Journal with Witch (2026)

Ikoku Nikki / 違国日記

Rezensionen – Journal with Witch

Hier findest Du sowohl kurze als auch umfangreichere Rezensionen zum Anime „Journal with Witch“. Dies ist kein Diskussionsthema! Jeder Beitrag im Thema muss eine für sich alleinstehende, selbst verfasste Rezension sein und muss inhaltlich mindestens die Kerngebiete Handlung und Charaktere sowie ein persönliches Fazit enthalten. Du kannst zu einer vorhandenen Rezension allerdings gern einen Kommentar hinterlassen.
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Avatar: Mirrormantiz#1
Wer man ist, was man liebt oder auch nicht, und wie man sein Leben führt, findet man schon eines Tages heraus, oder?


Ich habe mal gelesen, mysteriös und unscheinbar zu sein, mache einen interessanter in dieser Zeit. Darauf verzichte ich in dieser Kritik gern: „Journal with Witch“ ist für mich jetzt schon Anime des Jahres und es ist verdammt lange her, dass mich ein Anime-Drama so tief berührt, so tief gepackt hat.

Die Geschichte handelt von der fünfzehnjährigen Asa, die ihre Eltern bei einem Autounfall verliert. Fortan wird sie bei ihrer Tante Makio leben, die sie bei sich aufnehmen wird.

Der Zuschauer begleitet Asa als Dreh- und Angelpunkt durch die Menschen in ihrem Umfeld, während sie selbst noch auf der Suche nach sich ist. Immer wieder richtet sie den Blick nach außen, nur um zu begreifen, dass der Weg zu ihr selbst keiner ist, den jemand für sie gehen kann. Es beginnt eine Geschichte über Zusammenleben, Andersartigkeit und Menschen, die letztlich alle ähnliche Fragen und Gefühle in sich tragen und doch ihren eigenen Weg gehen.

Eines dieser thematisierten Gefühle ist innere Leere. Sie ist still, omnipräsent, nicht immer brutal oder laut. Zu gerne schaut man im Außen, was andere haben, meint vermeintlich zu erkennen, woran sich andere klammern oder wie gut andere mit Umständen klarkommen, mit denen man selbst zu struggeln hat. Die Serie zeigt dabei nicht, wie das Leben sein sollte, sondern wie es sich tatsächlich anfühlt, wenn nichts eindeutig ist.

Die Akzeptanz von Unterschiedlichkeit zeigt, dass Nähe auch ohne klassische emotionale Spiegelung möglich und die Bereitschaft zu Beziehung immer eine eigene Entscheidungsfrage ist. Auch sehr erfrischend: Neurodiversität wird nicht erklärt oder gelabelt, sondern einfach gezeigt und dafür schätze ich dieses Werk brutalst.

Die Charaktere funktionieren weiterhin so toll, weil Wahrnehmung eben rein subjektiv ist und bleiben darf: Wenn man weit genug herauszoomt, wird sichtbar, dass in jeder Perspektive eine eigene Form von Wahrheit liegt und Konflikte nicht deshalb entstehen, weil jemand Recht haben muss. Soll auch heißen: Die Figuren handeln aus ihrem inneren Kern heraus und zeigen Verletzlichkeit. Während Asa durch die neue Beziehungserfahrung mit Makio aufgefordert wird, die Beziehung zu ihrer eigen Mutter zu hinterfragen, hockt man als Zuschauer da und fragt sich, an welchen inneren Vorstellungen man selbst noch festhält und nicht loslassen möchte.

Letztendlich ist „Journal with Witch“ ein Werk über menschliches Dasein und die Selbstverwirklichung von Charakteren, die gesellschaftlich nicht unbedingt beklatscht werden und unauffällig ihr Ding machen, die dafür aber die wenigen richtigen Menschen in ihrem Leben haben. Und diese sind alle absolut fantastisch geschrieben und systemisch in ein großes Ganzes verwoben, das ganzheitlich funktioniert. Viel weniger geht es um das, was passiert, sondern darum, wie Menschen Erlebtes in sich ordnen und sich im Spiegel von Beziehungen wiederentdecken, völlig ohne Kitsch oder irgendeiner vorgegebenen Deutungsmoral.


Fazit: Dieser Anime ist großartige Kunst; Es ist Jahre her, dass ein Anime-Drama mich so tief berührt und begeistert hat. Die Geschichte ist wunderschön geschrieben und eine Erfahrung, die richtig unter die Haut geht, wenn man sich ihr hingeben kann. Makio ist zudem eine der stärksten weiblichen Hauptcharaktere, die ich jemals in einem Anime gesehen habe. Kann ich nur uneingeschränkt weiterempfehlen.
Beitrag wurde zuletzt am 31.03.2026 17:51 geändert.
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Avatar: LebboKeksjäger
V.I.P.
#2
„Die Zeit heilt alle Wunden“ heißt es und Ikoku Nikki gelingt genau das, woran viele andere Titel scheitern: Die Serie nimmt sich Zeit. Zeit für ihre Figuren, Zeit für die Aufarbeitung des Vergangenen und auch Zeit für Gespräche, um im Alltag weitermachen und positiv in die Zukunft blicken zu können.

Demnach beginnt das Ganze mit einem dramatischen Ereignis und zwei völlig unterschiedliche Frauen leben mehr oder weniger freiwillig unter einem Dach. Diese Konstellation habe ich so oder so ähnlich schon etliche Male gelesen und gesehen, aber was mir besonders daran gefallen hat, war diese natürliche Annäherung der beiden. Diese zunächst sehr zerbrechliche und schwierige Situation, aber diese immer größer werdende Vertrautheit, die aber dann auch so leicht und fast schon spielerisch erzählt wird, hat mir sehr gut gefallen. Und dass es dann eben auch bedeutet, sich unangenehmen Situationen zu stellen und an der Beziehung zu arbeiten. Es wird im Laufe der Serie immer wieder das schöne Bild einer Reise durch die Wüste aufgemacht, um zu zeigen, dass die der Suche nach sich selbst und nach Antworten, auch sehr mühsam sein kann.

Aber nicht nur das Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere, sondern auch die Zweifel und Ängste der Nebenfiguren werden gut in das Beziehungsgeflecht verwoben. Es passiert mit einem Selbstverständnis, also so im Vorbeigehen, das man auch die anderen Figuren interessant findet. Meine Lieblingsfolge ist – neben dem tollen Finale – eben jene Folge, in der es verstärkt um den „Partner“ einer der beiden Figuren geht. In einer dieser Alltagsszenen in einem Cafe erzählt er über die gescheiterte Beziehung und dass er nie gedacht hätte, jemals an so einen Tiefpunkt seines Lebens zu kommen. Dass er äußerlich eigentlich alles hat, aber dennoch Probleme in seiner mentalen Gesundheit bekommt. Wenn man selbst denkt und sich sowie anderen sagt, dass alles in Ordnung ist und dann eben doch durch auch äußere Einflüsse in seiner Gedankenwelt in eine negative Spirale gerät.
Das ist die größte Stärke der Serie: Die Autorin hat es sehr gut verstanden, realistische und „echte“ Interaktionen zu erschaffen. Dazu braucht es eben diese Figuren, die mal sehr in sich gekehrt sind, aber auch immer wieder versuchen, über ihren eigenen Schatten zu springen. Aber es benötigt bei der Trauerbewältigung auch das Gespür und das Fingerspitzengefühl für das zwischenmenschliche Miteinander. Es ist interessant zu beobachten, wie man diesen Verlust und den Alltag gemeinsam bewältigen kann. Dabei steht dann der anfängliche Schicksalsschlag gar nicht mehr so sehr im Fokus und auch niemand hat in dem Sinn „Schuld“ oder ist demnach „böse“, sondern es wird dann schon immer reflektierter auf die Vergangenheit geblickt.

Es ist nämlich an keiner Stelle zu überdramatisiert dargestellt. Es passiert eben dann auch viel im Stillen und in der eigenen kleinen Welt. Und ich verstehe, wenn das nicht jeden Zuschauer abholt. Auch ich bin nicht der allergrößte Fan des Genres und oft passiert mir dann eben doch zu wenig. Es ist eben doch ein sehr kleiner Ausschnitt, den die Autorin hier zeigt. Und es ist doch auch anspruchsvoller als zunächst vermutet. Es wird langsam erzählt und es wird auch nicht die großen Wendungen geben. Man muss geduldig bleiben und wird belohnt werden! Es ist auch deswegen so stimmig, weil es sich durch alle Bereiche durchzieht, wenn es immer so angenehm zurückhaltend präsentiert wird. Man muss sich nur mal das Opening anhören und weiß, welche Stimmung hier nun in 13 Episoden herrschen wird. Ein nachdenklicher, fast schon melancholischer Ton aber eben auch ein leichter und dann auch durchaus optimistischer Blick auf den Alltag. Die japanischen Synchronsprecherinnen machen ebenso einen tollen Job und vor allem Makio, als fürsorgliche und auch eher in sich gekehrter Autorin, war Balsam für die Seele. Und auch Asa sticht heraus, weil ich ihre Gedanken und vor allem ihre Verhalten einerseits kindlich, aber dann auch wieder durchaus erwachsen erlebt habe. Man sieht solche „reifen“ Figuren nicht allzu oft und sollte sie daher umso mehr wertschätzen. Und das Ganze wird nicht nur in Ton, sondern auch in Farbe schön zurückhaltend dargestellt. Es ist schon fast eine Art Schleier oder Weichzeichner über diese immer heiler werdende Welt der beiden Hauptcharaktere, die man zu sehen bekommt.

Ich glaube, für die ganz große Wertung hat es bei mir nicht gereicht, weil ich den Figuren noch mehr Zeit gegönnt hätte. Gerade Makio hätte noch mehr Potenzial gehabt, um hier noch etwas mehr Entwicklung zu zeigen. Und ich fand auch den Konflikt mit der Mutter nicht ganz so zu Ende gedacht wie ich es mir gewünscht hätte. Gerade weil sie die beiden Hauptcharaktere verbindet und ein ganz eigenen Verhältnis mit ihr hatten. Da hätte ich mir auch noch die ein oder andere Szene mehr als Conclusio gewünscht, um es vollkommen rund zu haben. Es werden auch Themen nur am Rande angeschnitten, denen man vereinzelt sicherlich noch ein wenig mehr Beachtung hätten schenken können, denn es geht hier sicherlich auch um mentale Gesundheit, um Familie, um Gleichberechtigung und um Partnerschaft. Aber für das, was es in seiner Kombination aus Genre, Zielgruppe und Handlung ist, hat es bei mir sicherlich einer der besten Bewertungen in den letzten Jahren bekommen.

Fazit
Während ich am Anfang geschrieben habe, dass sich die Serie die Zeit nimmt, gibt sie aber auch diese in unterschiedlichster Ausführung zurück und zwar an den Zuschauer. Sie gibt ihnen die Zeit, die Figuren und deren Zusammenleben in Ruhe und auf entspannte Weise kennenzulernen. Und auch die Zeit, um über die Figuren nachzudenken und was es bedeutet, so etwas auch mal stimmig präsentiert zu bekommen. Und letztlich dann eben die Erkenntnis zu haben, so wie ich sie hatte, wie erholsam es ist, auch mal so eine schöne Serie über das menschliche Miteinander mit guten und „echten“ Dialogen genießen zu können. Und somit auch das finale Urteil zu haben, dass sowas sehr selten vorkommt als Animeserie und es viel mehr solcher Titel geben sollte.
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