
AsaneV.I.P.
#1Es gibt eine ganze Reihe Anime, gerade im WMT-Bereich, die machen es einem wirklich nicht leicht. Und »Perrine« ist ein gutes Beispiel dafür.
Einfaches Charakterdesign, einfache Dialogmuster und lineare Handlungsführung geben prägen Grundstimmung der Serie und stellen unmissverständlich klar, daß sie sich eigentlich an Kinder richtet. Und so sind auch die Abenteuer, die Perrine und ihrer Mutter auf ihrer Reise widerfahren, eher kindgerecht als realistisch gehalten. Solch eine Reise dient natürlich auch immer als Folie für Abenteuer verschiedenster Art. Natürlich auch unschöne, unerfreuliche. Aber die großen Bösewichte bleiben aus, und etwaige Probleme sind meist innerhalb ein- und derselben Episode erledigt.
Man kann also zu der Ansicht gelangen, die Serie möchte ihr Zielpublikum nicht über Gebühr schocken und man habe daher das dramatische Potential etwas zurückgefahren. Diese Annahme verdichtet sich zur Gewissheit, schaut man sich einige Dinge etwas näher an. Das Charakterdesign ist eher spärlich, die Animation von Bewegungen haut einen auch nicht gerade vom Hocker, und das, was eine Serie dieser Art für gewöhnlich auszeichnet, nämlich die Hintergründe, sind zwar ganz nett anzusehen – bei genauerer Betrachtung jedoch erweisen sie sich als irgendwo zwischen hanebüchen und freier Fantasie. "Weiß eigentlich wer, wie's in Bosnien so ausschaut? Nein? Dann machen wir einfach mal was mit Bergen und Wald." So wird man sich das wohl gedacht haben, denn was der Zuschauer da zu Gesicht bekommt, sind hochalpine Landschaften mit ausgeprägten Gletschermulden, gern jenseits der Baumgrenze. Oft mit den immer-gleichen Bergformationen. Das ändert sich grundsätzlich auch nicht, als es später dann durch Venetien und die Lombardei Richtung Mailand geht. Ein beeindruckendes Panorma hochaufragender Berge keine 10 Kilometer von der Reiseroute entfernt; selbst in Mailand voralpine Landschaft direkt vor der Haustür. (Und die Karte, die in Ep. 12 eingeblendet wird, hat Südtirol schon Italien zugesprochen, Elsass-Lothringen ist noch oder wieder französisch, Liechtenstein und Luxemburg sind erwartungsgemäß inexistent.) Mit größerer Recherche hat man sich da offenbar nicht aufgehalten. Aber solche Kleinigkeiten wider Realität und Logik ziehen sich durch die komplette Serie und können nur bei etwas bewussterem Hinsehen dem Zuschauer etwas aufs Gemüt schlagen.
Nun gut, Kinder scheren sich da wohl nicht groß drum, aber gerade das einige Jahre zuvor entstandene »Alps no Shoujo Heidi« und das ein Jahr spätere »Akage no Anne« zeigen, daß es auch anders geht. Realistischer, aber natürlich auch dramaturgisch überspitzt, geht es da schon die Überquerung des Simplon zu, mit anschließender Fahrt das Rhônetal hinunter Richtung Frankreich.
Und hier, mit der Ankunft in Paris, endet der an Klischees und Standardtropen reiche erste Teil der Serie.
Und der Rezensent ist froh, die Serie aus Ärger über all diese Schwächen nicht schon vorher abgebrochen zu haben, denn jetzt entfaltet sich ganz allmählich eine Story, die den Zuschauer fesselt und in der Ruhepunkte und Filler eben auch ihre Berechtigung haben. Nämlich um für Zeit und Handlungsentwicklung das rechte Gefühl zu bekommen, genauso wie für die Motivation und die innere Verfassung der Charaktere, speziell bei den Selbstzweifeln von Perrine.
Was von nun an folgt, hat einige Gemeinsamkeiten mit "Der kleine Lord", und in ähnlicher Weise entwickelt sich die Geschichte nun auch – langsam, stetig, unausweichlich. Es ist nicht so, dass die bisherigen Schwächen sich in Nichts aufgelöst hätten; aber im Zusammenspiel mit der neuen Wendung der Handlung und den neu eingeführten und durchweg glaubhaften Charakteren entwickelt sich nun ein erzählerischer Bogen, in dem Episodenhaftes nie allein und für sich steht, sondern sich zu einem Ganzen bündelt und zu dem Grande Finale führt, wie es seit einiger Zeit schon zu erwarten war. Kleinere Erfahrungen, die Perrine auf ihrer Reise gemacht hat, kommen ihr nun zu Gute, und das, ohne übertrieben pädagogisch zu wirken.
In Perrine erleben wir eine bescheidene, ruhige, liebenswerte Persönlichkeit mit dennoch starkem Charakter und dem ungebrochenen Willen, ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Ihr zur Seite steht späterhin Rosalie, ihre treue Freundin aus der Fabrik, die zwar nie die direkte Konfrontation mit ihren Vorgesetzten (oder dem Vater) sucht, aber sich im Zweifelsfall auch nicht scheut, ihre Meinung offen, ehrlich und nachdrücklich zu vertreten und die überhaupt das Herz auf dem rechten Fleck trägt.
Daher ist dieses taffe und grundehrliche Mädchen auch mein Favorit dieser Serie.
Alles in allem mal wieder ziemlich schwierig zu bewerten.
Folge 01-21: 1 Stern
Folge 22-53: 3,5 Sterne
Einfaches Charakterdesign, einfache Dialogmuster und lineare Handlungsführung geben prägen Grundstimmung der Serie und stellen unmissverständlich klar, daß sie sich eigentlich an Kinder richtet. Und so sind auch die Abenteuer, die Perrine und ihrer Mutter auf ihrer Reise widerfahren, eher kindgerecht als realistisch gehalten. Solch eine Reise dient natürlich auch immer als Folie für Abenteuer verschiedenster Art. Natürlich auch unschöne, unerfreuliche. Aber die großen Bösewichte bleiben aus, und etwaige Probleme sind meist innerhalb ein- und derselben Episode erledigt.
Man kann also zu der Ansicht gelangen, die Serie möchte ihr Zielpublikum nicht über Gebühr schocken und man habe daher das dramatische Potential etwas zurückgefahren. Diese Annahme verdichtet sich zur Gewissheit, schaut man sich einige Dinge etwas näher an. Das Charakterdesign ist eher spärlich, die Animation von Bewegungen haut einen auch nicht gerade vom Hocker, und das, was eine Serie dieser Art für gewöhnlich auszeichnet, nämlich die Hintergründe, sind zwar ganz nett anzusehen – bei genauerer Betrachtung jedoch erweisen sie sich als irgendwo zwischen hanebüchen und freier Fantasie. "Weiß eigentlich wer, wie's in Bosnien so ausschaut? Nein? Dann machen wir einfach mal was mit Bergen und Wald." So wird man sich das wohl gedacht haben, denn was der Zuschauer da zu Gesicht bekommt, sind hochalpine Landschaften mit ausgeprägten Gletschermulden, gern jenseits der Baumgrenze. Oft mit den immer-gleichen Bergformationen. Das ändert sich grundsätzlich auch nicht, als es später dann durch Venetien und die Lombardei Richtung Mailand geht. Ein beeindruckendes Panorma hochaufragender Berge keine 10 Kilometer von der Reiseroute entfernt; selbst in Mailand voralpine Landschaft direkt vor der Haustür. (Und die Karte, die in Ep. 12 eingeblendet wird, hat Südtirol schon Italien zugesprochen, Elsass-Lothringen ist noch oder wieder französisch, Liechtenstein und Luxemburg sind erwartungsgemäß inexistent.) Mit größerer Recherche hat man sich da offenbar nicht aufgehalten. Aber solche Kleinigkeiten wider Realität und Logik ziehen sich durch die komplette Serie und können nur bei etwas bewussterem Hinsehen dem Zuschauer etwas aufs Gemüt schlagen.
Nun gut, Kinder scheren sich da wohl nicht groß drum, aber gerade das einige Jahre zuvor entstandene »Alps no Shoujo Heidi« und das ein Jahr spätere »Akage no Anne« zeigen, daß es auch anders geht. Realistischer, aber natürlich auch dramaturgisch überspitzt, geht es da schon die Überquerung des Simplon zu, mit anschließender Fahrt das Rhônetal hinunter Richtung Frankreich.
Und hier, mit der Ankunft in Paris, endet der an Klischees und Standardtropen reiche erste Teil der Serie.
Und der Rezensent ist froh, die Serie aus Ärger über all diese Schwächen nicht schon vorher abgebrochen zu haben, denn jetzt entfaltet sich ganz allmählich eine Story, die den Zuschauer fesselt und in der Ruhepunkte und Filler eben auch ihre Berechtigung haben. Nämlich um für Zeit und Handlungsentwicklung das rechte Gefühl zu bekommen, genauso wie für die Motivation und die innere Verfassung der Charaktere, speziell bei den Selbstzweifeln von Perrine.
Was von nun an folgt, hat einige Gemeinsamkeiten mit "Der kleine Lord", und in ähnlicher Weise entwickelt sich die Geschichte nun auch – langsam, stetig, unausweichlich. Es ist nicht so, dass die bisherigen Schwächen sich in Nichts aufgelöst hätten; aber im Zusammenspiel mit der neuen Wendung der Handlung und den neu eingeführten und durchweg glaubhaften Charakteren entwickelt sich nun ein erzählerischer Bogen, in dem Episodenhaftes nie allein und für sich steht, sondern sich zu einem Ganzen bündelt und zu dem Grande Finale führt, wie es seit einiger Zeit schon zu erwarten war. Kleinere Erfahrungen, die Perrine auf ihrer Reise gemacht hat, kommen ihr nun zu Gute, und das, ohne übertrieben pädagogisch zu wirken.
In Perrine erleben wir eine bescheidene, ruhige, liebenswerte Persönlichkeit mit dennoch starkem Charakter und dem ungebrochenen Willen, ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Ihr zur Seite steht späterhin Rosalie, ihre treue Freundin aus der Fabrik, die zwar nie die direkte Konfrontation mit ihren Vorgesetzten (oder dem Vater) sucht, aber sich im Zweifelsfall auch nicht scheut, ihre Meinung offen, ehrlich und nachdrücklich zu vertreten und die überhaupt das Herz auf dem rechten Fleck trägt.
Daher ist dieses taffe und grundehrliche Mädchen auch mein Favorit dieser Serie.
Alles in allem mal wieder ziemlich schwierig zu bewerten.
Folge 01-21: 1 Stern
Folge 22-53: 3,5 Sterne
Beitrag wurde zuletzt am 15.02.2025 23:50 geändert.

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