
AsaneV.I.P.
#1"Unsere Gäste sind Tiere in allen Formen und Farben"
So stellt uns die frischgebackene Kundenberaterin Akino ihren neuen Arbeitsplatz vor. Das Hokkyoku Hyakkaten ist ein Luxuskaufhaus ganz alter Schule. Hochnervös und hochmotiviert leistet sie hier ihren ersten Arbeitstag und ist bis obenhin voll von Enthusiasmus, der sie über ihre Unerfahrenheit retten soll. Eiserne Nerven braucht man dafür und ein unerschütterliches Selbstvertrauen, um all diese Klippen, die überall drohen, schadlos zu umschiffen. Ihr Chef, der überaus wachsame Toudou, der sie auf Schritt und Tritt zu überwachen scheint, ist da nicht immer eine Hilfe. Er ist nirgends und überall, lässt sich aber dann und wann zu nützlichen Tipps herab:
"Reiche Kunden sind wirklich schwierig."
"Wähle deine Worte mit Bedacht."
"Sätze wie 'Können wir nicht', 'Haben wir nicht', 'Weiß ich nicht' sind absolut tabu!"
Das ist in dieser Konstellation natürlich alles sehr klischeehaft und wirkt etwas ausgeleiert. Aber Klischees gehören hier zum guten Ton. Man spielt damit, zitiert, konstruiert viele Topoi und feine Pointen. Die Charaktere stehen also im Mittelpunkt. Und dementsprechend auch der leichtfüßige, nur in ganz wenigen Szenen über die Stränge schlagende Humor, ebenso die unauffällige Musik, unbeschwert dahingetüpfelt.
Das Bild macht anfangs einen etwas grieseligen Eindruck, aber das muss so, das läuft wohl unter "Atmosphäre". Obgleich doch alles sehr genau getroffen ist, erlaubt man sich allerhand Freiheiten, zeichnet skizzenhaft und freihändig, auch stilisierend, daß man meinen könnte, hier sei vielleicht Studio Colorido am Werk gewesen. Recht flächig und in hellglänzenden Pastellfarben erstrahlt diese Zauberwelt, die etwas an Art Déco erinnert und die auch das kleine Mädchen des Anfangs auf Anhieb entzückt. Die grafische Gestaltung der Charaktere dagegen zitiert wohl etwas die Ästhetik der 50er Jahre, gerade in der Mimik (falls sich noch wer an das HB-Männchen erinnert).
Aufmerksamkeit den Kunden gegenüber ist höchstes Gebot. Aber natürlich auch kritische Situationen zu erkennen und es an Höflichkeit nicht fehlen zu lassen – es allerdings auch nicht zu übertreiben und dadurch die Dinge eher zu verschlimmern. Eine permanente Gratwanderung, die nicht nur entsprechende Menschenkenntnis erfordert, sondern in diesem Fall auch eine Menge Erfahrung und Wissen über die sehr verschiedenen Eigenschaften und Bedürfnisse all der tierischen Kunden. Hier gibt's vielfältige Stolperfallen und sie werden auch vielfältig genutzt. Im Dienst der Ausbildung wie im Dienst der Komik. So plätschert im Stile eines Slice-of-Life-Animes die Handlung eine ganze Weile dahin, ehe sich aus den unterschiedlichsten Kundenerfahrungen allmählich kleinere Dramen entwickeln, in denen es darum geht, kleine Komplikationen im Leben zu lösen. Da ist es gut, ein Team hinter sich zu wissen, das einem zur Seite steht im täglichen Kampf gegen die Widrigkeiten des Schicksals.
Wie sich nach etwa zwei Dritteln der Spielzeit herauskristallisiert, geschieht all das nicht nur aus Jux und Tollerei. Dahinter schlummert auch eine Botschaft. Erst als es auf Weihnachten zugeht und der Arbeitsplatz von Akino zur Disposition steht, erfährt man, um wen es sich bei all den Tieren wirklich handelt. Sinnbildlich dafür steht die etwas eigenwillige Ausstaffierung des Weihnachtsschaufensters. Mehr würde spoilern.
Am Ende aber meistert die junge Kundenberaterin natürlich alle Herausforderungen. Eines jedoch scheint keiner ihr eingetrichtert zu haben: Vor Kunden nie rennen! Ist aber egal. Genauso egal, wie man mal wieder "sankai" (3rd floor) sturheil ins deutsche als "3. Stock" veramerikanisiert hat. So beschließt den Film nicht nur ein warmherziges Happy-End, sondern eine rundherum versöhnliche Botschaft inklusive einem Wort zum Sonntag.
PS: wenn das mal nicht eine Referenz an die Aufzugsszene in »Chihiro« ist …
So stellt uns die frischgebackene Kundenberaterin Akino ihren neuen Arbeitsplatz vor. Das Hokkyoku Hyakkaten ist ein Luxuskaufhaus ganz alter Schule. Hochnervös und hochmotiviert leistet sie hier ihren ersten Arbeitstag und ist bis obenhin voll von Enthusiasmus, der sie über ihre Unerfahrenheit retten soll. Eiserne Nerven braucht man dafür und ein unerschütterliches Selbstvertrauen, um all diese Klippen, die überall drohen, schadlos zu umschiffen. Ihr Chef, der überaus wachsame Toudou, der sie auf Schritt und Tritt zu überwachen scheint, ist da nicht immer eine Hilfe. Er ist nirgends und überall, lässt sich aber dann und wann zu nützlichen Tipps herab:
"Reiche Kunden sind wirklich schwierig."
"Wähle deine Worte mit Bedacht."
"Sätze wie 'Können wir nicht', 'Haben wir nicht', 'Weiß ich nicht' sind absolut tabu!"
Das ist in dieser Konstellation natürlich alles sehr klischeehaft und wirkt etwas ausgeleiert. Aber Klischees gehören hier zum guten Ton. Man spielt damit, zitiert, konstruiert viele Topoi und feine Pointen. Die Charaktere stehen also im Mittelpunkt. Und dementsprechend auch der leichtfüßige, nur in ganz wenigen Szenen über die Stränge schlagende Humor, ebenso die unauffällige Musik, unbeschwert dahingetüpfelt.
Das Bild macht anfangs einen etwas grieseligen Eindruck, aber das muss so, das läuft wohl unter "Atmosphäre". Obgleich doch alles sehr genau getroffen ist, erlaubt man sich allerhand Freiheiten, zeichnet skizzenhaft und freihändig, auch stilisierend, daß man meinen könnte, hier sei vielleicht Studio Colorido am Werk gewesen. Recht flächig und in hellglänzenden Pastellfarben erstrahlt diese Zauberwelt, die etwas an Art Déco erinnert und die auch das kleine Mädchen des Anfangs auf Anhieb entzückt. Die grafische Gestaltung der Charaktere dagegen zitiert wohl etwas die Ästhetik der 50er Jahre, gerade in der Mimik (falls sich noch wer an das HB-Männchen erinnert).
Aufmerksamkeit den Kunden gegenüber ist höchstes Gebot. Aber natürlich auch kritische Situationen zu erkennen und es an Höflichkeit nicht fehlen zu lassen – es allerdings auch nicht zu übertreiben und dadurch die Dinge eher zu verschlimmern. Eine permanente Gratwanderung, die nicht nur entsprechende Menschenkenntnis erfordert, sondern in diesem Fall auch eine Menge Erfahrung und Wissen über die sehr verschiedenen Eigenschaften und Bedürfnisse all der tierischen Kunden. Hier gibt's vielfältige Stolperfallen und sie werden auch vielfältig genutzt. Im Dienst der Ausbildung wie im Dienst der Komik. So plätschert im Stile eines Slice-of-Life-Animes die Handlung eine ganze Weile dahin, ehe sich aus den unterschiedlichsten Kundenerfahrungen allmählich kleinere Dramen entwickeln, in denen es darum geht, kleine Komplikationen im Leben zu lösen. Da ist es gut, ein Team hinter sich zu wissen, das einem zur Seite steht im täglichen Kampf gegen die Widrigkeiten des Schicksals.
Wie sich nach etwa zwei Dritteln der Spielzeit herauskristallisiert, geschieht all das nicht nur aus Jux und Tollerei. Dahinter schlummert auch eine Botschaft. Erst als es auf Weihnachten zugeht und der Arbeitsplatz von Akino zur Disposition steht, erfährt man, um wen es sich bei all den Tieren wirklich handelt. Sinnbildlich dafür steht die etwas eigenwillige Ausstaffierung des Weihnachtsschaufensters. Mehr würde spoilern.
Am Ende aber meistert die junge Kundenberaterin natürlich alle Herausforderungen. Eines jedoch scheint keiner ihr eingetrichtert zu haben: Vor Kunden nie rennen! Ist aber egal. Genauso egal, wie man mal wieder "sankai" (3rd floor) sturheil ins deutsche als "3. Stock" veramerikanisiert hat. So beschließt den Film nicht nur ein warmherziges Happy-End, sondern eine rundherum versöhnliche Botschaft inklusive einem Wort zum Sonntag.
PS: wenn das mal nicht eine Referenz an die Aufzugsszene in »Chihiro« ist …
Beitrag wurde zuletzt am 16.02.2025 19:31 geändert.

Hokkyoku Hyakkaten no Concierge-san
The Concierge
Die Concierge
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Le Grand Magasin au Bonheur des Animaux
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