
AsaneV.I.P.
#1An diesen Anime bin ich mit großen Hoffnungen gegangen, trotz der geringen und eher niedrigen Bewertungen, in der Erwartung eines verkannten Kleinods. Schließlich basiert die Serie auf einem Roman von Lucy Maud Montgomery, die durch das 15 Jahre zuvor entstandene „Anne of Green Gables“ [WP] recht schnell zu Weltruhm gelangt ist. Genauer gesagt: die Handlung umfasst im Groben alle drei „Emily“-Bände (oder wenigstens zweieinhalb), und auch das „basiert“ muss wörtlich genommen werden, denn man hat sich dazu verhoben, diese drei Bände in 26 Folgen zu quetschen, was nicht ohne Schaden für Leib und Leben der Handlung über die Bühne ging. Logikbrüche inklusive. Das Resultat gleicht dem, was man kürzlich erst bei der ähnlich rücksichtlos komprimierten Neuauflage des Anne-Stoffes in „Anne Shirley“ verbrochen hat.
Das wäre durchaus zu verschmerzen, wenn die Umsetzung selber das Niveau der literarischen Vorlage einigermaßen halten könnte. Tut sie aber vorne und hinten nicht. Die Tiefe und Komplexität der Geschichte wird geopfert zugunsten einer simplifizierten und leicht konsumierbaren Fassung, die publikumsgerecht eher jüngere Zuschauer anspricht (Furigana bei allen Kanji) und auch mit Charakterisierungen im Gartenlaube-Format nicht geizt.
Das Charakterdesign ist nicht direkt mit Glück gesegnet. Alles wirkt etwas ungeschickt und linkisch, wirkt bemüht und ohne echte Empathie. Dafür gleicht man das mit einem Übermaß an Computergrafik wieder aus, bei der die Regler für Farbkontrast und -sättigung bis zum Anschlag geschoben wurden. Dem entgegen steht ein Charakterdesign mit harten Zügen und einer unbeirrt gusseisernen Mimik. Auf ausgefeilte und stimmige Bewegungsabläufe braucht man da gar nicht zu hoffen. Alles in allem ein Triumph der Oberflächlichkeit hinter einer glänzenden Fassade.
Wie die meisten Bücher von Montgomery handelt auch dieses auf Prince Edward Island [WP] – wer „Anne“ kennt, wird sich also auch hier gleich heimisch fühlen. Bei allen Schwächen muss man der Serie doch zugute halten, daß die Leute gut recherchiert haben was die Topologie, die Kostüme und das Interieur angeht. Sogar einige japanische Zikaden hat man extra für diesen Anime nach Kanada exportiert.
Zwar geht es in dieser Serie hauptsächlich um Charakterentwicklung, um Themen wie Zukunftsträume, die sehr oft an der Realität abprallen, aber natürlich auch um hochdramatische Wendungen. Und die sind schlicht zum Haareraufen, bewegen sich auf dem Level von „Konnichiwa Anne“ und „Die kleine Prinzessin Sara“. Eine bissfeste Tischplatte könnte also von Nutzen sein.
Überhaupt sind die Parallelen bei der Persönlichkeit der Protagonisten und den Handlungsmotiven zu „Anne“ blind mit Händen zu greifen, denn auch hier sind viele Details aus Montgomerys Biographie mit eingeflossen – allein schon der Umstand, daß die Handlung Mitte der 1890ern spielt, als nicht nur Montgomerys Romanfigur Emily, sondern auch die Autorin selber erste Erfolge mit ihren Veröffentlichungen erfährt.
Ähnlich wie Anne zeichnet sich auch Emily durch literarisches Talent und eine überspannte Fantasie aus, bedenkt alle möglichen Wesen mit den absonderlichsten Namen, überrascht aber auch durch eine etwas handfeste Art, Freunde fürs Leben zu finden, die man ihr durchaus nicht zugetraut hat.
Hat man die enorm schicksalsträchtigen ersten zwei bis drei Folgen erstmal glücklich hinter sich, bessert sich die Lage allmählich. Es dauert eben ein wenig, bis die Serie Tritt fasst und etwas erträglicher wird. Dennoch sind alle Personen so dermaßen schnittfest charakterisiert, daß schon beim ersten Anblick jeder Irrtum ausgeschlossen ist, wie die alle ticken. Entsprechend standardisiert sind dann auch die Dialoge. Alles verharrt in Konvention und Konstruktion. Angesichts der herrischen und moralinsauren Tante alten Schlages, mit der Emily sich rumzuschlagen hat, muss einem Fräulein Rottenmaier fast als ein gütiger Engel erscheinen. Und das ist, dramaturgisch gesehen, natürlich Quatsch. Man übertreibt hier ins Maßlose, gemäß dem bewährten Motto „viel hilft viel“. Und ruiniert damit fast schon die literarische Vorlage.
Positiv fällt auf, daß die Charaktere altern dürfen. Man sieht ihnen das Älterwerden nicht nur an, man kann es auch hören.
Fazit:
Dennoch reißt das die Serie nicht raus. Man betreibt extreme cherry picking, was die Auswahl der Szenen betrifft, man zerreißt auch dann und wann den roten Faden, der das alles zusammenhalten soll. Der geringe Zuspruch und die bescheidenen Bewertungen auf Anisearch spiegeln die Qualitäten des Animes zutreffend wider: Nichts war's mit der vermuteten Perle. Wirklich schade.
Das wäre durchaus zu verschmerzen, wenn die Umsetzung selber das Niveau der literarischen Vorlage einigermaßen halten könnte. Tut sie aber vorne und hinten nicht. Die Tiefe und Komplexität der Geschichte wird geopfert zugunsten einer simplifizierten und leicht konsumierbaren Fassung, die publikumsgerecht eher jüngere Zuschauer anspricht (Furigana bei allen Kanji) und auch mit Charakterisierungen im Gartenlaube-Format nicht geizt.
Das Charakterdesign ist nicht direkt mit Glück gesegnet. Alles wirkt etwas ungeschickt und linkisch, wirkt bemüht und ohne echte Empathie. Dafür gleicht man das mit einem Übermaß an Computergrafik wieder aus, bei der die Regler für Farbkontrast und -sättigung bis zum Anschlag geschoben wurden. Dem entgegen steht ein Charakterdesign mit harten Zügen und einer unbeirrt gusseisernen Mimik. Auf ausgefeilte und stimmige Bewegungsabläufe braucht man da gar nicht zu hoffen. Alles in allem ein Triumph der Oberflächlichkeit hinter einer glänzenden Fassade.
Wie die meisten Bücher von Montgomery handelt auch dieses auf Prince Edward Island [WP] – wer „Anne“ kennt, wird sich also auch hier gleich heimisch fühlen. Bei allen Schwächen muss man der Serie doch zugute halten, daß die Leute gut recherchiert haben was die Topologie, die Kostüme und das Interieur angeht. Sogar einige japanische Zikaden hat man extra für diesen Anime nach Kanada exportiert.
Zwar geht es in dieser Serie hauptsächlich um Charakterentwicklung, um Themen wie Zukunftsträume, die sehr oft an der Realität abprallen, aber natürlich auch um hochdramatische Wendungen. Und die sind schlicht zum Haareraufen, bewegen sich auf dem Level von „Konnichiwa Anne“ und „Die kleine Prinzessin Sara“. Eine bissfeste Tischplatte könnte also von Nutzen sein.
Überhaupt sind die Parallelen bei der Persönlichkeit der Protagonisten und den Handlungsmotiven zu „Anne“ blind mit Händen zu greifen, denn auch hier sind viele Details aus Montgomerys Biographie mit eingeflossen – allein schon der Umstand, daß die Handlung Mitte der 1890ern spielt, als nicht nur Montgomerys Romanfigur Emily, sondern auch die Autorin selber erste Erfolge mit ihren Veröffentlichungen erfährt.
Ähnlich wie Anne zeichnet sich auch Emily durch literarisches Talent und eine überspannte Fantasie aus, bedenkt alle möglichen Wesen mit den absonderlichsten Namen, überrascht aber auch durch eine etwas handfeste Art, Freunde fürs Leben zu finden, die man ihr durchaus nicht zugetraut hat.
Hat man die enorm schicksalsträchtigen ersten zwei bis drei Folgen erstmal glücklich hinter sich, bessert sich die Lage allmählich. Es dauert eben ein wenig, bis die Serie Tritt fasst und etwas erträglicher wird. Dennoch sind alle Personen so dermaßen schnittfest charakterisiert, daß schon beim ersten Anblick jeder Irrtum ausgeschlossen ist, wie die alle ticken. Entsprechend standardisiert sind dann auch die Dialoge. Alles verharrt in Konvention und Konstruktion. Angesichts der herrischen und moralinsauren Tante alten Schlages, mit der Emily sich rumzuschlagen hat, muss einem Fräulein Rottenmaier fast als ein gütiger Engel erscheinen. Und das ist, dramaturgisch gesehen, natürlich Quatsch. Man übertreibt hier ins Maßlose, gemäß dem bewährten Motto „viel hilft viel“. Und ruiniert damit fast schon die literarische Vorlage.
Positiv fällt auf, daß die Charaktere altern dürfen. Man sieht ihnen das Älterwerden nicht nur an, man kann es auch hören.
Fazit:
Dennoch reißt das die Serie nicht raus. Man betreibt extreme cherry picking, was die Auswahl der Szenen betrifft, man zerreißt auch dann und wann den roten Faden, der das alles zusammenhalten soll. Der geringe Zuspruch und die bescheidenen Bewertungen auf Anisearch spiegeln die Qualitäten des Animes zutreffend wider: Nichts war's mit der vermuteten Perle. Wirklich schade.
Beitrag wurde zuletzt am 18.03.2026 16:10 geändert.

Kaze no Shoujo Emily
Emily della Luna Nuova







Kommentare