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Roman - Weltentor

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Avatar: Nova Lunaris
Club-Junior
Themenstarter#1
So dies Mal im richtigen Bereich. Also hier ist meine erste verfasste Geschichte, die im Alter von zarten 16 verfasst habe. Hier handelt es sich um den Prolog. Und wenn ich den heute so lese möchte ich eigentlich gleich 100 Dinge verbessern, aber ihr kriegt das Original.
So habe jetzt den Spoiler repariert.
Prolog

Dunkelheit lag über dem Wald und der Schein des Mondes schmiegte sich an die Baumwipfel. Es war eine kühle, stille Nacht. Ein Hauch zog durch die Bäume und die Äste begannen sich sanft darin zuwiegen. Plötzlich zerrissen Schreie die Nacht. Es waren Menschen sie schienen etwas zujagen. Dann brach ein großgewachsener Mann durch das Gebüsch. Im Schatten sah man nur die Umrisse. In der rechten Hand hielt er die Hand einer jungen Frau und zerrte sie mit sich. Um das Leben rennend preschten sie durch den dichten Wald und sah nicht zurück. Die Rufe, sie kamen immer näher. Er spürte, wie ihre Kraft nach ließ und wusste das sie bald eine Pause brauchten. Aber die Verfolger sie ließen nicht locker und es verblieb keine Zeit. Verzweifelt warf er einen Blick über die Schulter und sah direkt in die verängstigten grünen Augen seiner Begleiterin. Er hätte früher fliehen sollen, aber man hatte ihm keine Wahl gelassen. Nur so konnte er sie retten und das war alles, was er wollte. Sie musste leben. Als sie eine Lichtung erreichten, blieb er erprobt stehen und die schwarze Mähne glänzte im Mondschein. Schwer keuchend stützte sie sich auf die Knie und braune lange Haare fielen ins Gesicht. Er drehte sich um und legte die Hand an ihre Wange. Vorsichtig streichelte er sie und sah ihr direkt in die Augen. Es brannte die Entschlossenheit darin und man konnte erahnen, dass er sich bereits entschieden hatte. Sie hob zitternd die Hand und wollte seine Wange berühren, doch es fehlte er die Kraft dazu. Schließlich nahm er ihre Hand in die Seine und küsste sie liebkosend. Der Mondschein enthüllte ihren rechten Arm. Er war merkwürdig schwarz verfärbt und dicke schwarze Linien zogen sich daran hoch. Sie verzweigten sich wie die Wurzeln eines Baumes und reichten bis zu dem Hals, an den sie sich wie ein Spinnennetz anschmiegten.
»Wir werden es nicht schaffen«, flüsterte er und in diesem Moment wurde ihr klar, was er plante. Sie kannte ihn gut und wusste das er sich opfern wollte.
»Ich werde nicht ohne dich gehen!«, hauchte sie kaum hörbar und versuchte sich von ihm loszureißen. Tränen begannen über ihr Gesicht zu huschen und tropften zu Boden.
»Ich wünschte, es gebe einen anderen Weg, aber du bist zu schwach. Der Fluch hat zu viel von dir abverlangt. Du würdest es unmöglich schaffen zu fliehen. Also werde ich dir Zeit verschaffen«, erwiderte er entschlossen und drückte sie an sich. Ein letztes Mal wollte er sie spüren, ihren Duft riechen und sich von ihr verabschieden.
»Nein, ich werde nicht gehen«, sagte sie und sah ihm direkt in die Augen, »Sie werden dich töten. Dafür, dass du mich befreit hast. Ich kann es nicht zu lassen, dass du wegen mir stirbst. Du gehst! Sie wollen nur mich.«
»Es war meine Entscheidung dich zu befreien und ich tat es, weil ich wollte, dass du frei bist. Frei von jenen, die dich benutzen, wollen«, erwiderte er und sah über ihre Schulter. Die Verfolger hatten sie bereits eingeholt und überall begann es zurascheln.
»Nein!«, schrie sie verzweifelt und drückte ihren Kopf gegen seine Brust dabei liefen ihre Tränen den ledernen Panzer herab.
»Ich liebe dich«, sagte er und löste ihre schwache Umklammerung. Dann wand er sich dem näherkommenden Rascheln zu. Er zückte ein spitzzulaufendes goldschimmerndes Schwert, in deren Mitte ein Spalt war, der sich fast über die ganze Klinge zog.
»Ich liebe dich auch«, wimmerte sie und sah ihn an.
»Jetzt lauf, Aela bitte!«, bettelte er und für einen Moment dachte er, sie würde nicht gehen. Noch ein letzter Blick und sie verschwand im Wald. Er blieb wartend auf der Lichtung zurück. Die goldene Schneide hob er schützend vor sich und hoffte das sie es schaffen werde. Sie hatte es verdient zu leben. Mehr als er selbst und dafür würde er kämpfen. Vor ihm begannen sich die Büsche zu bewegen, bis die ersten Verfolger auf die Waldschneise traten. Sofort zückten sie ihre Schwerter und richteten sie auf ihn, aber es kamen noch mehr. So viele, dass er sich einer kleinen Armee gegenübersah. Merkwürdigerweise spürte er keine Angst, tief im seinem Innern, war er absolut ruhig und in gewisserweise auch zufrieden. Was er tat, tat er aus tiefster Überzeugung. Zu bereuen hatte er nichts.
»Nun wird es also enden«, sagte er beschwörend und stürmte entschlossen auf sie zu.

Bei Interesse stelle ich auch noch die anderen Kapiltel online. Einfach bescheid sagen.
Beitrag wurde zuletzt am 09.05.2019 um 09:42 geändert.
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Kommentare (3)

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Avatar: Nova Lunaris
Club-Junior
Themenstarter#2
So zum Wochenende gibt es dann das erste Kapitel meines Romans. Das Ganze wird etwas länger als der Prolog.
Also viel Spaß damit. Ich hoffe es gefällt euch.

1. Der Anfang allen Übels

Das Dareh Flachland, das zu den fruchtbarsten Landstrichen des Königreichs Avalons gehörte, drohte in Dunkelheit gehüllt zu werden, als die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand. Im Süden dieser gewaltigen Ebene erkannte man nur schemenhaft das kleine Bauerndorf Tarin, dass von den letzten wärmenden Strahlen nur spärlich erleuchtet wurde. Richtete man den Blick gen Norden, erblickte man kaum sichtbar den größten Wald des Königreichs, den Asrar Wald. Er breitete sich weit über das Blickfeld aus. Das schwindende Licht verwandelte den sonst so lebensfrohen Forst in einen dunklen einsamen Ort, dessen Stille nur durch die Schreie von Vögeln durchbrochen wurde. Einzig der Fluss Dareh, wagte sich durch diesen Wald und schlängelte sich majestätisch über das Flachland. Am Rande, des von der Abendsonne blutrot gefärbten Flusses, trainierte ein kräftiger, junger Mann mit dem Schwert. Der Name des Jungen war Seki. Das sonnengebräunte, gepflegte Gesicht wirkte konzentriert und die strahlend blauen Augen blickten entschlossen in den Himmel. Die Nase saß am rechten Fleck und die Lippen, durch die er sanft ein- und ausatmete, lächelten zufrieden. Die schulterlangen braunen fast dunkelblonden Haare verliehen ihm ein wildes Erscheinungsbild und wiegten sich sanft im Wind. Man sah seiner Kleidung an, dass er häufig arbeitete. Auf der braunen Hose waren Flecken, die von der Ackererde stammten. Auch das weiße Hemd war verschmutzt, und obwohl er barfuß war, rutschte er nicht auf dem feuchter werdenden Gras aus. Eine Weile übte er noch, bis er innehielt und um in den späten Abend zu lauschen. Dabei fiel der Blick kurz auf das Schwert in seiner Hand. Es war nicht besonders fein verarbeitet noch war es viel wert, doch für ihn hatte es eine große Bedeutung. Er bekam es vor sechs Jahren von seinem Vater geschenkt, als er anfing den Schwertkampf zuerlernen. Es hatte eine spitzzulaufende, gerade Klinge, die trotz ihrer Abnutzungserscheinungen scharf war. Das Heft war ebenfalls schlicht gearbeitet, bestehend aus einem runden scheibenförmigen Stück Stahl. Der Griff war mit schwarzen Leder umwickelt und endete in einer Öse, an der ein Faden mit einem sonnenförmigen Amulett hing. Erst einige Sekunden später erkannte man, was er augenscheinlich schon lange gehört hatte. Ein Knacken eines Zweiges kündigte das Kommen einer Person an. Schließlich erschien eine hünenhafte Gestalt hinter ihm und näherte sich langsam. Man erblickte einen großgewachsenen Mann mit breiten Schultern und braunen kurzen Haaren. Der Hüne wirkte auf den ersten Blick furchterregend, denn einige Narben zierten sein Gesicht. Doch schaute man genauer hin, bemerkte man ein freundliches Gesicht mit einem stoppeligen Dreitagesbart und wachsamen braunen Augen, die auf Seki gerichtet waren. Endgegensatz zu Sekis Antlitz war das seinige alles andere als gepflegt aber auch erfahrener. Die braune Jacke, die er trug, war aus groben Stoff gearbeitet wurden, darunter befand sich ein graues Hemd. Die gräuliche Hose war verschmutzt, wahrscheinlich durch die Feldarbeit, die er täglich leistete, als Ausgleich dafür das er hier leben durfte. Der Hüne überragte Seki um zwei Köpfe. Schließlich drehte Seki sich zu ihm hin und fragte: »Na Van. Was möchte Aron diesmal von mir?«
»Er möchte, dass du zum Abendbrot kommst«, brummte Van und nickte in Richtung des Waldes, der kaum noch sichtbar war. Nur die Umrisse der Baumwipfel hielten sich wacker in der anrückenden Finsternis.
»Ich mach mich gleich auf den Weg«, antwortete Seki gelassen und sah auf den Fluss, um dem Geräusch des fließenden Wassers zu lauschen.
»Hast du den ganzen Tag trainiert?«, stellte Van kopfschüttelnd fest, » Du bringst dich noch um Kopf und Kragen.«
»Das lass mal meine Sorge sein, Van. Außerdem muss man fit bleiben, dass würde dir auch gut tun«, bemerkte er grinsend.
»In den letzten Monaten hast du ganz schön zu genommen mein Freund. Ein bisschen Training mit deiner Axt würde gewiss nicht schaden, oder?«
»Willst du auf deine charmante Art und Weise etwa feststellen, dass ich fett bin?«, fragte Van mit einem flötenden Tonfall und legte den Arm über seine Schulter.
»Na ja sagen wir mal ein bisschen pummelig. Man muss es ja nicht unbedingt fett nennen«, erklärte Seki lachend und ließ den Blick über den Horizont schweifen.
»Du meinst also, ich sei pummelig«, antwortete Van glucksend und dachte einen Moment nach: »Ich glaube, damit kann ich leben.«
»Heute machst du dich noch auf den Weg nach Tarin oder?«
»Ja, geh ich. Die Ernte muss verkauft werden und ich bring uns das Nötigste mit. Vielleicht finde ich auch was für deinen achtzehnten Geburtstag. Aber nur wenn du auch schön brav bist.«
»Na denn bis morgen alter Freund. Lass dich nicht Bescheißen, klar«, verabschiedete Seki ihn wohlwollend.
»Da mach dir mal keine Sorgen. Das trauen sich die Meisten gar nicht. Also dann bis morgen. Bleib schön brav, sonst gibt es das Geschenk nicht«, sagte er augenzwinkernd und stapfte davon. Nachdem er nicht mehr zu sehen war, befestigte Seki das Schwert am Gürtel und zog die Lederstiefel an, bevor er sich auf den Heimweg machte.

Es vergingen einige Minuten bis in der Ferne eines kleines, hölzernes Haus auftauchte, dessen Fenster einladend in den Abend strahlten. Als er angekommen war, öffnete er langsam die Haustür. Ein schlichtes Zimmer kam zum Vorschein, das sowohl Küche als auch Wohn- und Schlafzimmer darstellte, trotzdem wirkte es sehr gemütlich. In der Mitte dieses Raumes war ein einfacher Holztisch auf dem Brot, etwas Wurst und Käse, lag. Im linken Teil des Hauses standen drei Feldbetten, die nicht besonders bequem aussahen, aber ihren Zweck erfüllten. Am anderen Ende der Stube prasselte ein wärmendes Feuer im Kamin, das ihn in ein heimliches Licht tauchte. Neben der Feuerstelle lehnte ein alter Mann und schaute mit den blauen Augen liebevoll zu Seki rüber, der gerade durch die Tür hinein trat. Das gräuliche Haar. Das faltige Gesicht verbunden mit dem langen grauen Vollbart, den er sicher über viele Jahrzehnte wachsen gelassen hatte, zeugten vom seinem Alter. Der Greis trug ein braunes schlichtes Gewand, das keineswegs abgenutzt war, sondern sehr sauber. Das ließ vermuten, dass er nicht mehr auf dem Feld arbeitete, was man ihm in dem stattlichen Alter nicht übel nehmen konnte.
»Da bist du ja endlich mein Sohn«, begrüßte ihn der Mann freundlich, »Was hast du so lange gemacht?«
»Ich habe ein bisschen trainiert, Vater«, erwähnte Seki und der Blick schweifte auf den Tisch. Sein Hunger war viel gewaltiger als er vermutet hatte und der Geruch des Käses lag verführerisch in der Luft.
»Auch wenn ich deine Hingabe bewundere, mit der du dein Schwert führst. Solltest du wissen, dass es mehr im Leben gibt«, belehrte ihn der Alte.
»Ist gut Vater. Ich werde es mir merken. Versprochen«, antwortete er mit rollenden Augen. Er hoffte, dass es sich erledigt hatte.
»Na gut das will ich hoffen. Nun iss, bevor es schlecht wird.«
Das ließ er sich nicht zwei Mal sagen und nahm an dem Tisch Platz. Eilig schmierte er sich eine Brotscheibe und legte ein Stück Käse darauf um es zugleich hungrig in den Mund zu stopfen. »Morgen wirst du bereits 18 Jahre alt«, bemerkte Aron und musste an frühere Zeiten denken. Als Seki ein kleiner Junge war und den ganzen Tag damit beschäftigt, war irgendwelchen Unfug zu treiben. Er schwelkte eine Weile in Erinnerungen, bevor er sich wieder Seki zu wand, der mittlerweile die dritte Scheibe Brot vertilgte.
»Nicht zu fassen, wie schnell das alles doch vergangen ist. Für mich ist es, als wäre das alles noch gar nicht so lange her, aber wir leben nun schon vierzehn Jahre hier.«
»Du hast Recht«, antwortete Seki schmatzend und schob bereits den nächsten Bissen nach um den Hunger zu stillen.
»Ach mein Junge«, sagte Aron lächelnd und legte die Hand auf die Schulter seines Sohnes, »Hast du eigentlich einen Wunsch für Morgen?«
»Hmm, ich weiß nicht so recht«, begann Seki und dachte einen Moment nach, bis sein Blick auf das Schwert fiel und er sagte: »Über ein zweites Schwert würde ich mich freuen.«
Gespannt wartete er die Reaktion ab und hoffte insgeheim das er zustimmen würde.
»Ein zweites Schwert also«, wiederholte Aron und setzte ein breites Lächeln auf. Doch dann versank er in Gedanken und sagte für eine Weile nicht ein Wort. Für Seki war dieser Moment schrecklich. Die Aufregung darüber ob er ja sagen würde steigerte sich ins Unermessliche. Das Schweigen Arons machte es nur noch schlimmer, bis er Seki ernst in die Augen sah und bemerkte: »Ich denke, du bist so weit.«
Er blickte Seki dabei unentwegt an, als wolle er prüfen, ob er richtig lag.
»Für was bin ich bereit?«, wollte Seki aufgeregt wissen und rutschte nervös auf der Sitzfläche des Stuhles umher.
»Du wirst dein zweites Schwert bekommen«, verkündete Aron schließlich, »Morgen, wenn Van aus Tarin zurückkommt, nehmen wir uns den Wagen und reiten zu Soran. Er hat etwas für mich verstaut und ich glaube, es wird dir gefallen. Nein, ich bin mir sogar sicher.«
»Wirklich?«, fragte Seki aufgewühlt und konnte es gar nicht erwarten es in die Finger zubekommen. Als Aron lächelnd nickte, stand er auf und umarmte ihn herzlich.
»Wie sieht es denn aus?«, wollte er wissen und sah den Alten bettelnd an.
»Na, na Morgen wirst du es schon sehen. Also übe dich in Geduld, Seki«, erwiderte er lächelnd über die Begeisterung seines Sohnes.
»Auch nicht, wenn ich verspreche, ein Monat das Haus sauber zu machen?«, harkte Seki sicherheitshalber nach.
»Nein, auch dann nicht«, schmunzelte Aron und ging zu seinem Bett rüber, »Warte ab. Morgen wirst du sehen und ich werde dir eine kleine Geschichte erzählen. Also gute Nacht.«
Bevor er noch etwas sagen konnte, hatte er sich hingelegt und zur Wand gedreht.
»Gute Nacht, Vater«, grummelte Seki widerwillig und räumte den Tisch leer, ehe er sich ins Bett legte. Während er versuchte einzuschlafen überlegte er, was das wohl für eine Geschichte war, die ihm sein Vater erzählen wollte. Am meisten beschäftigte ihn das Schwert. Nach einigen Minuten war er schließlich eingeschlafen, und träumte vom morgigen Tag.

So verging die Zeit, bis die Natur endlich zu neuem Leben erwachte und die Sonne ihren Weg zum Himmel suchte. Kaum erreichte das Sonnenlicht die Hütte und streichelte sanft das Gesicht von Seki erwachte er aus einem sehr unruhigen Schlaf. Als er bemerkte, wie früh es eigentlich war, begann er leise vor sich hin zu fluchen. Neben ihm im anderen Bett ruhte Aron sanft und schien sich von den Sonnenstrahlen nicht stören zu lassen. Er entschloss sich raus zu gehen, einschlafen könnte er so wieso nicht mehr. Jetzt wo er schon hellwach war und aufgeregt auf das Geschenk. Außerdem musste er irgendwie die Zeit rumkriegen. Leise öffnete er die Tür, die gequält quietschte. Sofort sah er zu seinem Vater rüber, doch dieser schlief noch immer. Gleich verließ er das Haus und schlenderte über das taunasse Feld in Richtung des Flusses. Nach einigen Minuten erschien der Dareh am Horizont und glitzerte in der morgendlichen Sonne, wie flüssiges Silber. Als er den Fluss erreichte, setzte er sich ans Ufer und genoss den Sand zwischen den Fingern. Hier hielt er sich am liebsten auf, da konnte man sich entspannen und in Ruhe nachdenken. Hier gab es nichts, was die Gedanken stören könnte. Ab und zu zwitscherten ein paar Vögel oder ein Grashüpfer begann zu zirpen. Ansonsten war an diesem Ort keine Menschenseele und Seki schaute gedankenverloren in den sanft dahinfließenden Dareh. Es verging eine Weile, bis die ersten Tiere erwachten und die Fische mit ihrem alltäglichen Schauspiel anfingen. Er ließ die Gedanken beiseite, als ein kleiner Fisch in sein Blickfeld sauste. Er begann die Fische zu beobachten, die sich daran machten einige Larven aus dem Fluss zu fangen. Während er vor sich hinträumte, stieg die Sonne höher und tauchte nun alles in ihr strahlendes Licht. Die Blumen auf dem Feld öffneten sich langsam und färbten das triste einseitige Grün der Wiese in ein farbenfrohes Meer. Die Bienen summten und sammelten fleißig den Nektar der gerade erwachten Blüten. Plötzlich zerriss Geschrei von Männern, den morgendlichen Frieden. Die Männer oder besser Ritter trugen eine im Licht leuchtende Rüstung. Sie trieben die Pferde zu Höchstleistungen an. Er schüttelte missbilligend den Kopf über diese Art von Tierquälerei.
»Was tun sie bloß den armen Pferden an?«, murmelte er ruhig vor sich hin. Doch, als er bemerkte, in welche Richtung die Ritter ritten, war es aus mit der Ruhe. Sie hielten direkt auf Arons Haus zu. Aus reiner Vorsicht rannte er ihnen nach. Es konnte nicht schaden auf Nummer sicher zugehen.

Als er sein Heim erreichte, waren sie bereits dort. Die Pferde hatten sie draußen gelassen. Er überlegte, ob er sofort rein gehen sollte. Entschloss er sich erst mal zu lauschen, das erschien ihm klüger. Er schlich sich leise an eines der Fenster, das zum Glück offen stand, heran. Im Gebäude standen sechs Männer, alle in Rüstungen mit dem herzöglichen Wappen von Basol auf der Brust. Sie trugen Helme, die ihre Gesichter verbargen. Der augenscheinliche Anführer, dessen Rüstung besonders prächtig aussah und auf dessen Helm eine große und sehr schöne Feder saß. An seinem Gürtel hing ein glänzendes Einhandschwert. Auf dem Rücken trug er einen schuppenförmigen Schild, auf dem ein weißer Adler sich in voller Pracht aufbäumte. Dies war das Wappentier von Basol. Er war groß, kräftig gebaut, was ihn deutlich von den anderen Rittern abhob. Der Anführer stand vor Aron und verwickelte ihn in ein Gespräch, die anderen hatten sich im Haus verteilt. Zwei standen an der Tür und die anderen drei hatten sich um den Alten gestellt, um im Notfall eingreifen zu können. Dann schob der Große das Visier hoch, dabei kam sein angsteinflößendes Gesicht zum Vorschein. Die krumme Nase verlieh ihm ein böses und grimmiges Erscheinungsbild und die pechschwarzen Augen, die starr auf Aron gerichtet waren, wirkten entschlossen und ernst. Als der Anführer mit seiner dröhnenden Stimme zu sprechen begann, kräuselten sich Sekis Nackenhaare.
»Wo ist der Junge, alter Mann?«, drohte der Mann mit dem Schwert an Arons Kehle, »Na los, sag schon oder es wird dir leidtun!«
Aron schob das Schwert sanft mit der Fingerspitze zur Seite und sah zum Fenster, bevor er erwiderte: »Ich weiß nicht, wovon ihr redet, mein Herr. In diesem Haus wohnen nur zwei Gehilfen, die gerade in Tarin sind und die Ernte verkaufen. Einen Jungen gibt es in hier nicht, wenn doch wüsste ich wohl davon oder etwa nicht?«
Seki war überrascht darüber, wie gut er lügen konnte, aber was wollten die Männer von ihm. »Mach dich nicht über uns lustig! Ich weiß genau das der Junge hier lebt. Also hör auf zu lügen! Verstanden alter Mann.«
Für einen Moment hielt er inne und kratzte sich an der Nase. Als ein hinterhältiges Grinsen über sein Gesicht zuckte, setzte er fort: »Ich bin auf Befehl des Herzogs hier. Widerstand könnte Konsequenzen für euch haben. Also wo ist er?«
»Erstens ich weiß nicht, wovon ihr sprecht. Zweitens ist der Herzog von Basol nicht mein Herzog, also würde ich es dir auch nicht sagen, wenn ich es wüsste!«, gab Aron sehr entschlossen zu verstehen. Der Alte hatte keine Angst vor den Männern, dabei sie in Überzahl waren. Seki begann sich zu fragen, was der Herzog von ihm wollte. Plötzlich ertönte ein herzzerreißender Schrei. Der Anführer versenkte in diesem Augenblick einen Dolch tief in Arons Körper.
»Ach ja, ich vergaß, zu erwähnen, dass ich auch eine Order für euch erhielt, Aron. Überrascht das ich euren Namen kenne? Ich kenne auch den Namen eures Sohnes. Seki nicht wahr«, bemerkte er schadenfroh grinsend. Aron war überrascht, er hatte seinen Gegner unterschätzt. Der Mann drehte den Dolch mit Leichtigkeit in seinem Körper herum, um ihm noch mehr Schmerzen zu zufügen, als er sowieso schon hatte. Er schien sich an der Pein, die Aron erlitt zu ergötzen. Daraufhin sank er todgeweiht zu Boden. Der Mann zog das Messer aus dem Körper und wischte das Blut in dessen Kleidung ab.
»Das war ja schon mal einfach. Jetzt nur noch der Junge und ich kann wieder zurück nach Basol«, stellte er ruhig fest und sah sich um.
»Wo kann er wohl stecken? Vielleicht sollten wir wirklich nach Tarin reiten und uns davon überzeugen, ob der alte Sack die Wahrheit gesprochen hat.«
Das war zu viel. In diesem Augenblick sprang Seki mit gezogenem Schwert durch das Fenster. Das Gesicht vom Zorn verzerrt und die Augen starr auf den Anführer der Ritter gerichtet. Er war entschlossen sich gegen sie, zu behaupten.
»Ah, wenn man von Henker spricht, da ist er ja schon. Danke das du es uns erspart hast dich zu suchen. Das hätte nur Zeit verschwendet«, dröhnte er selbstgefällig und sah Seki drohend in die Augen.
»Du verfluchter Mörder, dafür büßt du. Dann wirst du dir wünschen niemals hergekommen zu sein«, schrie Seki zornig und richtete das Schwert auf den Mann. Bereit ihn zu töten, wenn er sich rührte.
»Oh, da bekomme ich ja richtig Angst«, spottete er und legte die Hand auf den Knauf des Schwertes, », soll ich jetzt etwa um mein Leben flehen oder was? Nein, ich befinde mich in einer eindeutig besseren Position. Oder glaubst du, dass du es, mit uns allen aufnehmen kannst. Ihr da«, er zeigte auf die zwei Ritter an der Tür, »ergreift ihn!«
Die beiden stürmten mit gezücktem Schwert auf Seki zu. Der Erste griff an. Er wich dem Schlag mit einem Seitwärtsschritt aus und schlitzte dem Angreifer die Kehle auf. Aus der das Blut heraus sprudelte, der schwer verwundete Ritter sackte zuckend zu Boden und Seki nahm das Schwert des Toten in die linke Hand. Der zweite Ritter blieb statt anzugreifen unentschlossen stehen und wirkte entmutigt.
»Na los du Feigling ich habe dir einen Befehl erteilt. Oder willst du mir etwa sagen, dass du Angst vor einem Kind hast«, bellte der Anführer und verfolgte gespannt das Geschehen. Einen Moment kämpfte der Angesprochene mit sich selbst, offenbar hing er an seinem Leben, bis er sich entschloss, dem Befehl nachzukommen. So stürmte er mit erhobenem Schwert auf Seki zu. Seki parierte den Schlag erneut mit der Waffe in der linken Hand und schlug mit dem anderen Schwert zu. Doch der Ritter schlug das Schwert mit dem Schild weg. Daraufhin verpasste Seki ihm einen Tritt in die Magengegend, der vom Schmerz gepackt zu Boden stürzte. Seki machte einen gekonnten Schritt auf ihn zu. Dann rammte er die Klinge tief in den Körper des Ritters, der nur ein gequältes Gurgeln von sich gab. Dann blieb er regungslos liegen. Erneut wendete Seki die Aufmerksamkeit auf den Anführer, der anfing zuklatschen und sagte: »Gut gemacht Junge. Sehr erstaunlich, wie schnell du meine Männer geschlagen hast. Es ist ein Jammer, das ich den Befehl habe dich zu töten. Aus dir hätte richtig was werden können. Du hast alle Fähigkeiten, die man brauch, um zu überleben. Sehr bewundernswert. Aber was soll´s Befehl ist Befehl. Du wirst letztendlich genauso sterben wie dieser alte Mann hier.«
Er trat gegen Arons leblosen Körper um Seki noch ein bisschen mehr zureizen und es zeigte seine Wirkung.
»Hör auf«, schrie Seki noch zorniger, »Ich werde dir das niemals verzeihen.«
Sofort preschte er auf ihn zu. Der Ritter nickte jedoch nur lässig mit dem Kopf in die Richtung Sekis. Bevor Seki verstand, was damit gemeint war, bekam er einen Schlag auf den Hinterkopf. Von einem Mann, der neben dem Fenster stand, durch das er gekommen war, und den er vor lauter Wut übersehen hatte. Seki sackte angeschlagen zu Boden, unfähig etwas dagegen tun zu können. Plötzlich erklang eine krächzende Stimme: »Seki mein Sohn ... kannst du mich noch hören ... hust.«
Daraufhin bewegte Seki schwach den Kopf, denn zu mehr ist in diesem Moment nicht fähig. »Wenn du ... hust hier lebend ... hust raus kommst, geh ... hust zu Soran den Schmied ... hust aus Tarin. Dort wartet ... dein Geschenk.«
Es waren die letzten Worte, die Seki von seinem Vater hörte, bevor er tot zusammensackte und Seki vor Erschöpfung ohnmächtig.
»Oh, wie herzzerreißend«, verspottete der Anführer Aron und ließ es sich nicht nehmen gegen den reglosen Körper zu treten.
»Was sollen wir nun mit dem Jungen machen, Lorenz?«, fragte einer und sah den Anführer an. »Gar nichts, lasst ihn liegen und zünden das Haus an um die Beweise zuvernichten. Es soll wie einen Unfall aussehen. Den Jungen lassen wir im Haus. Verstanden!«, befahl er hinterlistig. So verließen die übrigen vier Ritter das Haus und zündeten das Schilfdach, an was lichterloh zu brennen begann. Lorenz schaute noch kurz zu, bis er sich auf das Pferd schwang und losriet, die anderen taten es ihm nach.

Kaum waren sie am Horizont verschwunden, tauchte eine merkwürdige Staubwolke auf. Langsam wehte sie auf das brennende Haus zu, getragen vom Wind. Als sie es erreicht hatte, begann sich aus dem Staub etwas zuformen. Es war ein Mann, verhüllt durch einen langen Umhang. Die Kapuze reichte tief ins Gesicht und verbarg es vor den Strahlen der Sonne. Eilig näherte er sich dem lichterloh brennenden Haus. Er trat die verbarrikadierte Tür ein um sogleich in der glutheißen Hölle zuverschwinden. Einige Minuten später zog er den ohnmächtigen Seki aus dem Haus. Als er ihn im sicheren Abstand abgelegt hatte, vergewisserte er sich nur kurz, ob Seki am Leben war, und blieb noch einen Moment stehen.
»Ich wünsche dir viel Glück«, sagte die Gestalt und begann sich langsam aufzulösen, bis sie gänzlich verschwunden war.

Mittlerweile befand sich Van in Tarin, einem kleinen beschaulichen Bauerndorf, auf dem Rathausplatz im Laden des Dorfschmiedes. Der Laden wirkte einladend im Gegensatz zu den Bauernhäusern um ihn herum, was sich auf den starken Gebrauch von Waffen im Königreich Avalon zurückführen ließ. Im Augenblick gab es große politische Unruhen, die der Großkönig in Lamar mit aller Macht zu bekämpfen versuchte. In diesen unsicheren Zeiten wollte niemand ohne eine ordentliche Waffe das Haus verlassen. Keiner wusste, was alles passieren könnte. Das einzige Gebäude, was es mit der Schmiede aufnehmen konnte, war das prächtige Rathaus im Zentrum des Dorfes. Es war zu gleich die Kirche, was deutlich am Glockenturm erkennbar war, der in diesem Moment zu läuten begann. Die große Uhr an der Spitze des Turmes zeigte 12. In das Rathaus herein kam man nur durch das mächtige schwarze Eichentor, das mit Schnitzereien verziert war. Die Anlage war in einem simplen Schwarzton gehalten, um der Rolle als Kirche gerecht zu werden. Hier fand einmal im Monat das Gemeindetreffen statt. Ansonsten wurde das Gebäude nur für den Gottesdienst am Sonntag genutzt. Um zu Agram, dem Gott des Gleichgewichts, zu beten. Aus der Schmiede gegenüber vom Rathaus drang die tiefe Stimme Vans, der gerade den Schmiedemeister in Beschlag nahm. Ein älterer Mann, der trotz seines Alters fit war. Die kräftigen Arme waren von der harten Arbeit gestählt und der Schweiz stand ihm auf der rußverschmierten Stirn. Das Gesicht war faltig und wirkte sehr freundlich. Er trug eine ebenfalls rußverschmierte braune Latzhose und kein Hemd. Dadurch kam eine muskulöse Brust zum Vorschein. Die Glatze verpasste ihm ein lustiges Auftreten, denn sie schien gar nicht zu dem Gesicht zu passen. »Ist meine Bestellung endlich fertig? Du wolltest schon vor einer Woche fertig sein, Soran. Langsam wird es brenzlig«, fragte Van ungeduldig und pochte mit einem riesigen Zeigefinger auf die Ladentheke. »Immer mit der Ruhe, mein alter Freund«, versuchte Soran den wütenden Van zu beruhigen, »Deine Bestellung liegt hinten in der Werkstatt. Ich bin gerade damit fertig geworden.«
»Agram sei dank. Du bist ein Held, weißt du das?«, schmeichelte ihm Van und umarmte die nichtsahnenden Soran.
»Könntest du mich bitte loslassen. Sonst erwürgst du mich noch«, verlangte er mit erstickter Stimme. Van ließ ihn sofort los und entschuldigte sich wortreich. »Ist ja gut. Lass uns lieber in die Werkstatt gehen und die Rüstung bewundern, die ich für dich angefertigt habe. Sie ist ein richtiges Prachtstück«, bemerkte Soran stolz. Er führte ihn durch eine kleine Eichentür, an der er sich prompt den Kopf stieß. Beinahe hätte ihn der Aufprall von den Füßen gehauen, doch er schaffte es sich an der Tür festzuhalten und so den Sturz zuvermeiden. »Diese verfluchte Tür. Wann lässt du sie endlich größer machen!«, meckerte Van und rieb sich den schmerzenden Kopf. »Das hast du davon, das du so unerhört groß bist«, stellte der Schmied lachend fest. Nach anfänglichen Schwierigkeiten schaffte er es durch die enge Tür. Kaum war hindurch, wehte ihm glühend heiße Luft ins Gesicht. Die von den Schmiedefeuern am Ende der Werkstatt kam. Auf einem hölzernen Tisch in der Mitte der Werkstätte lag etwas unter einem weißen Leinentuch. Soran führte ihn zu dem Tisch und zeigte auf das Tuch. Dabei setzte er eine gewichtige Miene auf und sagte: »Da ist deine Bestellung, damit du endlich aufhörst zu quengeln.« Daraufhin nahm Van das Tuch ab und eine prächtige Rüstung kam zum Vorschein, die auf einem Holztorso befestigt war, um die genaue Form zu bestimmen. Dieser Panzer bestand aus einzelnen Schuppen, die sich jeweils einmal um den Torso herum erstreckten und mit feinen Verzierungen versehen waren. »Und wie findest du sie?«, fragte Soran neugierig.Van schien den Tränen nahe und wischte kurz über die Augen, bevor er sagte: »Wunderschön. Sie ist echt ein Meisterstück geworden. Aber wieso hat das so lange?«
»Das lag daran, dass du sie unbedingt aus Chromant haben wolltest. Denn das ist gar nicht so einfach zu bekommen, weißt du? Aber ich muss schon sagen. Das war eine weise Wahl. Das Chromant bietet einen besseren Schutz als herkömmliches Eisen. Außerdem ist es leichter, was dem Träger das Kämpfen erleichtert«, bemerkte Soran fachmännisch. Chromant war eines der härtesten Metalle, die es auf dem Kontinent Escrima gab, und war auch dementsprechend teuer. »Ich weiß das deswegen wollte ich sie ja unbedingt so haben.«
»Sag mal Van für wen ist die Rüstung überhaupt?«, fragte Soran skeptisch. Während er die Größe der Rüstung mit der Größe von Van verglich und feststellte das sie viel zu klein für ihn war. »Die ist für Seki, er hat heute Geburtstag«, erwähnte Van mit heller Vorfreude und konnte gar nicht mehr stillstehen.
»Du hast ihn wohl richtig ins Herz geschlossen, wenn du bereit bist, ein Vermögen für ihn zu bezahlen.«
»Na ja ich schulde ihm ja was. Er hat mich vor 6 Jahren vor dem Galgen bewahrt. Damit kann ich es ihm zurückzahlen«, erläuterte Van. »Ach so ist das. Na ja für den Jungen ist diese Rüstung genau das Richtige. Trainiert er immer noch so viel?«, fragte Soran beiläufig. »Den ganzen Tag«, zeterte Van, der damit unzufrieden war. »Er hat aber auch eine große Begabung. Ich war vor einer Woche bei euch, um mit Aron ein bisschen über alte Zeiten zu sprechen. Da habe ich mal bei Sekis Training zu geguckt und war erstaunt, wie gut er geworden ist. Es war eine richtige Freude ihm zu zusehen.«
»Ich habe bei dir noch nie gehört, dass du jemanden lobst. Sonst hast du immer was auszusetzen«, erwiderte Van überrascht. »Was soll man machen? Der Junge ist auf dem besten Weg ein großer Krieger zu werden«, meinte Soran mit Kennermiene und versank kurz in Gedanken, bevor er fortsetzte: »Du solltest dir mal ein Beispiel an ihm nehmen und anfangen mit deiner Axt zu trainieren. In den letzten Monaten hast du dich ganz schön gehen lassen.«
»Wieso sagen mir alle immer zu das ich zu fett sei?«, fragte er entrüstest und schaute an seinem Körper hinab. »Na ja, weil es eben so ist«, erwiderte Soran belustigt. »Okay okay ihr habt wohl recht. Ich fange morgen mit dem Training an. Einverstanden?«, fragte Van verärgert, »Und nun tschüss, bevor ich mir noch Gemeckere über meine Person anhören muss.« Er wollte gerade gehen, als ihn der Schmied zurückhielt: »Richte Seki bitte alles Gute zum Geburtstag von mir aus.«
»Na gut. Werd ich machen. Nun Adieu«, sagte Van kurz. Er wollte los und hatte es ein bisschen eilig. »Auf Wiedersehen«, verabschiedete ihn Soran. Während Van die Rüstung vom Tisch nahm und sich erneut durch die enge Eichentür zwängte. Draußen angekommen legte er den Panzer auf den Karren zwischen die Lebensmittel und setzte sich vorne auf den Wagen. Als endlich bequem saß, ließ er die Peitsche knallen und die beiden Pferde trabten langsam los. Er wurde noch von einigen weiteren Dorfbewohnern verabschiedet. Nachdem er das Dorf verlassen hatte, begann Van fröhlich vor sich hin zu pfeifen. Nicht ahnend was in zu Hause erwarten würde.

Lustigerweise ist das Kapitel sogar vor dem Prolog entstanden. Den Prolog habe ich erst geschrieben als ich mit dem eigentlichen Buch fertig war. Ich finde das merkt man deutlich am Schreibstil, der sich während ich das Buch schrieb deutlich verbessert hat.
Beitrag wurde zuletzt am 10.05.2019 um 11:40 geändert.
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Avatar: Nova Lunaris
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Themenstarter#3
So heute nun das zweite Kapitel aus meinem Werk Weltentor. Ich hoffe es gefällt euch.

2. Die Reise beginnt

Es war dunkel und nur eine Kerze auf einem hölzernen Tisch erleuchtete ein in steingehauenes Zimmer. Von der Decke tropfte das Wasser und jeder Aufprall eines Tropfens hallte an den steinernen Wänden wieder. Dieser Ort wirkte ebenso einsam wie trist. Doch als eine Staubwolke durch den Raum wirbelte, und drohte die Lichtquelle erlöschen zu lassen. Erschien eine vermummte Gestalt im Lichtkegel der Flamme. Langsam setzte er einen Fuß vor dem anderen, bis er den Tisch erreicht hatte und den Stuhl zurück schob um sich hinzusetzen. Er sah in das brennende Feuer und schwieg, um den Tropfen zu lauschen, bis man Schritte hörte. Gemächlich kamen sie näher und mit jedem Echo, das von den felsigen Mauern widerhallte, wurden sie lauter, dann hielten sie inne. Ein Knarzen und schon öffnete sich eine Tür hinter ihm. Anschließend betrat eine Person in den Raum verhüllt von einem schwarzen Umhang und einer Kapuze, die das Gesicht verbarg.
»Meister ist alles nach Plan verlaufen?«, fragte die Stimme einer Frau und richtete ihr vom Schatten verborgenes Antlitz auf die Gestalt an dem Tisch.
»Ja, ist es. Seki wird bald erwachen und den Mörder seines Vaters suchen. Alles was wir tun müssen, ist abzuwarten und uns vorzubereiten«, erwiderte der Mann seelenruhig. Er fuhr mit der linken Hand über die Flamme der Kerze.
»Bald werden wir sehen, ob sich unser Schicksal erfüllen wird. Bist du bereit dafür?«
»Das war ich immer. Ihr müsst es nur sagen Meister und ich werde tun was ihr verlangt«, sagte sie untertänig und ließ den Kopf sinken.
»Es wird Zeit für dich aufzubrechen.«
Er hob den Kopf und statt des Gesichtes wurde eine glänzende Maske im Feuer sichtbar, in der sich die Flamme der Kerze widerspiegelte.
»Wie ihr wünscht«, sagte sie ruhig.
Er stand auf um die Hand auf den Kopf der Frau zulegen.
»Auf das du niemals in deinem Glauben wanken wirst.«
»Auf das wir niemals scheitern werden«, erwiderte sie und der Meister nahm die Hand von ihrem Haupt. Danach ging sie zurück durch die Tür. Man hörte ihre Schritte noch eine ganze Weile, bis sie schließlich verstummten und der Meister sich an den Tisch setzte.
»Du willst also wirklich, dass sie es tut?«, erklang eine raue Stimme und aus einer dunklen Ecke des Raumes trat ein großer, kräftiger Mann. Im Schatten der Dunkelheit sah man nur den Saum eines langen braunen Mantels, der fast den Boden berührte. Die ledernen Stiefel, die sich langsam auf den Tisch zu bewegten, schimmerten schwach im Licht.
»Möglicherweise ist es der einzige Weg ihre Seele von ihrem Leid zu erlösen. Ich sah, was man ihr antat. Sie wird niemals frei sein so lange ihre Vergangenheit sie fesselt«, sagte der Meister und legte die Hände auf die Tischplatte. Dabei fiel auf, dass er einen Handschuh über der rechten Hand trug, aber nicht über der Linken.
»Und jetzt lass mich allein. Ich muss nachdenken«, verlangte der Meister und bedeutete dem Mann mit einem Wink der behandschuhten Hand zu gehen.
»Wie du wünscht!«, erwiderte er und ging an dem Tisch vorbei zur Tür, »Ich werde mich nach Marl aufmachen und auf ihn warten.«
»Tu das. Er wird bald da sein«, meinte der Meister. Der andere Mann verschwand durch die Tür, die mit einem leisen Knall zufiel.


»Seki, wach auf! Bitte! Bitte Seki wach auf. Du darfst nicht tot sein. Bitte wach auf«, schluchzte Van und rüttelte wie verrückt an Sekis Schultern. Bis er langsam die Augen und in das verzweifelte Gesicht Vans sah.
»Van hör auf mich zu schütteln!«, hauchte er schwach. Als Van bemerkte das da jemand gesprochen hatte brach er in Freudentränen aus. »Seki du lebst«, sagte er, während er ihn kräftig umarmte, und schluchzte dabei herzerweichend, »Ich dachte, du wärst ...«
»Bitte beruhige dich und lass mich los. Ich kriege keine Luft«, flehte Seki erstickt. Van ließ ihn los und er nahm einen tiefen Atemzug. Die Brust hob sich in die Höhe und senkte sich. Danach fiel die Erschöpfung langsam von ihm ab und er erhob sich. Für einen Moment wusste er nicht, was geschehen war und warum er auf der Wiese lag. Doch als der Blick auf die verbrannten Überreste des Hauses fiel, erinnerte er sich wieder.
»Wie geht es Aron? Und wo ist er?«, fragte Seki, obwohl er die Antwort bereits kannte. Van ließ den Kopf hängen und schaute traurig weg. Träge lösten sich Tränen und er rannte in Richtung der verkohlten Ruine. Als er die versengte Leiche Arons erblickte, sank er niedergeschmettert auf die Knie.
»Wieso musste das passieren? Wieso musste Aron sterben?«, schrie Seki aus Leibeskräften und hämmerte wie wild auf den Erdboden ein. Er ließ der Trauer und der Wut freien Lauf. Van kam langsam auf ihn zu und beobachtete ihn eine Weile. Er verspürte eine tiefe Trauer, war Aron für ihn immer ein Freund gewesen, der ihm mit Rat und Tat zur Seite stand.
»Was ist hier passiert?«, fragte Van nach einiger Zeit und legte die Hand tröstend auf Sekis Schulter. Als Seki zu ihm aufsah, wurde ihm erst bewusst, wie tief die Trauer in der Seele saß und doch sah er Wut. Wut auf sich selbst und Wut auf diejenigen, die ihm seinen Vater genommen hatte. »Es begann, damit das heute Morgen Ritter auftauchten. Ich war zu unten am Fluss und beobachtete die Fische. Als ich sie sah ...«
»Was für Ritter waren das?«, unterbrach Van Seki, auch wenn es ihm schwerfiel. Um sie zu finden und zu verstehen, warum sie es getan haben, musste er jede Einzelheit wissen, selbst wenn sie noch so schmerzhaft war.«
»Sie kamen aus Basol!« Van schien entsetzt und musste sich erst einmal hinsetzen. Die Ausmaße, dessen, was er da hörte, beunruhigten ihn mehr als er sich es hätte vorstellen können. »Bist du dir sicher?«, fragte er sicherheitshalber nach und sah Seki dabei in die Augen. »Natürlich. Sie trugen das herzögliche Wappen von Basol auf der Brust«, erwiderte Seki, der sich etwas beruhigt hatte, und sah Van ernst an, bevor er fortfuhr: »Als ich sie sah, dass sie zu Aron rieten, war ich besorgt und rannte ihnen hinterher. Zu Recht würde ich sagen. Auf jeden Fall folgte ich ihnen zum Haus und lauschte am Fenster. Es waren insgesamt sechs«, meinte Seki. Dann fiel ihm noch der Mann ein, der ihm dem Schlag verpasst hatte.
»Nein sieben, die sich im Haus verteilt hatten. Der Anführer schob das Visier hoch und entblößte dabei sein hässliches Gesicht. Diesen Anblick werde ich niemals vergessen. Es wird mir für immer im Gedächtnis bleiben.«
Für einen Moment schwieg er und suchte nach den passenden Worten. Dann setzte er fort: »Er verwickelte Aron in ein Gespräch, dabei ging es, soviel ich verstanden habe, um mich. Sie suchten nach mir. Auf Befehl des Herzogs.«
»Nach dir. Wieso nach dir? Und wieso der Herzog von Basol? Ich verstehe das alles nicht«, fragte Van verwirrt. Er versuchte die Dinge in irgendeinen sinnvollen Zusammenhang zu bringen, obwohl es keinen zu geben schien.
»Ich weiß es nicht auch Van. Ich kann dir nur sagen was ich gehört habe«, erklärte Seki ruhig und senkte den Kopf. Vielleicht wäre Aron noch am Leben, wenn er ihnen die Wahrheit gesagt hätte.
»Seki, was ist dann passiert?«
»Aron verriet es ihnen nicht, wo ich war. Er leugnete sogar, dass ich bei ihm leben würde. Er sagte nur das bei ihm, zwei Diener lebten, die sich jedoch in Tarin aufhielten. So gut lügen habe ich ihn noch nie sehen. Es hatte keinen Zweck. Da der Anführer wusste, dass ich hier lebte, ließ er sich nicht zum Narren halten. Aus diesem Grund stach dieser Bastard Aron einen Dolch in den Körper.«
Für einen Moment hielt Seki inne und spürte, wie das Blut in seinem Körper kochte.
»Dann stürzte ich durch das Fenster und wollte dieses Schwein dafür bestrafen, was er getan hatte. Als er mich dann sah, schickte er zwei der Männer, um gegen mich zu kämpfen und mich festzunehmen. Ich erschlug sie. Dieses Schwein lobte mich noch dafür, das ich sie erschlagen hatte. Als ich mich dem Anführer zu wendete und ihm sagte, das er der nächste sei lachte er nur. Ich konnte mir nicht mehr zurückhalten und attackierte.«
Wieder hielt Seki inne, wenn er nur achtgegeben hätte. Dann wäre dieser Mörder bereits tot und vielleicht hätte er Aron noch retten können. Doch er hatte versagt. Einfach nur versagt.
»Leider hatte ich nicht aufgepasst, bevor ich dieses Schwein erreichen konnte verpasste mir einer der Ritter ein Schlag auf den Hinterkopf. Er hatte neben dem Fenster gestanden, durch das ich kam und deshalb habe ich ihn nicht bemerkt. Wieso habe ich ihn nicht gemerkt?«
»Mach dich nicht selber fertig, das bringt nichts«, versuchte Van ihn aufzumuntern. Er wusste, was er in diesem Augenblick durchmachte, auch er hatte es schon einmal erlebt. Langsam legte er beide Hände auf Sekis Schultern und sah ihm direkt in die Augen.
»So was passiert nun mal. Außerdem habe ich auch Mitschuld. Ich war in Tarin und nicht dar um euch zu beschützen«, begann Van und versuchte Seki etwas von der Bürde zu nehmen. Plötzlich unterbrach Seki Van. Als er Tarin erwähnte, fielen Seki die letzten Worte Arons ein.
»Bevor ich ohnmächtig wurde, rappelte sich Aron auf. Er sagte, ich solle Soran aufsuchen, falls ich überlebe. Er hätte ein Geschenk für mich«, wiederholte Seki aus der Erinnerung und musste an die Geschichte denken, die er nun wohl nie hören würde. Er hatte nicht den Hauch einer Idee, worum es sich dabei handeln sollte, aber vielleicht hatte es etwas mit dem Überfall zu tun. Für einen Moment war alles so klar und ihm wurde bewusst, was er zu tun hatte.
»Van?«, fragte er ernst und sah auf. In den Augen brannte eine Entschlossenheit, wie Van sie bei Seki noch nie gesehen hatte und ihm war klar, wonach Seki fragen würde. Doch war er wirklich bereit dafür?
»Wirst du mir helfen, sie zu Strecke zubringen?«
Er stand auf um das Schwert aus der Erde zu ziehen, um es an den Gürtel zu binden.
»Natürlich werde ich dir helfen. Aron hätte gewollt, dass ich mit dir gehe, um auf dich aufzupassen und genau das werde ich tun«, antwortete Van, der einen Entschluss gefasst hatte. »Wir begraben zuerst Aron. Dann gehen wir zu Soran und bereiten uns darauf vor diesen Bastarden zu folgen«, meinte Seki entschlossen. Er ballte die Hand zur Faust und die andere ruhte auf dem Knauf des Schwertes.
»Ich sehe das genauso. Er wird es dir nicht umsonst gesagt haben. Vielleicht verstehen wir endlich, warum das alles passiert ist«, sagte Van und blickte die verbrannte Leich Arons an, »Wo willst du ihn begraben?«
»Direkt neben dem Haus, das war immer sein Wunsch, er wollte auf seinem geliebten Land begraben werden. Von Friedhöfen hielt Aron nie sehr viel«, sagte er von der Trauer überwältigt. Doch er versuchte stark zu bleiben und ging zu einem kleinen Geräteschuppen, der von den Flammen unberührt geblieben war, und holte zwei Spaten heraus. Einen warf er Van zu, der sie auffing und darauf wartete, dass sich Seki eine Stelle für das Begräbnis aussuchte. Erst als Seki den ersten Spatenstich tat, begann auch Van zu graben. Die ganze Zeit über schwiegen sie und das Loch wurde immer tiefer, bis es endlich tief genug war. Langsam stieg Seki aus der Grube und steckte den Spaten daneben in die Erde und wartete bis Van neben ihm stand. Dann gingen sie schweigend zu Arons Leiche und hoben sie behutsam an in der Hoffnung, dass er nicht auseinanderfallen würde. Ebenso vorsichtig ließen sie den Leichnam in die Grube gleiten, für einen Moment sah Seki seinen Vater an, bevor er sich den Spaten griff. Sprachlos fing er an die Grube zu zugraben und mit jedem Spatenstich fiel eine Träne Sekis zu Boden. Mit jeder Träne dachte er an die schöne Zeit, die er mit seinem Vater verbracht hatte und nie wieder verbringen könnte. Endlich war die Mulde zu und ein kleiner Erdhügel erhob sich aus dem sonst so flachen Land. Seki stützte sich auf den Spaten und sah auf das Grab seines Vaters, bis er sich schweigend umdrehte und ging.
»Es war eine schöne Zeit mit dir Aron. Ich verspreche dir, dass ich auf Seki aufpassen werde. Also mach dir bitte keine Sorgen, alter Mann«, sagte Van zum Abschied. Er versuchte Stärke zuzeigen. Doch das fiel ihm schwer, dann folgte er Seki, der bereits auf seine Wagen gesprungen war und darauf wartete, dass sie sich nach Tarin aufmachten.

Die ganze Fahrt über schwiegen sie sich an und schauten starr auf das näher kommende Tarin, das am Horizont noch sehr klein war. Nach einer Stunde hatten sie es erreicht und machten sich auf direktem Wege zur Schmiede. Die Bewohner schienen neugierig, was Van wieder hier wollte. Aber die beiden ließen sich nicht beirren und fuhren weiter in Richtung des Rathausplatzes. Langsam näherte sich das Rathaus und auch Sorans Schmiede kam näher. Als sie vor der Werkstatt standen, brachte Van die Pferde zum Anhalten und stieg zusammen mit Seki ab. Seki ging zur Tür der Schmiede und öffnete sie als ein Klingeln ertönte schrie es hinten aus der Arbeitsstätte: »Komme schon. Bin gleich da.« Schon trat Soran durch die Eichentür der Werkstatt in den Laden. Als er Seki und Van sah, wirkte er verwundert, doch ihre Gesichter verrieten mehr als tausend Worte.
»Was ist passiert?«, fragte Soran Schlimmes ahnend und hoffte das er sich irrte.
»Aron ist tot«, sagte Seki betrübt und sah zu de, Schmied auf, »Er wurde ermordet von Rittern aus Basol.«
»Ermordet!?«, stotterte er schockiert und musste sich auf die Ladentheke stützen, um nicht umzufallen, »Dann hatte er wirklich recht.«
»Was meinst du damit, er hatte recht?«, wollte Seki wissen und hoffte das vielleicht Soran ihm eine Antwort geben könnte.
»Setzt euch erst mal und erzählt mir, was genau passiert.« Als sie sich gesetzt hatte, musste Seki erneut erzählen, was passiert war. Dieses Mal war er gefasster und erzählte detailreicher als vorhin. Soran lauschte den Geschehnissen und zeigte einen Anflug von Trauer.
»Sie haben also nach dir gesucht. Aron wusste, dass das passieren würde. Er hat es mir immer gesagt doch ich, Dummkopf, habe es nicht ernst genommen. Jetzt verstehe ich auch, warum er es mir zu Aufbewahrung gegeben hat. Er konnte es nicht in dem Haus verstecken dort hätten sie es sicherlich gefunden.«
»Was hat er dir zur Aufbewahrung gegeben?«, horchte Seki auf, war es etwa das Geschenk von dem Aron gestern gesprochen hatte.
»Ich zeige es dir gleich, kommt mit«, forderte Soran ihn auf.
»Ich bleib hier. Mir ist gerade noch was eingefallen«, meinte Van, während er die Schmiede verließ und zum Wagen ging. Soran führte Seki derweil in die Richtung der Werkstatt.
»Aron sagte mir, dass ich es dir geben solle, wenn die Zeit reif ist, falls er selbst es nicht mehr könne. Ich glaube, jetzt ist es so weit«, meinte er ernst. Er leitete Seki durch die Werkstätte vorbei an den Schmelzöfen in eine kleine Waffenkammer, deren Wände voll mit Schwertern, Äxten, Schilden und Speeren hingen. Für einen Moment fragte sich Seki, wo er ihn hinführte. Doch als Soran an einer Axt zog, öffnete sich eine Klappe im steinernen Boden der Kammer und gab ein schwarzes Loch frei. Seki schaute überrascht in das scheinbar tiefe Loch und konnte so sehr er sich auch anstrengte, kein Ende erkennen.
»Nimm dir eine Fackel sonst sehen wir nichts«, sagte Soran und deute auf die Fackel neben ihm. Als er sie nahm und in das Loch leuchtete, erkannte man steinerne Stufen, die in die Tiefe herab führten.
»Nun lass uns gehen«, forderte Soran knapp. Seki setzte den ersten Fuß auf eine der Stufen und stieg immer weiter hinab, dicht gefolgt von Soran, der ihm hinterher stapfte. Schließlich erreichten sie einen gewaltigen Raum, der von der Fackel nicht ganz ausgeleuchtet werden konnte und eine sanfte Brise schlug ihm ins Gesicht. Seki ließ den Blick schweifen bis Soran hinter ihm auftauchte.
»Neben dir ist eine Rille. Halt da bitte Fackel rein, wenn´s geht«, verlangte er und zeigte rechts neben Seki, der tat, wie ihm Soran es geheißen hatte. Plötzlich entzündete sich die Rille und das Feuer breitete sich an den Wänden des Raumes aus und erleuchtete diesen. Nun wurde erst erkennbar, wie gigantisch die Halle war. Sie erstreckte sich mindestens fünfzig Meter in alle Richtungen und wurde von vier großen Säulen gehalten, die aus Marmor gehauen waren und mit religiösen Bildern verziert. In der Mitte des Saales befand sich ein ausladender Schrein. Auf dem etwas Glänzendes lag, doch aus der Ferne war es nur schwerlich zu erkennen.
»Wo sind wir hier?«, fragte Seki, der gar nicht mehr aus dem Staunen raus kam.
»Ach das hier war wohl mal so ein Art Ritualobjekt oder so was. Aber genau weiß ich das auch nicht, denn die Halle war schon hier, bevor ich nach Tarin kam. Ich hab sie ungefähr vor zwanzig Jahren zufällig bei Arbeiten auf meinem Hof entdeckt. Schließlich habe ich eine Klappe angebaut, damit ich hier immer mal runter kann, wenn ich Lust habe. Es ist manchmal mal schön, wenn ich mich hier unten mal von den ganzen Strapazen erholen kann. Da vorne auf dem Schrein liegt es, geh ruhig hin es gehört dir.«
Seki ging langsam auf den Schrein zu dicht gefolgt von Soran. Bis er dicht genug war, um zu erkennen, dass der Schrein mit merkwürdigen Schriftzeichen überzogen war. In Zentrum dieser Zeichen war Bild von Männern, die niederknieten. Erst als Seki näher heranging, konnte er erkennen, vor was. Ein Mann mit langen Haaren, die weit über seine Füße hinaus reichten und einem edlen langen Gewand schwebte vor ihnen in der Luft. Seine Augen hatte er geschlossen, doch zu Sekis Überraschung hatte er ein weiters geöffnetes Auge auf der Stirn. Von ihm gingen Strahlen aus, die sich in alle Himmelsrichtungen ausbreiten und auf die Männer niedergingen. In der rechten Hand hielt er einen Stab, an dessen Ende jeweils eine Klinge war, und hob ihn hoch in den Himmel. Für einen Moment fragte er sich, was es wohl mit diesem Mann auf sich hatte. Dann wendete er den Blick dem zu, was auf dem Schrein lag. Es war ein prächtiges Einhanschwert, dessen lange goldene Klinge spitz zulief und eine Spalte in der Mitte aufwies, die sich fasst, über die gesamte Länge erstreckte. Das Schwert war fein gearbeitet weit feiner als Sekis. Das Heft hatte die Form eines Sechseckes. Die Spitzen waren abgerundet und aus der Mitte des Heftes erstreckte sich ein kleiner Drachenkopf, der sich auf die Klinge legte. Der Griff war mit einem roten Stoff umwickelt und mündete in einem Stachel.
»Dieses Schwert ist also für mich. Bist du dir da sicher? Ich meine, ich kann mir nicht vorstellen, wo Aron das herhaben sollte«, stutzte Seki. Er verstand nun, warum sich Aron sicher war, dass es ihm gefallen würde.
»Nun nimm es schon. Es gehört dir, probiere es doch mal aus«, drängte Soran ihn. Seki legte die Hand um das Griffstück und hob es voller Ehrfurcht an um es elegant durch die Luft schwirren zu lassen.
»Es liegt sehr gut in der Hand und ist perfekt ausbalanciert. Das ist echt unglaublich«, stellte Seki zufrieden fest und konnte den Blick gar nicht von der goldenen Klinge lassen. »Das liegt daran das es nicht irgendein Schwert, sondern ein sogenanntes Königsschwert mit dem Namen Hydrea. Diese Schwerter sind äußerst selten. Es soll von ihnen gerade mal zwei auf der Welt geben. Und alle bestehen aus dem extrem seltenen Metall Herstal, das dem Schwert ganz besondere Eigenschaften gibt. Jedoch weiß keiner wie man sie verarbeitet, zumindest keiner von dem ich wüsste. Auch wenn die Königsfamilie immer behauptet hat, sie hätten diese Schwerter in Auftrag gegeben. Bleibt es immer noch ein Mysterium«, erläuterte Soran voller Begeisterung für die perfekte Schmiedekunst.
»Was ist mit dem anderen Königsschwert?«, fragte Seki interessiert.
»So weit ich weiß gehören alle beide der Königsfamilie Faram von Lamar. Deswegen auch der Name Königsschwert. Was das eine hier macht weiß ich allerdings nicht, denn es ist äußerst selten, dass die Königsfamilie eins abgibt. Aber das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit. Ich hätte nie erwartet, dass ich in meinem Leben einmal so ein Meisterwerk der Schmiedekunst zu Gesicht bekommen würde. Also es gehört dir. Du kannst damit machen, was du willst. Aron hat es dir hinterlassen, es ist dein Erbe.«
Seki sah es sich noch eine Weile staunend an, bevor er es provisorisch an dem Gürtel befestigte. »Also nein das sieht ja scheußlich es. Ich gebe dir gleich einen anderen Gürtel, der für zwei Schwerter ausgelegt ist. Komm lass uns nach oben gehen. Wer weiß, was Van inzwischen angestellt hat«, meinte Soran lächelnd und so gingen beide nach oben. Soran lief schon mal voraus und ließ Seki allein zurück. Als er die Stufen hinter sich gelassen hatte, hörte er Soran wie sich mit Van unterhielt. Erst als er aus der Waffenkammer trat, wurde um klar, worüber sie gesprochen hatten. Van hatte ein breites Lächeln aufgesetzt und Soran schien auch aufgeregt zu sein. Schließlich drückte Van ihm freudestrahlend eine Rüstung in die Hand.
»Hier. Das wollte ich dir zum Geburtstag schenken, aber es verlief nicht so wie geplant. Also gebe ich sie dir ohne großes Tralala einfach so. Du wirst sie noch gut gebrauchen können. Bei den Sachen, die wir noch vorhaben«, sagte Van etwas deprimiert, das es keine große Feier mehr geben würde. Seki nahm die Rüstung in die Hände und begutachtete sie erst mal und war erst einmal sprachlos.
»Danke Van. Ich werde sie gleich mal anziehen«, sagte er und öffnete bereits die Schnallen an der Rückseite der Rüstung.
Ach ja hier ist der Gürtel. Kannst ihn gleich mal anprobieren«, meinte Soran und hielt Seki einen edlen Ledergürtel mit zwei Laschen an den Seiten hin.
»So jetzt lassen wir dich einen Moment allein. Und du Van kommst mit. Ich habe noch ein paar Sachen für dich.« Van und Soran verschwanden in den Laden und ließen Seki in der Werkstatt zurück. Er legte den Harnisch auf den Tisch. Er begann das Hemd aufzuknöpfen, wobei sein sportlicher Oberkörper zum Vorschein kam und legte es auf den Tisch zur Rüstung. Vorsichtig klappte er die Rüstung auf und legte sie um den Oberkörper und versuchte dabei keine Haut einzuklemmen. Dann schloss er den hinteren Teil der Rüstung. Er selbst war erstaunt darüber, wie bequem sie doch saß und vor allem wie wenig sie ihn in der Bewegungsfreiheit behinderte. Dabei fiel der Blick auf den Gürtel und er legte den alten ab, um den neuen anzulegen. Einer kurzer Ruck und er saß perfekt. Schlussendlich ließ er beiden Schwerter in die Laschen gleiten und schien zufrieden zu sein. Nachdem er sich vergewissert hatte das alles saß machte er sich auf den Weg zurück in den Laden. Soran war damit beschäftigt war Van, der den Oberkörper frei hatte, wodurch die enorme Muskelmasse erst richtig zu Geltung kam, in ein Kettenhemd zu zwängen. Das für wohl etwas zu klein war. Als Seki durch die Tür trat, musste er zwangsläufig dem Spektakel beiwohnen.
»Au das tut weh«, schrie Van Soran an, der sich mit seinem vollen Gewicht an das Kettenhemd hing, dass nicht über Van Kopf passen wollte.
»Ach sei ruhig du Weichei. Außerdem was kann ich denn dafür, dass du zu fett bist«, zeterte der Schmied und zerrte so stark er konnte an dem Hemd. »Wenn du dich noch weiter so dagegen sträubst, dauert es nur länger. Also halt endlich still.« Endlich erbarmte sich das Hemd und rutschte über Van Kopf rüber. »Agram sei dank«, sagte Soran zufrieden und ließ sich auf den kleinen Hocker in der Nähe fallen, der Schweiß stand ihm auf der Stirn. »Noch ein bisschen länger und ich hätte aufgegeben. Ich bin einfach zu alt für so was.«
»Du hast gut reden. Du musstest schließlich nicht ruhig bleiben als du wie ein Irrer an dem Hemd gezogen hast«, stellte Van fest, als er sich den schmerzenden Kopf rieb.
»Ich sehe schon, ihr habt eine Menge Spaß zusammen. Ich kann wohl wieder gehen«, gluckste Seki bevor laut zu lachen anfing und sich mit einem Arm auf die Theke stützte.
»Oh Seki du bist schon fertig. Siehst richtig gut in der Rüstung aus«, schmeichelte Soran, während er sich Seki anguckte, »Wie ein richtiger Krieger. Aron wäre sicherlich stolz auf dich Seki. Das kann man von dir nicht gerade, sagen Van.« Kommentierte er Van, der sich immer noch den Kopf rieb und schließlich zu Seki aufsah. »Ich möchte mal wissen, wie du aussehen würdest, wenn ich so an dir rum reißen würde Soran«, verteidigte er sich. »Ach hör auf zu jammern«, sagte Soran knapp, »Warte mal kurz hier ich hol dir, noch was Van wird, dir sicherlich gefallen.« Kaum hatte er das gesagt, verschwand er auch schon in der Werkstatt und ließ Van mit offenen Mund zurück. »Siehst irgendwie mitgenommen aus«, grinste Seki, »Was hast du bloß gemacht?«
»Ach sei ruhig«, muffelte Van, während er sich die schwarze Jacke überzog, »Ich muss schon sagen du siehst richtig schmuck aus Seki.«
»Äh, danke«, meinte Seki und wich Vans Blick aus. »Bist du sicher das du eigentlich ein Bauer bist. Das steht dir nämlich viel besser«, setzte Van zu seinem Unbehagen fort. »Äh, noch mal danke.«
»Mensch wo bleibt der bloß. Alles dauert bei dem ewig«, zeterte er als Soran immer noch nicht zurück war. »Das hab ich gehört«, ertönte es hinter der Tür. Durch die gleich darauf Soran mit einer großen Axt trat. »Eigentlich hast du die ja gar nicht verdient aber hier nimm schon. Bevor ich es mir noch anders überlege.« Van nahm die Axt glücklich entgegen und betrachtete sie freudig erregt. Die Axt hatte ein gewaltiges goldenes Blatt, auf den eine Jagd eingraviert worden war. Der Stil der Axt war aus stabiler Eiche gemacht. Die Axt schien wie gemacht für Van zu sein und genau die richtige Größe für ihn zu haben. Was schon eine Menge hieß bei Van Ausmaßen. »Und gefällt sie dir?«, fragte Soran lächelnd, obwohl ihm Vans Gesicht schon genug verriet. »Gefallen ist gar kein Ausdruck und bin richtig vernarrt in sie«, schwärmte Van und ließ das mächtige Blatt durch die Luft schwirren. »Das will ich aber auch hoffen. Ich hab sie ja gebaut. Hier hast du noch eine Halterung für die Axt«, sagte Soran und Van nahm die gurtähnliche Montur entgegen. Sofort legte er den Gurt über die Schulter und schob den Stil der Axt in eine Lasche, die sich nun auf dem Rücken befand. Bis das gewaltige Blatt schließlich hinter dem Kopf verblieb. »Na wie seh ich aus?«, fragte Van und begann sich im Kreis zu drehen. »Immer noch scheiße«, erwiderte Soran schroff und begann zu lachen. »Danke gleichfalls. Wie viel kriegst du dafür?«
»Lass gut sein. Ich hab sie dir geschenkt«, erwiderte Soran, »Ich bin zufrieden, wenn ihr dieses Drecksschwein kriegt.«
»Auf alle Fälle«, sagte Seki entschlossen. »Bevor ich es noch vergesse«, erwähnte Soran, als er zu Ladentheke ging. Aus einem Schrank zwei braune Umhänge raus holte und sie Seki und Van zu warf. »Zieht die an, dann fallt ihr nicht so doll auf. Und nun raus hier und viel Glück ihr beiden. Ihr werdet es brauchen gegen den Herzog von Basol zu kämpfen ist keine leichte Aufgabe.« Van und Seki warfen sich die Umhänge über und machten die Schnalle am Hals zu. »Auf Wiedersehen. Und pass gut auf dich auf.«
»Werd ich machen und nun geht endlich und wehe ihr kommt nicht lebend zurück, dann gibt’s Ärger klar.«
»Wir haben verstanden.«


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Themenstarter#4
Wie sich herausstellte ist das Kapitel zu lang und ich muss auf zwei Beiträge aufteilen.

Schließlich verließen Seki und Van gut ausgerüstet die Schmiede. »Was machen wir jetzt eigentlich?«, fragte Van plötzlich. »Ich hatte mir gedacht, dass wir uns durch den Asrar Wald schlagen. Um ein bisschen aufzuholen, das ist der kürzeste Weg nach Basol«, erklärte Seki und sah fragend zu Van rüber. »Gut aber bevor wir gehen verkaufen wir besser die Pferde. Für die Reise können wir schon ein bisschen Geld gebrauchen oder nicht. Und im Wald nützen sie uns eh nichts«, meinte Van zustimmend. »Sehr gute Idee.« Gleich setzte sich Van auf den Wagen und brachte die Pferde zum Laufen. Seki sprang auf und ließ sich neben Van nieder. Während sie durch die Straßen fuhren, wurden sie von allen Seiten misstrauisch beäugt. »Was haben die denn auf einmal? Wieso glotzen die uns so an?«, fragte Seki missbilligend und versuchte sie nicht weiter zu beachten. »Hast du dich mal angeguckt?«, bemerkte Van beiläufig, »Trotz des Umhangs erkennt man immer noch die Schwerter. Du siehst aus wie ein Krieger und so was sieht man nun mal nicht all zu oft in diesem Kaff. Also denk dir nichts dabei, die können nicht anders.« Seki nickte verständig und versuchte die Blicke zu ignorieren. Als sie endlich den Marktplatz erreichten. Der dicht mit Ständen bevölkert war und vor Menschen nur so wimmelte, die Einkäufe tätigen wollten, machten sie sich auf den Weg zum örtlichen Viehzüchter. Sie bahnten sich den Weg durch den Menschentrubel und kamen an einem Kleiderstand vorbei, der Kleidung aus feinster Seide unter den Mann bringen wollte. Natürlich zu überteuerten Preisen, aber so läuft das nun Mal. Nach dem Kleiderstand folgten Waffenstände, die alle möglichen Waffen verkauften angefangen bei Messern und aufhörend bei riesigen Äxten. Allesamt stammten von Soran. Keiner konnte in der Gegend so gut schmieden wie er, deswegen konnte man davon ausgehen, dass sie von guter Qualität waren. Da sie keine Waffen mehr brauchten, zogen sie unbeirrt weiter. Einige Meter danach deutete das hysterische Schreien von vielen Frauen an, das sie den Schmuckstand erreicht hatten. »Es ist immer wieder erstaunlich wie begeistert Frauen doch von funkelnden Sachen sind. Man könnte meinen, sie seien Elstern«, sagte Seki den Kopf schüttelnd zu Van. »So sind viele Frauen nun mal. Dagegen kann man nichts machen. Aber ich denke, du wirst schon eine finden, die dieses Problem nicht hat«, erwähnte Van, während er Seki väterlich auf die Schulter klopfte. »Für so was haben wir keine Zeit«, stammelte Seki, der rot angelaufen war. »Ach weist, wenn dich erst mal die Liebe erwischt hat, wirst du anders denken«, meinte Van sachkundig und schmunzelte. »Können wir endlich das Thema wechseln«, bat Seki peinlich berührt. »Okay, wie du meinst. Da vorne ist so wieso gleich der Viehzüchter.« Sie ließen die Frauenschar und den Schmuckstand zurück und kamen am Obststand vorbei. »Van was willst du schon wieder hier?«, ertönte es aus dem Stand und eine ältere Frau mit faltigem Gesicht kam heraus. Sie trug ein weißes Gewand und hatte die Haare zu einem strengen Zopf gebunden. Ihre blauen Augen schauten freundlich zu Seki und Van auf. »Ach weißt du Mira. Ich wollte meine Pferde verkaufen, da ich ein bisschen Geld brauche«, erklärte Van ausweichend. »Ach so verstehe«, sagte die Alte ruhig, »Der junge Mann ist ja auch hier. Schön dich zu sehen mein Junge. Wie geht’s dir und deinem Vater? Ich hoffe gut.«
»Aron wurde er ...«, setzte Seki an. Doch Van stieß Seki in die Rippen und versuchte ihm zu sagen, dass er ihr nichts er zählen sollte. »Aron geht es gut, ebenso wie mir danke«, sagte Seki, der verstanden hatte, was Van meinte. »Na gut dann will ich euch mal nicht aufhalten. Ich wünsche euch viel Glück.« Nachdem kurzem Gespräch setzte Van die Pferde wieder in Bewegung. »Warum willst du nicht da sie es wissen?«, fragte Seki, als sie weit genug weg waren, dass Mira sie nicht mehr hören konnte. »Mira ist die Labbertasche des Dorfes. Was sie weiß wissen bald alle und ich wollte nicht das alle im Dorf von Arons Tod erfahren. Und vor allem nicht auf diese Weise.«
»Verstehe. Du wolltest damit nur Aron schützen.«
»Nun lass uns nicht mehr davon reden. Da ist schon der Viehzüchter«, beendete Van das Thema, während er auf mehrere kleine Pferche zeigte, die mit Schweinen, Kühen und Pferden gefühlt waren. Van brachte, als sie die erreicht hatten, den Karren zum Stehen genau unter dem Eingang über dem ein Schild hing, auf dem Ronans Bauernhof stand. Kaum stiegen sie vom Wagen, kam ein kräftiger Mann auf sie zu. Er hatte kurze blonde Haare und das Gesicht war sonnen gebräunt und er wirkte fröhlich. Die Grünen Augen blickten von Vans Axt zu Sekis Schwerter hinüber und das Gesicht schien besorgt. »Van, Seki was macht ihr denn hier? Und wie seht ihr aus? Wollt ihr in den Krieg ziehen oder was?«, fragte der Mann bekümmert und sah über das Dorf hinweg. »So was ähnliches, Ronan. Aber eigentlich wollen wir unsere Pferde verkaufen. Wie viel Bringen die noch?«, fragte Van ruhig. »Wieso willst du die Pferde verkaufen, die sind doch noch gut in Schuss. Was habt ihr vor?«
»Ist doch egal. Wir brauchen eben Geld«, mischte sich Seki genervt ein, »Wir haben es ein bisschen eilig. Also wie viel gibst du uns nun für die Pferde?«
»Is ja gut. Also ich würde sagen.«, Ronan überlegte kurz, »Zwei Sonnen. Was haltet ihr von zwei Sonnen für beide Pferde?« Sonnen, kleine Münzen aus purem Gold, waren die Währung von Avalon. Sie waren in Gegensatz zu den Zahlungsmitteln der Reiche nie von Inflation betroffen gewesen, was die Sonnen sehr beliebt unter der Bevölkerung machte. Sogar unter den Händlern der anderen Reiche waren sie begehrt. Eine Sonne waren ungefähr fünfhundert Monde, kleine Münzen aus Silber. Mit hundert Monden konnte man sich eine ordentliche Mahlzeit kaufen, wie zum Beispiel Gänsebraten mit Kartoffelklößen. »Eine Sonne pro Pferd ist ein bisschen wenig. Was hältst du von vier Sonnen für beide Pferde? Da sie ja wie du schon sagtest gut in Schuss sind«, feilschte Van entschlossen. »Vier Sonnen!«, erschrak Ronan, »Bist du wahnsinnig? Du machst mich ja bettelarm. So viel sind die Pferde auf keinen Fall wert. Ich gebe dir zwei Sonnen und hundert Monde und das nur weil wir Freunde sind.«
»Na komm schon drei Sonnen und du bekommst den Wagen noch obendrauf. Das ist doch wohl ein Spitzenangebot.« Ronan legte eine kurze Pause ein, um zu überlegen, was er als Nächstes sagen sollte, bis er erwiderte: »Na gut. Sagen wir zwei Sonnen und zweihundertfünfzig Monde. Den Wagen gratis obendrauf. Aber unter einer Bedingung, das ihr sagt mir, was eigentlich los ist.«
»Einverstanden. Aber ich möchte mit dir unter vier Augen reden. Äh, ich meinte sechs Augen«, stimmte Van schließlich zu. »Ja klar, lasst uns hinter den Stall gehen, da kann uns niemand hören.« Schnell und ohne großes Aufsehen verschwanden die Drei hinter der Stallung und schwiegen sich einen Moment an. »Also was ist los?«, fragte Ronan erneut. »Aron, mein Vater, wurde ermordet«, brach es aus Seki heraus. »Was?!«, stammelte er verstört, »Aron wurde ermordet. Von wem?«
»Von Rittern aus Basol«, mischte sich Van ein, »Wir wollen sie verfolgen, das ist auch der Grund für unser Auftreten und den Verkauf der Pferde.«
»Ich kann es nicht fassen. Aron tot«, murmelte Ronan traurig, »Ihr wollt euch rächen. Dafür braucht ihr Geld um euch mit Verpflegung und anderen nötigen Zeugs zu versorgen.«
»Genau so ist es«, erwiderte Seki ungeduldig, »Gibst du uns nun das Geld, damit wir endlich los können.«
»Natürlich«, Ronan kramte kurz in der Hosentasche und zog einen Beutel aus Leder hervor, »Hier sind eure zwei Sonnen und die zweihundertfünfzig Monde. Wie versprochen.« Ronan überreichte das Geld Van und verstaute den Beutel wieder in der Hose. »Auf Wiedersehen. Und pass gut auf meine Pferde auf.«
»Mach ich versprochen. Passt gut auf euch auf.«
»Das werden wir. Tschüss Ronan«, verabschiedete sich Seki, bevor er mit Van losging. So marschierten die beiden zurück durch den Markt. Vorbei an den Obststand, vorbei an der kreischenden Frauenmenge und vorbei an Sorans Schmiede. Auf dem Weg ins Unbekannte. »So jetzt haben wir alle Vorkehrungen getroffen«, stellte er fest, nachdem sie Tarin hinter sich gelassen hatten, »Nun können wir uns auf den Weg machen.«
»Wurde aber auch Zeit.«
»Immer mit der Ruhe. Wir haben genügend Zeit oder glaubst das der Herzog etwa wegläuft. Selbst wenn die Ritter vor uns in Basol ankommen was soll´s. Wir erwischen sie trotzdem, außerdem wollen wir doch auch die Hintermänner. Dass was wir in unserer Lage am wenigsten Gebrauchen können, sind überstürzte Handlungen.«
»Du hast recht. Wir können uns Zeit lassen. Sie wissen ja gar nicht das ich noch lebe, also haben sie keinen Grund sich zu beeilen.«
»Genau sie denken du bist tot und das gibt uns einen Vorteil.«
»Bist du bereit, Van?«
»Bereit, wenn du es bist, mein Freund.«
»Na dann auf nach Basol.«
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Avatar: ~Ake~
Club-Junior
#5
Hast du auch eine expose?
Wv kapitel sind den geplant?
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Kommentare (1)

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Avatar: Nova Lunaris
Club-Junior
Themenstarter#6
Für Ake hier mal mein Versuch ein Expose zu dem Buch zu schreiben. Ist auch schon länger her als ich das geschrieben habe. Und ehrlich gesagt mag ich es auch nicht besonders.

In Avalon, einem von politischen Unruhen geplagten Königreich auf dem Kontinent Escrima, muss der junge Schwertkämpfer Seki an seinem achtzehnten Geburtstag die grausame Ermordung seines Vaters mitansehen. Jetzt sinnt er nach Gerechtigkeit. Er verfolgt mit seinem Gefährten Van jene die für die Ermordung seines Vaters verantwortlich sind, um zu verstehen warum gerade er das Ziel eines Herzogs sein sollte. Ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, was er damit verursacht, sucht er unerbittlich nach der Wahrheit. Am Ende findet er sich im Krieg zwischen zwei Fronten wieder und muss sich entscheiden. Wird er dem Krieg den Rücken kehren oder für seine Heimat kämpfen?
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