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Der Anime, der mein Leben veränderte

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Avatar: TheWeirdOneThemenstarter#1
Es war ein Tag wie jeder andere. Ich kam von der Schule nach Hause, erledigte meine Hausaufgaben und nach dem Abendessen verkrümelte ich mich alleine in mein Zimmer. In meinem Kopf schwirrten die üblichen Fragen umher, die mich zu jener Zeit stetig plagten. Wer bin ich? Was mache ich hier eigentlich? Wo ist mein Platz in dieser Welt? Warum ist diese Welt so grausam? Warum fügen wir Menschen uns ständig gegenseitig Schmerzen zu? Warum wollen alle, dass ich Teil einer Gesellschaft werde, die mir nur weh tut? Warum versuche ich in diese Welt zu passen in der ich anderen nur weh tue? Worin liegt der Sinn sich einer Gesellschaft anzupassen, die nur Kummer und Leid füreindner übrig hat? Wurde ich vielleicht in die falsche Welt geboren? Oder bin ich es vielleicht, der falsch ist und nicht in diese Welt gehört? Gibt es niemanden, der mich versteht? Warum bin ich so einsam? Warum versucht niemand mich wirklich zu verstehen?

Ich schaltete meinen PC ein um mich von meinen Gedanken abzulenken, so wie immer. Und was eignete sich dafür besser als diesen Anime auszuprobieren, von dem alle in so hohen Tönen sprachen? Er erfüllte seinen Zweck und lenkte mich ab. Bereits die erste Folge riss mich in ihren Bann. Sie handelte von einem von Einsamkeit erfüllten Außenseiter, der sein Leben lang nur Schmerz und Kummer kennen gelernt hatte, in einer Welt, die ihn nicht verstehen wollte. Auch wenn mir das damals nicht bewusst war, erkenne ich heute, im Nachhinein, die Paralleren zwischen dem Protagnisten und meinem eigenen Leben. Es war fast so, als wäre die Serie auf mich zugeschnitten. Und aus irgendeinem Grund empfand ich Sympathie und tiefe Zuneigung für eine Person, die noch nicht einmal real existierte. Ich konnte sie verstehen und ohne es erklären zu könnten, fühlte ich mich selbst irgendwo verstanden. Zwar hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Anime gesehen, aber je mehr ich von dieser Serie sah, umso mehr fand ich mich selbst in ihr wieder.

Bis heute weiß ich nicht wie, aber zu sehen, wie ein furchtbar nerviger Loser es - und auch wenn es unzählige schmerzhaft gescheiterte Versuche benötigt - am Ende trotzdem schafft Freunde und den Respekt anderer für sich zu gewinnen, hat mir selbst irgendwie Mut gemacht. Er hat stets an andere geglaubt und war immer für sie da, selbst wenn die nichts mit ihm zu tun haben wollten. Er wurde abgewiesen, geschlagen und mit Füßen getreten. Er musste viel Leid einstecken, unsägliche Schmerzen über sich ergehen lassen und hat trotzdem nie aufgehört, an das Gute in anderen zu glauben. Und als er denn selbst mal die Hoffnung verloren hatte, hatten sich seine Mühen irgendwie ausgezahlt. Ich denke, dieser Anime hat mir auf eine genz besondere Weise gezeigt, dass man Freunde nur gewinnen kann, wenn man selbst den ersten Schritt macht. Denn auch wenn man in 99 / 100 Fällen enttäuscht wird, so wird auch 1 dabei sein, für denn sich all der Aufwand und der Kummer lohnt. Er hat mir gezeigt, dass Freunde das Wichtigste im Leben überhaupt sind. Denn ihre Anerkennung gibt unserem Leben erst einen Sinn. Sie sind der Grund, warum jeden Morgen die Sonne aufgeht und sie gilt es um jeden Preis zu bewahren. Sie sind der Grund, warum es sich trotz aller Strapazen im Leben lohnt zu kämpfen und dabei niemals aufzugeben. Schließlich ist es völlig egal, wie oft man hinfällt, solange man jemanden an seiner Seite weiß, der einem wieder auf die Beine hilft.

Ich denke, je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir bewusst, wie beeindruckend diese Serie für mich war. Sie handelt nicht nur von Freundschaft, sondern auch von gegenseitigem Verständnis und von Frieden. Dank ihr weiß ich, was es heißt, für den Frieden zu kämpfen, was es bedeutet zu lieben und zu hassen. SIe hat mich gelehrt, dass alles miteinander verbunden ist und, dass es zu allem ein Gegenstück existiert. Wir fangen an zu hassen um die Liebe zu erhalten. Wir wenden Gewalt an um Frieden zu erreichen. Diese Serie hat mir gezeigt, in welchem endlosen Kreislauf sich unsere Welt befindet. Wir tun einander weh, weil wir uns gegenseitig nicht verstehen. Und die einzige Möglichkeit, diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist wohl die menschlichste all unserer Fähigkeiten. Es ist die Fähigkeit einander zu vergeben, einander ernst zu nehmen, in einen Dialog zu treten, einander verstehen zu wollen und eine Lösung für alle zu finden.

Das alles ist nur 15 Jahre her und tatsächlich wird mir heute erst aus gegebenem Anlass bewusst, wie sehr mich diese Serie damals, wie heute geprägt hat. Sie hat aus mir einem friedfertigen Menschen gemacht, der sein Gegenüber ernst nimmt, seine Probleme zu verstehen und eine gemeinsame Lösung zu finden versucht und dem seine Freunde wichtiger sind als alles andere in der Welt. Ich weiß nicht, ob mein damaliges Ich diese Zeit ohne diesen Anime, überlebt hätte. Daher kann ich ich sagen, dass er mir auf eine gewisse Weise sogar das Leben gerettet hat. Und auch wenn ich immer noch viele Eigenschaften an mir selbst hasse, denke ich, dass ich auf die Person zurecht stolz bin, die ich geworden bin, zu der mich dieser Anime gemacht hat.

Noch heute höre ich höre meine Eltern reden, diese Anime seien Kinderkram aus dem man nichts für's Leben lernt und die Zeit, in der ich sie sehe, sei nur eine Phase, die irgendwann vorüber geht. Nun, zugegeben, ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber mit den Freunden, die ich dank dieses Anime nun an meiner Seite habe, kann ich kaum erwarten es herauszufinden. Daher denke ich, dass meine Eltern sich zumindest in einem Punkt geirrt haben. Ich denke, manchmal ist ein Anime nur ein Anime. Aber in ganz seltenen Fällen, kann er doch weit mehr sein, als wir uns vorstellen können. Er kann unsere düstere, graue Welt mit Farben verzaubern, er kann uns Freude, Wärme und Hoffnung spenden, wenn wir sie am dringendsten bauchen. Er kann ein Freund sein, der uns in unserer dunkelsten Stunde aus der Versenkung holt oder er kann durch ein paar kleine Weisheiten unser ganzes Leben verändern. Ich denke, das sind die Momente, die das Medium Anime von anderen Produktionen aus Hollywood unterscheidet. Die Gefühle, die am Ende eines Anime machmal zurückbleiben, kommen oft dem Verlust eines guten Freundes gleich. Die emotionalen Achterbahnfahrten, die unsere Herzen mit sich reißen und uns zu Tränen rühren, sind ganz besondere Moment, die uns womöglich unser Leben lang begleiten und uns zu den Menschen machen und gemacht haben, die wir heute sind.

Insofern von meiner Seite aus ein ganz großes DANKE an alle Anime-Produktionsstudios und an die Manga- und Light-Novel-Autoren und -Verlage für unzähliche schöne, traurige, lustige, wunderbare und unvergessliche Momente in unseren Leben. Und natürlich auch an die gesamte Community da draußen, ohne die das alles niemals möglich wäre. Ihr seid die Geilsten. 😋👍
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