Anmut sparet nicht noch Mühe,Leidenschaft nicht noch Verstandhat Bertold Brecht gedichtet, allerdings in
völlig anderem Zusammenhang. Von Fantasy-Hentai nicht eben verwöhnt, kann man mit der
Anmut halbwegs zufrieden sein.
Mühe kann man punktuell erahnen, aber
Leidenschaft und
Verstand sind komplett inexistent.
Das Cover suggeriert einen fröhlichen, knuffigen Anime mit aufgekratzten Magical Girls plus dann und wann ein paar schräge Monster. Crazy, spacey, aber im ganzen
harmlos. Aber Scheibenkleister. Dieser Anime ist Murks. Vor allem, weil er sich das falsche Genre ausgesucht hat.
»Mahou Shoujo Meruru« gibt sich den Anstrich von Ernsthaftigkeit, indem in Wort und Bild ausführliche Fakten dieser mystischen Welt präsentiert werden, die Authentizität etablieren sollen, damit der Zuschauer mit dieser Welt, die unsere Heldin Meruru durchschreitet, sympathisiere. Seltsame Namen von seltsamen Ländern in seltsamer Schrift. Die Namen haben dabei möglichst unaussprechbar zu sein. Unsere Magierin in Ausbildung hat es dabei noch einigermaßen gut getroffen mit "Meruru Sheckle",
andere sind nicht so glimpflich davongekommen.
Die Landschaften und Bauten dieser mittelalterlich anmutenden Welt sind ganz ansehnlich geraten. Kritisch wird es erst, wenn Bewegung dazukommt. Dieses Setting ist überdies getränkt mit Pseudo-Botschaften und -weisheiten, die wohl sowas wie Sinn transportieren und vor allem das Fantasy-Feeling retten sollen. Aber das muss einfach so sein.
Ok, Schluss jetzt mit dem hochtrabenden Gerede. Das ist kein x-beliebiger Anime, das ist ein Hentai. Und was definiert einen Hentai als solchen? Sex natürlich. Und wie ist der Sex? Scheiße ist er. Warum? Weil er sich beschränkt auf Monster-Rape und Tentakel. Und das durchweg lieb- und lustlos, ohne Leidenschaft und Verstand. Siehe Brecht-Zitat.
Habt ihr's schon mal mit einer Barbie-Puppe getrieben?
So muss man sich die 1. Folge vorstellen, wenn riesige Monster,
muskelbepackte Oger und was das Fantasy-Setting sonst so alles hergibt, sich über die Mädchen hermachen [
Ü18-Screenshot], sie dabei an den Gliedmaßen packen und in Position bringen.
Die Monster wirken sehr hölzern, und aus ähnlichem Material scheint auch ihr Gemächt geschnitzt. Die magischen Mädchen hingegen glänzen durch überwiegend hirnloses Verhalten (blond nicht nur auf dem Kopf) und ansonsten durch zarten, jungfräulichen Körperbau mit sanften, wohlgeformten Brüsten, wohlige Wärme ausstrahlend, schmeichelnd und verträumt wie der stille Halbmond. Besonders die
Blauhaarige mit dem unaussprechlichen Namen hat es mir da angetan; um sie herum hätte man ein schönes, leichtes Fantasy-SoL arrangieren können – aber nein, stattdessen gibt's Rape-Szenen der ekelhaftesten Art.
Diese potentiell vielversprechende Konstellation wird also auf Schritt und Tritt in den Dreck getreten durch dieses grunzende, gnarzende Monstervolk, das zuverlässig jede erotische Stimmung versaut. Immerhin: man kann förmlich riechen, wie sie ihr naturbelassenes Odeur verströmen (nebst anderem, was da so strömen mag) – eine uralte Deodorantwerbung mit "männlich herb" kommt mir da in den Sinn …
Der Anime will vielleicht zuviel auf einmal. Er versucht bemüht die Balance zu halten zwischen Fantasy, Comedy (freiwillig), Humor (unfreiwillig), Horror und Monster-Rape. Und das geht gewaltig in die Hose. Die Bilder sind, wie erwähnt, eigentlich ganz gut, nur die Präsentation, vor allem die der dauergrunzenden Oger und Goblins, ist zum Davonrennen.
Die begleitende Musik ist generell von der unerträglichen Sorte, Synthie-lastig und ... naja ... vorhanden. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Abgesehen von einigen lichten Augenblicken in der 2. Folge, wo sie sich emporschwingt zur epischen Größe spätromantischer Symphonik.
Um dieses Kuddelmuddel von Setting und Sex zu retten, versucht man sich in leichtherziger Comedy, zum Glück weit entfernt von Slapstick und Chibis. Praktisch sämtliche Tropen dieses Genres werden zitiert, unsere wackere Heldin betreibt ihre Magie, indem sie einen furchtbar langen Zauberspruch aufsagt, dem ein halber Roman an einleitenden Beschwörungsformeln vorausgeht. Ich vermute mal, das sollte ein Anflug von Parodie darstellen. Oder wenigstens Fantasy-Atmosphäre.
Die 2. Folge bereichert das Abenteuer der Heldinnen mit monströsen dreiäugigen Zahnschnecken und bunten, fischigen
Echsenmenschen, die sprechen können, ohne das Maul dabei zu bewegen, und die nicht nur Sperma, sondern wahlweise auch Eier absondern. Aus denen später Larven schlüpfen. Den Rest kennt man von Schlupfwespen oder gewissen Aliens. Somit sind wir bei schleimig-schlabbrigem Tentakelsex angelangt, wo es nur so glitscht und glibbert, da muss es ja jeder Frau kommen, nicht wahr?
Ein reißender Fluss wird aufgeboten, der garantiert keinen Meter tief ist, von unten aber eine Unergründlichkeit ausstrahlt wie der
Blautopf. Dramatische Stills mit gewaltigen Speedlines dominieren die Szenerie bei den Schlachten gegen die Unwesen, was aber gegen die Katastrophen, die man bis hierher ertragen hat, nicht wirklich ins Gewicht fällt.
Fazit:
Zu der Frage, warum man das länger als 10 Minuten guckt? Unstillbare Neugier angesichts der zahlreichen schlechten Bewertungen. Ganz so krass und übel fand ich den Hentai am Ende auch wieder nicht, auch wenn die Sexszenen mit zum Langweiligsten gehören, was man sich denken kann. Sicher, Das Setting ist nicht sonderlich originell und beschränkt sich auf das Zitieren von Standardtropen, aber um es kurz zu machen: ich hab schon Schlechteres gesehen.
Beitrag wurde zuletzt am 19.12.2021 17:38 geändert.
Kommentare