Deutsche Simulcasts im Wandel der Zeit: Eine kurze Chronik

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Deutsche Simulcasts im Wandel der Zeit: Eine kurze Chronik

Mehr als vier Jahre hat es gedauert, bis nach dem Durchbruch von Crunchyroll in den USA der erste deutschsprachige Anime-Simulcast eines hiesigen Anbieters startete. Das war im April 2013 – heute, etwas über vier Jahre später, sind diese Simulcasts für viele Fans und auch Publisher nicht mehr wegzudenken.

Rückblick:

Den Anfang machte Japan: Im Herbst 2011 startete auf NicovideoFate/Zero“ mit einer ziemlich holprigen Übersetzung, wenig später ging auch „Black Rock Shooter“ dort auf Sendung, bevor der Nachschub für deutsche Fans wieder versiegte.
Erst im April 2013 folgte dann endlich der erste legale Simulcast eines deutschen Anbieters: peppermintsValvrave the Liberator“. Natürlich lief auch bei dieser Premiere nicht alles glatt: Zwar gab es immerhin HD-Auflösung (720p), doch die Qualität ließ zunächst trotzdem zu wünschen übrig. Technisch lief das Ganze über das Videoportal Vimeo.com.
Der nächste Titel startete dann erst eine Season später: „Silver Spoon“, wieder von peppermint. Das war zugleich auch der erste kostenfrei verfügbare Simulcast – zumindest wenn man das kurze dafür vorgesehene Zeitfenster auf Myvideo nicht verpasst hat. Für Myvideo blieb es jedoch der letzte Simulcast zwischen vielen aus dem TV oder DVD-Veröffentlichungen bekannten Titeln.

Größer wurde die Auswahl dann erst im folgenden Herbst mit immerhin drei Titeln: „Samurai Flamenco“, „Kill la Kill“ und „Valvrave the Liberator 2“. Während mit Daisuki der erste ausländische Anbieter ebenfalls in Deutschland Fuß fasste (ebenfalls „Kill la Kill“) wurde die Ankündigung des französischen Anbieters Wakanim, nach Deutschland zu expandieren, erst vier Jahre später realisiert.
Mit einiger Verspätung hat schließlich auch Crunchyroll begonnen, kurz vor Ende des Jahres bei ersten Titeln deutsche Untertitel nachzureichen – bis zum offiziellen Start der deutschsprachigen Website hat man sich letztlich aber noch bis April 2014 Zeit gelassen.

Der Januar 2014 brachte dann weitere Anbieter: Kazé & Anime on Demand starteten gemeinsam mit drei Titeln. Clipfish hingegen hat sich nur den Horror-Short „Pupa“ gesichert und mit Nipponart zusammengearbeitet. Zusammen mit Crunchyroll, peppermint und Daisuki gab es damit Anfang 2014 eine Auswahl, die wenige Monate zuvor noch völlig undenkbar war.
Ab dem Sommer desselben Jahres versuchte sich auch der Pay-TV-Sender Animax (wenn auch mit einigen Tagen Verzögerung) an einem ersten Simulcast und Toei ließ „Sailor Moon Crystal“ auf dem japanischen Videoportal Nicovideo auch mit deutschen Untertiteln streamen. Später startete dann auch der Schweizer Anbieter Viewster mit ersten Simulcasts auf Deutsch.

Während alle bisher genannten Firmen und Plattformen versucht haben, den Fans innerhalb von Stunden oder schlimmstenfalls wenigen Tagen die neusten Episoden aus Japan zu bringen, hat der im September 2014 in Deutschland gestartete Anbieter Netflix eine andere Strategie umgesetzt: Veröffentlichung als Staffelpaket nach der Ausstrahlung; je nach Serie entweder nur untertitelt direkt einige Tage nach Ende der Ausstrahlung in Japan oder zusätzlich synchronisiert und mit einigen Wochen Verzögerung.
Zuletzt hat sich 2016 auch noch Amazon eingemischt und sich einige hochkarätige Serien exklusiv für seinen Videodienst geschnappt.

Gegenwart:

Viele Hindernisse der Anfangszeit, egal ob technischer oder organisatorischer Natur, sind inzwischen überwunden und die Anbieter haben sich deutlich weiterentwickelt: Sei es durch die Einführung von optionalen Flatrates statt Zwang zum recht teuren Einzelerwerb, technische Optimierung oder durch die Bündelung von Titeln verschiedener Anbieter auf gemeinsamen Plattformen. Die Zusammenarbeit macht dabei auch an Grenzen nicht immer halt, was z. B. an der „Crunchymation“-Partnerschaft oder an peppermints Simulcast-Plattform Akibapass deutlich wird, die auf Wakanim.tv basiert.
Unterm Strich hat der Nutzer in Deutschland heute eine Auswahl von rund 50 Animes pro Season und damit mehr als in vielen anderen Ländern.

Aber was bedeutet diese neue Welt für die Publisher?
Die Produzenten und Lizenzgeber in Japan und anderswo haben längst bemerkt, dass man mit Simulcasts auch Geld verdienen kann. Entsprechend werden die dadurch erhofften Erlöse auch in die Lizenzforderungen eingepreist – oder gesondert berechnet. Eine Simulcast-Lizenz kann mitunter auch deutlich teurer sein, als die zugehörige Disc-Lizenz. Durch die frühere Lizenzierung – meist noch weit vor Fertigstellung der Serie – müssen die deutschen Publisher höhere Risiken eingehen, denn ob die Serie ein Flop oder ein Erfolg wird, zeigt sich meist erst später. Die zumeist fünfstellige Lizenzsumme für die Rechte an einer Staffel (z. B. 12 Folgen) ist jedoch schon im voraus fällig, obwohl die hierzulande oft (noch) lukrativeren DVDs und Blu-rays selten früher als 1 Jahr nach TV-Ausstrahlung veröffentlicht werden können. Ist die Serie erfolgreich, bekommt der Lizenzgeber zusätzlich noch einen vorher vereinbarten Anteil an den Umsätzen.
Die international agierenden Streaming-Anbieter, die sich nicht nur die Lizenzrechte für den deutschsprachigen Raum, sondern gleich für die halbe (oder ganze) Welt sichern, legen oft noch deutlich größere Summen auf den Tisch und haben damit auch eine andere Verhandlungsposition – wenn sie sich nicht sogar schon im Vorfeld direkt an der Produktion beteiligen.

Nicht immer rechnet sich das Ganze für den Anbieter, was nicht nur an der angekündigten Schließung von Daisuki und dem seit einem Jahr durch ausbleibende Neulizenzierungen stetig schrumpfenden Angebot von Viewster deutlich wird. Es überrascht auch nicht, dass manche Publisher die höheren Kosten und das zusätzliche Risiko grundsätzlich meiden und einige eigentlich interessante Serien letztendlich außen vor bleiben.

Schneidet eine Serie in der Gunst der Zuschauer schlecht ab, kann das auch den Weg für ein DVD- oder Blu-ray-Release verbauen. Denn selbst wenn die Lizenz schon bezahlt sein sollte, verursacht dessen Produktion noch zahlreiche weitere Kosten – allem voran die Synchronisation. Zwar könnte prinzipiell (sofern nicht vertraglich zugesichert) auch auf diese verzichtet werden, die Verkaufserlöse der wenigen OmU-DVDs/-BDs der letzten Jahre konnten die deutschen Publisher jedoch nicht nachhaltig von dieser Vertriebsform überzeugen.

Ausblick: Was wird die Zukunft bringen?

In Frankreich hat man sich im letzten Herbst bei „Drifters“ an einem Simuldub versucht, nachdem diese bei Funimation fast schon ein Standard sind. Ob ein Anime-Anbieter dieses Experiment irgendwann auch mal bei uns wagen wird?
Der wachsende Streaming-Markt wird wohl auch in Zukunft nicht nur neue Titel, sondern auch neue Anbieter hervorbringen, während der eine oder andere womöglich den Anschluss verlieren und verschwinden wird. Nicht jedes Angebot wird den Wünschen der Fans entsprechen und nicht jeder Titel wird den Sprung nach Deutschland schaffen.

Am Rande:

Der Artikel bezieht sich nur auf deutschsprachige Angebote. In Deutschland waren und sind auch unzählige legale englischsprachige Angebote nutzbar, zwischen mehr oder weniger angestaubten Klassikern und absurden Kuriositäten sind aktuelle Highlights jedoch nur sehr selten zu finden. Eine vollständige Übersicht darüber gibt es nirgends, aber in unserer Streaming-Sektion werden so viele wie möglich gesammelt.

Der Autor bittet mögliche Fehler im Bericht zu entschuldigen.
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Kommentare (3)

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Avatar: valoon#1

hach ja, ich erinnere mich noch sehr gut daran^^ Ich war Stolz darauf, beim ersten deutschen Simulcast damals mitzumachen und einr der leider wenigen Valvrave schauer zu sein. Für die Fansubszene war dies damals ziemlich neu und Valvrave war lizensiert, daher haben ihn viele Leute aus der deutschen Community nicht angeschaut was Schade war. Mit Gin no saji auf Myvideo war es für mich sogar schiwerig jede Woche rechtzeitig die folge zu schauen, aber dennoch eine lustige ZeitxD

Auch Samurai Flamenco fand ich ziemlich geil und Kill la Kill hab ich auch noch mitgemacht, danach war meiner Meinung nach der Start frei für Simulcasts in Deutschland :D Und dann kam endlich Crunchyroll^^

 

Das nächste auf das ich gespannt wäre, wären nun Simuldubs, das wäre der absolute Oberhammer...

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Avatar: Knightboat#2
Simuldubs wären zwar schön aber ich würde da doch lieber drauf verzichten. Die sind ja in der Regel aufwändiger und somit teurer, wenn ich mir aber die meisten Publisher so ansehe hält sich die Investitionsbereitschaft bei den normalen Synchros schon stark in Grenzen...

Aber ich denke die großen Player wie Netflix oder Amazon werden da sowieso den Anfang machen, haben ja anderweitig schon Erfahrungen mit Simuldubs gesammelt. Mit B: The Beginning erscheint schon Anfang 2018 ein Simuldub, nur nicht im wöchentlichen Rhythmus sondern alle Folgen gleichzeitig.
Beitrag wurde zuletzt am 30.08.2017 um 22:51 geändert.
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Avatar: Shiroiki
Datenbank-Helfer
#3
Danke für den schönen Text zum Thema Anime-Streaming und sofern ich erkennen kann ist dieser auch fehlerfrei. ^^

PS: Der Text hat mich kurz vergessen lassen warum ich gerade eigentlich auf aS online gekommen bin. 
Beitrag wurde zuletzt am 31.08.2017 um 00:24 geändert.
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Anime
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Anime
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