- Handlung
- Animation
- Charaktere
- Musik
Ich möchte Euch einen Film vorstellen, der eine meiner persönlichen Initialzündungen in Sachen Anime gewesen ist. „Hi no Tori - Ai no Cosmozone„ aus dem Jahr 1980, der im Westen veröffentlicht wurde unter dem Titel „Space Firebird„. Regie, Drehbuch und Produktion führte der großartige Osamu Tezuka durch und wurde von Taku Sugiyama unterstützt.
Handlung:
(Vorsicht! Enthält Spoiler!)
Meine Meinung:
Ohne Witz, ich habe gerade nur die erste Hälfte des Films zusammengefasst. Wie eingangs erwähnt stammt „Space Firebird“ von keinem Geringeren als Anime- und Manga-Legende Osamu Tezuka, jenem Mangaka, dem in Japan längst göttlicher Status zugesprochen wird. Kein Wunder. Er war es, der all jene Elemente definiert hat, die wir heute als typisch für Anime begreifen, und die für ihren sofortigen Wiedererkennungswert sorgen. Tezuka hat eine Vielzahl von Comics und Zeichentrickfilmen geschaffen, die auf kleinem Raum große, komplexe Geschichten von epischem Ausmaß erzählen und das, ohne dabei je überfordernd zu wirken. Während Studio Ghibli sich auf die Darstellung von Momentaufnahmen konzentriert, geht Tezuka den entgegengesetzten Weg. Er umspannt ganze Lebensgeschichten und historische Perioden.
Im Gewand der Science Fiction erleben wir also nicht nur eine tragische Liebesgeschichte, sondern auch eine Auseinandersetzung mit dem, was Liebe überhaupt bedeutet. Es geht um Tod und Wiedergeburt, um Apokalypse und Neuanfang, also um nichts Geringeres als den Wert des Lebens selbst. Für Tezuka hatten alle Lebewesen denselben Wert; vom kleinsten Käfer bis zum Menschen. Und er kritisiert in diesem Film all jene, die sich als Krone der Schöpfung betrachten und sich anmaßen, über Leben und Tod zu entscheiden.
Zugleich ist der Film voller spannender Weltraumabenteuer und endet in einem tragisch-schönen Happy End. Mit Orga hat Tezuka, der spätestens seit „Tetsuwan Atom“ ein Faible für Roboter hatte, eine Figur erschaffen, die mehr Herz, mehr Menschlichkeit und mehr Liebe in sich trägt als so mancher Mensch in diesem Film. „Hi no Tori 2772“ deckt dabei eine große Bandbreite an Gefühlen ab. Trotz allgegenwärtiger Düsternis bleibt die Botschaft hoffnungsvoll. Es ist ein Film für die ganze Familie, lehrreich, moralisch klar und dabei nie belehrend.
Handwerkliches:
Die Animation des Films finde ich bis heute butterweich. Es gibt kaum Standbilder und mehrere Szenen wurden sehr aufwendig mit Rotoskopie umgesetzt, wie beispielsweise Godos Kadettentraining. Auch für den Raumhai oder eine dreidimensional animierte Stadtansicht wurden offensichtlich Modelle vorgebaut, abgefilmt und überzeichnet. Das Ergebnis finde ich einmalig schön und habe ich so auch selten gesehen. Der Film Film ist zudem sehr farbenfroh, alles ist hier von Hand koloriert worden und passt stimmungsvoll in die jeweilige Szene. Für Tezukas Charakterdesign muss der Zuschauer eine Vorliebe haben. Ich habe es. Für mich sind seine Figuren in ihrer rundlichen Einfachheit unfassbar präzise und haben hohen Wiedererkennungswert. Auch in diesem Film wird noch deutlich, dass Tezukas frühe Inspirationen beim frankobelgischen Comic und Disney lagen, auch wenn er was ganz eigenes damit erzählte.
Die deutsche Synchronisation finde ich grandios. Die Sprecherleistungen waren schon damals erstklassig. Andreas von der Meden, Heidi Berendt, Monika Gabriel, Günther Jerschke… alles Stimmen, die wir als Zuschauer sofort mit hochwertigen Synchronfassungen verbinden.
Zur Veröffentlichung:
Ich habe diesen Film zum ersten Mal mit sechs Jahren gesehen. Natürlich konnte ich damals nicht alles begreifen, aber ich war sofort fasziniert. Seitdem habe ich ihn über ein Dutzend Mal gesehen. Es ist ein Film, der mich mein ganzes Leben begleitet. Eine zeitlang legte ich ihn mindestens einmal im Jahr ein, weil er mich so fasziniert.
Der Film wurde in Deutschland genau zweimal auf Video veröffentlicht, ebenfalls zweimal bei RTL Plus und erschien erst 2013 endlich auf DVD. Wahrscheinlich wurde die Lizenz damals über die USA bezogen, wo der Film bereits 1982 im Kino lief und von der Zeitschrift Variety als „zu lang“ bezeichnet wurde. Man empfahl, „überflüssige Szenen“ zu kürzen, was in der britischen Fassung dann tatsächlich passierte. Ganze 30 Minuten wurden entfernt. Glücklicherweise blieb die deutsche Fassung davon verschont. Hier erschien der Film zunächst als Videotheken-Tape von All Video, später dann bei MCP-Video, verteilt auf drei Kassetten.
Kurz zur Manga-Vorlage:
Ich habe den Manga-Band „Future“ aus Tezukas Hi no Tori-Reihe dann erstmals 2002 gelesen. Umso spannender war es zu sehen, wie stark sich der Film „Hi no Tori 2772“ davon unterscheidet. Zwar teilt er sich mit dem Manga einige Grundmotive wie die Suche nach dem Feuervogel, den Weltuntergang oder das Thema der Wiedergeburt, erzählt aber eine völlig andere Geschichte. Im Manga steht ein einzelner Überlebender im Mittelpunkt, allein in einem unterirdischen Atomschutzbunker, konfrontiert mit Einsamkeit, Zeit und Sinnfragen. Den Film hingegen finde ich viel breiter aufgestellt. Er zeigt eine ganze Welt, politische Strukturen, mehrere Hauptfiguren und eine stark ausgebaute Handlung. Zudem wird hier der Fokus deutlich mehr auf Emotionen, Beziehungen und gesellschaftliche Kritik gelegt. Für mich war das nie ein Widerspruch, sondern eher wie zwei parallele Linien, die dasselbe Ziel verfolgen, aber ganz unterschiedlich verlaufen. Tezuka konnte das.
Fazit:
„Hi no Tori 2772“ bietet Stoff für fünf Filme, wenn nicht für eine ganze Serie. In nur zwei Stunden erzählt Tezuka eine epische Coming-of-Age-Geschichte, eine tragische Liebesbeziehung zwischen Mensch und Maschine, entwirft eine dystopische Gesellschaft mit harter Systemkritik, stellt philosophische Fragen nach Menschlichkeit, Seele und künstlichem Leben, und spinnt einen spirituellen Plot rund um Tod, Wiedergeburt und den Feuervogel als Symbol des ewigen Kreislaufs. Figuren wie Olga, Saruta oder Rock tragen komplexe Nebenhandlungen, die in anderen Filmen Hauptplots wären. ~ …und trotz dieser Dichte bleibt der Film klar und zugänglich und genau das macht ihn so besonders. Wer damals dachte, Zeichentrick sei seicht, konnte hier bereits eines Besseren belehrt werden.
In seiner komplexen Einfachheit aus meiner Sicht ein perfekter Film!
Handlung:
(Vorsicht! Enthält Spoiler!)
Spoiler
Der Film beginnt mit einer orchestralen Sequenz. Ein Phönix fliegt durch ein buntes Nebelgebilde, begleitet von orchestraler Musik. Dann springt die Geschichte in eine futuristische Einrichtung. Wir sehen ein Kind im Reagenzglas, dessen Leben bis ins junge Erwachsenenalter in Fragmenten gezeigt wird. Aufgezogen im Labor, wird er trainiert und erhält als Kleinkind einen weiblichen Roboter namens Orga. Sie kann sich in verschiedene Fahrzeuge transformieren und begleitet Godo als Trainerin, Ansprechpartnerin, Freundin und Mutterersatz.
Als Godo alt genug ist, verlässt er mit Orga das Labor und tritt in ein Ausbildungslager für Raumkadetten ein. Das Training unter Captain Wolkan ist unerbittlich. Orga ist dort nicht zugelassen, und Godo wird dazu gebracht, erst auf bewegliche, dann auf lebende Ziele zu schießen. Diese Erfahrungen lassen ihn zweifeln an seiner Ausbildung und am System.
Er begegnet seinem Zwillingsbruder Rock, einem aufstrebenden Politiker. Da die Ressourcen der Erde schwinden, erhält Godo den Auftrag, den legendären Feuervogel zu fangen, dessen Blut soll den Reichen Unsterblichkeit verleihen. An der Akademie verliebt sich Godo jedoch in Rena, die jedoch mit Rock verlobt ist. Seine Gefühle kann er nur mit Orga teilen, die inzwischen menschliche Verhaltensweisen imitiert. Godo und Rena beginnen dennoch eine heimliche Affäre, bis sie auffliegen und von Rock gestellt werden.
Godo wird zur Bestrafung in ein Arbeitslager nach Island deportiert. Unter der brutalen Aufsicht von Black Jack und Boon muss er schuften, einzig der Wissenschaftler Dr. Saruta zeigt menschliche Züge. Zwischen ihm und Godo entsteht eine Freundschaft, und gemeinsam planen sie die Flucht, mithilfe eines streng bewachten Raumhais, der im Lager steht.
Währenddessen sucht Olga verzweifelt nach Godo. Mithilfe der Sirius-Dame Pincho, Renas Vertrauter, erfährt sie seinen Aufenthaltsort. Nach einem Kampf mit Black Jack gelingt es Godo, Saruta, Olga und Pincho, den Raumhai zu stehlen und ins All zu fliehen.
Saruta bringt den Feuervogel erneut ins Gespräch, diesmal mit dem Plan, dessen Kräfte zur Wiedergeburt der Erde zu nutzen. Doch niemand weiß, wo der Vogel ist. Ihre erste Station ist der Planet Träne, wo Ban Shunsaku, ein alter Freund Sarutas möglicherweise mehr weiß…
Der Film beginnt mit einer orchestralen Sequenz. Ein Phönix fliegt durch ein buntes Nebelgebilde, begleitet von orchestraler Musik. Dann springt die Geschichte in eine futuristische Einrichtung. Wir sehen ein Kind im Reagenzglas, dessen Leben bis ins junge Erwachsenenalter in Fragmenten gezeigt wird. Aufgezogen im Labor, wird er trainiert und erhält als Kleinkind einen weiblichen Roboter namens Orga. Sie kann sich in verschiedene Fahrzeuge transformieren und begleitet Godo als Trainerin, Ansprechpartnerin, Freundin und Mutterersatz.
Als Godo alt genug ist, verlässt er mit Orga das Labor und tritt in ein Ausbildungslager für Raumkadetten ein. Das Training unter Captain Wolkan ist unerbittlich. Orga ist dort nicht zugelassen, und Godo wird dazu gebracht, erst auf bewegliche, dann auf lebende Ziele zu schießen. Diese Erfahrungen lassen ihn zweifeln an seiner Ausbildung und am System.
Er begegnet seinem Zwillingsbruder Rock, einem aufstrebenden Politiker. Da die Ressourcen der Erde schwinden, erhält Godo den Auftrag, den legendären Feuervogel zu fangen, dessen Blut soll den Reichen Unsterblichkeit verleihen. An der Akademie verliebt sich Godo jedoch in Rena, die jedoch mit Rock verlobt ist. Seine Gefühle kann er nur mit Orga teilen, die inzwischen menschliche Verhaltensweisen imitiert. Godo und Rena beginnen dennoch eine heimliche Affäre, bis sie auffliegen und von Rock gestellt werden.
Godo wird zur Bestrafung in ein Arbeitslager nach Island deportiert. Unter der brutalen Aufsicht von Black Jack und Boon muss er schuften, einzig der Wissenschaftler Dr. Saruta zeigt menschliche Züge. Zwischen ihm und Godo entsteht eine Freundschaft, und gemeinsam planen sie die Flucht, mithilfe eines streng bewachten Raumhais, der im Lager steht.
Währenddessen sucht Olga verzweifelt nach Godo. Mithilfe der Sirius-Dame Pincho, Renas Vertrauter, erfährt sie seinen Aufenthaltsort. Nach einem Kampf mit Black Jack gelingt es Godo, Saruta, Olga und Pincho, den Raumhai zu stehlen und ins All zu fliehen.
Saruta bringt den Feuervogel erneut ins Gespräch, diesmal mit dem Plan, dessen Kräfte zur Wiedergeburt der Erde zu nutzen. Doch niemand weiß, wo der Vogel ist. Ihre erste Station ist der Planet Träne, wo Ban Shunsaku, ein alter Freund Sarutas möglicherweise mehr weiß…
Meine Meinung:
Ohne Witz, ich habe gerade nur die erste Hälfte des Films zusammengefasst. Wie eingangs erwähnt stammt „Space Firebird“ von keinem Geringeren als Anime- und Manga-Legende Osamu Tezuka, jenem Mangaka, dem in Japan längst göttlicher Status zugesprochen wird. Kein Wunder. Er war es, der all jene Elemente definiert hat, die wir heute als typisch für Anime begreifen, und die für ihren sofortigen Wiedererkennungswert sorgen. Tezuka hat eine Vielzahl von Comics und Zeichentrickfilmen geschaffen, die auf kleinem Raum große, komplexe Geschichten von epischem Ausmaß erzählen und das, ohne dabei je überfordernd zu wirken. Während Studio Ghibli sich auf die Darstellung von Momentaufnahmen konzentriert, geht Tezuka den entgegengesetzten Weg. Er umspannt ganze Lebensgeschichten und historische Perioden.
Im Gewand der Science Fiction erleben wir also nicht nur eine tragische Liebesgeschichte, sondern auch eine Auseinandersetzung mit dem, was Liebe überhaupt bedeutet. Es geht um Tod und Wiedergeburt, um Apokalypse und Neuanfang, also um nichts Geringeres als den Wert des Lebens selbst. Für Tezuka hatten alle Lebewesen denselben Wert; vom kleinsten Käfer bis zum Menschen. Und er kritisiert in diesem Film all jene, die sich als Krone der Schöpfung betrachten und sich anmaßen, über Leben und Tod zu entscheiden.
Zugleich ist der Film voller spannender Weltraumabenteuer und endet in einem tragisch-schönen Happy End. Mit Orga hat Tezuka, der spätestens seit „Tetsuwan Atom“ ein Faible für Roboter hatte, eine Figur erschaffen, die mehr Herz, mehr Menschlichkeit und mehr Liebe in sich trägt als so mancher Mensch in diesem Film. „Hi no Tori 2772“ deckt dabei eine große Bandbreite an Gefühlen ab. Trotz allgegenwärtiger Düsternis bleibt die Botschaft hoffnungsvoll. Es ist ein Film für die ganze Familie, lehrreich, moralisch klar und dabei nie belehrend.
Handwerkliches:
Die Animation des Films finde ich bis heute butterweich. Es gibt kaum Standbilder und mehrere Szenen wurden sehr aufwendig mit Rotoskopie umgesetzt, wie beispielsweise Godos Kadettentraining. Auch für den Raumhai oder eine dreidimensional animierte Stadtansicht wurden offensichtlich Modelle vorgebaut, abgefilmt und überzeichnet. Das Ergebnis finde ich einmalig schön und habe ich so auch selten gesehen. Der Film Film ist zudem sehr farbenfroh, alles ist hier von Hand koloriert worden und passt stimmungsvoll in die jeweilige Szene. Für Tezukas Charakterdesign muss der Zuschauer eine Vorliebe haben. Ich habe es. Für mich sind seine Figuren in ihrer rundlichen Einfachheit unfassbar präzise und haben hohen Wiedererkennungswert. Auch in diesem Film wird noch deutlich, dass Tezukas frühe Inspirationen beim frankobelgischen Comic und Disney lagen, auch wenn er was ganz eigenes damit erzählte.
Die deutsche Synchronisation finde ich grandios. Die Sprecherleistungen waren schon damals erstklassig. Andreas von der Meden, Heidi Berendt, Monika Gabriel, Günther Jerschke… alles Stimmen, die wir als Zuschauer sofort mit hochwertigen Synchronfassungen verbinden.
Zur Veröffentlichung:
Ich habe diesen Film zum ersten Mal mit sechs Jahren gesehen. Natürlich konnte ich damals nicht alles begreifen, aber ich war sofort fasziniert. Seitdem habe ich ihn über ein Dutzend Mal gesehen. Es ist ein Film, der mich mein ganzes Leben begleitet. Eine zeitlang legte ich ihn mindestens einmal im Jahr ein, weil er mich so fasziniert.
Der Film wurde in Deutschland genau zweimal auf Video veröffentlicht, ebenfalls zweimal bei RTL Plus und erschien erst 2013 endlich auf DVD. Wahrscheinlich wurde die Lizenz damals über die USA bezogen, wo der Film bereits 1982 im Kino lief und von der Zeitschrift Variety als „zu lang“ bezeichnet wurde. Man empfahl, „überflüssige Szenen“ zu kürzen, was in der britischen Fassung dann tatsächlich passierte. Ganze 30 Minuten wurden entfernt. Glücklicherweise blieb die deutsche Fassung davon verschont. Hier erschien der Film zunächst als Videotheken-Tape von All Video, später dann bei MCP-Video, verteilt auf drei Kassetten.
Kurz zur Manga-Vorlage:
Ich habe den Manga-Band „Future“ aus Tezukas Hi no Tori-Reihe dann erstmals 2002 gelesen. Umso spannender war es zu sehen, wie stark sich der Film „Hi no Tori 2772“ davon unterscheidet. Zwar teilt er sich mit dem Manga einige Grundmotive wie die Suche nach dem Feuervogel, den Weltuntergang oder das Thema der Wiedergeburt, erzählt aber eine völlig andere Geschichte. Im Manga steht ein einzelner Überlebender im Mittelpunkt, allein in einem unterirdischen Atomschutzbunker, konfrontiert mit Einsamkeit, Zeit und Sinnfragen. Den Film hingegen finde ich viel breiter aufgestellt. Er zeigt eine ganze Welt, politische Strukturen, mehrere Hauptfiguren und eine stark ausgebaute Handlung. Zudem wird hier der Fokus deutlich mehr auf Emotionen, Beziehungen und gesellschaftliche Kritik gelegt. Für mich war das nie ein Widerspruch, sondern eher wie zwei parallele Linien, die dasselbe Ziel verfolgen, aber ganz unterschiedlich verlaufen. Tezuka konnte das.
Fazit:
„Hi no Tori 2772“ bietet Stoff für fünf Filme, wenn nicht für eine ganze Serie. In nur zwei Stunden erzählt Tezuka eine epische Coming-of-Age-Geschichte, eine tragische Liebesbeziehung zwischen Mensch und Maschine, entwirft eine dystopische Gesellschaft mit harter Systemkritik, stellt philosophische Fragen nach Menschlichkeit, Seele und künstlichem Leben, und spinnt einen spirituellen Plot rund um Tod, Wiedergeburt und den Feuervogel als Symbol des ewigen Kreislaufs. Figuren wie Olga, Saruta oder Rock tragen komplexe Nebenhandlungen, die in anderen Filmen Hauptplots wären. ~ …und trotz dieser Dichte bleibt der Film klar und zugänglich und genau das macht ihn so besonders. Wer damals dachte, Zeichentrick sei seicht, konnte hier bereits eines Besseren belehrt werden.
In seiner komplexen Einfachheit aus meiner Sicht ein perfekter Film!
Beitrag wurde zuletzt am 01.08.2025 17:53 geändert.

Hi no Tori 2772: Ai no CosmoZone
Phoenix 2772
Space Firebird 2772
Hi No Tori 2772: El niño del espacio
Phénix, l’oiseau de feu
L’Uccello di Fuoco 2772













Kommentare
Bildgewaltig und mit großer symphonischer Geste, ganz im fetten Hollywood-Stil, wird der Zuschauer in die traurige und verkommene Geschichte einer Endzeitzivilisation eingeführt, die sich mit der gewohnt rücksichtslosen Ausbeutung der letzten Ressourcen über die Zeit zu retten sucht. Obwohl eventuelle Widersacher in ein isländisches Gulag verfrachtet werden, gibt es immer noch Idealisten, die sowas wie Empathie und Gewissen haben, und die landen natürlich auch dort, obwohl aus jedem besseren Actionfilm bekannt sein sollte, daß dies nur als Sprungbrett dient zum ganz großen, epischen Rundumschlag, dem letztendlich auch das diktatorische Regime zum Opfer fällt.
Und so schwankt also dieser späte Geniestreich von Osamu Tezuka zwischen kolossalem Edelkitsch und minimalistischer Erzählweise, aufgelockert durch ganz viel Kinderquatsch (aber ohne Michael) und musicalartigen Einschüben. Ja, das ist deutlich zuviel des Guten, denn dadurch, vor allem ab der Mitte des Films, wird die eigentliche Geschichte nicht nur verwässert, sondern der ganze Blödsinn fängt auch an, maximal zu nerven, denn der Faden geht öfters mal verloren: man leistet sich ziemliche Längen bei dem bemühten Versuch, auf Teufel komm raus Kurzweil zu verbreiten.
Wie eigentlich immer, schöpft Tezuka auch hier aus dem unermesslichen Inventar westlicher Animationskunst und hängt auch hier seiner Marotte nach, einige seiner Manga-Figuren in verschiedensten Settings auftreten zu lassen. Hier bei »Hi no Tori« sind das beispielsweise Shunsaku Ban, Boon und Rock Holmes, die man alle aus »Metropolis« kennt.
"Westlich" meint hier in erster Linie die Tradition des franko-belgischen Comics, dessen stilistische Eigenheiten überall durchschimmern und die natürlich angemessen archetypisch daherkommen, inklusive der dicken Bösewichtszigarre. Dem passt sich die Animation an, die immer noch das Erbe der Disney-Produktionen in sich trägt. Erkennbar an dem rundlichen Stil mit den butterweichen, geschmeidigen Übergängen Marke "Susi und Strolch".
Zu den sicherlich bemerkenswertesten Momenten gehören die ersten 10 Minuten des Films, wo fast wie im Zeitraffer die ersten Lebensjahre von Godou, dem späteren Helden, unter Verzicht auf jeglichen Text ablaufen und nur die Musik das Geschehen kommentierend begleitet. Wie der Junge unter solchen Umständen Sprechen gelernt haben soll gehört zu den vielen Rätseln dieses Animes, die man besser unberührt lässt.
Insgesamt ein wunderbarer Film mit berauschend schönen Animation, familienfreundlicher Botschaft und leicht philosophischem Touch. Auch wenn hier an manchen Stellen weniger mehr gewesen wäre.