
AsaneV.I.P.
#1Schwerverbrecher, die auf kleine Kinder aufpassen müssen. Das gab es in letzter Zeit ja öfters und es hat also den Anschein, als ob man den Zug nicht verpassen wollte, auf den man aufzuspringen gedachte. Damit man sich aber nicht allzu sehr mit den Mühen der Logik auseinandersetzen muss, macht man eben Comedy draus. Und merkt dabei gar nicht, daß man damit nur die Logiklöcher auf eine andere Baustelle verlegt.
Was die Erzählstruktur betrifft, geht man kein Risiko ein, sondern verfährt nach dem bewährtem Schema: erst eine Handvoll einzelner Episoden, die den neuen, chaotisch-turbulenten Alltag abbilden, dann allmählicher Schwenk in dramatischere Bereiche, denn schließlich hat jede Gegenwart auch ihre Vergangenheit. Und die Vergangenheit der Auftragskiller Kazuki und Rei ist alles andere als rosig und birgt allerlei Risiken für das Projekt Kindererziehung. Wie die Serie immer wieder augenfällig thematisiert.
Daß Miri von all dem nichts mitkriegen soll, liegt aber nicht an ihrer Auffassungsgabe, sondern ist Teil des narrativen Konzepts, das den Kollisionen von schönem Ideal und hässlicher Realität aus dem Wege gehen will. Diese sogar soweit ausblendet, daß bisweilen die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt. Vielmehr verlegt man sich darauf, eine Scheinwirklichkeit zu inszenieren, der die Aufgabe zukommt, zu den lustigen Szenen zu passen. Vieles wäre in echt so gar nicht möglich gewesen, vieles hätte sich auf einfach Art vermeiden lassen (zum Beispiel die Kleine ihr "o-shikko" am Straßenrand hinterm Auto machen zu lassen).
Es scheint, als hätte man ein "Usagi Drop" für Auftragskiller im Sinn gehabt. Um aber der Bürde dieser gefährlichen Profession der beiden Väter wider Willen entsprechenden Nachdruck zu verleihen, geht man gleich am Anfang in die Vollen. Und da sogar zweimal. Nämlich um sehr explizit aufzuzeigen, wie das aussieht, wenn das Killerduo seiner Arbeit nachgeht, bei einer cineastischen Verfolgungsfahrt mit viel Computereinsatz; und natürlich die Aktion, wie es dazu kam, daß Klein-Miri plötzlich zwischen alle Fronten gerät und nur durch gnädige Mithilfe des Skripts die wilde Schießerei überlebt. Leute ballern aus nächster Nähe mit automatischen Waffen rum, und das meiste geht weit vorbei. Und wenn doch mal was trifft, geht's in die Karosserie und sämtliche Personen bleiben durch Plot Armour XXL verschont. Ein eindeutigeres Zeichen, daß diese Serie Comedy werden soll, gibt es eigentlich nicht. Einerseits. Andererseits übt man sich in trockener Drastik, wenn es darum geht, das gestellte Ziel des Anschlags zu eliminieren. Oder besser: zu exekutieren.
Im Prinzip hat diese Konstellation von blutiger Brutalität auf der einen und fürsorglicher Kindererziehung auf der anderen Seite erhebliches Potential an kognitiver Dissonanz. Da kommt es eben drauf an, was man damit macht und wie man damit umgeht, um nicht die Glaubwürdigkeit beider Seiten zu beschädigen. Genau das gelingt nicht immer. Auf Seiten der Komik liegt das daran, daß man auch hier den sicheren, weil vermeintlich leichten Weg gewählt hat, diese Komik dem Zuschauer zu servieren. Nämlich völlig überzogen, mit viel Hampelei und viel Gekreische, und das viel zu oft. Mit einer super-genki und in ihrem Optimismus durch nichts zu beeindruckenden Miri, die alles schlägt, was auf dem freien Markt an Energie und Lebensfreude aufzutreiben ist. Daher entfaltet der Anime seine wahrhaft großen und berührenden Momente eben dort, wo es ruhig zugeht. Wo man zu Einsichten des Lebens und Fragen an die Zukunft gelangt, die im Grunde zu einem gelungenen Familienleben und zu einem im philosophischen Sinne "guten Leben" gehören und die für jeden Einzelnen immer aufs Neue ausgehandelt werden müssen. Die Szene im Riesenrad gehört in dieser Hinsicht zu den besten.
Szenen eines normalen Alltags (der für die beiden Zufallsväter alles andere als normal ist) und Probleme des Lebens innerhalb einer sozialen Gemeinschaft (also außerhalb mafiöser Strukturen) gibt es natürlich auch haufenweise und sie zeigen anschaulich, welchen Herausforderungen sich echte Eltern ausgesetzt sehen. Wie zum Beispiel bei der Anmeldung zum Kindergarten. Bloß ist vieles auch extrem pädagogisch aufgezogen, so nach dem Prinzip "Problem erkannt, Problem gebannt", ebenfalls am ersten Kindergartentag. Denn daß sich schon etablierte Kinder so verhalten wie dargestellt, nehm ich dem Anime nicht ab. Da war mal wieder der Wunsch Vater des pädagogischen Gedankens.
Wie schon in den Episodenkommentaren zu lesen, lässt eine gewisse tragische Begebenheit erhebliche Fragen zum Sinn und zur Motivation für diese Szene offen. Es war vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung des Skripts, Miri nicht mit der Wahrheit zu konfrontieren und statt dessen einen Sprung von 10 Jahren zu machen, der signalisieren soll: Alles ist gut. Was anderes hätte die am Ende bis aufs Äußerste strapazierte Comedy wohl auch nicht vertragen.
Fazit:
Das Zusammenleben von zwei Ersatzvätern mit einem vierjährigen Mädchen vereint viele herzerwärmende Momente mit viel blühendem Unsinn. Allerdings ist es auch so, daß die verkommenen Akteure des organisierten Verbrechens sich oftmals vorbildlich Comedy-kompatibel verhalten. Teils sind gewisse Entwicklungen brillant inszeniert, teils münden sie in dramaturgische Klischees der Art, daß eine narrative Katastrophe die andere jagt. Was mich aber am meisten überrascht hat: daß man zwar gewisse gesellschaftliche Entwicklungen abbildet, ohne sie mit erhobenem Zeigefinger explizit zu thematisieren. Das betrifft in erster Linie das Konstrukt eines alternativen Familienkonzepts, das allseitig akzepiert ist, das sieht man aber auch bei so woke-verdächtigen Themen wie Body Positivity, die man zeigt, ohne sie auszuformulieren. So wünsche ich mir das öfters.
Was die Erzählstruktur betrifft, geht man kein Risiko ein, sondern verfährt nach dem bewährtem Schema: erst eine Handvoll einzelner Episoden, die den neuen, chaotisch-turbulenten Alltag abbilden, dann allmählicher Schwenk in dramatischere Bereiche, denn schließlich hat jede Gegenwart auch ihre Vergangenheit. Und die Vergangenheit der Auftragskiller Kazuki und Rei ist alles andere als rosig und birgt allerlei Risiken für das Projekt Kindererziehung. Wie die Serie immer wieder augenfällig thematisiert.
Daß Miri von all dem nichts mitkriegen soll, liegt aber nicht an ihrer Auffassungsgabe, sondern ist Teil des narrativen Konzepts, das den Kollisionen von schönem Ideal und hässlicher Realität aus dem Wege gehen will. Diese sogar soweit ausblendet, daß bisweilen die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt. Vielmehr verlegt man sich darauf, eine Scheinwirklichkeit zu inszenieren, der die Aufgabe zukommt, zu den lustigen Szenen zu passen. Vieles wäre in echt so gar nicht möglich gewesen, vieles hätte sich auf einfach Art vermeiden lassen (zum Beispiel die Kleine ihr "o-shikko" am Straßenrand hinterm Auto machen zu lassen).
Es scheint, als hätte man ein "Usagi Drop" für Auftragskiller im Sinn gehabt. Um aber der Bürde dieser gefährlichen Profession der beiden Väter wider Willen entsprechenden Nachdruck zu verleihen, geht man gleich am Anfang in die Vollen. Und da sogar zweimal. Nämlich um sehr explizit aufzuzeigen, wie das aussieht, wenn das Killerduo seiner Arbeit nachgeht, bei einer cineastischen Verfolgungsfahrt mit viel Computereinsatz; und natürlich die Aktion, wie es dazu kam, daß Klein-Miri plötzlich zwischen alle Fronten gerät und nur durch gnädige Mithilfe des Skripts die wilde Schießerei überlebt. Leute ballern aus nächster Nähe mit automatischen Waffen rum, und das meiste geht weit vorbei. Und wenn doch mal was trifft, geht's in die Karosserie und sämtliche Personen bleiben durch Plot Armour XXL verschont. Ein eindeutigeres Zeichen, daß diese Serie Comedy werden soll, gibt es eigentlich nicht. Einerseits. Andererseits übt man sich in trockener Drastik, wenn es darum geht, das gestellte Ziel des Anschlags zu eliminieren. Oder besser: zu exekutieren.
Im Prinzip hat diese Konstellation von blutiger Brutalität auf der einen und fürsorglicher Kindererziehung auf der anderen Seite erhebliches Potential an kognitiver Dissonanz. Da kommt es eben drauf an, was man damit macht und wie man damit umgeht, um nicht die Glaubwürdigkeit beider Seiten zu beschädigen. Genau das gelingt nicht immer. Auf Seiten der Komik liegt das daran, daß man auch hier den sicheren, weil vermeintlich leichten Weg gewählt hat, diese Komik dem Zuschauer zu servieren. Nämlich völlig überzogen, mit viel Hampelei und viel Gekreische, und das viel zu oft. Mit einer super-genki und in ihrem Optimismus durch nichts zu beeindruckenden Miri, die alles schlägt, was auf dem freien Markt an Energie und Lebensfreude aufzutreiben ist. Daher entfaltet der Anime seine wahrhaft großen und berührenden Momente eben dort, wo es ruhig zugeht. Wo man zu Einsichten des Lebens und Fragen an die Zukunft gelangt, die im Grunde zu einem gelungenen Familienleben und zu einem im philosophischen Sinne "guten Leben" gehören und die für jeden Einzelnen immer aufs Neue ausgehandelt werden müssen. Die Szene im Riesenrad gehört in dieser Hinsicht zu den besten.
Szenen eines normalen Alltags (der für die beiden Zufallsväter alles andere als normal ist) und Probleme des Lebens innerhalb einer sozialen Gemeinschaft (also außerhalb mafiöser Strukturen) gibt es natürlich auch haufenweise und sie zeigen anschaulich, welchen Herausforderungen sich echte Eltern ausgesetzt sehen. Wie zum Beispiel bei der Anmeldung zum Kindergarten. Bloß ist vieles auch extrem pädagogisch aufgezogen, so nach dem Prinzip "Problem erkannt, Problem gebannt", ebenfalls am ersten Kindergartentag. Denn daß sich schon etablierte Kinder so verhalten wie dargestellt, nehm ich dem Anime nicht ab. Da war mal wieder der Wunsch Vater des pädagogischen Gedankens.
Wie schon in den Episodenkommentaren zu lesen, lässt eine gewisse tragische Begebenheit erhebliche Fragen zum Sinn und zur Motivation für diese Szene offen. Es war vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung des Skripts, Miri nicht mit der Wahrheit zu konfrontieren und statt dessen einen Sprung von 10 Jahren zu machen, der signalisieren soll: Alles ist gut. Was anderes hätte die am Ende bis aufs Äußerste strapazierte Comedy wohl auch nicht vertragen.
Fazit:
Das Zusammenleben von zwei Ersatzvätern mit einem vierjährigen Mädchen vereint viele herzerwärmende Momente mit viel blühendem Unsinn. Allerdings ist es auch so, daß die verkommenen Akteure des organisierten Verbrechens sich oftmals vorbildlich Comedy-kompatibel verhalten. Teils sind gewisse Entwicklungen brillant inszeniert, teils münden sie in dramaturgische Klischees der Art, daß eine narrative Katastrophe die andere jagt. Was mich aber am meisten überrascht hat: daß man zwar gewisse gesellschaftliche Entwicklungen abbildet, ohne sie mit erhobenem Zeigefinger explizit zu thematisieren. Das betrifft in erster Linie das Konstrukt eines alternativen Familienkonzepts, das allseitig akzepiert ist, das sieht man aber auch bei so woke-verdächtigen Themen wie Body Positivity, die man zeigt, ohne sie auszuformulieren. So wünsche ich mir das öfters.
Beitrag wurde zuletzt am 19.08.2025 00:13 geändert.

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