Ich bin durch das virale Staffel 2 Opening von Creepy Nuts auf den Titel aufmerksam geworden und da das Konzept a la "Harry Potter, aber der Hauptcharakter ist Saitama aus One Punch Man" sehr unterhaltsam klingt, bin ich mit einigen Erwartungen an den Titel herangegangen, die an einigen Punkten zwar erfüllt wurden aber in anderen Punkten leider enttäuscht haben.
Handlung & Charaktere:Das Setting ist im Prinzip vor allem am Anfang zum großen Teil eine Harry Potter Parodie: Es gibt eine Schule für Magie, es gibt ein Dumbledore-Equivalent der sich für den Hauptcharakter einsetzt, es gibt einen Malfoy, es gibt Schulhäuser mit Tiersymbolen in die die neuen Schüler von einem magischen Gegenstand basierend auf ihren Eigenschaften eingeteilt werden, es gibt ein Haus welches sich wie Slytherin auf Geburtenrechte und reines Blut stützt, die Schüler können Punkte bzw. Münzen sammeln, es gibt Quidditch, es gibt ein Zauber-Ministerium, auf Menschen ohne Magie wird herabgesehen ect. und viele ikonische Szenen wie die erste Besenflug-Stunde, die schreienden Alraunen, das Labyrinth aus dem tri-magischen Turnier und mehr werden direkt aufgegriffen und parodiert.
Vor allem als Harry Potter Fan wird man eigentlich in fast jeder Folge irgendwelche Plot-Elemente oder Referenzen wiedererkennen.
Die Handlung an sich spielt sich die im groben immer nach dem selben Prinzip ab: Es werden dem Hauptcharakter Mash Aufgaben gestellt oder Steine in den Weg gelegt, für die man normalerweise Magie braucht, aber Mash ist so buff und OP, dass er für alles over-the-top Lösungen parat hat. Darauf baut auch der Großteil der Comedy.
Allerdings beginnt die Serie ab einem Punkt fighting-shonen-esque viele starke ernste Charaktere einzuführen und Kämpfe in den Vordergrund zu stellen. Und hier findet sich auch mein größter Kritik-Punkt: Die Serie nimmt sich für eine Parodie viel zu ernst aber für einen ernsten Fighting-Shonen ist sie viel zu goofy, hat viel zu eindimensionale Charaktere und einen viel zu vorhersehbaren Ablauf. Es ist zum Beispiel witzig wenn in einer Folge ein Gegner auftaucht der sich für den Größten hält und Mash ihm die Faust gibt, aber es fühlt sich mühsam an wenn wenn du einen ernsten Story Arc mit mehreren Episoden hast und du beim Schauen schon weist worauf es hinaus laufen wird.
Und diese Schwäche zeigt sich vor allem bei den Charakteren: Jeder Charakter hat eine Eigenschaft, die in immer wiederkehrenden Gags aufgegriffen wird (Mash's super simple Denkweise, ein Charakter hat einen Schwester-Komplex, ein Charakter ist übetrieben motiviert, ein Charakter himmelt Mash an ect.) aber nichts wirklich darüber hinaus. Es fühlt sich an als ob nicht nur Harry Potter sondern auch Anime und Manga Tropes allgemein parodiert werden. Die Kämpfe und viele der Plot-Elemente die nicht auf Harry Potter basieren sind super generisch und das scheint sich die Serie auch bewusst zu sein - wenn beispielsweise eine böse Gruppierung eingeführt wird, sagt Mash so Sachen wie "ah ja, so einen Plot hab ich mir als kleines Kind auch mal ausgedacht". Dann aber wirklich für mehrere Episoden einen kompletten typischen Shonen-Arc mit mehreren 1vs1 Kämpfen durchzukauen fühlt sich mühselig an.
Die Charaktere funktionieren für schnelle Gags in einem Comedy-Titel, aber wenn du auf einmal möchtest dass der Zuschauer die Story und Charaktere ernst nimmt und mit ihnen mitfiebert, dann müssen diese auch mehr bieten können. Selbst vergleichbare eher einfachere Fighting Shonen wie Fairy Tail bieten im Vergleich zu Mashle Charaktere mit mehr Facetten und Entwicklung. Das finde ich sehr schade.
Es liest sich bisher vielleicht so als würde ich generell Fighting Shonen nicht mögen, aber das ist keineswegs der Fall: Ich bin ein großer Fan. Aber für Mashle hätte ich mir gewünscht wenn es entweder beim Fokus auf den Parodie-Aspekt geblieben wäre oder wenn es Gintama-like für ernste Arcs auch wirklich die Gags runtergefahren und den Charakteren mehr Tiefe gegeben hätte. Aber so kann es halt weder als Parodie noch als Fighting Shonen wirklich glänzen.
Ich hatte beim Schauen das Gefühl, dass der Autor hier eine witzige Idee für ein Setting hatte, aber dann nicht so recht wusste in welche Richtung es gehen soll.
Animation:Da ich wie bereits erwähnt durch das Staffel 2 Opening auf die Serie aufmerksam geworden bin und dieses in einem sehr kreativen Stil gehalten und auch ziemlich nice animiert war, hatte ich recht hohe Erwartungen an die Animation. Das hat sich leider nicht wirklich erfüllt. Jedoch würde ich auch nicht sagen dass die Animation schlecht ist. Die Key Szenen in den Kämpfen sind flüssig und detailliert und allgemein ist die Serie auf einem durchschnittlich gutem Niveau. Du hast hier keine Qualitätseinbrüche mit offmodel Charakteren, endlose Standbilder oder ähnliches aber es ist halt auch kein One Punch Man Staffel 1.
Musik:Die Musik hat mir sehr gefallen und passt perfekt zum Konzept der Serie: Die Serie verbindet Muskeln & Power-Fantasy Momente mit klassischer Fantasy und dementsprechend verbindet die Musik in Mashle
Sawano-esque Hype-Tracks mit Hip Hop Vocals und
klassische orchestrale Filmmusik wie aus Harry Potter.
Den Soundtrack werde ich auf jeden Fall auch in Zukunft immer wieder mal durchhören.
Fazit:Auch wenn ich gerade im Bereich Handlung und Charaktere viel Kritik geäußert habe, ist Mashle doch recht unterhaltsam. Ich denke man sollte nicht mit zu hohen Erwartungen an die Serie rangehen und keinen ernsten Fighting Shonen a la My Hero Academia oder einen reinen Parodie Comedy Titel erwarten.
Ich würde Mashle vor allem Leuten empfehlen, die Power Fantasy Comedy mögen und nicht allzugroßen Wert auf mehrschichtige Stories oder Charaktere legen.
Ich selbst werde die Serie weiterschauen und hoffe dass sie in weiteren Arcs eine bessere Balance zwischen Comedy und ernsten Parts findet. Und ich hoffe auch dass die Charaktere interessanter gestaltet werden, zB. dass Lemon in Zukunft auch mal was macht xD
Beitrag wurde zuletzt am 05.03.2026 11:27 geändert.