Agents of the Four Seasons: Dance of Spring (2026)

Shunkashuutou Daikousha: Haru no Mai / 春夏秋冬代行者 春の舞

Rezensionen – Agents of the Four Seasons: Dance of Spring

Hier findest Du sowohl kurze als auch umfangreichere Rezensionen zum Anime „Agents of the Four Seasons: Dance of Spring“. Dies ist kein Diskussionsthema! Jeder Beitrag im Thema muss eine für sich alleinstehende, selbst verfasste Rezension sein und muss inhaltlich mindestens die Kerngebiete Handlung und Charaktere sowie ein persönliches Fazit enthalten. Du kannst zu einer vorhandenen Rezension allerdings gern einen Kommentar hinterlassen.
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Avatar: Mirrormantiz#1
Summer moved on. And the way it goes you can't tag along.


Agents of the Four Seasons erzählt eine Geschichte in einem Japan, in dem der Wechsel der Jahreszeiten nicht natürlich geschieht, sondern durch auserwählte Menschen rituell eingeleitet wird. Diese sogenannten Akteure werden bereits bei ihrer Geburt von höheren Mächten auserwählt und von einem persönlichen Gardisten begleitet, der sie auf ihrer Reise beschützt.

Die Frühlingsakteurin Hinagiku Kayou wird eines Tages entführt, woraufhin der Frühling für viele Jahre ausbleibt und das Land in einem endlosen Winter verharrt. Als sie unerwartet zurückkehrt, ist die alte Ordnung fragil geworden. Zwischen den vier Nationen haben sich Spannungen aufgebaut, während kriminelle Organisationen beginnen, Jagd auf die Kräfte der Akteure zu machen.


Als ich hier auf AniSearch die Beschreibung um den Mythos hinter der Geschichte zum ersten Mal gelesen hatte, dachte ich, vielleicht wieder einen Anime gefunden zu haben, der Natur und Spiritualität nicht nur als Kulisse nutzt, sondern sie achtsam in seine Welt und Figuren einfließen lässt. Vielleicht etwas in Richtung Mushishi oder Avatar - Herr der Elemente. Stattdessen entpuppt sich das Ganze relativ schnell als ein Politikdrama, das diesen faszinierenden Ansatz kaum weiter verfolgt. Im Mittelpunkt steht dann vielmehr eine Geschichte um einige wenige Figuren und deren (politischen) Spannungen untereinander. Das Problem: Die Serie inszeniert Bedeutung ohne Ende, erarbeitet sie aber nicht.

Eine Geschichte wird für mich nicht dadurch bedeutungsvoll, dass sie ständig große Emotionen inszeniert. Sie wird es dann, wenn ihre Figuren und Beziehungen diese Emotionen glaubhaft aus sich selbst heraus entstehen lassen. Die Serie zeigt mir zwar immer wieder, dass etwas traurig oder bedeutsam ist, nimmt mich aber nur selten auf den Weg dorthin mit. Dadurch wirken auch die symbolischen und emotionalen Momente weniger wie das Ergebnis der Geschichte als vielmehr wie etwas, das sie von Anfang an voraussetzt.

Am deutlichsten zeigt sich das bei der Hauptfigur Hinagiku. Wir lernen sie in der ersten Folge nach ihrer Rückkehr kennen. Obwohl sie offensichtlich viel erlebt hat, begegnet sie der Welt meist lachend und erstaunlich unbekümmert. Erst zur Mitte der Serie erzählt eine Rückblende ihre Entführung. Sie liefert zwar den fehlenden Kontext, ersetzt aber keine emotionale Bindung, weil ich zu Hinagiku bis dahin kaum eine Beziehung aufbauen konnte. Zudem bringt die Rückblende kaum neue Erkenntnisse oder überraschende Wendungen mit sich, sondern bestätigt größtenteils nur das, was ich mir bis dahin ohnehin schon zusammengereimt hatte. Hinagiku existiert nicht zuerst als Mensch und wird dadurch zur Frühlingsakteurin, sondern sie ist von Anfang an die Frühlingsakteurin und erst danach versucht die Serie, sie als Menschen zu etablieren.

Genau deshalb funktionieren für mich andere Geschichten besser. In Attack on Titan habe ich nicht Angst vor Titanen, sondern um Eren und co. . In Made in Abyss weiß ich, dass der Abyss gefährtlich ist, ich empfinde aber Angst, weil Riko dort hinuntergeht, und nicht umgekehrt. Kousei und Kaori aus Your Lie in April sind auch ein Paradebeispiel, wie sich menschliche Gefühle in Beziehung wandeln können.

Die kriminelle Organisation hat zwar eine eigene Motivation, aber eigentlich übt sie nur das aus, was die Handlung gerade braucht. Wenn ein Antagonist nur existiert, damit etwas passieren kann, dann wirkt er funktional und nicht lebendig. Und dann wird dieser Charakter auch noch viel zu spät implementiert. Naja. Dramaturgisch, ja, aber emotional kaum relevant. Die anderen Charaktere leiden unter einem sehr ähnlichen Problem. Sie sind eher Träger einer Idee und verkörpern ihr zugeschriebenes Konzept, entwickeln aber wenig Eigenleben. Auch nicht zum Ende hin.

Und zu der inszenierten Action lässt sich auch nicht viel sagen. Auch da bleibt vieles ohne wirkliche Angst oder Sorge um die Charaktere. Das Schwätzchen auf der Schnellstraße unter Dauerbeschuss in Folge Dreizehn ist so der Peak an Unglaubwürdigkeit. Zudem ist so manche Zuneigung zwischen Akteur und Gardist aufgrund deren Altersunterschied ziemlich fragwürdig. Und dann fehlt halt auch so bisschen der Blick von oben auf die ganze Geschichte. Wie kam es, dass auserwählte Menschen die Manifestation einer neuen Jahreszeit einläuten? Spielt das im Japan unserer Zeit? Wenn ja, wie steht das ganze Land, die Regierung, die Welt dazu?

Auch wenn die letzte Folge strukturell wenig besser macht, hat mich der Abschluss doch irgendwie berührt. Gerade deshalb fällt es mir schwer, diesen Titel am Ende ausschließlich negativ zu sehen. Irgendetwas hat er in mir dennoch hinterlassen; Genug, dass ich ihn eines Tages noch einmal erleben möchte.



Fazit: Die Serie erzählt mir ständig, warum etwas bedeutsam ist, schafft es aber selten, dass es für mich lebendig und bedeutungsvoll wird. Ich war nicht enttäuscht wegen fehlender Tiefe, unsympathischer Charaktere, einer langweiligen Grundidee, nein, sondern darüber, dass die Serie Tiefe und Bedeutung ständig behauptet, sie für mich aber nur selten aus ihren Figuren und ihrer Geschichte heraus entstehen lassen kann.

Ein großer Pluspunkt ist das Finale und das genetisch veranlagte Drum-and-Bass-Opening. Die Synergie aus dem hohen Tempo des Tracks und der bildstarken Inszenierung hat in mir etwas berührt, das in der eigentlichen Serie über weite Strecken meistens ausblieb. Schade eigentlich.
Beitrag wurde zuletzt am 29.06.2026 16:39 geändert.
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