen, eine Alternative darstellen.

Deutsche Synchro? Auf Disc selbstverständlich!

Zugegeben: Veröffentlichungen ohne eine deutsche Vertonung sind schon seit vielen Jahren eine Ausnahme, doch im Gegensatz zum Vorjahr waren alle Anime-Veröffentlichungen von in Deutschland ansässigen Publishern in diesem Jahr synchronisiert – von vereinzelten Bonusfolgen mal abgesehen. In keinem anderen Land in Europa werden auch nur annähernd so viele Anime vertont wie in Deutschland; trotz hohen fünfstelligen Kosten pro Staffel.
Überrascht hat hingegen die Entscheidung von Netflix, für die deutschen Stream-Premieren von „A Certain Magical Index“ und „A Certain Scientific Railgun“ trotz der großen Beliebtheit auf eine Synchro zu verzichten. Auch „Cardcaptor Sakura“ ging ohne deutsche Vertonung online.

Großes Kino

Das Anime-Kino-Jahr 2019 wurde vor allem durch die neusten Ableger alter RTL2-Hits geprägt: „Dragonball Super: Broly“ erreichte allein bei den OmU-Vorstellungen sechsstellige Besucherzahlen und auch „One Piece: Stampede“ und „Detektiv Conan“ sorgten vielerorts für volle Säle. Mit Titeln wie „Mirai“, „Maquia“, „Penguin Highway“ und „Human Lost“ schafften aber auch mehrere eigenständige Filme ein Debüt auf der großen Leinwand. Auch wenn längst nicht alle Filme zum Erfolg wurden, sind doch die zahlreichen Ankündigungen für den kommenden Winter ein Zeichen dafür, dass die Kino-Events von den meisten Beteiligten gut angenommen werden.

Die erfolgreichsten Titel des Jahres

Angesichts von über 100.000 Besuchern im Kino dürfte die Frage leicht zu beantworten sein: „Dragonball Super: Broly“ ist nicht nur der erfolgreichste Anime des Jahres bei Kazé, sondern dürfte auch im Gesamtmarkt unangefochten sein. Auch bei KSM und Peppermint Anime dominierten Fortsetzungen bekannter Franchises die Verkäufe: „Overlord II“ und „Sword Art Online: Alicization[1].

Geht man nach den (nicht repräsentativen) aniSearch-Statistiken, waren jedoch andere Titel erfolgreich:

Oldies but Goldies?

Die stetig steigende Menge an Veröffentlichungen in Deutschland speist sich im Moment nicht nur aus den neusten Titeln aus Japan. Die Publisher werfen auch einen Blick auf jene Titel, die vor einigen Jahren – zum Teil aus wirtschaftlichen Gründen – nicht den Sprung nach Deutschland geschafft haben. Dazu zählen nicht nur fast endlos lange Serien wie „Hunter × Hunter“ und „Fairy Tail“, die schon vor einigen Jahren begonnen wurden, sondern auch Neustarts: „Angeloid“, „B Gata H Kei“, „Date a Live“, „Familiar of Zero“, „Is This a Zombie?“, „Rainbow“, „So I can’t play H“ und „Spice and Wolf“. Zum Vergleich: 2018 haben sich die Publisher nur an vier neue, alte Franchises gewagt („Higurashi“, „Mirai Nikki“, „Star Blazers 2199“ und „Usagi Drop“).
Keineswegs vergessen sollte man an dieser Stelle jedoch, dass auch dieses Jahr wieder einige schon lange auf DVD verfügbare Klassiker endlich das von Fans ersehnte Blu-ray-Upgrade bekommen haben. Der lange vergriffene Klassiker „Evangelion“ feierte zudem im Sommer sein Streaming-Debüt mit einer heiß diskutierten Neuvertonung.

Der physische Markt in Deutschland:

Während die Verkaufszahlen und Umsätze Geschäftsgeheimnisse der Publisher bleiben, lässt sich die Entwicklung des Marktes zumindest an der Menge der in Deutschland auf DVD und Blu-ray veröffentlichten Anime visualisieren:
Diagramm 1
Ohne Neuauflagen, Remaster und Hentai.[2]

Der Veröffentlichungs-Rekord des Vorjahres wurde 2019 um mehr als 10 % übertroffen – und kratzt nun an der Marke von 500 Stunden. Nicht nur der Marktführer Kazé, sondern auch Peppermint, Universum und Animoon haben mehr Neuheiten in den Handel gebracht als jemals zuvor. Doch ob das Jahr 2019 für die deutschen Publisher ein erfolgreiches war, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn neben erfolgreichen Titeln gab es auch Flops zu verzeichnen, bei denen zweifelhaft ist ob sie ihre Kosten je wieder einspielen werden.

Der Streaming-Markt in Deutschland:

Der in der obigen Grafik nicht berücksichtigte Streaming-Markt hat sich in den letzten Jahren explosionsartig entwickelt. Simulcasts, also die fast zeitgleiche Veröffentlichung in Japan und Deutschland, gibt es regelmäßig erst seit 2013. Konkrete Zahlen dazu hüten jedoch die am Markt dominierenden Firmen als Geschäftsgeheimnisse.
In naher Zukunft könnte sich jedoch ausgerechnet der Nachschub aus Japan als bremsender Faktor herausstellen, denn 2019 wurden deutlich weniger Serien produziert als noch im Vorjahr. Auch bei Netflix nahm die Menge der selbst in Auftrag gegebenen Anime-Synchros geringfügig ab, allerdings konnte sich der Streaming-Gigant die Rechte an einigen hochkarätigen Titeln sichern, deren deutsche Blu-rays inzwischen ausverkauft sind: „Angel Beats“, „Madoka Magica“ und „Black Lagoon“.
Anime on Demand baute in diesem Jahr vor allem das Angebot an deutschen Tonfassungen deutlich aus, ohne jedoch die Simulcasts zu vernachlässigen. Ähnlich sieht es bei Crunchyroll aus, wobei dort die Simulcasts weiterhin mit Abstand die wichtigste Programmsäule bleiben. Wakanim nutzte im Herbst die Möglichkeit, durch die Partnerschaft mit FUNimation sein Angebot deutlich auszubauen.

Quellen

[1]: eigene Angaben der Publisher
[2]: eigene Recherchen, z. T. basierend auf Amazon – alle Zahlen Laufzeit in Stunden ohne Archiv-, TV- und Netflix-Synchronisationen, Remaster und Neuauflagen, Hentai und OmU-Veröffentlichungen. Bei Simuldubs und Kinostarts wurde der Zeitpunkt der DVD-/Blu-ray-Veröffentlichung gewertet. Nur Titel aus Japan.
Die Ausschlusskriterien wurden gewählt, um eine Verzerrung der Statistik zu vermeiden und gleichzeitig eine möglichst nachprüfbare und vergleichbare Datenlage zu schaffen.
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Avatar: RocketsSnorlax
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Themenstarter#1
Bislang haben nur sehr wenige aniSearch-Nutzer ihre Merchandise-Sammlung im Profil hinterlegt. Dabei ist das ganz einfach, egal ob über die Merchandise-Suche oder über die Seiten der Anime bzw. Mangas. Ich würde mich freuen, wenn dieses Feature stärker genutzt würde und wir vielleicht etwas aussagekräftigere Bilanzen ziehen können.
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Avatar: Kigeki#2
RocketsSnorlaxBislang haben nur sehr wenige aniSearch-Nutzer ihre Merchandise-Sammlung im Profil hinterlegt. Dabei ist das ganz einfach, egal ob über die Merchandise-Suche oder über die Seiten der Anime bzw. Mangas. Ich würde mich freuen, wenn dieses Feature stärker genutzt würde und wir vielleicht etwas aussagekräftigere Bilanzen ziehen können.
Oha, ich bin ja tatsächlich einer der einzigen der das tut, jedenfalls wenn ich mir so anschaue wieviele es bei z.B. Goblin Slayer eingetragen haben. Nur ich und 9 weitere bei der Bluray Fassung Vol. 1. Bei manchen Veröffentlichungen bin ich sogar der einzige der es eingetragen hat. Dabei geht das eigentlich recht schnell und einfach
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Avatar: Der-S
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#3
Mal wieder eine aufschlussreiche Jahresbilanz. Danke dafür. Und bis eben gerade habe ich hier bei aniSearch eigentlich immer einen großen Bogen um die Rubrik Merchandise gemacht, weil ich mir darunter etwas anderes als DVDs und BDs vorgestellt habe. Deshalb kenne ich dieses Feature auch gar nicht, die DVD/BD-Sammlung unter Merchandise hinterlegen zu können. Werde ich nun für mein Profil die Tage mal ausbessern.
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Avatar: Star Soldier#4
Hmm, sieht doch mal ganz gut aus. Anime kommt stärker in D.
Sogar besser als in USA/UK in manchen Bereichen. Ich warte immer noch auf eine US Ausgabe von SAO:Alication oder GP: Das Finale, die hier schon verkauft werden.

Wie meinst du eigentlich, das mit der Sammlung im Profil ?
Wenn ich auf den Link gehe komme ich auf die Seite die mich zu Amazon verlinkt aber ich sehe keine Eintragungsmöglichkeiten.
Beitrag wurde zuletzt am 09.01.2020 um 13:23 geändert.
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Avatar: RETROBOTER#5
Gut so, immer weiter vor! Der Deutsche muss Anime/Manga mehr schätzen statt Assi Tv!
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Anime
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Anime, Jahresbilanz, 2019
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