Ikigami: Der Todesbote (2005)

Ikigami: The Ultimate Limit / イキガミ The Ultimate Limit

Rezensionen – Ikigami: Der Todesbote

Hier findest Du sowohl kurze als auch umfangreichere Rezensionen zum Manga „Ikigami: Der Todesbote“. Dies ist kein Diskussionsthema! Jeder Beitrag im Thema muss eine für sich alleinstehende, selbst verfasste Rezension sein und muss inhaltlich mindestens die Kerngebiete Handlung und Charaktere sowie ein persönliches Fazit enthalten. Du kannst zu einer vorhandenen Rezension allerdings gern einen Kommentar hinterlassen.
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Avatar: ANS#1
Anspruch:viel
Action:mittel
Humor:wenig
Spannung:viel
Erotik:wenig
"Gesetz für Fortschritt und Wohlstand". So lautet der Name des neuen Gesetzes in Japan. Um die Moral der Jugendlichen zu steigern und ihnen den Wert ihres Daseins zu vermitteln, werden sie im Grundschulalter geimpft. Soweit alles in Ordnung, aber in jeder 1000. Spritze ist eine tödliche Nanokapsel deponiert, die das Opfer im Alter zwischen 18 und 24 tötet. Dabei sind die Betroffenen natürlich zufällig ausgewählt. 24 Stunden vor dem Tod des Opfers kommt ein Ikigami-Bote, um ihm seine Sterbeurkunde – den Ikigami – zu überbringen.

Ist es gerecht, einen für das Wohl vieler zu opfern? Darf die Regierung ihre Landsleute aufgrund eines Gesetzes ermorden? Besteht keine andere Möglichkeit? Auf solche Fragen wird man in diesem Manga früher oder später kommen, denn die Themen Individuum und Gesellschaft stehen hier im Mittelpunkt. Dabei gibt es zwei Arten von Stories: die Hauptstory und die Nebenhandlungen. Die zentrale Geschichte rund ums umstrittene Gesetz wird aus der Sicht des Todesboten Fujimoto erzählt, der sich natürlich auch zu fragen beginnt, ob das alles wirklich richtig sei.

Außerdem gibt's die Nebengeschichten der Menschen, die den Ikigami von Fujimoto erhalten und nur noch 24 Stunden zu leben haben. Was werden sie tun? Werden sie ein letztes Mal mit ihrer Familie zusammen sein? Oder möchten sie sich eventuell ein für alle mal an jemandem rächen? Die Leute sind verschieden und handeln nach dem Erhalten des Ikigamis logischerweise unterschiedlich, weshalb hier Abwechselung geboten ist.

Was tun, wenn man nur noch einen Tag zu leben hat? Dieses Thema wird hier gut in Szene gesetzt und übermittelt dank des nachvollziehbaren Handelns der Charaktere einen soliden Eindruck. Die vielen kleinen dramatischen Geschichten haben durchaus ihren Reiz. Der Erzählstil überzeugt ebenfalls in Sachen Realitätsnähe und Nachvollziehbarkeit. Man braucht hier weder übernatürliche Kräfte, noch irgendwelchen Fanservice: Es wird einfach richtig gut erzählt und zum Nachdenken angeregt.

Aber hier kommen wir auch schon zu der Schwäche des Manga: Diese Stories sind ja schön und gut, aber irgendwann reicht's auch mal. Ich möchte ja auch erfahren, was jetzt mit Fujimoto passiert und ob er sein Leben als Todesbote wie gewohnt fortführen wird oder vielleicht doch beschließt, gegen das Gesetz zu handeln, was eigentlich gar nicht mal so unrealistisch wäre. Aber nichts da: Der eigentlichen Hauptstory werden in einem Band durchschnittlich 10% aller Seiten geboten. Den Rest bilden die Nebengeschichten, was natürlich etwas irritiert. Es geht so verdammt träge voran, dass die netten Geschichten irgendwann auf den Geist gehen. Es muss einen Progress geben! Das Gesetz muss deutlich mehr Lesezeit bekommen, denn sonst wird "Ikigami" eintönig, was bei dem großen Potenzial sehr schade wäre.

Der Zeichenstil unterscheidet sich stark von anderen Manga, was nicht jedem gefallen dürfte. Die ganzen Zeichnungen sind deutlich näher an der Realität und weichen vom klassischen Mangastil ab. Natürlich ist das sehr passend zum Grundsetting, aber meinen Geschmack hat der Stil eher nicht getroffen. Logischerweise wird das Ganze dadurch noch viel individueller, aber ich hätte es lieber ganz klassisch gehabt. Naja, jedem das Seine.

Das alles ändert aber nichts daran, dass "Ikigami" ein anspruchsvoller gesellschaftskritischer Thriller ist, der sehr zum Nachdenken anregt. Ich hoffe natürlich auf etwas mehr Progress in der Hauptstory, aber auch so, wie er jetzt ist, überzeugt der Manga.
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Avatar: Luziferian#2
Bewertungsbasis: Band 1-6

Handlung
 
Japan in der nahen Zukunft. Um die Bevölkerung den Wert des Lebens zu Lehren und sie zu guten Bürgern zu erziehen führte die Regierung das Gesetz für Fortschritt und Wohlstand, kurz GFW, ein. Dieses Gesetz sieht vor, dass jedes Kind zur Einschulung eine spezielle Impfung erhält. Doch diese Impfung hat einen Haken: In jeder 1000sten Spritze befindet sich eine Kapsel, die den Träger zwischen seinem 18. Und 24. Lebensjahr töten wird. So sollen die Menschen dazu gebracht werden jeden Tag auszukosten und ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu werden da sie jederzeit sterben könnten. Natürlich gibt es auch gewisse Anreize sich diesem System zu beugen.
24 Stunden vor Eintreten des Todes erhalten die Betroffenen jungen Erwachsenen schließlich ihren Todesbescheid, den Ikigami. Dieser wird durch einen Vollzugsbeamten wie den jungen Fujimoto zugestellt. Dieser ist noch unerfahren und für die Betreuung der Betroffenen und ihrer Familien zuständig. Die Schicksale mit denen er bei seiner Arbeit konfrontiert wird lassen den jungen Mann am System zweifeln. Wissen darf dies jedoch niemand, denn sogenannte Geistesverbrecher werden hart bestraft…

 
Kurzreview
 
Eines vorweg: Man muss sich als westlicher Leser auf diese Manga-Reihe einlassen. Denn das hypothetische Konzept hinter der Serie ist stark auf die japanische Gesellschaft mit ihrem Konformitätsdruck, der Wichtigkeit der sozialen Stellung, ihren Gruppenzwängen und ihren politischen Problemen ausgerichtet. Aus westlicher Sicht in das Konzept so vielleicht nicht zu 100% schlüssig und nachvollziehbar.
Überwindet man jedoch diese kulturelle Hemmschwelle und lässt sich auf die Geschichten ein offenbaren sich dem Leser viele kleine und größere Dramen um Leben und Tod. Die Rahmenhandlung um den jungen Fujimoto, der in seinen neuen Beruf hineinfindet und erste Zweifel entwickelt, schreitet in den ersten Bänden sehr gemächlich voran. Das stört jedoch nicht weiter, denn das Herzstück der Reihe sind bisher die einzelnen Handlungsbögen. Diese wiederum sind in drei Kapitel beziehungsweise drei Akte aufgeteilt und nehmen immer die Hälfte eines Bandes ein. Mit etwa einer halben Stunde Lesezeit pro Arc eignet sich die Serie also hervorragend als Abendlektüre, wenn man vor dem Schlafengehen noch mal eine halbe Stunde lesen möchte.
Zu den in der Handlungsangabe erwähnten Zusatzanreizen und -Lesitungen zählen beispielsweise hohe Hinterbliebenenrenten. So haben die Angehörigen ausgesorgt, wenn ihnen zum Wohle Aller ein Kind genommen wird. Vorausgesetzt das Betroffene Familienmitglied verstößt nicht gegen das Gesetz oder beschließt sich in Anbetracht des ohnehin nahenden Endes in einem ultimativen Akt der Kontrolle selbst das Leben zu nehmen. Um sich und seinen Lieben den letzten Tag auf Erden zu versüßen gilt ein Ikigami außerdem als Zahlungsmittel.
Autor und Zeichner Motoro Mase versteht es auf Basis der immer gleichen Ausgangssituation – ein junger Erwachsener soll sterben und erhält seinen Ikigami – die verschiedensten Geschichten zu erzählen.  Diese Extremsituation bringt nämlich entweder das beste oder das schlimmste in den Menschen zum Vorschein. Während der eine Junge sich vielleicht an Schulraudies rächen will und etwas Dummes tut, wodurch seine Eltern leer ausgehen, strebt der andere eine Aussöhnung mit seinen Eltern an, die er seit Jahren nicht gesehen hat. Vielleicht beschließt er aber auch seinen Ikigami zu kopieren und zu verkaufen. Und was richtet die Todesbotschaft bei strikten Befürwortern des Systems an, wenn sie selbst Opfer des Systems werden? Solchen Was-wäre-Wenn-Fragen nehmen sich alle Handlungsbögen des Manga an. Hin und wieder kann die Qualität der einzelnen Episoden dabei etwas schwanken, doch im Großen und Ganzen fand ich die bisherigen Geschichten alle nachvollziehbar und mitunter auch häufiger mal überraschend. Für etwas anspruchsvollere Unterhaltung ist also gesorgt.
Passend zum eher an erwachsenere Leser gerichtete Setting präsentieren sich auch die Zeichnungen. Das Charakterdesign ist eigenständig und eher schlicht und zweckmäßig. Die Stärke des Stils ist jedoch die Bandbreite an Emotionen die sich vor allem an den Gesichtern vorzüglich ablesen lässt. Mangatypisch sind die Panels sehr aufgeräumt um nicht zu sagen eher spartanisch. Häufig gibt es nur einfarbig weiße, graue oder schwarze Hintergründe. Grade bei Headshots und Close-Ups. Werden Hintergründe gezeigt sind diese jedoch sehr realistisch und detailliert. Grade Stadt- oder Umweltpanoramen scheinen sogar umgewandelte Fotos zu sein.


 
Fazit
 
Kann man sich mit dem eher anspruchsvollen Konzept der Serie und der Ausrichtung auf die japanische Gesellschaft anfreunden bietet Ikigami in den ersten 6 Bänden solide Drama-Kost mit einem sehr interessanten Was-wäre-Wenn-Setting der nahen Zukunft.
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